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linksradikale Strömungen bemerkbar. Gegen den tüchtigen Präsidenten Montero regt sich als Gegenspieler der 1927 gestürzte frühere Präsident Alessandri. — Durch die furchtbaren Eruptionen der südamerikanischen Vulkane in der vorigen Woche ist Chile auch besonders betroffen.
Moskau * Madrid * Lissabon.
Der Kommunismus in Spanien wächst.
Unter der Hebers Christ „Der Kommunismus in Spanien" und der Unterüberschrift „Eine wachsende Gefahr" veröffentlichte die größte englische Zeitung, die „Times" vom 28. März einen sehr umfangreichen und inhaltlich sehr bemerkenswerten Bericht ihres Madrider Vertreters. An der Spitze stellt der englische Berichterstatter die bezeichnende Tatsache, daß ausgerechnet in der Se- mana Santa (Karwoche) und ausgerechnet in Sevilla die russischen Agenten und die einheimischen Kommunisten ihre Wühlarbeit der letzten Zeit mit einem kommunistischen Kongreß „krönten". Eines der Werkzeuge Moskaus, welche die bolschewistische Propaganda in Spanien nach dem Sturze der Monarchie belebten, war Ramon Easanellas, der Mörder des seinerzeitigen Ministerpräsidenten Dato Nach Verübung des Attentats auf diesen berühmten konservativen Staatsmann im März 1921 war er nach Sowjetrußland entflohen, wo er sich u. a. als Flieger in der Roten Armee nützlich machte. Nach dem Umsturz vor einem Jahre kehrte er nach Spanien zurück und erwies sich für die ihm von den russischen Bolschewisten gewährte Gastfreundschaft dankbar durch eifrige Betätigung in ihrem Sinne. Er wurde zwar in der vergangenen Woche verhaftet, aber unter Berufung auf die Amnestie vom 14. April 1931 (dem Tage des Umsturzes) bald wieder freigelassen und als „lästiger Ausländer" — er hatte sich die russische Staatsangehörigkeit zu sichern gewußt — aus Spanien ausgewiesen.
Die bolschewistische Propaganda in Spanien betrachtet dieses Land zusammen mit dem benachbarten Portugal für die Zwecke Moskaus als eine Einheit. In Portugal wurden Flugblätter verbreitet, mit der Parole: „Es lebe die baldige Vereinigung der iberischen Sowjetrepubliken!" Von Spanien aus ergießt sich ein Strom kommunistischer Propagandaliteratur nach Portugal. Das verantwortliche Portugal scheint allerdings von den „freundnachbarlichen" Bemühungen der spanischen Kommunisten wenig entzückt zu sein, und dir portugiesische Regierung wendet ihre Blicke aufmerksam und besorgter denn je nach dem „Tollhause jenseits der Grenze".
Welche Fortschritte der Kommunismus in Spanien gemacht hat, wird am besten durch folgendes illustriert. Bei den Wahlen im Juli des vorigen Jahres erhielten die ausgesprochen kommunistischen Kandidaten im ganzen Lande nur wenige tausend Stimmen. Einige Monate später erhielt bei einer Nachwahl der kommunistische Kandidat in einem Bezirk allein mehr Stimmen, als alle Kommunisten bei der Wahl im Juli zusammengenommen. Der Kuliurbolschewismus tritt ebenfalls immer deutlicher in die Erscheinung. Der englische Korrespondent berichtet z. B., daß pornographisckxe (unzüchtige) Literatur in Massen offen zum Verkauf gestellt werde. Die wachsende Arbeitslosigkeit gibt ebenfalls einen günstigen Nährboden für die kommunistische Propaganda ab.
Am Palmsonntag war in Sevilla das „Ereignis" eine Versammlung der revolutionären Linken in dem großen Stadion, das für die große Ausstellung im Jahre 1929 gebaut worden war. Bei dieser Gelegenheit führten die Redner eine ganz unmißverständliche Sprache. So forderte der Abgeordnete Balbontin die andalusischen Bauern auf, sich mit den Industriearbeiter Kataloniens zu einer „neuen und röteren Revolution" zu vereinigen.
Aus alledem ergibt sich, daß der Kommunismus wirklich eine wachsende Gefahr in Spanien darstellt. Die Frage, wie weit das neue Regime an dieser Entwicklung die Schuld trägt, ist nach den Erfahrungen des ersten Jahres seiner Existenz leicht zu beantworten. D<e Regierung scheint selbst allerdings auch schon etms bedenklich zu werden.
Auf jeden Fall: Der Bolschewismus ist die große Welkgefahr der Zukunft. 3m Osten und Westen hat er sich schon festgesetzt und rüstet sich, von Rußland und Spanien aus ganz Europa zu verseuchen und zu revolutionieren.
Aus einem Btief an den Bonifatiusbofen.
Ffm.Eschersheim, den 29. März 1932.
