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Seite 6 / Nummer 25.

Zug des Herrn v. Papen. Aber diese Angelegen­heit hatte noch eine andere Auswirkung:

Die süddeutschen Länder

sahen in dem Versuch eines Eingreifens in Preu­ßen zugleich eine große Gefahr für den föderali­stischen Bestand des Reiches. Man weiß, mit wel­cher Aufmerksamkeit Bayern, Württemberg und Baden darauf achten, daß die Rechte der Länder nicht vom Reich noch weiter beschränkt und beein­trächtigt werden. So wandten sich dann die leiten­den Staatsmänner dieser drei Länder telegraphisch an den Reichspräsidenten und baten um eine Un­terredung. Diese Besprechung fand am Sonntag statt. Reichskanzler v. Papen wohnte derselben bei. Mit allem Nachdruck wiesen die Ministerpräsiden­ten bzw. Staatspräsidenten der drei Länder auf die schweren Bedenken hin, die jede Ueberschreitung der Reichskompetenz veranlassen müsse. Es scheint, daß man ihnen auch einigermaßen befriedigende Zusicherungen in diesem Punkte gegeben hat.

Zugleich machten aber die drei Vertreter Süd­deutschlands auf die Gefahren aufmerksam, die aus der geplanten Aufhebung des Verbots der Sturm­abteilungen und Slurmstaffeln Hitlers und aus der Wiederzulassung der Uniformen dieser Partei- armee und sonstiger Kampfverbände sich ergeben müssen. Aber ihre Ausführungen in diesem Punkte scheinen taube Ohren gefunden zu haben. Das wird sich einmal bitter rächen. Vielleicht werden in nicht ferner Zeit jene, die heute eine Privat­armee zulassen, um sich damit die Stimmen der Naziabgeordneten für ein reaktionäres Kabinett zu gewinnen, selbst die Folgen dieser unverständ­lichen Entscheidung zu tragen haben. Denn das ist klar: Hitler und seine Genossen betrachten das Kabinett v. Papen = v. Schleicher nur als Ueber- gangsstation zum 3. Reich.

Reue Rotverordnungen.

Da das Reich sich außerstande erklärte, an* Preußen die ausbedungenen 100 Millionen für das abgetretene Siedlungsland usw. zu bezahlen, wurde Preußen gezwungen, durch eine Notverord­nung die nötigen Einnahmen zu sichern, zumal der Kanzler deutlich mit der Einsetzung eines Reichs­kommissars spielte. Durch eine Notverordnung wurde die Schlachtsteuer eingeführt und den Be­amten eine besondere Abgabe (2% Prozent für Verheiratete mit Kindern, 5 Prozent für Ledige und Kinderlose) auferlegt. Diese letztere Abgabe wird ab 1937 den Beamten wieder zurückgezahlt, stellt aber ein zinsloses Darlehen an den Staat dar.

Auch im Reich geht es trotz der neuen Män­ner nicht ohne Notverordnungen und nicht ohne neue Steuern. Dieselben Leuts, die jahrelang ge­gen Brüning und seine Notverordnungen gehetzt haben, müssen jetzt sehen, daß auch eine neue Rechtsregierung nicht anders kann, als durch Not­verordnungen der dringenden Not abzuhelfen. Ob sie jetzt auch so wild schreien werden wie seither?

Die ZenirumsparZei

hielt am vorigen Mittwoch in Berlin eine Vor­standssitzung ab, in der die Führer Kaas, Brü­ning und Joos zu den sehr zahlreich erschienenen Mitgliedern sprachen. Die Tagung wurde zu einer lauton und einmütigen Kundgebung des Ver­trauens für Brüning und Kaas. Es wurde der Gedanke ausgesprochen und freudig begrüßt, in allen Wahlkreisen für die Reichstagswahl am 31. Juli Brüning an die Spitze der Zentrumslisten zu setzen. Einstimmig angenommen wurde folgende

Resolution:

Der Reichsparteivorstand der Deutschen Zen­trumspartei bekundet in diesem Augenblick inner­politischer Wirrnisse und außenpolitischer Begräng- nis sein überzeugtes und unerschütterliches Festhal­ten an den Grundlinien der Politik, die durch das staatspolitische Wollen und Wirken des bisherigen Reichskanzlers Dr. Brüning gekennzeichnet ist. In Besorgnis um das Schicksal von Volk und Nation sieht der Reichsparteivorstand die Linie dieser

Für Freiheit uni» Gerechtigkeit.

