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der Blinden. Jesus aber ist die Wahrheit selber und die Quelle aller Wahrheit, am welcher alle Ströme der Weisheil und Wissenschaft sich ergießen.
„Du hast Worte des ewigen LebLis" Nicht unerträgliche, nicht harte, nicht unverdauliche Worte, nein liebliche, angenehme, willkommene, deren Beobachtung das zeitliche Leben glücklich macht und die Seligkeit des ewigen Lebens garantiert. Worte die nimmer vergehen werden. auch wenn alle Aussprüche gefeierter Lehrer und hochgepriesener Philosophen schon längst dem Fluch der Vergessenheit anheimgefallen sind.
„Und wir glauben und haben erkannt." Sieh, wie demütig Petrus ist: den Glauben stellt er voran. Ich maße mir nicht an, will Petrus sagen, das Rätsel deiner Persönlichkeit restlos zu ergründen oder die Tiefe deiner Worte zu ermessen oder die Forderungen deiner Gebote zu verstehen. Das ist aber gar nicht nötig. Mir genügt der Glaube. Wir glauben „und haben erkannt". Wie tröstlich für uns, daß Petrus auch die Erkenntnis hinzufügt. Obwohl Petrus nur ein Fischer war und keine Höhe-ren Schulen besuchte und keine wissenschaftlichen Werke las oder, schrieb, besaß er doch einen gesunden Menschenverstand, scharfe Beobachtung, kritischen Sinn. Zum Glauben kam die Erkenntnis aus dem ganzen Charakterbild Jesu, das er täglich vor sich sah, aus seinen Lehren, wie man bisher noch keine vernommen, aus seinen Wundern, die wie die Glieder einer Kette sich aneinander reihten, die Erkenntnis von Jesu ungewöhnlicher, übermenschlicher Persönlichkeit und Würde.
„Daß du bist Christus der Sohn Gottes." Das sind eben die beiden großen Erkenntnisse, die dem Apostel- fürsten aufgegangen sind: Jesus von Nazareth ist „der Christus, der Messias, der verheißene große Prophet, der verkündigte Erlöser, der Sohn Davids, der Stern aus Jakob". Und seine Würde überstrahlt die eines bloßen Menschen um ein unendliches. Petrus begreift, daß Jesus „der Sohn Gottes" ist; Sohn Gottes nicht wie andere Menschen. die auch Kinder und Söhne Gottes in der Sdjrift genannt werden. Denn wir sind dies nur im bildlichen, uneigentlichen Sinn; Kinder Gottes aus Gunst und Gnade. Jesus aber ist Sohn Gottes im natürlichen und eigentlichen Sinn, Sohn Gottes von Natur und Wesenheit, einer Natur mit dem Vater. Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott.
Das ist nun gerade die Fundamentallehre unseres hl. christ-katholischen Glaubens: Jesus ist der Messias, und Sefus ist wahrer Gott und Mensch zugleich. In dieser Erkenntnis und in diesem Bekenntnis ist Petrus als Führer vorausgegangen. Diese Führerrolle hat er im ganzen Leben beibehalten. Hören wir darüber den beredten Mund des hl. Johannes Chryfostomus:
„Petrus besuchte von Stadt zu Stadt alle Jünger des Herrn, alle Christen. Er handelte wie ein General, der feine sämtlichen Truppen mustert, ob alles in Ordnung ist, wo seine persönliche Gegenwart, sein Eingreifen nötig ist. Er eilt an alle Orte und ist allerwärts der erste. Handelt es sich darum, den Juden zu antworten, welche die Apostel der Trunkenheit bezichtigten, Petrus ist der erste. Gilt es, einen Lahmen zu heilen, die Heiden herumzubringen: den Petrus sieht man vor allen andern. Muß man mit der Obrigkeit reden: er ist es, der seinen Mann stellt. Wenn es nötig fällt, den Ananias und die Saphira zu bestrafen, Heilungen durch den bloßen Schatten zu vollbringen: immer ist es Petrus. Man findet ihn überall, wo eine Gefahr droht, überall, wo es eine Angelegenheit zu schlichten gibt. Wenn die Sachen von selbst sich erledigen, dann nimmt alles seinen gewöhnlichen Lauf, und Petrus nimmt weiter feine Ehren in Anspruch. Wenn es aber darauf ankommt, ein Wunder zu wirken, eine Arbeit zu verrichten, eine Inspektionsreise zu machen, dann tritt Petrus auf den Plan."
