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Ar. 23 Sonntag, 5. Zum 1932

Hirienwort.

In Christus geliebte Diözesanen!

Wahl noch nie ist die Menschheit so in Un­frieden, in seelische und wirtschaftliche Not allge­mein versenkt gewesen wie in der gegenwärtigen Zeit. Wenn auch die Abgesandten der Völker oft zusammenkommen und über die Hebung der Not beraten, so ist doch bis jetzt ein durchgreifender Er­folg nicht erzielt worden.' Fürwahr wir erkennen daraus, daß menschliche Kräfte allein versagen. Aus der andern Seite sehen wir, wie die zerstören­den Mächte immer mehr zunehmen. Niemand hat diesen Zustand besser erkannt als der Stellvertre­ter Christi, der Hl. Vater, der von der hohen Warte des Apostolischen Stuhles die große Not der ge­samten Welt überschaut, aber auch die Mittel zur »Hebung der Not kundgibt.

Schon in seinem ersten Rundschreiben nach sei­ner Thronbesteigung im Jahre 1922 hat er auf den Heiland Jesus Christus als die Quelle des wahren Friedens hingewiesen und mit apostolischem Frei­mut erklärt, daß das Heil und der Friede der Welt nur in ihm zu finden ist, der gesagt hat ,Den Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frie- )en gebe ich euch; nicht wie die Welt ihn gibt, gebe ch ihn euch" (Joh. 14, 27). Die folgenden Ründ- chreiben des Heiligen Vaters führen diesen lei- enden Gedanken folgerichtig weiter: Dieser Geist Lhristi soll herrschen nicht bloß in uns selbst, son­dern auch in unseren Familien, in den Gemeinden, n den Staaten, unter den Völkern, soll alles durch­gingen im privaten und öffentlichen Leben.

Darum weist der Heilige Vater auch jetzt, wo ,?>« Not auf das höchste gestiegen zu sein scheint, viederum hin auf Jesus Christus, der das Heil »er Welt ist, für deren Sünden er fein Leben da­nngegeben hat.

In seinem neuesten Rundschreiben mahnt uns !er Heilige Vater, die bevo^tehende Herz-Jesu- )ktao dem Gebete, der Sühne und dem Opfer zu oeihen,damit wir Barmherzigkeit erlangen und Bnabe finden zur Hülfe in rechter Zeit" lHebr 1, 16).

Der ernsten zeitgemäßen Mahnung unseres Heiligen Vaters wollen wir bereitwillig folgen mb in der kommenden Herz-Jesu-Oktav vom 3 i s zum 10. Juni allen öffentlichen 'uftbarkeiten und allen anderen, »such erlaubten Vergnügungen fern­leiben und außerdem uns freiwil- i g, i m Geiste christlicher Entsagung n unserer gewohnten, wenn auch b e- cheidenen Lebenshaltung ein wenig inschränken und die Frucht dieser ntsagung als Almosen den Armen u k o m m e n lassen.

In Ausführung des Päpstlichen Rundschreibens ^dne ich deshalb an, daß vom 3. bis 10. Juni täg- ch zu einer, den örtlichen Verhältnissen entspre- enden Zeit, vor ausgesetztem Hochwürdigsten -ute eine besondere Sühne-Andacht gehalten 'erde, in der dasAllgemeine Gebet" in ?r neuen Fassung, ferner das vom Heiligen Vater inerzeit vorgeschriebene Sühnegebet zum eiligsten Herzen Jesu (Fuldaer Gesangbuch 1928 . 411) und die Herz-Jesu-Litanei zu üen sind. Außerdem sollen alle Gläubigen in- erhalb dieser Oktav zu einer Sühne-Kommunion lfgesordert werden.

Wenn wir, geliebte Diözesanen, dem Aufruf rseres Heiligen Vaters folgen, so ahmen wir das eispiel unseres Glaubensvaters, des hl. Bonika- is, in feinem willigen Gehorsam gegen den postalischen Stuhl nach, und wenn wir die jet- ze schwere Not durch Gebet und Opfer, im Ge- nken an den Kreuzestod Jesu Christi, in gegen- tiger Hilfeleistung geduldig ertragen, wird die genwärtige Heimsuchung uns allen zum Heile reichen.

Fulda, den 21. Mai 1932.

t Joseph Damian, Bischof.