Ein Aufruf der christlichen Gewerkschaften.

terschaft g el) e n. Sie sieht darin einen ver-l verblichen Mißbrauch des N a t i o n a I e m dem sie schönste Abwehr entgegensetzt. Für di^ christliche Arbeiterschaft gibt es nur eine

Die christlichen Gewerkschaften erlassen folgen­den Aufruf:

An die christliche Arbeiterschaft)

Acht Wochen sind seit der Wahl des Reichsprä­sidenten vergangen. Acht Wochen seit dem Tage, an dem das deutsche Volk, die deutsche Arbeiter­schaft in einer starken nationalen Begeisterung und in einer ebenso starten nationalen Opferbereitschaft sich u m Hindenburg sammelte. Unter feiner Führung sollten d i e Grundlagen ei­nes freien deutschen V o l k s st a a t e s erhalten und ausgebaut werden

Im Kampf um die innen- und außenpolitische Freiheit des Staates hatte sich Hindenburg für das Polk und den deutschen Volksstaat entschieden.

Seine Wahl bedeutete die Samm­lung aller wahrhaft nationalen und staatserhaltenden Kräfte. Sie war ein hoffnungsvoller Auftakt für den Kampf, den der junge nationale und soziale Volksstaat nach innen und außen noch zu bestehen hat.

Die deutsche Arbeiterschaft hat trotz aller Opfer, die Wirtschafts- und Staatskrise ihr auferlegten, ihre beste Kraft in diesem Kampf eingesetzt. Ihre Hoffnung galt der Zukunft des Vaterlandes, die nicht zuletzt in der nationalen Kraft der Arbeiter­schaft wurzelt.

Sie galt der Hoffnung einer freien deutschen Arbeiterschaft in einem freien deutschen Volksstaat.

Die Wiederwahl Hindenburgs hatte den seeli­schen Boden bereitet für die Sammlung aller na­tionalen Voltskräfte. Der Weg zu dieser Samm­lung ist von unverantwortlichen Kräften jäh ab­gebrochen. Die nationale Arbeiterschaft erlebte eine schmerzliche Enttäuschung.

Was die arbeiterfeindlichen Mächte in offener Wahlschlacht nicht erreicht ha­ben, ist ihnen nunmehr durch schrittweises Unter­graben der sachlichen und persönlichen Grundlagen der Regierung Brüning gelungen. Ein Weg hoff­nungsvoller Volks- und Staatsentwicklung ist ab­gebrochen worden. Der Weg zu einem neuen System" ist beschritten. Es ist

der Weg zur Wiederenkrechtung der deutschen Arbeiterschaft.

Der Sturz der Volksregierung Brüning und der vorbereitete Aufmarsch des Klassenkabinetts SchleicherPapen sind der Versuch der Be­seitigung aller Ansätze zum sozia­len V o l k s st a a t.

Die christliche Arbeiterschaft hat ihren sozialen Kampf immer aus einem tiefen nationalen Ver­antwortungsbewußtsein gegenüber Staat und Ge­samtvolk geführt. Sie hat Schweres und Schwer­stes für Staat und Volk auf sich genommen, um den Weg aus der Krise zu verkürzen und den Freiheitskampf der Nation zu erleichtern.

Sie empfindet es als Hohn auf ihren nationalen Willen und ihre natio­nale Tat, daß nach der wahrhaft nationalen Volksregierung Brünings eine Regierung der so­genanntennationalen Konzentration" auftritt, die sich aus Vertretern von Gruppen zu­sammensetzt, deren offensichtliche Ziele aufZurückwerfung derArbei-

staatsmännischen Aufbauarbeit in einem besonders gefahrvollen Augenblick jäh unterbrochen und durch ein Experiment abgelöst, für das aus zwingenden Gründen unsererseits keinerlei Mitverantwortung übernommen werden kann. Dem aus feinem Amt geschiedenen Herrn Dr. Brüning und seinem treuen Mitarbeiter Stegerwald, der Parteileitung und der Reichstagsfraktion spricht der Reichsparteivor- stand sein dankbares Vertrauen aus.

