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vorgenommen. Ich beschwöre dich, alte Schlange, so lautet das kräftige Gebet über einen Besessenen, ich beschwöre dich beim Richter über die Lebendigen und Toten, daß du weichest von diesem Diener Gottes. —
Mein Christ, ergreife die Hand deiner Mutter, der Kirche, die immerdar vom hl. Geist geleitet wird, und du wirst einstens nicht mit der Welt verdammt, sondern mit den Auserwählten selig werden. Der Talpfarrer.
Flurgänge und Btttprozelsionen.
(Zum Markuslage.)
Beim Anbruch des Frühlings zogen unsere Vorfahren, die alten Germanen, hinaus in die Landschaft, um der Götter Gunst und Segen für das Wachsen und Gedeihen der erwachenden und aufgrünenben Feldfrüchte zu erbitten. Besonders wurde Thor oder Donar als Fruchtbarkeitsgott gefeiert und beschworen, die Saat in den Schollen, Gerste, Weizen, Hirse und Hafer vor dem Toben feindlicher Gewalten zu schirmen unb vor Hagel, Frost, Blitz und Sturm zu bewahren.
Diese von inniger Naturverbundenheit zeugende Sorge um das Werk ihrer Hände, die jedoch das gute Gelingen, den Enderfola dem gütigen Walten eines höheren Wesens anheimstellt und bittend empfiehlt, ließ das Christentum in den Herzen der Getauften ruhig weiter wurzeln. Die Flurgänge blieben bestehen. Man, entkleidete sie nur ihres heidnischen Charakters und gab nicht mehr Donar die Ehre, sondern Gott, dem Sck)öpf«r Himmels und der Erde, dessen Segen man auf die sprossenden Saaten in Gebeten und Liedern her- «bflehte. Im neunten Jahrhundert bürgerte sich die christliche Bittprozession in Deutschland ein, nachdem sie schon Papst Gregor im Jahre 590 allgemein auf den 25. April festgelegt hatte. 21 n sich hat der Evangelist und Apostel Markus, der Verfasser des zweiten Evangeliums, nichts mit der Bittprozession zu tun, denn diese war auf den 25. April gelegt worden, weil der heilige Petrus an diesem Tage zum ersten Mal nach Rom gekommen sein soll. Markustag wurde der Tag der Bittprozession erst im achten Jahrhundert. Gleichwohl besteht ein kleiner Zusammenhang: Markus begleitete damals den heiligen Petrrts auf feiner Romreise.
Der Vittprozession geht das Vittamt voraus, das mit frohlockendem Alleluja die Erhörung und Hilfe des Herrn preist: „Er erhörte meine Stimme von seinem heiligen Tempel aus und was ich rief, fand Eingang in sein Ohr. Ich liebe dich, Herr, meine Kraft. Der Herr ist mein Fels, mein Hort, mein Heil." Auf den Schöpfer und Gebieter aller Naturkräfte nimmt die Epistel aus dem fünften Jakobusbrief mit dem Hinweis auf Elias Bezug: „ein Mensch, den Leiden unterworfen wie wir. Er betete eifrig, es möge nicht regnen auf Erden: und es regnete drei Jahre und sechs Monate nicht mehr. Da betete er abermals, und der Himmel gab Regen, und die Erde brachte ihrs Frucht hervor." Im folgenden Lukasevangelium hören wir des Heilands Rat an seine Jünger: „Bittet und es wird euch gegeben werden . . . . Wer von euch bittet seinen Vater um Brot und erhält von ihm einen Stein? Oder um einen Fisch und erhält von ihm statt des Fisches eine Schlange9 Oder wenn er um ein Ei bittet, wird er ihm einen Skorpionen geben? Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euern Kindern gute Gaben zu geben wißt, wieviel mehr wird euer Vater im Himmel den guten Geist denen geben, die ihn darum bitten!"
Nach Schluß des Amtes zieht die Prozession mit Kreuz und Fahnen in die Fluren unter Gesang oder Gebet der Allerheiligenlitanei. Alle Patriarchen und Propheten, alle Jünger des Herrn, alle Märtyrer und Bekennner, alle Kirchenlehrer unb Einsiedler, alle Jungfrauen und Witwen, sofern sie in die Schar der Heiligen eingereiht sind, werden mit Bitten bestürmt, Fürbitte zu leisten beim gütigen Gott. Die Engel und ihre Königin, die Mutter Gottes werden um den gleichen Lie- besdienst angefleht. Endlos wechseln Anruf und Bitte. D§L ganze Himmel wird bestürmt, damit der Allmächtige dem Flehen Erhörung schenkte,
das in den uns allen so nah gehenden Sitten gipfelt: „Daß du die Früchte der Erde geben und erhalten — das du uns Frieden und wahre Eintracht schenken wollest."
