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Seile 2 / Nummer 22.

Rolle weiter spielen und uns die Worte eines be­kannten Liedes auf die Lippen legen: Fraestet fides supplementum sensuum defectui — fester Glaube muß ersetzen, was dem schwachen Sinn entgeht! —

I Der Talpfarrer.

O heiliges Gastmahl r

Wir stehen in der Oktav des Fronleichnams­festes, des glanzvolle-n Huldigungsfestes, das die Kirche jedes Jahr dem eucharistischen König berei­tet. Das Evangelium des heutigen Sonntags weist uns mit dem Gleichnisse vom großen Gastmahle wieder auf das allerheiligste Altarsakrament hin. Die Kirche will uns daran erinnern, daß Christus in der hl. Eucharistie nicht nur Gegenstand un­serer Anbetung sein will, sondern noch mehr: un­sere Speise.

„Ein Mann bereitete ein großes Gastmahl." So beginnt das Gleichnis. Wir wissen, welches Gastmahl gemeint ist. Das große Mahl der Liebe, bei dem Christus selbst Gastgeber und Speise ist. Das heilige Mahl, das er zum erstenmal in der feierlichen Abschiedsstunde vor seinem Opfergang den Jüngern bereitete, und das die Kirche in sei­nem Namen seit ihrer Gründung Tag um Tag ihren Kindern bereitet.

Wahrhaft ein großes Mahl! Unsern Sin­nen freilich mag es klein erscheinen. Nur ein un- scheinbares Stück weißen Brotes. Aber unsag­bar groß im Lichte des Glaubens: der Gott- menfch selbst mit Fleisch und Blut, mit Leib und Seele, mit Gottheit und Menschheit! In einer Weise, wie sie inniger nicht gedacht werden kann, vereinigt sich hier der Schöpfer mit dem Geschöpfe, der Heiligste mit dem Sünder. Durch diese Ver- e>inigung werden wir gleichsam umgewandelt, neh­men teil an der göttlichen Natur Christi. Kann es etwas Größeres für uns geben? Es ist wirk­lich so wie St. Augustinus sagt: „Der allweise Gott hat nicht mehr zu geben gewußt; der all­mächtige Gott hat nicht mehr zu geben vermocht; der unendlich reiche Gott hat nicht mehr zu geben gehabt als das allerheiligste Altarsakrament."

Bon diesem wunderbaren Gastmahle spricht der Herr in seinem Gleichnis. „Und er lud viele ein." Wahrlich, es sind viele, die Christus zum Mahle seiner Liebe einlädt! Niemand ist ausgenommen. Ununterbrochen sendet er seine Diener, die Prie­ster, die Missionare, in die Welt hinaus, um den Menschen sagen zu lassen: „Kommet, alles steht bereit!" Tag für Tag ergeht vom Altar aus fein einladender Ruf an jeden von uns: „Nehmet hin und esset: das ist mein Leib!"

Aber da wiederholt sich so oft das, was der Heiland vorausschauend im Gleichnis geschildert hat: „Da fingen alle nacheinander an, sich zu ent­schuldigen." Dürftige Entschuldigungen: Ich habe keine Zeit — muß mein neues Landhaus besichti­gen, meine Ochsen erproben, meinen Haushalt ein- vichten. Die Gründe sind der Form nach ver- toieben; die Gesinnung aber die aus ihnen spricht, ist bei allen dieselbe: Mein Besitz, meine anderen Beschäftigungen liegen mir mehr am Herzen als du und dein Mahl! Das ist das Schicksal, das der eucharistische Gastgeber tausendfach erdulden muh. Er ruft die Menschen mit der ganzen Glut seiner Liebe, ruft ihnen täglich zu: Kommet zu mir! Ich will euch meinen Leib geben, um euern Leib zu heiligen, meine Seele, um eure Seele mit Gna­den zu füllen, meine Menschheit, um euch meiner Gottheit teilhaftig werden zu lassen. Ich will eure Krankheiten heilen, will euch in euern Leiden trösten und in euern Kämpfen siegreich machen! Nichts Scaenvolleres gibt es für uns als dieses stberfließend reiche Mahl. Und doch erhält Chri­stus immer wieder von ungezählten Christen die entschuldigende Antwort: Wir haben keine Zeit. Irdischer Erwerb und irdische Sorgen, Geschäft und Arbeit, Vergnügungen und Genuß — für all das finden sie Zeit. all das dünkt ihnen wich­tiger, nutzbringender als die Schätze, die der ewige Gottessohn ihnen bietet, wenn er Einkehr in ihre Seele hält. Darin liegt die tiefe Kränkung, die wir dem Heiland durch unsere Lauheit und Gleich­

gültigkeit gegen ferne Einlâng zum eucharisti­schen Mahle zufügen. Wer sich wirklich bewußt ist, was die hl. Kommunion für seine Seele be­deutet, der findet immer Zeit, regelmäßig und häufig zum Tische des Herrn zu gehen.

