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wor Man wußte bald Rat zu schaffen. Man nahm die Stühle und zog in den Restaurationsgarten unter Lre schattigen Bäume.

Hier hatten sich auch unterdessen die Vertreter der kirchlichen und staatlichen Behörden eingefunden: Dom­kapitular Prof. Dr. Thielemann, Fulda, als Vertreter Sr. Exzellenz des Hochwürdigsten Herrn Bischofs von Fulda, Propst und Ehrendomherr Poppe von Heiligen­stadt, der Regierungspräsident F r e y s e n g von Erfurt mit Oberregierungsrat Krampe, den Landräten von Mühlhausen und Worbis und Bürgermeister Haendly aus Dingelstädt. Man improvisierte eine Rednertribüne durch zwei zusammengestellte Tische. Bezirkspräses Präfekt Bolte aus Heiligenstadt entbot den Will­kommengruß und dann sprachen die Vertreter der Be­hörden. Zum ersten Male erscheint ein Regierungs­präsident von Erfurt bei einer solchen Tagung. Das gab dem Feste eine besondere Note. Er gab seiner Freude Ausdruck, daß im Eichsfelde fruchtbare Jugendpflege getrieben werde. „Kreuzebra haben wir das Banner des Bezirkes verliehen, nicht weil es auf dem Gebiete des Sportes Besonderes leistete, son­dern weil es vorausahnende Arbeit im Dienste der Ge­samtheit, freiwilligen Arbeitsdienst leistete!" Er wies auf die Not der Jugend; nicht die Republik habe sie ver­schuldet, sie sei ein Weltüble, das auch die Siegerstaaien belaste. Sein Dank galt allen, auch den Meistern. Ein­heitlich sollten sie mit den Gesellen die Not der Zeit zu meistern suchen. Dann hielt Dr. R e i n e r m o n n die eigentliche F e st r e d e, in der er in packender Weise die Gedanken ausführte, daß wir treu zu uns selbst und unserer Ueberzeugung stehen sollten, treu zu Kolping, seinem Geiste, seinem persönlichen Beispiel, treu zu seinem Werke, dem Gesellenverein, der nicht durch Il­lusionen befreien will, nicht mit leidenschaft­lichem, nationalem Stolz gegen das Schicksal ankämpft, sondern durch die Taten einer opferbereiten, hochgemuten Jugend die Schicksalswende zum Besten für alle zu gestalten suchen soll. Propst Poppe sprach das Schlußwort. Machtvoll klang dann zum Abschiede der Gruß an das Vaterland: „Deutschland, Deutschland über alles!" Das Eichsfeld hat wieder gezeigt, daß es geschloffen katholisch ist und daß seine Jugend das Erbe seiner Väter als bestes Gut hüten wird.

Die Rede des Vertreters des Hochwürdigsten Herrn Bischofs wollen wir ausführlicher mitteilen, weil sie programmatisch die Kernpunkte der Tagung zusammen­faßt:

Zu einer großen Heerschau haben sich die Mitglieder und Freunde des Gesellenvereins versammelt. Das t r eu e, katholische Eichsfeld hat sie gerufen. Ueber die großen weltgeschichtlichen Stürme hinweg ist es dem Glauben seiner Väter treu geblieben, hat es ein glaubenserfülltes Leben auch unter größten Opfern als bestes Erbe feiner Vergangenheit sich zu erhalten gesucht. Das sagt uns auch die heutige Heerschau. Wie würde Euer Bischof sich freuen, wenn er heute Zeuge dieser Kundgebung sein könnte, wenn er die leuchtenden Ge­sichter dieser Jungmannen schauen könnte, die von allen Seiten herbeigeeilt sind, um in einer Zeit gren­zenloser Verwirrung sich wieder die Richtlinien zu holen, nach denen sie leben sollen, um in einer Zeit schreckenerregender sittlicher Verwilderung sich in der hei­ligen Opfergesinnung von neuem zu bestärken zum Kampfe gegen sittliche und wirtschaftliche Not, in der wir zu versinken drohen. Euer Bischof konnte nicht kom­men, aber er denkt wie ein Vater an seine lieben Söhne, und er hat mich zu Euch gesandt, um Euch seinen Gruß und mit ihm seine ganze apostolische Liebe zu über­mitteln. Er spendet Euch seinen Bischöflichen Segen für Eure Verhandlungen und Eure Arbeiten im Geiste Gottes für die Zukunft. Er hat mich auch beauftragt, Euch den Dank für Eure Treue auszusprechen, den Dank an alle Euere Führer weiterzugeben, an Euere eigenen Vorstände, wie Euere geistlichen Präsides, und alle die, welche, wie Herr Winkler, Euch die Wege weisen in dem Dunkel der Zeit. Es ist für den greisen Bischof der erhebendste Trost, daß er auf Euch bauen kann, und er bittet darum, daß Ihr der Fahne Christi folgt und für Euern Heiland eintretet durch Wort und Tat.

