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Sette 6 / Nummer 24.

dem Krieg gelang es ihm, auf Dorschlag der west­fälischen Landwirtschaft auf der Zentrumsliste in den Landtag gewählt zu w^h-n; er nahm aber wiederholt und immer wieder eine solche sonder­bare Stellung ein (unter anderm half er einmal das Kabinett des Zentrumsführers Marx stürzen, indem er für das deutschnationale Mißtrauensvo­tum stimmte), daß er bei der letzten Landtags­wahl nicht wieder ausgestellt wurde. Als das Zen­trum einmal ihn verging für den Gesandtschafts­posten im kleinen Luxemburg, wurde er vom Aus­wärtigen Amt als ungeeignet abgelehnt. Nun ist er den reaktionären Kreisen geeignet, der Nachfol­ger Brünings zu werden.

Aber die Persönlichkeit von Papens ist nicht die einzige Unzulänglichkeit dieses Kabinettes der Un­möglichkeiten. Das Schlimmste ist die sozialreak­tionäre Haltung dieser Männer in der Innenpolitik, die bedenkliche Wirkung eines solchen politisch­reaktionären Kabinetts auf die Außenpolitik.

Was die Außenpolitik betrifft, so stehen wir un­mittelbar vor dem Zusammentritt der Konferenz von Lausanne. In Frankreich ist man aufs ange­nehmste überrascht, daß Hindenburg in diesem Au­genblick Brüning fallen ließ und ein Kabinett der „preußischen Junker" berief: Das Hervortreten jener Kreise, die in der Vorkriegszeit das Heft in Deutschland in der Hand hatten, ist das beste Agi­tationsmaterial für die Franzosen, vor allem ge­genüber England und Amerika. Frankreich hatte mit Schrecken und täglich wachsender Beklemmung beobachtet, wie weit schon Brüning die englischen und amerikanischen Staatsmänner für die deutsche Auffassung gewonnen hatte. Das Hochkommen des alten Preußentums in der Reichspolitik hat in England und Amerika sofort starkes Mißtrauen geweckt, und die Franzosen werden das kräftig ausnutzen. Den. Schaden trägt das ganze deutsche Volk. Unsere Chancen für Lausanne sind dadurch nicht gebessert worden. Und das in einem Augen­blick, wo in Frankreich durch die Kammerwahl der schlimmste Deutschenfeind, Tardieu, gestürzt und ein neues, gemäßigteres Kabinett Herriot die Ar­beit übernimmt! Die ersten Aeußerungen Herriots und die Stimmen der französischen Öffentlichkeit lassen denn auch keinen Zweifel darüber, wie man in Frankreich zu dem Umschwung in Deutschland sich stellt.

Für die Innenpolitik Deutschland ist es tragisch, daß in der großen Notzeit mit ihren 6 Millionen Arbeitslosen ein Kabinett ans Ruder kommt, das sowohl nach seiner personellen Zusammensetzung wie aus ausdrücklich durch feine Regierungserklä­rung sich als Feind der Sozialpolitik erklärt. Es ist Brüning gelungen, uns durch zwei unendlich sorgenvolle Winter ohne ernste Unruhen hindurch- zusühren. Wie wird eine sozialreaktionäre Re­gierung uns durch den 3. Notwinter bringen? Wir wissen, wie stark der RadikalifMus der brot- und arbeitslosen Massen — geschürt durch die bolsche­wistischen Agitatoren und durch die skrupellose na- ttonalsozialistische Hetze — bereits gestiegen ist. Nur mit banger Sorge können wir der Zukunft entge­gensehen.

Der Reichstag aufgelöst.

Eine Mehrheit hat die neue Regierung im Reichstag nicht hinter sich. Sie will sich stützen aus die Deutschnationalen und die Nationalsozialisten. Aber beide Parteien halten vor der Oeffentlichkeit Distanz gegenüber dem Kabimtt. In Wirklichkeit entspricht das Kabinett den Forderungen der Deutschnationalen, fast alle Minister gehören zu dieser Partei. Die Duldung der Nazis aber hat man sich erkauft durch das Versprechen, die unter Brüning aufgelösten Sturm - Abteilungen und Sturm-Staffeln (S. A. und S. S.) wieder zuzulas­sen, dieser Privatarmee Hitlers auch das Uniform­tragen wieder zu gestatten unL die volle Presse- und Agitationsfreiheit (Schimpffreiheit) wieder ein­zuführen.

