rn. DerussgemesnWafi mit Sem Erlösen „â hriiftus" („ein zweiter Christus"). Ist das nicht öhepunkt der christlichen Vollkommenheit? — Matt albott hieß der stille Holzarbeiter, der 1925 in Ein auf dem Wege zur Kirche zusammenbrach. Dessen Namen und heMgmäßiges Leben seitdem ie Well kennt. Er hat vierzehn Jahre nur aus inem Brett geschlafen. Die Abendmahlzeit nahm r nur auf den Knien ein. Zwölf Jahre trug er etten am Leib. Es trieb ihn dazu die Liebe Christi und das Verlang«» nach Buße und Gühne. Lis Merkspruch hatte er sich auf einen Zettel ge« trieben: „Unser Heiland erschien der hl. Gertrud leich, müde, blutüberströmt, durchgequält, und lgte: Oeffne dem Herz, meine Tochter, denn ich rächte einkehren und rasten. Ich bin dieser Gün- entage so müde." — Und deutsche Männer? toch ist in unserer Erinnerung die Bußwallfahrt er 19 000 Männer Kölns in der Nacht zum Pas- onssonntaq und ihre andächtige Teilnahme an er Gühnemesse im Dom. — Und jetzt im Herz- tefu-Monat ruft der eifrige Prälat Mörzinger die >0 000 Wiener Erstkommunionkinder und die vie- en andern kleinen Leser seines Kirchenblattes in ilkn Ländern zu einer gemeinschaftlichen Sühne- ommunion auf. Kinder sühnen die Sünden der Erwachsenen. — Frankreich hat seine große Herz- tesu-Sühne-Kirche, ein Nationalheiligtum, aus dem llontmartre zu Paris, mit der Inschrift an der front: „Gallia pvenitens et devota", „das bühenide lnd betende Frankreich." Wertvoller noch ist ein großes Heer „büßender und betender" Herz-Jesu- Zerehrer, das deutsche Frömmigkeit schäften möge.
Eine altdeutsche Andacht ist die Herz-Jesu- ilndacht. Ein Berthold von Regensburg, gestor- i«n 1274, Johann lauter und Meister Eckhart »redigten vom llebenden und verwundeten Jesus- )erzen. Fast alle deutschen Mystiker sprechen om „minniglichen Herzen unseres lieben Herrn" n liebedurchglühten Schriften. Vom ältesten, dem Franziskaner David von Augsburg bis zu Thonas von Kempen. Deutschland war das klassische ^and der innerlichsten Herz-Jesu-Verehrung — in halbes Jahrtausend lang. Und sie war in un- erm Vaterlande weit verbreitet schon, als man in anderen Ländern noch gar nicht an so etwas Zar- es und Tiefes dachte. Diese Nachweise brachte ins der deutsche Jesuitenpater Karl Richtstätter, »em wir sehr dankbar sind. — Der vor 400 Iahen den katholischen Glauben unseres Vaterlandes ettete, der hl. Petrus Canisius, begann sein Werk nit dem Segen des Herzens Jesu: Bevor er nach Deutschland reiste, flehte er inständig vor demSa- ramentsaltar der Peterskirche. Da erschien chm )er Heiland, zeigte ihm das liebeglühende Herz mb stärkte seine Apostelseele. Kann das erbar- nende Jesus-Herz sich nicht auch ein zweites Mal eines Volkes erbarmen? Des Volkes, das ehedem ine liebinnige Herz-Jesu-Verehrung tief und ge= nütvoll gepflegt hat.
Eine Botschaft und Mahnung sind die Worte mseres Heiligen Vaters: „Es kann keinem Zwei- el unterliegen, daß aus dieser neubelebten und )er gesamten Kirche vorgeschriebenen heiligen An- wchtsübung viele herrliche Früchte erwachsen, nicht iloß für die einzelnen, sondern auch für die Kirche, )en Staat und die Familie."
Herz Jesu, Herz der Herzen, Sitz der Liebe rein und mild! Zufluchtsstätt' in Not und Schmerzen, Wo der Born des Friedens quillt!
Sühne ♦ 4 .
Am Dorfende, dort, wo die Bildsäule des hl. Iohannes von Nepomuk zwischen vier stattlichen Sinden steht, war das Anwesen des alten Wacht- neisters Florian Vogl. Wer das kleine schmucke haus sah, das auf die Straße herabblickte, hätte 's eher für das Heim einer jungen glücklichen Wau gehalten, als für die Wohnstätte eines alten ausgedienten Landjägers, der hier mit seinem Lohn Martin hauste.
Martin Vogl hatte ein paar Klassen Realschule besucht und war ein braver, bei seinen Lehren» beliebter Schüler gewesen; dann trat er beim Zollamt in Dienst und hatte es gegenwärtig bis zum »teuerboten gebracht, der die rückständigen Steu- rn einfordern und an das Amt abliefern mußte.