Euer Bischof weist Euch heute, da Ihr als treue Kolpingssöhne über Euere Berufsaufgaben im Rin­gen und Kämpfen unserer Tage beraten habt, auf das Rundschreiben „Quadragesimo anno" un- s^eres 5) e i l i g e n Vaters hin, jenes Rundschreiben, vurch das er das Rundschreiben seines Vorgängers „Rerum novarum" von neuem als die magna Charta aller sozialen Arbeit hinstellt, und aus dem er dann die praktischen Folgerungen für die Gegenwart zieht Eine wirtschaftliche Not und in ihrem Gefolge eine politische Verwirrung und sittliche Verwilderung ist über die ganze Welt in einem Ausmaße gekommen wie sie kaum je gewesen ist. Im letzten Grunde ist diese Not auf den Abfall von Gott und der von ihm gegebenen sittlichen Ordnung zurückzuführen. Pius XI. verlangt deshalb eine soziale Zuständereform und eine innere sittliche Erneuerung, wie sie dem Willen Gottes mtspricht. Er verwirft die mechanische Staatsauffas- ung unserer Tage, die nur Einzelpersonen kennt und in Staate nur die zwangsmäßige Zusammenfassung Derselben sieht. Der mechanischen Staatsauffassung teilt er die organische entgegen. Sie unterscheidet zwi- chen Gesellschaft und Staat. Er läßt den Staat aus ven besonderen gesellschaftlichen Vereinigungen sich bil­

den und gibt ihm seine übergeordnete entscheidende Autorität, ohne den ihm eingeordneten Gesellschafts- Mitgliedern ihr eigenes Recht mit eigenen Aufgaben zu nehmen. Aus diesen grundsätzlichen Voraussetzungen leitet nun der Papst die wesentliche Form der Gesellschaftsordnung ab, und er findet sie in der berufsständischen Ordnung. Wie die Menschen durch nachbarliche Verbundenheit sich zu Gemeinden und re­gional weiter umfassenderen Gemeindeverbänden zu­sammenschließen, die dann im Staate ihren Abschluß und ihre Krönung finden, so werden sie auch durch die­selbe Betätigung und dieselben Aufgaben im Berufe zu­sammengeführt. Der Beruf vereint die Menschen in der Gemeinsamkeit ihrer Aufgaben für die Bedarfsbefrie­digung der Gesellschaft. Wie nun jeder Berufsstand seine besonderen wirtschaftlichen und sozialen Aufgaben zu erfüllen berufen ist, so wollen alle im gegenseitigen Ausgleiche in Unter- und Ueberordnung dem Gemein­wohl des ganzen Volkes dienen.

M. H. Gerade das Handwerk sieht auf eine ruhmvolle Geschichte im Mittelalter zurück, wo seine Innungen von diesen Ideen getragen waren und sie zum Besten der Allgemeinheit verwirklicht haben. Die berufsständische Ordnung, wie sie der Heil. Vater für die Gegenwart fordert, kann und darf allerdings keine mechanische Nachahmung der mittelalterlichen Zünfte­ordnung werden. Sie hat einen ganz anderen sozialen und wirtschaftlichen Untergrund. Der Geist aber muß derselbe sein. Diesen Geist hat Kolping dem Gesellen- oerein eingeflößt, als er die einzelnen Vereine und dann auch den Verband im Zusammenschluß der Ver­eine familienhaft aufbaute, als er im Berufe Meister, Geselle und Lehrling als eine unzertrennliche Gemein­schaft zu fassen verlangte, die mit den übrigen Per­sonen desselben Berufes zum Berufsstande mit eigenen Aufgaben, selbständigen Rechten und besonderer Be­rufsehre sich zusammenfinden sollten. Es war des­halb auch selbstverständlich, daß der Gesellenverein beim Erscheinen der Enzyklika sich sofort bekenntnisfreudig auf den Boden derselben gestellt hat und die Einfüh­rung in ihr Verständnis schon wirksam in die Hand genommen hat. Die wachsende Kompliziertheit unserer wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse legt allerdings den einzelnen Vereinen die Pflicht auf, nur unter Füh­rung durch die Verbandszentrale das große Rund­schreiben für sich auszuwerten.

