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Seife 12 / Nummer 23.

den und die Sündenschuld der Menschen. Dieses Bild Albrecht Dürers ist recht geeignet, durch be­trachtende Gebete die Sühne- und Bußgesinnung in den Lesern zu wecken und zu vertiefen.

Dr. Karl H o e b e r.

Amöneburg.

Von Dr. Josef Froberger t.

Wer mit der Bahn von Marburg nach Kas­sel fährt, erblickt bei der Station Kirchhain einen einzelnen, steil aufragenden Bergkegel, der mit einer Kirche gekrönt ist und sich eindrucksvoll von der Umgegend abhebt. Nur wenige Reisende ahnen, welche wichtige geschichtliche Ereignisse an diesen Berg geknüpft sind. Es ist Amöneburg, die erste Gründung des heiligen Bonifatius auf hessischen) Boden. Von dort nahm seine Missionstätigkeit im Hessen land ihren Ausgang. Also ein heiliger Ort für alle deutschen Ehristen.

Schon lange hegte ich die Sehnsucht, auf die­sen Bergkegel hinaufzusteigen. Endlich konnte ich an einem heißen Augusttage meinen Wunsch er­füllen. Zwar hieß es in Kirchhain, man brauche nur eine Stunde bis Amöneburg Aber als es galt, in der drückenden Sommerhiße den steilen Berg hinaufzuklettern, wo kein Baum und kein Strauch irgendwelchen Schatten bot, dehnte sich die eine Stunde zu einer zweiten aus, die mir fast endlos schien. Vorsorglich waren am Rand des Weges hier und da Bänke angebracht, auf denen Vertreter der Amöneburger Jugend rasteten.Ge­stern ist Kirmes gewesen", sagten sie,und da sind wir vom Tanzen sehr müde geworden." Aul dem Berge da oben schienen also keine Kopfhän­ger zu Hause zu sein. Inzwischen wurde der Ba­salkkegel immer steiler, in Schweiß getaucht und vor Müdigkeit keuchend, gelangte ich endlich auf den Gipsel. Für meine Mühe wurde ich aber reichlich belohnt.

Das Auge konnte sich auf dem wundersamen Berge nicht satt sehen. Zwar ist von den alten Ge­bäuden einer glorreichen Vergangenheit wenig mehr erhalten. Man muß sich aus den geschichtlichen Er­innerungen ein richtiges Bild des alten Städtchens bilden, um sich vorstellen zu können, was Amöne­burg einst war. Schon in vorgeschichtlicher Zeit befand sich dort eine befestigte Niederlassung, die den Umwohnern zum Schutze diente. Im Jahre 721 gelangte Bonifatius nach Amanaburch (Burg an der Ohm). Es war damals eine fränkische Grenzbefestigung. Zwei Brüder, Dettik und Dea- rulf, waren die Vorsteher des Ortes (Burggrafen), sie nahmen den Heiligen bereitwillig auf und ge­währten ihm Schuß. In Großseelheim, einem Dorf am Fuß des Berges, besaßen sie ein Lehngut, wo Bonifatius oft weilte. Amanaburch war für ihn ein wertvoller Stüßpunkt während seiner langjäh­rigen Missionstätigkeit im Hessenlande. Von dort unternahm er seine Fahrt nach Frideslar (Fritz lar) an der Eder und nach Büraburg, von dort zog sein Jünger Sturmi nach Hersfeld und nach Fulda aus. Wer auf den hessischen Missionspfa­den von Bonifatius wandeln will, muß feinen Gang in Amöneburg beginnen. Cs ist eine Wall­fahrt sondergleichen, diese Fahrt von Amöneburg nach Frißlar und Büraburg, von dort nach Hers­feld und nach Fulda. Die liebliche Landschaft ge­staltet die Reise zu einer Erholung, und der Auf­enthalt unter den freundlichen Hessen, diesen un­verfälschten Germanen, verbindet die Erinnerung an christliche Frühzeit mit der Berührung von ech­tem deutschem Volkstum.