Getz Sen hmgen Mann dieses Amt die ganze Woche in Sie entlegensten Dörfer führte, konnte er nur mehr an Sonntagen seinen Vater aufsuchen. Deshalb sah der Alte heute am offenen Fenster und sah von Zett zu Zeit ungeduldig auf die Kuckucksuhr, die an der Rückwand der Stube hing.
Wenn er von Ferne einen hochgewachsenen Burschen eilig daherkommen sah, da nahm der Alte die Pfeife aus dem Mund und wollte dem Erwarteten entgegengehen, aber immer wieder rieb er sich dann die Augen, denn jener, den er für seinen Sohn gehalten, war längst hinter den Nachbarhäusern verschwunden. ,Hch weiß nit, daß ich den Martin nimmer kenn', meine Auger» wollen nicht mehr, die Sakermenter streiken."
Unterdessen füllte sich die Dorfzeile unten mit Kirchgängern, die von dem nachmittäglichen Segen heimwanderten. Als die Näherkommenden den Alten am Fenster erblickten, sahen sie mit so linkischer Heuchelei auf die andere Seite, daß dem alten Mann« das sonderbare Getue auffiel. Die Frauen, die ihren Männern folgten, erwiderten seinen Zuruf und grüßten zum Fenster hinauf, aber es lag etwas Scheues und Verlegenes in ihrem Wesen. Verwundert schüttelte der alte Mann den Kopf.
Da kam eine Weile später als Nachzüglerin die alte Botenfrau des Weges, an der Hand ihren vierjährigen Enkel schleppend; der Kleine sträubte sich zappelnd, weiter zu gehen und wies mit dem Finger gegen das Haus. „Großmutter, gelt, das ist dem Martin sein Vater?"
„Sei still, dummer Bub!" zürnte die Frau und suchte den Kleinen weiterzuzichen; der aber rief mit seiner hellen Knabenstimme: „Gelt, den Martin sperren sie ein!?" Schnell lief er dann, erschrocken über seinen Vorwitz, auf die linke Seite der Großmutter und griff nach ihrer Rockfalte.
Der alte Wachtmeister nahm verwundert die Pfeife aus dem Munde und grollte: „Solche Fratzen haben schon Freude am Verleumden. Pfui Teufel!" Die Pfeife schmeckte ihm nicht mehr; er hielt den eisgrauen Kops gesenkt und lauschte dem Klange in seinem Ohre. Beunruhigt stand er nach einer Weile auf und starrte vor sich hin. „Warum der Bub heut' nicht kommt. — Unsinn! — Warum sollten sie den Martin einsperren? — Ist doch ein rechtschaffener Bub!"
Ratlos lugte er mit forschenden Augen gegen den Kirchplatz, als fürchte er ein Unheil unterwegs. Da kam der alte Pfarrer, der immer nach dem sonntäglichen Segen Krankenbesuche zu machen pflegte; er trat durch den kleinen Vorgarten ans Fenster heran und legte dem Florian Vogl die Hand auf die Schulter.
„Nehmen Sie es nicht zu schwer, Herr Wachtmeister. Jeder Mensch kann einen Fehler machen, und jeder kann ihn auch wieder sühnen, wenn er den Willen dazu hat."
Der Alte war wie vor den Kopf geschlagen. „Ja, was ist denn los mit dem Martin, Hochwürden?"
Voll tiefen Mitgefühls sah der Priester den Graukopf an. „Es wäre gut, wenn Sie zum Zollinspektor gehen würden. Ihr Wort kann dem Jungen nur mißlich sein . . ."
Als der Pfarrer längst gegangen war, ging der Alte noch immer grübelnd in der Stube auf und ab. Dann zog er langsam den braunen Schössel- rock an und stapfte langsam den Weg hinunter auf die Straße. Das blendende Staubband hob sich bis zu seinem Auge und versank, als glitte es unter seinen Füßen weg. Menschen standen vor dem Zollamt auf dem Platze. Ein Grenzjäger stand inmitten einer Gruppe Gaffender und sagte laut: „Das verfluchte Geld, das liefert die meisten dem Teufel in die Klauen. Schad' um den Vogl. Er tut mir leid."
Ich sänne noch immer nicht glauben von dem Martin," zweifelte ein alter, weißhaariger Bauer. „Wer weiß, ob man ihm net unrecht tut!"
Der alte Wachtmeister preßte, als er dies im BorUbergehen hörte, die Hand ans Herz. Er schwankte und stolperte weiter gegen das Zollamt und gewahrte es nicht, wie die Leute bei feinem Anblicke sich teils mitleidig zuflüsterten und zu- minkten, teils neugierig hinter ihm Herzogen.