Aber die Unterstützung und Duldung der bei­den Rechtsparteien nützt dem Kabinett nichts, da diese Parteien nicht die Mehrheit haben. Jene

Intriganten, die Hindenburgs Schwenkung herbei- geftihrt haben, haben offenbar dem greifen Reichspräsidenten vorgeredet, es werde gelingen, das Zentrum für diese neue Regierung zu gewin­nen. Speziell wollte man Brüning als Außenmini­ster behalten, da er schlechterdings nicht zu ersetzen ist. Aber es ist klar, daß das Zentrum einer der­artig reaktionären Regierung auch nicht die ge­ringste Duldung gewähren kann. Für Brüning, den man so schmählich behandelte, konnte eine Mitarbeit in einem Kabinett, das seine Politik sabo­tierte, in keiner Weise in Frage kommen. So ist denn die neue Regierung ohne jeden parlamenta­rischen Rückhalt. Und es ist geradezu unglaublich, daß eine solche Regierung unmittelbar vor Lau­sanne gebildet wurde, wo ihr bei den Verhand­lungen mit den ehemaligen Feinden jede Legiti­mation durch die Volksvertretung fehlen wird.

Ein solches Kabinett, das nicht das Vertrauen der Reichstagsmehrheit besitzt, konnte es gar nicht wagen, vor das Parlament hinzutreten. So löste dann der Reichspräsident kurzer Hand den Reichs­tag auf, um einem Mißtrauensvotum vorzubeugen. Das Kabinett aber gab seine Regierungserklärung nicht vor dem Reichstag ab, sondern veröffentlichte sie durch die Presse. Eine parlamentarische Stel­lungnahme zum Programm der Regierung war deshalb nicht nötig. In den Neuwahlen werden die Wähler selbst Stellung nehmen und über diese eigenartige Regierung ihr Urteil fällen.

Die Auslösung des Reichstags erfolgte zunächst ohne Festsetzung des Tages der Neuwahl. Nach langem Zögern ist schließlich der nach der Verfas­sung spülest mögliche Termin gewählt worden: der 3 1. Juli wird der Tag der Reichs - tagsneuwahl sein. Fast zwei Monate also wird der Wahlkampf dauern.

Wieder kostet der Wahlkamps und die Wahl­vorbereitung Millionen. Zum 4. Mal in diesem Jahr soll das Volk an die Wahlurne treten. Eine Mehrheit wirb das Kabinett Papen—Schleicher nicht finden. Der Wahlkampf hätte nur dann einen Sinn, wenn man den Nationalsozialisten eine neue Chance geben wollte, die Mehrheit zu errin­gen. Ob das aber im Sinne Hindenburgs, Pa­pens und des Generals Schleicher liegt? Wir neh­men es nicht an, und dann ist diese Reichstags­auflösung und diese Neuwahl sinnlos. Aber wie die Verhältnisse auch liegen mögen: Wir sind auf­gerufen zur Wahl und müssen alles tun, um eine Mehrheit zu schaffen, die ihrer Verantwortung ge­genüber dem Volke und der Zukunft des Reiches bewußt ist. Das Unglück des 31. Mai kann nur wieder gut gemacht werden, wenn das Volk der Wähler am 31. Juli eindeutig Stellung nimmt ge­gen jene Intriganten, die uns das Unheil gebracht haben, und wenn wir einen Reichstag erhalten, der bereit ist, im Sinne Brünings wahre Aufbau- und Rettungsarbeit zu leisten. Darum auf zur fri­schen Arbeit im Kampf für die alten Zentrums­ideale: Für Wahrheit, Freiheit und Recht. Der 31. Juli muß ein Ruhmestag in der Geschichte der Zentrumspartei werden.

Zentrum Mut Layerssche volkspartei.

In den kritischen Tagen seit dem Sturze Brü­nings hat die Bayerische Volkspartei eine Haltung eingenommen, die im Zentrum außerordentlich hoch gewertet wird. Die Bayerische Volkspartei hat die Brüskierung des Zentrums als ihre eigene Brüskierung betrachtet und es abgelehnt, dem Ka­binett von Papen Unterstützung zu gewähren. Die beiden Parteien, die sich weltanschaulich so nahe stehen, sind damit auch politisch wieder in ein be­sonders enges Verhältnis getreten. Wir begrüßen es darum mit besonderer Freude, daß aus Bayern in diesem Augenblick die Anregung kommt, die beiden Brüderparteien möchten aus der gegenwär­tigen Situation die Folgerung ziehen und unter die in den Revolutionswirren erfolgte Trennung einen Schlußstrich machen.

Es ist die „Bayerische Volkszeitung" in Nürn­berg, die in ihrer Nr. 126 diese Forderung erhebt und es als das Gebot der Stunde bezeichnet, Zen­trum und Bayerische Volkkspartei wieder — wie sie es früher waren — zu einer völlig einheitlichen,

schlagfertigen, politischen Organisation zusammen­zuschließen. Das Blatt schreibt u. a.:

„Mit der Proklamation der Fraktionsbeschlüsse ist es nicht getan. Wir müssen jetzt schon die Konsequenzen ziehen und nach dem ersten den zweiten Schritt tun, bevor uns die weitere Entwicklung dazu zwingt.