Bonifatius gründete auf dem Berge ein klei­nes Kloster und eine dem heiligen Michael ge­widmete Kirche. Aber Kirche und Kloster ver­schwanden im Laufe der Jahrhunderte, im 13. Jahrhundert wurde eine neue Kirche errichtet, die Johannes dem Täufer geweiht wurde. 1845 wurde diese gotische Kirche abgetragen und die jetzige neue

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Kirche gebaut. Nur der alte Turm blieb erhal­ten. Wie alle Gründungen des heiligen Bonifa­tius, mit Ausnahme von Fulda, kam auch die Amöneburg in den Besitz des Erzbistums Mainz. Dieser Umstand gestattete ihm, wie auch Fritzlar, in der Reformationszeit den katholischen Glauben zu bewahren. Das ging aber doch nicht ohne Kämpfe ob, denn einige der Stiftsherren waren dem Pro­testantismus zugeneigt. Es gelang aber dem eifri­gen erzbischöflichen Kommissar Petrus Musculus (15891632), in seinem ganzen Kommissariate den katholischen Glauben wieder zu erneuern. Und so ist Amöneburg bis auf den heutigen Tag katho­lisch geblieben: eine winzige Insel in dem umge­benden protestantischen Hessenlande, gleich seiner altertümlichen Schwesterstadt Frißlar an der Eder.

Die Mainzer Erzbischöfe hatten auf dem Berg­kegel ein mächtiges Schloß erbaut, das nunmehr in Trümmern liegt. Nur die Kellerräume sind noch erhalten und dienen der Stadt als Behälter für die Wasserleitung. Von der Schloßterrasse genießt man eine wundervolle Aussicht. Bei kla­rem Wetter streifen die Blicke ungehindert in die blaue Ferne, sie schauen in das weite Tal der Ohm, sie reichen bis zur Rhön, zum Vogelsberg, zum Meißner und zum Knüllkopf, zum Frauenberg bei Marburg und im Norden bis zum Kellerwald. Gegen 36 Ortschaften soll man bei gutem Wetter hier zählen können.

Ein Gang durch das alte Städtchen bietet fes­selnde Bilder. Amöneburg ist zwar oft zerstört worden und hatte überdies noch viel Unglück durch Brände So ist noch im Jahre 1916 das alte Stjftsgebäude abgebrannt. Man hätte darum dort allen Anlaß, die noch vorhandenen historischen Denkmäler sorgfältig zu schützen. Am alten Turn, der Kirche lehnt noch der Grabstein des wacke­ren Petrus Musculus, eines der Retter katholischen Glaubens der alten Stad*

Deutsche Gisubensboten bis zum hl. Bonifatius.

Mit dem Tage, als Konstantin auf dem Kapitol zu Rom das Kreuz aufpflanzte und die christliche Religion als Staatsreligion erklärte, wurden die beglückenden Segnungen des Christentums allen damals bekannten Völkern zuteil. Nicht mur im Römerreiche selbst erhoben fick) allenthalben prächtige Tempel zur würdigen Feier des hl. Geheimnisses, auch im heutigen Deutschland, in Oesterreich und der Schweiz entstanden vom 5. bis 8. Jahrhundert zahlreiche Kirchen und Christengemeinden. Zwar hatten die Wogen der Völkerwanderung beson­ders die Gegenden an der Donau und dem Rheine heim­gesucht und verehrt; Köln, Trier, Mainz, Worms er­lagen den Verwüstungen der Hunnen; allein glaubens­starke Männer schützten und verteidigten die hl. Kirche Gottes; sie begannen unter den neuen Völkern unver­drossen die apostolischen Arbeiten von neuem, pflanzten und bauten das verwüstete Erdreich, belehrten und bil­deten dessen rohe und wilde Bewohner; mit dem christ­lichen Glauben brachten sie den Barbaren Sitte und Kultur bei. Mitten im kriegerischen Gewühle und in der Verwirrung allgemeinen Schreckens pilgerten diese Glaubensboten mit dem Kreuz in der Hand und dem Glaubensmute im Herzen von einem Ort zum anderen und machten bald an den großen Heerstraßen, bald im einsamen Wald von ihrer Klausnerhütte aus die Heiden mit der frohen Botschaft des Evangeliums bekannt. Von allen Ländern hatte den Stürmen der Völkerwan­derung am meisten Noricum zu leiden, d. i. das jetzige Oberösterreich südlich von der Donau mit den Nachbar­gebieten von Unterösterreich, Steiermark, Kärnten, Salz­burg und Bayern.

