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■ Drud und
Religiöses Wochenblatt für die katholischen Gemeinden Kassels.
Erscheint jeden Sonnrag und kostet monatlich Ausgabe A 40 2L-Pfennig 8 45 L-Pfennig (Sufteflgebühr epra)
Wochenkalender.
Sonntag, 22. Mai. Fest der allerheiligsten Dreifaltigkeit.
Montag, 23. Mai. Vom Tage.
Dienstag, 24. Mai. Vom Tage.
Mittwoch, 25. Mai. Gregor VII., Papst, Bek.
Donnerstag, 26. Mai. Fronleichnam.
Freitag, 27. Mai. Von der Fronleichnamsoktav. Beda der Ehrwürdige, Bek., Kirchenlehrer. Johannes, Papst, Mart.
Samstag, 28. Mai. Von der Fronleichnamsoktav. Augustin, Bischof, Bek.
NB! Heute OuartalskoUekle für das Priesterseminar.
Fest der heiligsten Dreifaltigkeit
Epistel. Römer 11, 33—36.
Evangelium. Matthäus 28, 18—20. Das Geheimnis der heiligsten Dreifaltigkeit.
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: „Mir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und lehret alle Völker. Taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehret sie alles halten, was ich euch geboten habe. Und seht, ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt."
Der göttliche Regenbogen.
- or einigen Tagen beobachtete ich einen Regenbogen von solcher Pracht und 1^^ Anmut, daß ich nicht müde wurde, ihn 311 betrachten, bis er nach eini- gen Minuten in ein trübes Nichts sich auflöste. — Ist' der Regenbogen nicht ein sprechendes Bild des großen Geheimnisses, das wir heute feiern, der heiligsten Dreifaltigkeit? Im Regenbogen unterscheiden wir ja nicht bloß eine, sondern verschiedene Farben. So sind auch in Gott mehrere, und zwar drei Personen: der Vater, der Sohn und der hl. Geist. Wir haben ja den Auftrag des Meisters am Schluß des heutigen Evangeliums vernommen, worin die heiligsten
- drei Personen ausbrütflid) und deutlich genannt werden: „Taufet alle Völker im Namen des Vaters und des Sohnes und des hl. Geistes."
Nun find aber die Farben des Regenbogens nicht getrennt und zerstreut, sondern hängen zusammen und fließen in einander über und bilden miteinander jenes rounberoode Schauspiel, das / wir Regenbogen nenen. Ist es nicht ähnlich bei den göttlichen Personen? Keine ist dem Mesen nach von der andern getrennt, sondern alle drei haben die göttliche Natur gemeinsam; alle drei sind der eine, wahre, unzertrennliche Gott. Auch diese Wahrheit finde ich in den Worten des Herrn 'Ngedeutet: „Taufet im Namen des Vaters unb Lohnes und des hl. Geistes." Der Rome be
deutet nämlich das Wesen. Merke nun, daß es nicht heißt: in den Ramen, sondern im Namen, d. h. in dem einen Ramen. Darin ist die Einheit des göttlichen Wesens ausgedrückt und enthalten.
Der Regenbogen ist eine Lichterscheinung. Und was sagt die Hl. Schrift von der Gottheit? „Gott ist Licht, und Finsternis ist in ihm keine." (1 Joh. 1, 4.) Und abermals steht geschrieben: „Gott wohnt im unzugänglichen Lichte." (1 Tim. 6, 16.) Denke auch an die Verklärung des Herrn auf Tabor, wo sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, unb seine Kleider weiß waren wie Schnee.
Der Regenbogen entzückt die Menschen durch seine schöngeschwungene Form und glühende Farbenpracht. Und der liebe Gott ist die Schönheit selber, der Ursprung und die "Quelle aller Schönheit, Heiligkeit, Güte und Vollkommenheit. „Jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk stammt von oben, dem Vater der Lichter." (Jak. 1, 17.)
Gewiß kann der Regenbogen als Bild Gottes und der hl. Dreifaltigkeit angesprochen werden. Ich bin mir aber bewußt, wie schwach und mangelhaft dieses Bild ist. Immerhin ist es lehrreich, nicht bloß auf die Ähnlichkeiten, sondern auch auf die Verschiedenheiten hinzuweisen. Der Regenbogen ist erschaffen. Er kommt nur zustande durch das Zusammentreffen von Sonnenschein und Regen. Darum ist er abhängig und vergänglich. Bei Gott aber gibt es keinen Ursprung, keine Erschaffung, keine Abhängigkeit, kein Werden, kein Vergehen. Und trotzdem der Sohn gezeugt ist vom Vater, und der hl. Geist vom Vater und vom Sohne ausgeht, ist doch der Vater nicht älter als der Sohn und der hl. Geist, und der Sohn ist nicht älter als der hl. Geist. Denn sowohl die Zeugung als auch das Hervorgehen sind von Ewigkeit. Es gibt zwischen den heiligsten göttlichen Personen keinen Unterschied der Zeit, des Alters, des Ranges, der Würde, der Macht, bet Herrlichkeit, der Vollkommenheit. Denn alle drei besitzen die Gottheit gemeinsam.