Wer das aber nicht tut, wer den Ruf des gött­lichen Gastgebers mißachtet, der hat dieselben Fol­gen zu tragen wie die Eingeladenen im Evan­gelium. „Da wurde der Hausvater zornig." Die Gäste haben chn verschmäht; nun verschmäht er die Gäste. Er verliert kein Wort mehr über sie, fon= bern schickt seinen Knecht zu den Armen, den Krüppeln, Lahmen, Blinden und läßt sie zu sei­nem Mahle führen. Mögen auch die Erstgelade­nen fehlen, fein Haus wird doch voll. Mögen auch alle, die den irdischen Gütern ihre Seele ver­kauft haben, fern bleiben, so steht der Tisch des Herrn doch nicht verödet. Die Armen im Geiste, alle jene, die sich trotz aller Erdengüter ohne den sXilanb geistig arm, blind, lahm fühlen, die Bü­ßer, die Leidträger, die Kranken, die Einsamen,

Wo ist Trost?

0, wo ist Trost in weiter Welt?

Wo ist ein herz nicht gramgeschwelli? Wo ein Gemüt, das nicht gefühlt, Wie Untreu' mit der Treue spielt? Ach! wo ist Frieden, wo ist Ruh'. Wo sinkt ein Aug' stets freudig zu? Wo tönt nicht oft verhaltner Schmerz In bittern Klagen himmelwärts? Wo heißt's nicht kämpfen mit Gewalt, Wo schleicht nicht Pein in Leidsgesialt? Wo kennt ein Mensch die Träne nicht. Die aus dem Auge glühend bricht?

Ich weiß wohl einen Ruheplatz, Da ist mein Trost, da ist mein Schatz. Wohl kenn' ich ja ein liebend Herz. Draus schlagen Flammen himmelwärts. Und jede heiße Tränenflut Erlischt in dieser Flammenglut, Und jedes Opfer wird mir leicht. Wenn einen Dorn dies Herz mir reicht; Und pflanzt dies herz sein Kreuz mir ein Wird nur zur Freude jede Pein, Und Untreu trübt nicht mein Gemüt, Weil es in Gottes Lieb' erglüht.

So schließe denn in dieses Herz Jedwedes Leid, jedweden Schmerz, Schließ dich hinein, schließ mich hinein. Dies Herz soll unsre Hoffnung sein. O fleh. daß einstens beim Gericht Dies Herz ein Wort von Gnade spricht! Dies herz sei unser Ruheort, Das Stelldichein, der Friedensport.

J. B. Diel, S. I.

sie alle kommen gern und oft zum Gastmahle der Seele und werden satt, werden reich, werden ge­tröstet, werden stark durch die Wunderspeise des Altares.

„Ich sage euch aber: „Von jenen Männern, be geladen waren, soll keiner mein Mahl verkosten." In diesem letzten Worte des Hausvaters liegt die Hauptlehre, die Jesus durch fein Gleichnis geben wollte. Das Mahl der hl. Kommunion ist Vorbild und Vorbereitung für das große Gastmahl bei Gott in der Ewigkeit. Wer das eine verachtet, wird zu dem andern nicht zugelassen. „Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht essen und sein Blut nicht trinken werdet, dann werdet ihr das Leben nicht in euch haben." Wer die wer­bende Liebe des eucharistischen Gottmenschen ver- sclMäht, den wird er verschmähen in jener Stunde, da alles Irdische um uns versinkt, wertlos, we­senlos wird und nur eines mehr bleibt: die hun­gernde Sehnsucht der Seele nach dem Glück des ewigen Gastmahles im Himmel. Wenn mir aber in demütiger Dankbarkeit und Liebe dem Hei­landsrufe vom Altare folgen und uns regelmä­ßig und oft mit ihm in der hl. Kommunion ver­einigen, dann tragen wir die stärkste Verheißung des ewigen Lebens in uns, und wir dürfen ge­wiß fein, daß auch uns einmal das Wort des Lie-

lingsjßngerg gelten wird: „Selig, die zum Hoc zeitsfeste des Lammes geladen sind!"

Das Herz-Aesu-Fest als Tag heiliger Sühne und Bitteifers

In der neuen Enzyklika, die hier schon erwähl wurde, hebt der Papst mit väterlich freudiger Genui tuung den edler/ Hochsinn hervor, mit dem man vc allen seinem Rufe vom 2. Oktober vorigen Jahres , einem heiligen Kreuzzug helfender Liebe antwortete. S: dann bemerkt er voller Schmerz, daß die Uebel, vr denen die Menschen bedrückt werden, furchtbar schr durch ihre allgemeine Verbreitung, überall noch in stä digem Wachstum begriffen sind. Er fragt ferner na der Wurzel solcher Wirrnis und findet sie in der @i nach irdischen Gütern, die der heidnische Dichter m dem Worte „Furchtbarer Hunger nach Gold" bezeic nete. Unterdessen machen ha) die Umsturzparteien d< allgemeine Elend zunutze und entrollen immer schar loser die Banner der Gottlosigkeit und des Hasses geg< jegliche Religion. Sie suchen dabei nicht ohne Erfo den Kampf gegen Gott zu verbinden mit dem Ring- 11 m das tägliche Brot. Sie arbeiten mit allen Mittel: ihr teuflisches Ziel zu verwirklichen. Früher waren d Gottlosen einzeln und vereinzelt in der Menge. Hcui dagegen bilden sie in verschiedenen Ländern ein geschlo! senes und wohlgegliedertes Heer, das mit Hilfe von G) heimverbänden von Tag zu Tag anschwillt und immt übermütiger wird, als könne es mit feinen Gottes! ö ft! rungen die wunderbare Harmonie zum Schweigen brii gen, in der die Schöpfung den Ruhm des Schöpfers b singt.