Der Zuständereform muß dann die innere seelische Erneuerung im christlichen G e i st e sich anschließen. Wie tief ist die Wirtschafts­moral der Welt in unseren Tagen gesunken! Die Er­werbsgier ist in leidenschaftlicher Auspeitschung zum Höchstmaß gesteigert. Sie läßt im Wettbewerb mit den anderen alle höheren Rücksichten vergessen. Ist es nicht eine Tatsache, daß gerade im Handwerk der Konkur­renzneid zum Kampfe aller gegen alle führt, daß des­halb der Beruf nicht eint, sondern zum Kampfplatze wird, der die Berufsgenossen scheidet, den Berufsstand nie zu einer geschlossenen Einheit und zum einträg­lichen Arbeiten für den ganzen Stand und in ihm für feine einzelnen Mitglieder werden läßt? Abep die Ver­hältnisse liegen noch schlimmer. Es ist bedauerlich, wenn zuweilen auch in unserer Kreisen die Parole laut wird: „Geschäft ist Geschäft!" Sie besagt nichts an­deres, als daß man im Geschäft nicht bloß höhere Rück­sichten, sondern auch die verpflichtenden sittlichen Bin­dungen glaubt außer acht lassen zu dürfen. Der Zu­sammenbruch unserer Wirtschaft läßt uns in Abgründe sittlicher Verkommenheit schauen Wir empfinden es schmerzlich, daß soviel Unehrlichkeit und Betrug sich zeigt, wenn man die Unwissenheit des Publikums glaubt ausnutzen zu können. Die Not wird als Ent­schuldigung entgegen gehalten; wir lassen sie als Mil­derungsgrund, niemals aber als Entschuldigung gelten; die Not ist zumeist nicht Ausgangspunkt für dieses Ver­halten, sondern die unehrliche und unsittliche Auffassung des Erwerbslebens und ein Leben über den Stand hin­aus. Die Not ist dann allerdings die Ursache für den Zusammenbruch dieser Wirtschaften geworden und of­fenbart dabei das sittliche Faule in denselben. Seien wir ehrlich, m. H. Lassen Sie uns auch einmal die Notlage unter einer höheren Rücksicht betrachten. Gott vollzieht in unserer Notlage einen großen Läuterungs­und Reinigungsprozeß.

Darum, meine lieben Freunde, laßt Kolpings Pa­role, die Ihr so oft begeistert besungen habt, zur ent­schiedenen sittlichen Tat werden: „Gott segne das ehr­bare Handwerk!" Der Gesellenverein ist nur ein Teil des ganzen Berufsstandes. Aber Ihr seid die Jung­mannschaft, die der kommende verantwortliche Träger des Berufs wird, möget Ihr das Glück haben. als selbständige Meister später tätig fein zu können, oder auch. nur in größeren Betrieben als gereifte Männer in beruflicher und sittlicher Beziehung den Rückhalt für das nachwachsende Geschlecht zu werden. Haltet fest an dieser beruflichen Gemeinschaft, daß Ihr nichts ohne Eure Meister, aber auch diese nichts ohne Euch tun. und daß Ihr Euch beide verantwortlich fühlt für die Erziehung des Nachwuchses in den Lehrlingen. Wir wollen der Jugend gern den Vorrang der Initiative lassen; aus der Zeit geboren, sollt Ihr die kommende Zeit formen; bedenkt aber, daß das Alter die Erfah­rung für sich hat und daß der Schatz der Weisheit, die es in sich schließt, ein Gut ist, das Ihr niemals straf­los unbeachtet lassen könnt. Ihr steht auf den Schul­tern des vorangegangenen Geschlecht»; eine Jugend,

Kummer 26 / Seite 11.

die traditionslos das Erbe der Vergangenheit beiseite schiebt, eine Jugend, die nicht Ehrfurcht vor dem Allter hat und die Autorität nicht anerkennt, wirkt revolu- üonär zerstörend, aber nicht sozial und sittlich aufbauend. So steht denn fest zusammen unter Kolpings Fahnen in Kolpings Geist! Christus, König der neuen Zeit! Mag die Welt um uns in Verwirrung zusammenbre­chen, wir wollen ihr zum Führer werden, damit Christi Reich gestützt, Christi Reich von uns ver­breitet wird, uns und unserem Berufe zum Segen, zum Wohle unserer Mitmenschen und des Vaterlandes und Gott zur Ehre!

8alh»Ii!che ZugenS auf dem Barmst d).

Aus fast allen deutschen Landen kommt die Kunde von dem sieghaften Vormarsch der katholi­schen Jugend. Allüberall flattert Christi hehres Banner, umtost von der Feinde Ansturm. Fest steht darum geschart die Jugend der katholischen Bünde. Wo Christi Siegeszeichen weht, da fehlt auch die K a uf» mannsjugend nicht! Wer die Tage des Limburger Bundestages des Jung-KKV. erleben und mitmachen konnte, wird von diesem Zusammenstehen das Bild er­halten haben, das heute katholische Jugend prägt: Wenn es für den König gilt, ist alles zur Stelle!

