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Seife 12 / Nummer IS.

sätze der nationalen Erziehung, ja gegen die Volks­gemeinschaft selbst . . . Durch die Trennung der deutschen Jungen und Mädchen nach Konfessionen wird infolge der damit bewirkten Stärkung des konfessionellen Bewußtseins das nationale Gemein­schaftsgefühl geschwächt." Diesen neuen Gegnern unserer Bekenntnisschule können wir nicht entschie­den genug das Wort unseres Hl. Vaters aus der Erziehungsenzyklika entgegenhalten: „Der gute Katholik ist gerade kraft der katholischen Glau­benslehre auch der beste Staatsbürger, der sein Vaterland liebt und sich der Staatsgewalt aufrich­tig unterordnet" Uns ist Bekenntnisschule nicht eine Abseits- und Winkelschule, sondern wahrhaft Schule zum Volk, Wurzelboden echter Volks­gemeinschaft, weil sie die tiefsten Kräfte aller Ge­meinschaftsbildung, die eminent politischen Tugen­den der 3ud)t, Hilfsbereitschaft und Nächstenliebe tief in die Herzen der jungen Staatsbürger ein- senkt und sie religiös fundiert.

In Zeiten, da alle Grundlagen zu schwanken scheinen und verführerische Strömungen und Be­wegungen die Linien zu verwischen drohen, müs­sen wir uns erneut besinnen auf oberste Pflicht und heiligstes Recht der Eltern, Geist und Charak- ter der Schule ihrer Kinder selbst zu bestimmen. Wenn der Staat den Schulzwang durchführt, muß er den Eltern eine Gdjtilform geben, die dem Ge­wissen der Eltern entspricht. Wir lassen unsere Ge­wissensrechte nicht zertreten, wir lassen uns eine Schuldiktatur — möge sie kommen von rechts oder links — niemals aufzwingen! Uns ist die Schul­frage nicht zuerst eine politische Frage, sondern eine Gewissensache „In keinem Volke der Welt treiben die Katholiken dadurch, daß sie ihren Kin­dern die katholische Schule zu erwirken suchen, Parteipolitik: vielmehr leisten sie dadurch reli­giöse, von ihrem Gewissen als unerläßlich gefor­derte Arbeit" (Erziehungsenzyklika).

Nicht nur Mahnruf zur Besinnung auf unsere katholischen Erziehungsgrundsätze will der Schul­sonntag sein, sondern auch Weckruf zum Kräfke- fammeln. Die katholischen Kräfte wecken und schu­len, den Geist der Wachsamkeit und Verantwor­tung für die Fragen der Jugenderziehung, festigen und vertiefen, vor allem in den Kreisen der zu­nächst ^Berufenen und Derantworlichen, der Eltern, Lehrer und Seelsorger: das ist die große Ausgabe der katholischen Schulorganisation Deutschlands. Sie setzt ihre ganze Kraft dafür ein, daß in der Sorge um Schule und Jugend unserem katholi­schen Volke sein Recht wird, daß in der gegen­wärtigen Notzeit nicht auf Umwegen bürokrati­scher Sparpolitik der Charakter und Lebensraum unserer Konfessionsschule geschwächt und einge­engt werde, daß die katholische Schule auch über diese Zeit hinweg lebenskräftig und leistungsfähig bleibt, daß ihre Bildungsarbeit und ihr Innen­leben immer mehr dem Ideal katholischer Erzie­hung angenähert werde. Was hülfe uns eine katholische Schule nur dem Namen nach, in der Religion nur Fach unter Fächern wäre, nicht aber Seele der Schularbeit. Grundprinzip und alles durchdringender Lebensatem. Darum geht es in dem Wirken der Katholischen Schulorganisation. Und daß in dieser Zeit steigender Kinder- und Jugendnot alle Väter und Mütter, Lehrer und Priester sich die Hände reichen zur gemeinsamen Hilfsarbeit am Kind, daß wir keine Mühen und Opfer scheuen, um die Jugend zu retten, daß wir vor allem uns mit aller Entschiedenheit zur Wehr setzen gegen jene Versuche der Unterhöhlung und Infizierung unserer katholischen Schulen durch Golklosenpropaganda und kommunistische Zellen­bildung, daß wir tapfere Männer und Frauen in die Elternbeiräte und Schulausschllsse entsenden, die unerschrocken gegen die sittlichen Mißstände, gegen die Schmutz- und Schundflut unserer Tage ankämpfen. Daß wir in unseren Familien, in unserer Elternschaft, den Geist rechter Erziehungs­freudigkeit mehren helfen, daß wir nicht zuletzt im wirtschaftlichen Kampf der Gegenwart vor allem auch unsere katholischen Privat-, Diaspora- und Ordensschulen in eine bessere Zukunft hinüberret­ten: das sind nur einige der vordringlichsten Sor­gen und Zeitaufgaben unserer Katholischen Schul­organisation.