Denn darüber gibt es in eingeweihten Kreisen nur eine Meinung, daß der Schlag gegen das Kabinett Brü- ning, gegen die politische Vertretung der Katholiken überhaupt gerichtet war. Was bei der Einflußnahme au; den Reichspräsidenten im Vorjahre in Dietramszell und heuer in Reudeck heimlich geschehen ist, das wurde in Württemberg bei den Verhandlungen über die Bildung einer rein evangelischen Regierung bereits an der Oberfläche sichtbar: Die Zeiten der holtenlolten- wahlen, die Zeiten derVülow-Block-Wahlen kommen wie­der. Ist da nicht Einigung über das Reich hin oberstes Gebot?"

Wir glauben, daß die schweren Kämpfe, denen das deutsche Volk und der deutsche Katholizismus entgegen geht, gebieterisch eine Zusammenfas­sung der gleichen weltanschaulichen Kräfte for­dern. Cs ist die Pflicht der deutschen Katholiken, die in ihrem Glauben und in ihrer religiösen Ue­berzeugung liegenden Kräfte zu sammeln und so zu höchster Schlagkraft zu sammeln. Möge die große Stunde jene Führer, die die Verantwor­tung tragen, über alle Kleinlichkeiten hinweg füh­ren zu dem gerade von den Besten schon lang er­sehnten Werk der Einigung. Möge die große Stunde ein großes Geschlecht finden!

Seid einig, einig, einig!

26. BolkSVeremskursus in A.-S!«»bsch.

Mit dem 25. volkswirtschaftlichen und staats­bürgerlichen Kursus, den der Volksverein für das katholische Deutschland im vergangenen Jahre in seinem Kursusheim in Paderborn veranstaltete, konnte er das 25jährige Jubiläum einer intensiven, viel beachteten und erfolgreichen Bildungs- und Schulungsarbeit verbinden.

Der für dieses Jahr in Aussicht genommene 26. volkswirtschaftliche und staatsbürgerliche Kursus soll nun wieder, der Sitte der Vorkriegszeit entspre­chend, in M. Gladbach, am Sitze des Volksvereins stattfinden, und zwar in der Zeit vom 15. Juli bis 15. August. Für diesen Zweck ist dank dem Ent­gegenkommen der Familie des verstorbenen ersten Volksvereinsvorsitzenden, Franz Brandts in M. Gladbach, dessen Villa zur Verfügung gestellt wor­den. Nachdem der Volksverein unter dem Druck der schweren Zeiten sich genötigt gesehen hatte, sein Paderborner Bildungsheim aufzugeben, soll nunmehr in dem historischen Hause, das künftig den Namen Brandts-Hitze-Haus tragen soll, die Kur- sustätigLeit fortgesetzt werden. Für den 26. Kur­sus liegt eben das Programm vor. Nach einer Einführung in den Sinn der Volkswirtschaft- und des Staates sollen behandelt werden in einem er­sten Hauptteil die wesentlichen Probleme der heu­tigen Wirtschaft, Wirtschaftspolitik und Sozialpoli­tik. Der zweite Hauptteil wird sich befassen mit den Fragen des Staates und der öffentlichen Ver­waltung und der Stellung der Deutschen unter den Weltvölkern.

Gebühren werden nicht erhoben. Für Unter­kunft und Verpflegung sind für die vier Wochen 70 Mark zu zahlen. Die sonstigen Einzelheiten wolle man aus dem ausführlichen Programm er­sehen. Anmeldungen wolle man bis spätestens 1. Juli richten an das Volksvereinshaus in M. Glad­bach (Kursushaus), das ein Programm gerne zur Verfügung stellt.

Der Nibelungen NoN

Von Roland.

Wenn einmal der Geschichtsschreiber das Kapi­tel unserer Tage schreiben wird, dann wird er ihm den Sinn zu geben haben: 1932 war die Not der Nibelungen aufs Aeußerste gestiegen, nur fand man nicht mehr die Nibelungentreue!

So bitter es ist, gerade für uns Zentrumsleute, die wir in den vergangenen Jahren oft mit zusam­mengebissenen Zähnen unsere Pflicht dem Volk und Vaterland gegenüber erfüllten, wir müssen ehrlich gegen uns selber sein: Wir hielten die Treue; diejenigen aber, auf die wir Felsen ge­baut hatten, die ließen uns im Stich!

Es ist ein Erbübel der Deutschen, daß sie in Zeiten höchster Gefahr, Eigenbrödelei für ihr Tun