Achtung! Elternbeiratswah len!

Von der Zentralstelle der Katholischen Schul­organisation, Düsseldorf, wird uns geschrieben:

In den nächsten Wochen finden wiederum an allen preußischen Volks-, mittleren und höheren Schulen die Neuwahlen der Elternbeiräte statt. Der genaue Wahltermin wird nach der amtlichen Wahlordnung von der Schulaufsichtsbehörde fest­gesetzt und bekannt gemacht. Hier und da haben die vorbereitenden amtlichen Schul - Elternver- fammlungen schon begonnen. Durchweg wird am 26. Juni gewählt.

Bei der starken weltanschaulichen Aufwühlung der Gegenwart und der fortschreitenden politischen Aufspaltung und Zerreißung unseres Volkes sind gerade für uns Katholiken diese Neuwahlen von höchster Bedeutung. Im Elternbeirat verkörpert sich der Schul- und Erziehungswille des Eltern­hauses. Hier geht es um die Vertrauensfrage, um die Teilnahme und den Fördererwillen des El­ternhauses, um das lebendige Miteinander und Füreinander von Elternschaft und Lehrerschaft, um ein harmonisches Schaffen im Dienste des gemein­samen Erziehungswerkes. Da aber solche Har­monie, die den sorgenden Eifer um das Wohl der Schule und die Reinerhaltung ihres Geistes le­bendig werden läßt, nur dort möglich ist, wo der gleiche Glaube und dieselben Ideale Eltern wie Lehrer innerlich erfüllen und verbinden, ist die Frage des Elternbeirates auch ganz wesentlich eine Weltanschauungsfrage. *

Unsere Gegner wissen, wieviel von der Arbeit und dem Wirken des Elternbeirates abhängen kann. Darum bemüht man sich hier seit Jahren, diese bedeutsame Position zu erobern und auf bem Wege über den Elternbeirat die Bekenntnisschule zu infizieren. Die Gegenwart mit ihren Tenden­zen zur weltanschaulicben und politischen Radi­kalisierung der Elternschaft und Jugenderziehung beweist, daß diese Gefahr heute größer und ern­ster denn je ist.

Wenn wir Katholiken für unsere Kinder eine Schule wollen, die aus der Fülle und Kraft des Glaubens lebt und wirkt, eine Schule der inne­ren Einheit mit Familie und Kirche, wird es ver­antwortungsvolle Pflicht und Aufgabe aller um die katholische Schule und Erziehung besorgten Kreise des katholischen Volkes sein, die Neuwah­len der Elternbeiräte an unseren Schulen mit be­sonderem Eifer unb verstärkter Hingabe mit allem Verständnis für ihre wachsende Bedeutung vor­bereiten und durchführen zu helfen.

Entscheidend ist vor allem ein vertrauensvolles Zusammenwirken von Elternschaft Lehrerschaft und Geistlichkeit. In wirklichem Gemeinschafts­handeln gilt es, die Eltern aufzuklären, zu inter- effieren und für die Aufstellung geeigneter Väter und Mütter zu sorgen, allen Einfluß auf die Be­setzung des Wahlvorstandes zu nehmen und nichts zu versäumen, was sonst dazu beitragen könnte, den unbedingt notwendigen Wahlerfolg sicherzu­stellen.

Die Frage der Kandidatenaufstellung ist die wichtigste. Nur solche Persönlichkeiten dürfen auf unseren Vorschlagslisten genannt werden, die treu auf dem Boden des katholischen Schul- und Er­ziehungsprogramms stehen, die verantwortungs­bewußt und opferbereit am Wohle der Schule An­teil nehmen und bereit sind, vertrauensvoll mit Schule und Kirche zusammenzuarbeiten.

Es ist selbstverständlich, daß für Vertreter einer religionslosen weltlichen Erziehung in katholischen Elternbeiräten kein Raum ist!

Wenn, wie bereits von verschiedenen Orten berichtet wird, neuerdings auch nationalsoziali­stische Parteikreise versuchen, den Elternbeirat zum Tummelplatz radikaler Bestrebungen zu machen, so muß mit aller Deutlichkeit erklärt werden, daß Clternbeiratswahlen keine Parteiwahlen sind, und

daß für firmierte Parte'-kandiüaten im Elternbei- tat einer katholischen Schule kein Platz ist, sicher« lich nicht für Vertreter ^er Partei, die kultur­politisch ein höchst veri^mommenes Programm vertritt und in der Schulfrage in der Aufrichtung eines unumschränkten Staatsschulmonopols unter Bevorzugung der Simultan-Einheitsschule ihr Ziel erblickt.