Auf der obersten steinernen Stufe des Zollamtes stand der diensthabende Wachtmeister Har-
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rer. „Lieber Kamerad, geh heim, das ist nichts für dich — du bist ein braver rechtschaffener Mann, wir kennen dich, alter Freund — mein Gott, der Martin —" Der gutherzige Wachtmeister wollte den zitternden Alten zurUckdrängen — da wich jeder Blutstropfen aus dem Antliß des alten Mannes, er warf den Kopf in den Nacken, sein Mund öffnete sich zu einem erstickenden Aufschrei und die Auger» starrten in trostlosem Entsetzen auf das Tor — auf der Schwelle erschien, von zwei Landjägern flankiert, mit bleichen, verzerrten Zügen der Martin.
Ein jäher Krampf durchzuckte die Glieder des jungen Burschen, er stürzte vor und hob die Hände inbrünstig gegen den regungslosen Vater. Die Tränen schossen über sein Gesicht, die blassen Lippen zitterten und mit niedergeschlagenen Augen stand er vor dem Vater.
Langsam erwachte der Alte aus seiner Erstarrung, abwesend neigte er sich zur Seite und sagte tonlos: „Ich bin — nit dein Vater!" Jählings aber preßte er die Fäuste gegen die Stirne und drängte mit wilder Heftigkeit gegen den Schluchzenden. „Bub, sag, warum du vom rechten Weg abkommen bist, ich versteh das nit. Hast nit an mein Alter gedacht? Mir tust du das an!? — Ah. führt ihn weg, von dieser Stund an sag' ich mich los von meinem Fleisch und Blut."
In Verzweiflung stand der junge Manin vor dem zürnenden Vater, schlug die Hände vors Gesicht, da nahmen ihn die Landjäger beim Arm und führten ihn eilig fort durch die ausweichende Menge, die sich rasch hinter den Dreien schloß.
Seit diesem Tage war der alte Wachtmeister menschenscheu geworden und nimmer sah man ihn, der früher an jedem Abend vor dem Hause sein Pfeiflein schmauchte, von der Bank hinaussinnen in den Sonnenuntergang. Und doch hatte das Gericht und die Meinung im Dorfe, die oft bei geringfügigen Anlässen ihre scharfe Zunge übte, ein mildes Urteil über die Verirrung des jungen Blutes gefällt —
Jm Sommer des nächstfolgenden Jahres wütete ein großer Brand in Arnsdorf, und angesichts der wachsenden Gefahr, daß der ganze Ort ein Opfer der Flammen werden konnte, hatte sich der Bürgermeister an die Behörde gewandt, da die Dorffeuerwehren der mächtig um sich greifenden Flammen nicht Herr werden konnten, und in zeitlicher Morgenfrühe raste ein Lastauto heran, das eine ansehnliche Schar von Sträflingen brachte, welche zum Hilfsdienst tommanbiert waren.
Bald sah man die Zwilchgewänder der Gefangenen, die mit Beilen, Helmen und Handsprißen ausgerüstet wurden, in der Menge der Feuerwehrleute untertauchen
Die Not der Heimat hatte auch den alten Wachtmeister aus feinem Hause geschreckt. Lange spähte er von der Schwelle hinab in das Getriebe; er wußte, daß seine greisenhafte Kraft zu nichts mehr nütze war. Aber teilnahmslos vermochte er nicht zu bleiben, und so tappte er langsam an den Brandherd näher heran, als er plötzlich vor einem jugendlichen Sträfling stand, dem eine Frau Labung bot.
Der alte Wachtmeister erkannte sofort seinen Sohn. Ein jähes Rot flammte ihm bis an die grauen Haare. Es war zu spät für ihn, zurückzutreten: so wollte er denn schweigend weitergehen. Allein der junge Bursche streifte mit leiser Hand an den Rock des Vaters und stöhnte: ^„Vater — nur ein Wort — nur ansehen, Vater!"
Der Alte zuckte zusammen, einen Augenblick schien es. als wollte er sich dem Bittenden zuwenden, jählings aber riß er sich weiter, fuhr mit der Gebärde des Abscheus über den Aermel, den sein Sohn berührt, und mischte sich hastig unter die vorüberflutenden Zuseher
Da hieß es plötzlich, im Hause der Witwe Lachner seien Kinder in der Bodenkammer, die man r icht mehr aus den Flammen retten könnte. 2llles stürmte dorthin, wo die brennenden Schindeln inmitten eines Funkenregens im Bogen herumsprangen. Das ganze Haus war in lohende, wabernde Flammen eingehüllt, eine blendende Lichtflut durchdrang das bleierne Düster des Morgens.