Auf dem Hintergründe der tiefen Erzkehungs- not und der ernsten kulturellen Zeitsituation hat der deutsche Katholizismus allen Anlaß, fein star­kes Bollwerk im Kampf und Aufbau katholischer Jugenderziehung, die katholische Schulorganisation Deutschlands, neu zu stärken und zu schützen. Der Schulsonntag ist hier auch eine stille, eindringliche Mahnung und Bitte: Helft der katolhischen Schul- und Erziehungsbewequng durch eure Opfergabe am Schulsonntag? Helft mit, das Werk katholischer Schule und Jugenderziehung in unserem Volke zu festigen und zu fördern. Helft mit, unsere Kin­der, unsere Jugend aller Not der Zeit und aller Verfolgung zum Troß für Christus, den König, zu retten!

Kleine poltt. NnckLläten

Reichskanzler Dr. Brüning, der zur Zeit in Genf, am Sitz des Völkerbundes, schwierige Verhandlungen in der Reparations- und Abrüstungsfrage führt, hat deshalb dach nicht seine Wahlpflicht versäumt: Er reiste von Genf nach dem nächstgelegenen preußischen Dorf im Hohenzollernschen Ländchen, dem kleinen Achberg, nicht weit von Lindau in der Nähe des Bodensees, und gab dort seinen Stimmzettel ab. Wie viele andere, die es leichter gehabt hätten, mögen sorglos ihre Pflicht ver­säumt haben?

Die endgültige Einberufung der Lausanner Konfe­renz, die das Reparationsproblem lösen soll, wird in den nächsten Tagen erfolgen. Die Einladung erfolgt durch die englische Regierung zugleich im Namen von Deutsch­land, Frankreich, Italien, Belgien und Japan. Das Datum des Zusammentritts soll der 16. Juni sein.

„Vom Fronloffizier zum Reichskanzler." Unter diesem Titel gibt der Verlag Badenia A. G. in Karlsruhe eine 32 Seiten starke Broschüre heraus, mit 11 ganzseitigen Bildern in Kupfertiefdruck; in dem Heft wird das Leben und Wirken Brünings positiv gewürdigt und dem Volke näher gebracht. Preis 25 Pfg.. Ab 10 Stück 20 Pfg., ab 100 Stück 15 Pfg., ab 1000 Stück 10 Pfg. Für Massenverbreitung sehr geeignet.

Die Nazis wollen die Jesuiten vertreiben? In Er­gänzung einer ähnlichen Nachricht in der vorigen Num­mer unseres Blattes verzeichnen wir noch folgenden Er­guß der nationalsozialistischen „Niedersächsischen Tages­zeitung" vom 3. 10. 31: „Wir beglückwünschen die Spa­nier aufrichtig, aber nicht ohne Neid zur bevorstehenden Ausweisung der Jesuiten. Eine nationalsozialistische Re­gierung wird hoffentlich auch recht bald Deutschland von dieser Pest befreien."

Adolf Hitler als „frommer“ Kirchengänger. Vor dem zweiten Wahlgang zur Präsidentenwahl wurde von den Nationalsozialisten ein Flugblatt mit einem Bilde ver­breitet, wie Adolf Hitler eine Kirche verläßt. Darunter steht zu lesen: „Ein photographische Zufälligkeit wird zum Symbol. Adolf Hitler beim Verlassen der Marine­kirche in Bremerhaven. Kann dieser Mann ein Feind der Religion sein?" Auf Anfrage beim katholischen Pfarramt Bremerhaven wird von diesem mitgeteilt, daß es in Bremerhaven weder eine katholische noch eine pro­testantische Marinekirche gibt, und daß keine Kirche in Bremerhaven ein Portal wie das auf dem Bild wieder­gegebene aufzuweisen hat, daß mithin die Aufnahme überhaupt nicht in Bremerhaven gemacht sein kann.

Ein hessischer Nazi-Führer? Der nationalsozialistische Landtagsabgeordnete Buttler, auf den kürzlich in Eber­stadt angeblich ein Revolverattentat verübt worden ist, hat jetzt sein Mandat niedergelegt. Bei der Unter­suchung des „Revolverattentats" auf Buttler hat sich herausgestellt, daß sich der nationalsozialistische Land­tagsabgeordnete ohne Zweifel den Schuß selbst bei­gebracht hat. Er wollte jedenfalls „Märtyrer" werden. Er glaubte das vielleicht nötig zu haben, weil in einer Gerichtsverhandlung bekannt geworden war, daß er vorbestraft ist. Schöne Nazifrüchte!