.....Bei dieser Gelegenheit möchte ich dem Boni- fatiusboten meine Anerkennung aussprechen für die klare und zusammensassende Art seiner polit. Wochenberichte. Obwohl ich genötigt bin, täglich eine ganze Reihe tn= und ausländischer Zeitungen zu lesen, will ich doch an keinem Sonntag die Lektüre der politischen Wochenschau des B. B. vermissen, weil in ihr das Wesentliche der politischen Vorgänge, von den unwesentlichen Begleiterscheinungen losgelöst, klar herausgearbeitet ist. Dies gilt auch von den Berichten aus der katholischen Welt. Ebenso zeichnen sich auch die Aufsätze des B. B., die der religiösen Vertiefung und Erbauung gewidmet sind, durch ihre Bestimmtheit und Gediegenheit aus und unterscheiden sich dadurch vorteilhaft von vielen anderen Blättern.
Der B. B. kommt nun schon seit 30 Jahren, nämlich seit der Verheiratung meiner Eltern, in unser Haus. Er war die erste Zeitung, die ich lesen durfte; er war mein Lehrmeister im Zeitungslesen. Daher war auch in unserer Familie der einhellige Wille, den Bonifatius- boten beizubehalten, obwohl unsere Pfarrei jetzt nicht mehr zur Diözese Fulda zählt.
Kleine Muhl. Naürrirkton
Rom. Kardinal Schulte wurde am 13. April in einstündiger, sehr herzlich verlaufener Abschiedsaudienz vom Papst empfangen, an die sich eine längere Unterredung des Kirchenfürsten mit dem Kardinalstaatssekretär anschloß. Der Kölner Oberhirte verließ dann in Begleitung seines Geheimsekretärs Dr. Corsten in der Richtung Florenz die Ewige Stadt. Zur Verabschiedung waren auf dem Hauptbahnhof Botschaftsrat Dr. Klee, Prälat Oberdörfer, der Salvatorianergeneral Pankratius Pfeiffer, der Rektor des Campo Santo, Mfgr.Dr. Stöckle, der neuernannte deutsche Provinzial der Lazaristen, Pater Wilhelm Steenen, und zahlreiche andere Mitglieder des deutschen Welt- und Ordensklerus Roms erschienen. Kardinal Schulte wird in Florenz und dann in Mailand einen kurzen Aufenthalt nehmen. Der Kardinal beabsichtigt, dort mit den Seelsorgern, die ihm als Protektor der deutschen Gemeinde unterstehen, zu konferieren.
Rom. Papst Pius XI. empfing kürzlich den bekannten italienischen Schriftsteller Giovanni Papini in Privataudienz. Papini ist im besonderen bekannt geworden durch sein Werk „Geschichte Jesu", das er bald nach seiner Konversion verfaßte und das inzwischen in viele Sprachen übersetzt ist. Anscheinend hat die Rückkehr zur katholischen Kirche die Schaffenskraft und -freu- digkeit des Künstlers doppelt angeregt. Der Heilige Vater unterhielt sich mit Papini in wohlwollender Weife über seine Werke.
Frankfurt a. Rl. Im Juni dieses Jahres kann die hiesige katholische deutsche Studentenverbindung Badenia (im C. V.), der auch der jetzige Reichskanzler Dr. Brüning in seiner Straßburger Studienzeit aktiv angehörte, auf 50 Jahre ihres Bestehens zurückblicken. 1882 als erste katholische Verbindung, die an der Universität Straßburg Farben trug, gegründet, errang sie sich auch bei den weltanschaulich von ihr geschiedenen Korporationen Achtung und Anerkennung und machte sich in den ihr zugehörigen Kreisen um die Pflege deutscher und katholischer Kultur verdient. — Aus ihr ging im Laufe der Jahre noch eine weitere C.V.-Verbindung „Rappolt- stein" hervor. Durch die Verhältnisse aus der alten Heimat vertrieben, verlegte sie im Wintersemester 1918-19 ihren Wirkungskreis nach Frankfurt am Main, wo sie in Verbindung mit dem elsaßlothringischen Institut und einer Reihe anderer ehemaliger Straßburger Korporationen die alten Straßburger Traditionen getreulich weiterpflegt.
Köln. Die Weihe des neu ernannten Weihbischofs der Erzdiözese Köln, Dr. Wilhelm Stockums, fand am Mittwoch, den 20. April, im Hohen Dom zu Köln statt. Der Oberhirt der Kölner Erzdiözese, Kardinal Schulte, der inzwischen von seiner Romreise zurückgekehrt war, nahm die Weihe selbst vor; es assistierten die Hochwllr- digsten Herren Weihbischöse Dr. Hammels, Köln, und Dr. Straeter, Aachen.
Warburg L W. Das ehemalige Zisterzienserkloster Hardeshausen bei Warburg, das in der Säkularisation durch Staatsgewalt aufgehoben worden war, ist von der Abtei Marienstatt aus wieder besiedelt und vor kurzem vom hl. Vater wieder zur Abtei erhoben worden. Der
Abt von Marienstatt wurde vorläufig zum Abt-Administrator von Hardehausen ernannt ,bis die Zahl der dortigen Mönche auf 12 dauernd gestiegen sein wird. Dann wird für Hardehausen ein eigener Abt ernannt.