Der hl. Petrus Canisius.
(Zu seinem Feste am 27. April.)
Im altehrwürdigen Dome Augsburgs fällt uns das lebensgroße Denkmal eines geistlichen Lehrers auf, der vor feinen Schülern steht. In den Händen hält er das Kreuzbild, und fein Mund scheint die Worte zu sprechen: „Ich predige euch Christum, den Gekreuzigten." Das ist das Bild eines Priesters, bem nicht nur das katholische Augsburg, sondern ganz Deutschland viel verdankt.
Im Jahre 1559 wurde der Gottesmann Petrus Canisius vom Kaiser Ferdinand I. zum Reichstag nach Augsburg berufen, das fast vollständig dis Lehre Luthers angenommen hatte. Mit großem Erfolge begann er dort seine Tätigkeit als Domprediger, um die Stadt des hl. Ulrich dem katholischen Glauben zurückzugewinnen. Was er in sieben Jahren in Augsburg leistete, faßte sein dankbarer Bischof in die Worte zusammen: „Augsburg muß ihn als seinen Apostel und sich zu nicht geringem Danke gegen ihn verpflichtet erkennen."
Aber Petrus Canisius dehnte sein Wirken immer weiter aus. Die göttliche Vorsehung hatte ihn in schwerer Zeit, in der alles gärte und zu Neuerungen drängte, zu einem wahren Reformator bestimmt, der das religiöse Leben in allen Volksschichten wieder erwecken und auf die einzig zuverlässige Grundlage der katholischen Kirck)e stellen sollte.
Der eigentliche Name des wahrhaft großen Mannes ist Petrus Kanis. Seine Wiege stand am sagenumwobenen Niederrhein. Dort erblickte er in einem alten Patrizierhause der holländischen, bamats aber zu Deutschland gehörenden Stadt Nymwegen am 8. Mai 1521 das Licht der Welt. An seinem 22. Geburtstage wurde Canisius von dem Jesuitenpater Petrus Faber, der bekanntlich ebenfalls in Deutschland segensreich wirkte, als erster deutscher Jesuit in den Orden der Gesellschaft Jesu ausgenommen. Als Arbeitsfeld wurde ihm Deutschland zugewiesen, dessen kirchliches und religiöses Leben durch die politische Zerrissenheit und die heftigen Glaubenszwiste schwer erschüttert war. Petrus Canisius begann seine apostolische Tätigkeit in Ingolstadt, wo er an der Hochschule Vorlesungen hielt. Als Provinzial für Oberdeutschland und Oesterreich war er rastlos an der Arbeit in der Ausbildung des theologischen Nachwuchses an den Hochschulen, a's Kinderkatechet, auf den Kanzeln der Dome und Dorfkirchen, auf Reichstagen und Synoden. Studienkollegien und Elementarschulen entstanden auf seine Anregung, Kaiser und Papst, kirchliche und weltliche Fürsten suchten seinen Nat. Oft beteiligte er sich an Religionsgesprächen und verfocht mit Mut und Klugheit die katholische Sache. Vor allem nahm er sich der Jugendbildung an. Beispiellos ist der Erfolg, den die von Canisius verfaßten drei Katechismen hatten: sie wurden in die meisten europäischen Sprachen übersetzt und erlebten mehr als 200 Auflagen. Im Jahre 1547 wurde Canisius als Theologe zum Konzil nach Trient gesandt, dann vom hl. Ignatius nach Rom berufen. Nach feiner Rückkehr war er mit apostolischem Eifer am Ober- und Niederrhein, in Schwaben, Bayern und Po- fen tätig und gründete Kollegien in Wien. Prag Ingolstadt, Jnnsbru^ Köln, Augsburg, München und Dillingen. Nachde. noch einmal das Trienter Konzil besucht hatte, lebte er seit 1580 zurückgezogen den Studien in Freiburg in der Schweiz. Dort starb er am 21. Dezember 1597.