Schon das äußere Auftreten zeigte dieser alten Stadt, daß hier ein Wollen am Werk ist. Die schmuk- ken Kreuzschiffbanner belebten das Straßenbild und be­kundeten den festen Willen, Christi Kreuz auf das Schiff des Kaufmannes, aufs Lebensschiff zu setzen. Und dann — sehr schnell waren überall die Grauhemden der Schwarzen Schar, unserer Pfadfinder bekannt. Hier war zu spüren, daß straffe Disziplin auch katholischer Jugend eigen ist. Die Teilnehmer aus den Diaspora­gauen werden sehnlichst wünschen, daß auch einmal in ihren Notgebieten eine so stattliche Anzahl junger Ka­tholiken dem Leben das Gepräge geben möge. War bei dem Fackelzug der Fünfzehnhundert nicht gerade das tiefe Schweigen der sinnvolle Ausdruck dafür, daß wir durch die Tat beweisen, treu und ernst den Weg der Pflicht zu gehen?

Wem aber wäre die Eröffnungsstunde nicht unver­geßlich, als nach dem Einmarsch der Banner das Gebet des Herrn die Tagung eröfnete! Und es ist der katho­lischen Jugend nicht Phrase, wenn sie mit ihrem Christ­könig an die Arbeit geht und mit ihm alles Werken beschließt. Der Gruß an die Himmelskönigin war nicht weniger eindrucksvoll: Die Scharen zogen kerzentragend durch die Hallen des Domes, mußten hinaus auf die Straße, weil die Räume nicht alle faßten; immer wie­der klang das Lied der Jugend an die Himmelskönigin auf: „Meerstern, ich dich grüße!" So durchzog die Ta­gung immer wieder der Gedanke, in dem wir alle einig sind: Katholisch wollen wir sein bis ins Mark! So würdigten wir die Worte des Limburger Oberhirten, so gedachten wir der verstorbenen und gefallenen KKVer, so vereinigten wir uns beim Mahle des Herrn. Wenn Hunderte Jungkatholiken ihre Kraft aus dem Herrn nehmen, kann es um ihre Sache nicht schlecht bestellt sein!

Darum vereinte auch die Vertreter in den Arbeits­kreisen das Streben, die Grundlagen für die Zukunfts­arbeit zu schaffen. Mit Ernst wurden die Fragen, die aus der Notzeit Hervorbrechen, behandelt und Lösungen versucht. Als Ergebnis aber konnte am Samstag der Oeffentlichkeit ein Gesetz verkündet werden, das von jedem Jung-KKVer ganzen Einsatz der Kraft für Volt, Familie und Kirche verlangt. Den Schwur, von den Gauführern geleistet, wollen alle Gruppen im deutschen Lande erfüllen, wollen den Weg gehen, den der Bund sich gewählt. So galt der immer wieder aufbrechende Jubel und Dank der Jung-KKVer ihrem Führer, ihrem „General" Albrod, der wirklich erst die Grundlagen für den Aufbau des Bundes in heutiger Form gelegt hat. Diese Begeisterung war nicht gemacht, sie kam aus dem Herzen; sie war nicht gezwungen durch Be­fehlsgewalt, sondern jeder spürte: Diesem Führer bist du zu Da-K verpflichtet!

Katholische Jugend marschiert! Aber mit ihr mar­schiert auch die ältere Generation! Voll Freude konnte in Limburg festgestellt werden, daß der KKV. das Wir­ken seiner Jugend nach Kräften unterstützt, daß er ihr jederzeit zur Seite steht. Die Jugend hat ja einst die Aufgaben zu erfüllen, die die Zeit jetzt stellt: Die Neu­ordnung des Lebens, der Wirtschaft nach berufsständi­schen Gesichtspunkten — wie sie auf dem Erfurter Der- bandstag des KKV. richtungweisend aufgezeigt wurde — wird durch die kommenden KKVer zu erfüllen sein. So will die Jugend hineinwachsen in den KKV., sich in ihm verankern, auf daß katholische Tat neues Leben wecke.

Tage voll Begeisterung, voll Freude, voll Freund­schaft und gemeinsamen Fühlens, voll Arbeit sind uns in Limburg geschenkt worden. Nun gilt es, diese Ge­danken hinauszutragen, sie zu verwirklichen. Mögen alle, die dazu berufen sind, nach besten Kräften mit­helfen, das große Werk: Erneuerung des Kaufmanns­standes im christlichen Geiste, durchführen. Alle Dias­poragruppen aber sollen erstarken, sollen sich bewußt fein, daß gerade sie einen großen Teil dabei mitzu-