Der Vorstand erwartet von allen Organisationen und Freunden der Partei im Lande, daß sie alles tun, um in dem kommenden Wahlkampf die Schlagkraft des Zentrums zu steigern. Versuche, die Einheit und Geschlossenheit des Zentrums zu

nationale Volkskonzentration,

die aus dem gleichen Recht, der gleichen Pflicht und der gleichen Freiheit aller Schichten und Stände erwächst.

Was die neue Regierung eingeleitet hat, kann nur als eine

nationale" klasfenkonzenlraèion

angesehen werden. Annationaler" Klas­senherrschaft ist das alte Deutschs land zusammengebrochen. Das neue Deutschiland wird durch sie nicht gerettet werden.

Die Arbeikerfeindlichkeik

der Regierung SchleicherPapen tritt in ihrer Regierungserklärung klar und eindeutig zutage. Ihre sozialpolitische Haltung geht von der Schlagwortpolitik reaktionärer Kreise aus. Der sozialpolitischen Verpflichtungen, die Staat und Ration in der Rot der Krise übernehmen mußten, wird Schwächung der moralischen Kräfte der Ra. kion und eine Steigerung der Arbeitslosigkeit vor. geworfen. Diese Haltung wird für sie der Auftakt zum Abbau der Arbeitslosen- und Sozialversiche- rung, des Tarif- und Schlichtungswesens, sowie des sozialen Schuhes überhaupt.

Nicht zuletzt um ihres Widerstandes willen ge­gen diesen Abbau ist die Regierung Brüning Stegerwald gestürzt worden. Von der Regierung SchleicherPapen erwartet ihn die soziale Reak­tion.

Der Weg der deutschen Arbeiterschaft durch die Staats- und Wirtschaftskrise war der schwerste, den je eine Arbeiterschaft gegangen. Sie ist die­sen Weg mit bewunderungswürdiger moralischer Kraft, mit staatspolitischer Disziplin, mit unge­schwächtem Willen zur Selbsthilfe gegangen.

Die neue Regierung hat für die staatspolitckche Haltung der Arbeiterschaft kein Verständnis. S i e stellt sich mit den Arbeiterfeinden in eine £ i n i e. Damit steht die Arbeiterschaft vor neuem Kampf. Ihre Feinde drohen sich unter dem Schutze der Regierung zu sammeln. Der Deckmantel der nationalen Konzen­tration und der Rettung christlicher Kultur soll die Arbeiterfeindlichkcit hüllen.

Der Kampf der christlich-nationalen Arbeiter- schaft für christliche Kultur und nationale Freihei! ist so alt wie die christliche Arbeiterbewegung selbst

Die christliche Arbeiterschaft sammelt sich füt die kommende Auseinandersetzung im deutschen Volk noch geschlossener um die Idee der Staats- und Volksgemeinschaft, wie sie vor allem die Jdee^ der Staats- und Volksgemeinschaft, wie sie vor al^ lem auch 1920 auf dem Essener Kongreß der christ­lichen Gewerkschaften verkündet wurde.

Sie sammelt sich

zum Kampf für christliche Kultur zum Kampf für nationale Freiheit zum Kampf gegen alle Feinde dieser wahrhaft deutschen Volks- und Skaatsidee.

zersetzen und zersplittern, müssen rücksichtslos a& gewiesen werdan.

Das Zentrum führt den Kampf in völlig unab­hängiger Stellung und auf einem unerschütterlichen gedanklichen Fundament. Es geht seinen Weg füt sich, ohns seine Selbständigkeit von rechts oben links bestimmen zu lassen. Unser Stampf wird sich gegen diejenigen richten, welche die politisch-pa-la^ mentarische Mitverantwortung ablehnen, zu einech, Zeit, in der sie ihre Machtansprüche angemeldeH haben, um Kabinette zu bestimmen und zu zersto-' rcn. Da die Lebenskraft der deutschen Kultur stets durch die Wirkungsmöglichkeit christlicher Le­bensgrundfätze bestimmt sein wird, wird die Zew