Das „Steuergeheimnis" im Dritten Reich. In Wanz­leben (Bezirk Magdeburg) wurde der Finanzamts­beamte und dortige Kreisleiter der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei, Brennecke, von seiner vorge­setzten Behörde fristlos entlassen, weil er in großem Umfang Verrat von Steuergeheimnissen betrieben hat. So hat Brennecke die Steuerverhältnisse der großen Steuerzahler öffentlich preisgegeben. Die Leitung der Nationalsozialisten in Magdeburg und Dessau war über die Einkommens- und Vermögensverhältnisse des Gene­raldirektors Ebeling in Westeregeln und über die ande­rer leitender Beamten und Angestellten der Alkaliwerke Westeregeln genau informiert, ebenso über die Steuer­verhältnisse des Kommerzienrats Dr. Rabbethge in Klein-Wanzleben rmd über die seiner leitenden Beamten

und Angestellten wie auch über die Verhältnisse bei den Alkaliwerken Westeregeln und bei der Zuckerfabrik Klein-Wanzleben A.-G. Ebenso sind die Vermögensver­hältnisse der Besitzer von großen Gütern und die der Landwirte durch den Finanzamtsbeamten Brennecke verraten worden. Zu gegebener Zeit sollte das Ma­terial, wie es heißt, gegen die Großsteuerzahler ausge­wertet werden im Interests der Nationalsozialistischen Partei.

Ein Landbundgeschäftsführer? Das Schöffengericht Greiz verurteilte den früheren Landbundgeschäftsführer Erich Port aus Kleinreinsdorf bei Greiz wegen Unter­schlagungen von zirka 14 000 Mark zu zwei Jahren Ge­fängnis und zwei Jahren Ehrverlust. Port, der von 1924 bis 1931 als Landbundabgeordneter ununterbrochen dem Thüringer Kabinett als Staatsrat angehörte, hatte diese Unterschlagungen, die gegen Ende des vorigen Jahres aufgedeckt wurden, bei der Spar- und Darlehns- kasse Kleinreinsdorf und beim Radfahrerverein began­gen.

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Oesterreich.

Auch in Oesterreich fanden am Gönn tag in vie­len Gebieten Landtags- und Gemeindewahlen statt. In Wien (Gemeinderat) behalten die Sozialdemo­kraten die Mehrheit, sind aber geschwächt. Zum ersten Mal traten die österreichischen Nationalso­zialisten ernstlich als Bewerber auf. Ihre Stim­men gewannen sie z. T. auf Kosten der Sozial­demokraten, vor allem aber auf Kosten der Christ­lichsozialen.

Iugoslavien.

Iugoslavien will von der Militärdiktatur mit freimaurerischem Einschlag wieder zur parlamen­tarischen Regierungform zurückkehren. Welchem Zweck die Abreise des Führers der slovenischen Katholiken Dr. Koroses und des katholischen Pfar­rers Wagner von Belgrad nach Rom dient, ist noch unbekannt. Das seit Jahren fertige Konkordat mit Rom harrt noch immer der Unterschriften und der Ratifizierung.

Frankreich.

Der französische Vizeadmiral Rene Dufour de a Thuillerie äußerte sich vor Journalisten über )ie Rückkehr der französischen Intel­ligenz zur Kirche. Er erklärte, der religiöse Skeptizismus, der vor 50 Jahren dem geistigen Führertum Frankreichs das Gepräge gab, ver­schwinde allmählich immer mehr; an seine Stelle trete eine starke Hinwendung zur Religion. Im Bereich der Wissenschaft seien heute schon ungefähr die Hälfte der französischen Gelehrten entweder gläubige Katholiken oder doch der katholischen Kirche sehr wohlgesinnt. Die Mehrheit der übri­gen erkenne zumindest dem Christentum eine über­ragende Rolle zu. Auch in der medizinischen Welt lasse sich eine ähnliche Erscheinung feststellen.

. Schweden.

Der Selbstmord des „Zündholzkönigs" Ivar Kreuger hat zu unglaublichen Enthüllungen ge­führt. Die Kreuger-Untersuchungen haben einen Skandal aufgedeckt, dessen Ausmaße den berüchtig­ten Panama-Skandal übertreffen. Ivar Kreuger wurde als einer der größten Schwindler entlarvt. Viele feiner Werke sind, wie die Untersuchungs- kommifsion feststellt, doppelt beliehen worden. Italienische Staatsschuldoerschreibungen im Werte von 300 Millionen Kronen wurden direkt gefälscht, um stille Reserven vorzutäuschen und als Grund­lage großer Kredite zu dienen. Hypotheken auf Berliner Grundstücke sollen nach einer nichtamtli­chen Mitteilung ebenfalls gefälscht und doppelt be­ließen worden sein. Nach einem englischen Finanz­blatt hat der Konzern riesige Bestechungssummen für die Erwerbung von Zündholzmonopolen aus­gegeben. Ferner wird behauptet, daß Kreuger die schwedischer Kommunisten, die italienischen Faschi­sten und die deutschen Nationalsozialisten subven­tioniert habe, um Einfluß auf diese Bewegungen zu gewinnen. Angenommen wird, daß die Konten der Firma seit 1915 gefälscht sind. Neuestens wird von verschiedenen Seiten vermutet, daß Ivar Kreuger das Opfer von Erpressern geworden ist. für deren Befriedigung er Millionen geopfert habe. — Es ist sogar der Verdacht aufgetaucht, daß der Selbstmord Kreugers nur vorgetäuscht und daß der Schwindler entflohen sei.