Die Katholische Schulorganisation Deutschlands (Zentralstelle Düsseldorf Reickstr. 20) sieht ihre besondere Aufgabe darin, überall bei der Vorbe­reitung und Durchführung der Neuwahlen durch Bereitstellung von Hilfsmaterial und Erteilung von Nat und Auskunft zu helfen. In keiner ka­tholischen Pfarr- und Schulgemeinde darf durch sträfliche Gleichgültigkeit die Erreichung unseres Kampfzieles:An kaLhol-fchen Schulen nur treu­katholische Elternbeiräte!' gefährdet werden.

@M6 Ks« Diszs-s ssKßös

Mm Bomfaliusjeste (Sonntag, 5. Juni,) findet eine Kollekte für den Bonifatiusverein statt. Die Unterstützung des Bonifatiusvereins ist die Grund­bedingung für den Aufbau und die Erhaltung des katholischen Lebens in der Diaspora. Wohl ha­ben viele Gemeinden ihre schweren finanziellen Sorgen, aber in b«; meisten Diasporastationen wirkt die wirtschaftliche Not doch noch drückender und unmittelbarer auf das kirchliche Leben. Dür­fen wir nicht auf besonderen göttlichen Segen hof­fen, wenn wir trotz vielfacher eigener Not den noch ärmeren Brüdern in der Diaspora Barmher­zigkeit erweisen?Laßt uns nicht müde werden, Gutes zu tun; laßt uns allen Gutes tun, beson­ders aber den Glaubensgenossen." (Gal. 6, 9 u. 10.)

Fulda. Im Herz-Jesu- Heim, dessen Hauptgebäude jetzt zu einem modernen Kran­kenhaus umgestaltet wurde, fand am Sonn­tag die Feier des Ewigen Gebetes statt Am Schlüsse der Anbetungsstunden zog unter zahlrer- cher Beteiligung der umwohnenden Gläubigen eine stattliche Prozession mit Musik durch die fest­lich geschmückten Gärten der Anstalt.

3m Mutterhaufe der Barmherzigen Schwestern zu Fulda starb am 29. Mai 1932 die General- Assistentin der Genossenschaft, Schwester Libo- r i a Müller. Sie war geboren zu Meschede im Sauerlande. Im Jahre 1884 trat sie in die Ge- nossenschast ein. Als junge Schwester wirkte sie dann zuerst in der ambulanten Krankenpflege in Hanau. 1890 eröffnete sie bereits als Oberin die vom Hochbetaaten Dechant Philipp Müller gestiftete Niederlassung in Amöneburg. Schon im folgenden Jahre wurde sie nach Eckenheim bei Frankfurt am Main versetzt, wo sie dem damaligen Kuratus Knips die Pfarrei aufbauen half. Der seeleneifrige Kuratus hatte dort zuerst die Schule gebaut und in derselben auch die Notkirche untergebracht. Als er dann an den Bau von Kirche und Pfarrhaus ging, veranlaßte er auch sofort die Einrichtung einer Schwesternstation. Sie mußte zunächst eine beschränkte Mietwohnung beziehen. Im Auftrage ihres Pfarrers sammelte dann Schwester Liboria selbständig die Gelder für den Neubau. Sie hatte dabei solchen Erfolg, daß im Jahre 1898 das Schwesternhaus auf einem neben dem Schulhause erworbenen Bauplatze fertiggestelkt und bezogen werden konnte. Der Kindersaal wurde im Schul- Hause aus einem Teil der früheren Notkirche ein­gerichtet. Nun konnte die Schwester uneingeschränkt der Krankenpflege nachgeb-n. Sie hat sie unermüd­lich ohne Unterschied bei Konfession und der poli­tischen Parteistellung bis zum Jahre 1917 dort ausgeübt. Im Juni desselben Jahres wurde sie aus dem Generalkapitel nach dem Tode von Frau Mutter Maria Theresia zur Generalassistentin ge­wählt und 1923 und 1929 ihre Wiederwahl voll­zogen. Schwester Liboria gehört zu der Schwestern-