Beim Anblick dieses so trüben, aber durchaus nid zu schwarz gemalten Bildes findet der Heilige Vat« für sich selbst und alle seine Kinder Kraft in dem 01 danken an die unfehlbaren göttlichen Verheißungen bi endlichen Triumphes Gottes und der Kirche und in bei Gedanken an die trostvollen Zeichen eines Hauches bi Kraft des Heiligen Geistes, der jetzt eine wunderbar Tiefe christlichen Glaubens und katholischer Aktion e weckt. Trotzdem drängt jeden die Pflicht, seine Stinm zu erheben und schirmend einzustehen für die mit Füße getretenen Rechte Gottes und die heiligsten Gefühle bi Menschenherzens, das Gottes so bitter notwendig b darf. Gilt es doch die Menschheit vor den schrecklicl sten Strafgerichten Gottes zu bewahren!

So beschwört denn der Heilige Vater alle Volke doch abzulassen von der niedrigen Selbstsucht und al Kräfte in einer einzigen Front zu vereinigen gegen b Schlachtreihen der Frevler, der Feinde Gottes wie bi Menschheit. In solchem Bündnis aller Herzen ur Kräfte müssen natürlich die die ersten sein, die sich bi christlichen Namens rühmen. Doch mögen treue ur warme Mitarbeit auch alle die andern leisten, die no an Gott glauben und ihn anbeten. Denn die Gesät droht allen und sucht die Grundlage jeder gesellscbaf lichen Ordnung und jeder Autorität, nämlich den Go tesglauben zu untergraben.

In diesem Kampfe für die Religion und den soziale Frieden muß man gewiß auch alle erlaubten menfei lichen Mittel gebrauchen. Darauf zielte das Rundscbre ben ,.Quadragesimo anno" vom vorigen Jahre hin. Aku im Bewußtsein, daß angesichts so tiefgreifender, so uh fassender Mißstände Menschenkraft nicht ausreicht, mei der Heilige Vater auf die beiden übernatürlichen Mitt hin, die der göttliche Meister andeutete, als er fprad „Diese Art wird nur durch Gebet und Fasten ausgi trieben."

Hier zeigt der Papst ausführlich die Macht de Gebetes, das göttliche Wirkungskraft in sich birg durch die feierlichen Verheißungen Christi. In unsere Lage träat es zudem schon in sich einen Teil der Ei hörung; denn wo man betet, da hält man schon de Gottesgedanken auf Erden lebendig, da schlägt man febo Gottlosigkeit und Unglauben zurück. Das Gebet de Kirche, das ohne Unterlaß zum Himmel aufsteiat, wir sodann die traurige Wurzel der heutigen Schwicric feiten ausrotten: die Gier nach Erdengütern. Dam wird sich auch der Weg auftun zu dem so heiß ersehnte Frieden.

Doch mit dem Gebet muß sich auch die Buße ver binden, der christliche Bußgeist und die Bußtat, wie e uns der göttliche Meister lehrt, wie es die Heiligen siet geübt und wozu immer der Zug des Herzens das christ liche Volk gerade in großer Drangsal angetrieben ha Die Buße ist Friedcnsbringerin, da sie die von de Sünde zerstörte Ordnung wieder herstellt, da sie der aufrichtig Reuigen den inneren Frieden schenkt, den di Welt nicht geben kann, den Frieden, der ein so lieb liches Geheimnis ist, daß er den Lippen des Armen voi Assisi, der die schmerzhaften Wundmale seines Herrn an abgezehrten Leibe trug, das Jubellied des Sonnengcfan ges entlockte.

Es folgt der letzte Teil des Rundschreibens, der ganz bestimmten Anordnungen

und väterlichen Ermahnungen gewidmet ist. Es heißt dli Könnten Wir Euch, ehrwürdige Brüder, auf ein« passendere Gelegenheit Hinweisen, Uns in Gebet uni Sühne zu vereinigen, als auf das nahe Herz-Jefu-Fcstr Gerade diesem Fest ist doch, wie Wir vor Jahren ö Unserem Rundschreiben „Miserentissimus" ausfübrliö dargelegt haben, der Geist lebendiger Sühne eigen. Des-