Aachen. Am 7. und 8. April fand in Rom die Generalratssitzung des Päpstlichen Werkes der Glaubensverbreitung statt, bei der Kardinal van Rossum den Vorsitz führte. Bei dieser Gelegenheit wurde seitens des Sekretärs der Propaganda, des Erzbischofs Salotti, die Mitteilung gemacht, daß dem Generalsekretär der Aache- ■ ner Zentrale, Dr. Gerhard Kremer, die Würde eines $ Päpstlichen Geheimkämmerers verliehen wurde. Das t Ernennungsschreiben wurde dem anwesenden Nationaldirektor des Werkes für den Bereich der Fuldaer Bt- - schofskonferenz, dem Fürsten zu Löwenstein, überreicht. .
Prag. Zum erstenmal seit Bestehen der Tschechoslo- wakischen Republik vereinigten sich die Tschechische Aka- deniie, die tschechische Karlsuniversität zu Prag und eine Reihe anderer wissenschaftlicher Körperschaften zu einer gemeinsamen großen Gedächtnisfeier für einen verstör- benen katholischen Bischof. Es handelte sich um den unlängst verstorbenen Prager Weihbischof Msgr. Podlaha. Bei der am 9. März gehaltenen Gedächtnisfeier waren Vertreter aller wissenschaftlichen Institute der Tschecho- slowakei zu sehen. Der Rektor der Prager Karlsuniver- sität, Professor Pekar, eröffnete und leitete die Feier. Pekar, zur Zeit der bedeutendste Historiker des tschechischen Volkes, sprach in den wärmsten Worten über die Bedeutung Podlahas für die tschechische Geschichtswissenschaft; andere führende Wissenschaftler sprachen über Bischof Podlahas Verdienste um die Archäologie und über das priesterliche Charakterbild des großen Bischofs. Die Feier bedeutete ein großes, außergewöhnliches Ereignis in der wissenschaftlichen Welt, um so außergewöhnlicher, als sie einem katholischen Bischof galt.
Spanien. Aus Sevilla wird berichtet: Infolge der Feuersbrunst, durch die die St.-Julius-Kirche zerstört und zahlreiche Kunstgegenstünde vernichtet wurden, haben die Geistlichen von nun an einen Ueberwachungs- dienst eingerichtet, um sich vor neuen kommunistischen Brandstiftungen zu sichern. Auch sollen bessere Sicherungseinrichtungen getroffen werden.
Dublin. Nach einem Bericht der „Jllustrazione Vaticana" nehmen an dem kommenden Eucharistischen Kongreß in Dublin 167 Bischöfe teil, von denen 28 Iren und 28 Amerikaner sind. Im ganzen werden 44 Staaten vertreten sein. Jeder Nation wird eine Kirche zugewiesen werden, wo sie Versammlungen in ihrer eigenen Sprache halten kann.
Dublin. Es ist beschlossen worden, daß während der Messe, die der päpstliche Legat beim Internationalen Eucharistischen Kongreß in Dublin zelebrieren wird, die berühmten St. Patrizius-Glocken geläutet werden sollen. Diese Glocken sind 1500 Jahre alt und werden im Nationalmuseum in Dublin in einem prachtvollen Schrein aufbewahrt. Zahlreiche historische Dokumente erwähnen diese Glocken. Sie bestehen außen aus Eisen und innen aus Bronce. Unter besonderer Bewachung werden sie nach dem Phoenix-Park gebracht werden.
Amerika. Der katholische Polizeiverein Newyorks hält die Osterkommunion seiner Mitglieder in jedem Jahre geschlossen ab. Diesmal nahmen an der Feier 5—6000 katholischer Newyorker Polizeileute teil. Kardinal Hayes betonte in seiner Ansprache seine Freude über dieses glänzende Ergebnis und erklärte, daß diese Männer nur einen Teil der Newyorker katholischen Laienwelt bildeten.
Amerika. In New Amsterdam, Amerika, versammelten sich die Columbusritter, um über eine Aktion gegen das Neu-Heidentum zu beraten. Abgeordneter John Pater O'Brien klagte das amerikanische Schulsystem an, daß es sich als unfähig erweise, die christlichen Ideale der Jugend zu erhalten. „Unsere weltlichen Institute", so führte er aus, „sind im allgemeinen nicht- religiös. Sie bieten keinerlei Sicherheit, den Glauben der Jugend zu erhalten. Ihre Atmosphäre ist für den katholischen Jungen ungesund. Seit Jahren vergiften diese Institute unsere Jugend mit falschen Lehren, die nicht nur unchristlich, sondern un-amerikanisch sind. Und wir Katholiken tun nichts, um dies zu verhindern. Es ist Zeit, daß wir daran gehen, uns einen eigenen Platz in der Regierung zu erobern. Die Katholiken sollten wie ein Block zusammenstehen in jedweder Frage, die sie betrifft. Sie sind das einzige Bollwerk, das unser Land vor seinen inneren und äußeren Feinden schützen kann."
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