Ein Schutz und Trost der hartbedrängten Länder, besonders Deutsch-Oesterreichs, war der hl. Severin, ein freundlicher Stern in jener dunsten, sturmbewegten Zeit. In der Nähe des heutigen Wien erbaute er für sich und feine Gefährten ein Klösterlein. Die Um­wohner ehrten den strengen Mann, der durch Buß­übungen und Nachtwachen zum Skelett abgemagert war. Ausgerüstet mit der Gabe der Wunder und Weissagung, übte er selbst auf die wilden Herzen der Barbaren einen heilsamen Einfluß aus. Die Goten, Rugier, Thüringer, Heruler und Alemannen ehrten und fürchteten den hl. Mann. Vor Passau trat er dem Anführer der Alemannen mit so fester und eindringlicher Rede entgegen, daß der Barbar ihm 70 Gefangene srei- gab und weiterzog. Viele Städte und Dörfer verdank­ten ihm ihre Rettung. Um das Jahr 460 trat ein junger germanischer Krieger, der von dem Wundermann ge=

hörl halle, tn seine arme Zelle, um ihn um sei. nen Segen zu bitten. Es war der Herulerfürst Odoaker, dem der Heilige eine glänzende Zukunft vorhersagte.' 1 Mit den Worten:Ziehe hin, mein Sohn, noch bist du f in wertlose Felle gekleidet, bald wirst du über die Schätze Italiens verfügen", entließ ihn Serverin.

Dreißig Jahre lang wanderte der hl. Severin die i Donaugebiete aus und ab; reichlicher Segen bezeichnete J bie Wege, auf denen der unermüdliche, von glühender f Nächstenliebe erfüllte Gottesbote wanderte. Er hat m Deutsch-Oesterreich in jener Schreckenszeit den christ­lichen Namen vor gänzlichem Untergange gerettet. Der 8. Januar 482 war sein Todestag Als die Donau- gegend von den Barbaren verwüstet wurde, retteten seine Schüler den hl. Leib über die Alpen nach Neapel.

Im Norden Bayerns wirkte der hl. Kilian, der im Jahre 685 mit dem Priester Kolonat und dem Diakon Totnan Irland verließ und nach Würzburg zum Herzog Gosbert kam. Land und Leute gefielen ihm so wohl, daß er mit seinen Gefährten nach Rom pilgerte, um für die Bekehrung jenes Landes Sendung und Auftrag zu erhalten. Doll Freude weihte ihn der Papst zum Bischof und sandte ihn nach Würzburg zurück. Auf die Predigt Kilians ließ sich der Herzog taufen; sein Land folgte seinem Beispiele. Doch wurde der Heilige das Opfer einer zweiten Herodias. Gosbert hatte näm­lich die Frau feines verstorbenen Bruders, Geilana, zur Gattin. Mit dem Glaubensmute eines hl. Johannes des Täufers trat Kilian vor den Fürsten und sprach:Es ist dir nicht erlaubt, die Frau deines Bruders zur Ge­

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mahlin zu haben." Gosbert antwortete:Schweres predigst du mir, doch aus Liebe zu Christus will ich meine Gemahlin entlassen." Voll Haß ließ Geilana. als der Herzog sich auf einer Reise befand, den hl. Kilian und seine Begleiter töten (689). Die Strafe Gottes traf den Mörder und Geilana, da beide in Raserei und im Elend starben Die Leibe" der Heiligen ließ der spätere Bischof von Würzburg, Burkhard, ausgraben und er­baute zu ihrer Verehrung eine Kirche.