Weißt du auch, auf wen die Führerrolle des hl. Petrus übergegangen ist? Auf den Bischof von Rom, den Hl. Vater. Und weißt du, messen Stellvertreter der Papst ist? Christi Stellvertreter; also nicht Stellvertreter eines Menschen, sondern Stellvertreter Gottes. Darum auch die gewaltige,
unwiderstehliche Autorität. deren die Enzykliken, die Rundschreiben, die Ansprachen, die Entscheidungen des Papstes sich erfreuen. Damit erzwingt sich der Papst die Bewunderung selbst nichtkatholischer Kreise. So schrieb vor einem Jahr eine Anglikanische Zeitschrift: „Wir können Rom unsere Bewunderung nicht versagen über sein entschlossenes „Ja" oder „Nein" in allen Streitfragen."
Der Talpfarrer.
Suchet zuerst das Reich Gottes!
Ium sechsten Sonntage nach Pfingsten.
Das heutige Evangelium berichtet ein ähnliches Ereignis wie das Evangelium des vierten Falten- sonntags: Christus sättigt durch eine wunderbare Vrotvermehrung das hungernde Volk, das ihm in die Wüste gefolgt ist. Wir lohen wiederum das gleiche Bild: die Volksscharen, die zum Osterfeste nach Jerusalem ziehen, verlassen die große Pilgerstraße, als sie auf Jesus treffen, sammeln sich um ihn, wandern ihm drei Tage lang nach, achten nicht des beschwerlichen Weges, des heißen Sonnenbrandes, des harten Nachtlagers auf bloßer Erde, vergessen Hunger und Durst über ihrem größeren
Dem Aposteifürsten!
Wie soll mein Loblied würdig dir erklingen, Apostelfürst, den einst dem Erdenrund Zum Haupt gesetzt in weihevoller Stunde Der Herr, der niederstieg, das heil zu bringen?
Nur Christi Worte weiß ich dir zu singen: „LSn Fels bist du!" so tönt's aus seinem Wunde, „Die Kirche ruht auf diesem Felsengrunde, Und nie wird Höllenmacht sie niederringen!"
Manch ein Jahrhundert ist dahingeflossen;
Wahr bleibt das Wort, das Christi Mund gesprochen;
Sein starker Arm hält schützend dich umschlossen.
Ob auch von giftigem Gewürm umkrochen, Von mancher Sturmflut jählings übergossen. Steht Petri Fels doch ewig ungebrochen.
P. Expeditus Schmidt.
Hunger nach der frohen Botschaft des Herrn, über der Not ihrer Seele, die nach einem Helfer, einem Erlöser ruft. Wie gewaltig muß doch die Predigt des Heilandes die Menschen im Innersten gepackt und aufgewühlt haben, daß Tausende von Männern und Frauen so die dringlichste Notdurft des Leibes außeracht ließen, sich ohne Bedenken der Gefahr des Hungertodes aussetzten, nur um seinen Worten lauschen zu können!
Nun ist der Reisevorrat der Pilger erschöpft und weit und breit gibt es keine Menschenwohnung, wo sie sich Nahrung beschaffen könnten. Schon macht sich bei vielen die körperliche Erschöpfung bemerkbar. Da wird der göttliche Seelenarzt wieder zum Helfer aus leiblicher Not. „Mich erbarmet des Volkes!" Kein Wort, das tiefer und schöner das Erlöserherz kennzeichnen könnte! Diest armen Menschen, die ihren Leib hungern und darben lassen, um Nahrung für ihre Seelen zu finden, sollen ihm nicht umsonst vertraut haben. Heilands- erbarmen bedeutet Heilandshilfe. Und so hilft er ihnen mit einem Wunder seiner Allmacht und Liebe. Mit sieben Broten und einigen gedörrten Fischen sättigt er die Viertausend, die zu seinen Füßen lagern.
Tiefmenschliches Erbarmen mit leiblicher Not hat den Gottmenschen zu diesem Wunder veranlaßt. Aber wie bei all seinen Wundern hatte er noch einen anderen, höheren Zweck im Auge. Durch die Tat wollte er hier eine Lehre geben, die er früher bereits mit Worten gegeben hatte: „Suchet zuerst das Reich Gottes und feine Gerechtigkeit, und dieses alles wird euch zugegeben werden!"