Nur kurze Zeit dauert das Schauspiel des Regenbogens. Nach wenigen Minuten zerrinnt er in nichts. Was schreibt aber der Psalmist von Gottes Beständigkeit'? „Im Anfang hast du, o Herr die Erde gegründet, und die Werke deiner Hände sind die Himmel. Dieselben vergehen, du aber bleibst. Sie altern wie ein Kleid, und wie ein Gewand änderst du sie. Du aber bleibst derselbe, und deine Jahre nehmen nicht ab." (Ps. 101, 26.)
Auch ist der Regenbogen nur eine natürliche Erscheinung, die sich nach den Gesetzen des Lichtes und der Strahlenbrechung erklärt. Wenn es aber um das Wesen Gottes sich handelt, dann schließe die Augen und demütige deinen Verstand. Gottes Dasein, Gottes Einheit, Gottes Dreifaltigkeit, Gottes Eigenschaften, Gottes Vollkommen
heiten find über alle Ordnung der Natur himmelhoch erhaben und können durch keinen Verstand begriffen ober erfaßt werden. Der liebe Gott und die heiligste Dreifaltigkeit ist ein Geheimnis, ist das Geheimnis aller Geheimnisse, ein Geheimnis tiefer als das Meer, breiter als die Welt, höher als der Himmel. Wohl dürfen und sollen mir dieses Geheimnis studieren, überdenken, betrachten, erwägen; aber nicht in Vermessenheit, nicht in Grübelei, nicht in Zweifelsucht; sondern in ungeheuchelter Demut und mit anbetender Ehrfurcht. Setzt sich nicht der Verwegene, der unbewaffneten Auges ins grelle Sonnenlicht blickt, der Gefährder Erblindung aus? So würde auch vermessentliches Grübeln über die göttlichen Geheimnisse leicht zum Unglauben führen. Was wäre denn ein Gott, den der schwache Menschenverstand begreifen könnte? Ein Phantom, eine Ausgeburt des Gehirns Aber kein wahrer Gott. Unbegreiflich ist Gott; unbegreiflich muß er sein. Unbegreiflich nicht bloß in seinem Wesen, unbegreiflich auch in seinen Werken und Wundern, in seiner Welt- vegierung und Vorsehung. Diesem Gedanken hat S. Paulus Ausdruck verliehen mit den Worten aus der heutigen Epistel: „0 Tiefe des Reichtums der Weisheit und der Erkenntnis Gottes! Wie unerforschlich sind seine Ratschlüsse und wie unergründlich seine Wege." —
Senken wir also die Stirne, demütigen wir den Verstand, beugen wir das Knie, falten wir die Hände und sprechen: „Credo." —
Wenn wir die hl. Dreifaltigkeit nicht begreifen können, so wollen wir sie wenigstens nachahmen im Gulesiun. Denn „Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm." Darnach handelten zur Zeit der Türkenkriege die Trinitarier. Sie opferten ihr Gebet, ihre Arbeit, ihr Vermögen, ihr Leben, um die gefangenen Christen aus türkischer Knechtschaft zu entreißen; sie verschafften ihnen die Freiheit, führten sie zurück in die Heimat, bewahrten sie vor dem Abfall und vor der Verzweiflung, retteten ihren Leib und ihre Seele, ihr Leben und ihre Seligkeit. Und wenn auch du nach Kräften dem bedürftigen Bruder hilfst, wirst auch du „ein Trinitarier", ein Dreifaltigkeitskind!
Der Talpfarrer.
Das Bild der AlSerheiligsten Dreifaltigkeit
Das größte Geheimnis unserer Religion ist das Geheimnis des heutigen Festes, die Allerbeil'.gste Dreifaltigkeit. Wenn wir dieses Wort aussprechen, dann rühren wir an die tiefsten Tiefen der Gottheit, an das geheimnisvolle Leben Gottes, das kein menschlicher Verstand ergründen kann. Keine