In der Mitte von Bayern trat im 7. Jahrhundert der heil. Emmeran als Glaubensbote auf. Auf Bitten des Herzogs Theodo predigte er drei Jahre lang in Regensburg, belehrte die halbheidnischen Bayern und verbreitete die christliche Sitte. Auf dem Wege nach Rom, wo er für seine Arbeiten den Segen des hl. Vaters erbitten wollte, erlitt er den Tod, da er fälschlich eines Verbrechens angeklagt wurde. Als seine Un­schuld an den Tag kam, wurde sein Leichnam unter großer Trauer nach Regensburg gebracht und ihm zu Ehren eine Kirche mit Kloster erbaut.

In Südbayern predigte der hl. Rupert, der ehe­malige Bischof von Worms. ein Sproß des französischen Königsgsschlechtes. Der Bayernherzog Theodo II. be­rief den gottbegeisterten Glaubensboten zu sich und be­gehrte mit feinem ganzen Hause von ihm die hl. Taufe. Dann bereiste Rupert die ganze Gegend bis Salzburg, wo durch die unermüdliche Sorge des Heiligen die Kirche zu neuem Leben aufblühte. Für die Heranbildung einer einheimischen Geistlichkeit stiftete er das statt­

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lich Kloster St. Peter; zur Erziehung von Jung frauen erbaute er ein

hl. Erentrud, vorstand.

Rufe der Heiligkeit.

Auch der westliche

Klösterchen, dem

Im Jahre 725

seine Nichte, die starb Rupert im

Teil Bayerns

mit der Haupt-

stabt Freising erhielt um den Ausgang des 7. Jabrhun- derts einen heiligen Bischof und Ordner des Kirchen­wesens in Korbinian. Ums Jahr 680 zu Chartres im

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Frankenreiche geboren, zeichnete er sich schon in seiner Jugend durch Eifer im Gebete, Sittenstrenge und Mild­

tätigkeit aus. Bei einer Romreise weihte ihn Papst

Gregor TL zum Missionsbischof. Korbinian kehrte also

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nach Bayern zurück und verblieb auf Bitten Grimoalds, eines Sohnes Theodos II., in Freising. Auf einem be» nachbarten Berge baute er ein Wohnhaus nebst Kloster,

später so berühmt unter dem NamenWeihenstepban". . Mit unermüdlichem Eifer suchte er die heidnischen Sit« > ten des Volkes auszurotten. Mußte auch der lästige Sittenprediger durch Flucht sein Leben vor Meuchelmör-, dern schützen, so war doch im Jahre 725, in dem Korbinian starb, die Kirche von Freising für alle Jahrhunderte fest gegründet.

Nach den deutschen Gebieten am Oberrhein und der deutschen Schweiz kam von Irland, das dem hl. Patrick den katholischen Glauben verdankt, eine Schar mutiger Glaubensboten, durch welche die christliche Eroberung Deutschlands den Rhein überschritt und sich in Aleman». nien und Südbayern ausbreitete.

Der erste dieser nordischen Glaubensboten war deH hl. Fridolin. Zuerst wirkte er im Frankenreiche, wo eks vom christlichen Könige Klodwig gut ausgenommen wurde. In Poitiers stellte er die vom hl. Hilarius, dem heldenmütigen Bekämpfer des Arianismus, im 4. Jahr­hundert erbaute Kirche mit Kloster wieder her. Dann zog er rheinaufwärts bis Chur und erbaute verschiedene