Das soll keineswegs heißen, daß wir uns nicht u das sorgen sollen, was uns zum irdischen Lebe notwendig ist. Die tägliche Berufsarbeit ist jog< für uns alle eine Pflicht. Wir dürfen jedoch da über nicht die Wertordnung der Dinge außeraü lassen oder gar umkehren. Dürfen nicht über bei Leibe die Seele, nicht über den Forderungen b« Lebens die Forderungen der Ewigkeit vergesse Die Sorge um die Seele muß vielmehr immer o erster Stelle stehen, und wir müssen bereit seit um disser ersten und wichtigsten Sorge willen i dische Güter und Vorteile zu opfern. Wenn m das tun, dann dürfen und sollen wir das Bertram haben, daß Gott uns auch in unsern leiblichen dürfnissen nicht im Stiche läßt.
Freilich, unnötige und überflüssige Güter bi fen wir nicht von Gott verlangen. Unser G^ vertrauen muß mit der rechten Genügsamkeit oq bunden sein. Es war ja auch sein üppiges Mah das Jesus den Volksscharen bereitete. Brot uu Fisch, das war alles Aber „sie aßen und wurde satt". Das ist ja der Grund so vieler Unzusri denheit, daß wir oft weniger danach fragen, we wir wirklich notwendig haben, als vielmehr danae! was andere Menschen mehr haben als wir. De begehrliche Anblick fremder Güter weckt in uns nA Bedürfnisse, neue Ansprüche an das Lebü Wünsckie, die sich nicht erfüllen. Das Geheim^ der Zufriedenheit liegt nicht im Basitz und Gen» sondern in der richtigen Unterscheidung dessen, nm für» unser Erdenleben wesentlich und unwesent!« ist, sowie in der inneren Freiheit vor allem, wo wir als unwesentlich erkannt haben. Wer di« innere Freiheit besitzt, der braucht gewiß nicht de irdischen Segen zu verachten; aber er sucht nid sein letztes Glück darin, und er verkauft ihm nid seine Seele. Darauf aber kommt cs an.
„Suchet zuerst das Reich Gottes!" Es gif kaum ein Wort der Hl. Schrift, das heute von dt Wortführern des Sozial! ismus und Kommun^ mus so oft mit so bitterem Hohne zitiert wird rb dieses Heilandswort. Immer wieder weisen | darauf hin, wie leicht und bequem es fei, aus gi sichertem Wohlstände heraus von der Sorge ui das Reich Gottes zu reban. Mit solchen Rede offenbare die Kirche ihre Methode der Volksv^ bummung, zeigte sich als Dienerin des Kapitals mus, für den alles darauf ankomme, die darbet Masse mit Zukunftsmärchen zu beruhigen, mii rend er sich selbst in sattem Behagen mit den tern dieser Erde mäste. Der aufgewachte Pro^ tarier aber verzichte auf das Reich Gottes, i wolle feinen vollen Anteil am Reiche der En haben. Wir alle kennen dieses Evangelium de Sozialismus. Kein Zweifel: Es klingt Violen, d unter dem schweren Joch des Lebens gebeugt gehe! verlockend in die Ohren. Wie die Sorge um d nackte Existenz Tag für Tag zentnerschwer auf 9 Seele lastet, wo der farge Lohn des Vaters ni« mehr ausreicht, um Frau und Kindern Nahrun Wohnung und Kleidung zu beschaffen, wo d furchtbare Geißel der Gegenwart, die Arbeitsloss seit, eine Familie in äußerste Not gestürzt ha da mag auch ein gläubiger Mensch sich zuweile des Gefühles der Bitterkeit nicht erwehren sönne1 wenn er immer wieder auf die höheren Güter M gewiesen und zum Vertrauen auf Gottes BakH güte ermahnt wird.
Und doch: Je furchtbarer die Not gleich einen Wolfe durch die Städte und Dörfer geht, best mehr brauchen wir diesen Glauben an die Civil feitsgüter und dieses Vertrauen auf den Vatergoi Niemand fordert nachdrücklicher als die Kirche an, für den Aermsten das Recht auf die notwendigste Lebensgüter. Niemand verurteilt den unchrisi lieben Kapitalismus schärfer als sie. Und wenn j uns dennoch so eindringlich mahnt, zuerst ix Reich Gottes zu suchen, so wiederholt sie nur dc Wort desselben Heilandes, der in der Wüste fprad „Mich erbarmet des Volkes!" Nicht Streben na Verdummung der Masse, sondern tiefes, wahn Erbarmen mit den Enterbten. den Leidgebeuat^ den Hungernden und Darbenden erfüllt sie. Ul aus diesem Erbarmen heraus hört sie nicht al den Blick ihrer Kinder aus dem Dunkel ihres ® denlebens heraus auf das Licht zu lenken, das v« den ewigem Hügeln in jedes Menfchenschich hineinleuchtet. Denn die Güter des Reiches Gott« sind kein Märchen, kein Irrlicht für den verzrve