Gesegnet für alle Zeiten bleibt das Andenken des edlen Mannes, der den Ehrentitel eines zweiten Apostels verdient. In der Tat, Canisius ha: das Werk des heiligen Bonifatius, das dem Verfall entqeqenginq, gerettet. Er war die eigentlick?« Seele seines Or^ns in Deutschland. Hier möge betont sein: Sir Ziel der deutschen Jesuiten war keineswegs die direkte Bekämpfung der Irrlehren, sondern die Erneuerung des kirchlichen Lebens unter den Katholiken. Diese Aufgabe suchten sie auf allen Gebieten der gewöhnlichen Seelsorge, durch aufopfernde Liebe in den Spitälern und 2fr= menpflege zu lösen. Von ungemeiner Wirksamkeit
waren Re geistlichen Uebungen, welchen sich zahlreiche Mitglieder der höheren Stände unterzogen. Klöster wurden dadurch reformiert, viele Geistliche zu echt priesterlichem Wandel bekehrt, unzählige Laien zu frommerem Leben geführt. In hohem Ansehen standen die von den Jesuiten gegründeten Gymnasien, die auch von den Söhnen Andersgläubiger zahlreich besucht wurden.
Der Herzenswunsch des seligen Petrus Canisius war die Wiederherstellung der Glaubenseinheit. An seinem Augsburger Denkmal lesen wir auf einem von Engeln gehaltenen Spruchband sein tägliches Gebet: „Ein Herr, ein Glaube, ein Hirt, eine Herde." Heute, 400 Jahre nach der Geburt des Seligen, flehen wir inniger denn je um dieses kostbare Gut. Aehnlich wie im 16. Jahrhundert sehen wir auf allen Gebieten des staatlichen und bürgerlichen Lebens Zerrissenheit, Selbstsucht und Materialismus, überall ein Gären, ein Drängen nach neuen Formen. Not tut uns aber vor allem die Erneuerung des Geistes in und durch Christus. Möge echter Canifiusgeist wieder einziehen in die deutschen Lande und alle Völker, der Geist der Ordnung und Selbstzucht, der christlichen Zucht und Sitte, des Opfersinns und der Bruderliebe. Den Wahlspruch des seligen Petrus Canisius wollen wir auch zum unfriaen machen: „Der gute Christ muß drei Herzen haben: für Gott ein sehr frommes und demütiges, für sich selbst ein rauhes und strenges, für den Nächsten ein sehr großmütiges und gütiges." I.
Eine Mahlbetrach-un?.
Unsere Wahlpflicht.
Am 24. April ist Großwahllag. Wir kennen aus dem Krieg das Wort „Großkampftag", es gilt auch hier. Mit nie gesehener Erbitterung und Entschlossenheit werden die Parteien an diesem Tage antreten. Wenn unser Sonntagsblatt zu diesen Wahlen Stellung nimmt, bann geschieht es auf Grund seiner ureigensten Mission: Weckruf und Sammelruf zu sein für uns Katholiken in dem Wirrwar der streitenden Parteien.
1. Wahlpflicht ist Gewissenspflicht. Das beweist eine ganz einfache Erwägung. Ludwig XIV., der absolute Monarch, hat das Wort geprägt: „Der Staat — das bin ich." In gewisser Weise kann heute jeder Staatsbürger, der nicht seiner bürgerlichen Ehrenrechte verlustig gegangen ist, dieses Wort auf sich anwenden, als Teil des Staates, des Volkes. Grundlage unserer Verfassung ist das Wort: „Die Staatsgewalt geht vom Volke aus." Die lebendige Mitgestaltung des Rechtes im Staate vollziehen wir durch die Ausübung unseres Wahlrechtes. Wem immer nun ein Recht zum Besten der Allgemeinheit übertragen ist, für den wird das Recht bei wichtigen 2tnläffen zur Pflicht. Wer wollte nun aber leugnen, daß die bevorstehenden Wahlen geradezu ungeheuerlich« Entscheidungen für unser Volk bringen werden?
2. Wahlpflicht ist Christenpflicht. Das beweist die letzte Reichstogswahl. Nur ein paar Zahlen. Bei den letzten Reichstagswahlen hat sich das „christliche" Deutschland neben 361 Christen nicht weniger als 214 Nichtchristen oder Antichristen gewählt. Verdient Deutschland noch den Namen eines christlichen Volkes? Selbst diese 12,6 Prozent Mehrheit der christlichen Abgeordneten sind kaum zu halten, wenn man die „Auchchristen" ober „Nochchristen" unter ihnen etwas bei Licht besieht. Von den in Berlin gewählten 19 Abgeordneten sind 11 antichristlich. Also Berlin, der Kops des Reiches, — wenn auch in mancher Hinsicht Wasserkopf — ist, wie manche andere große Gebietsteile Deutschlands, bereits durch den Antichrist in Besitz genommen. Von den 10 Hamburger Abgeordneten sind gar 7 religionslos, von den in Sachsen gewählten 46 Abgeordneten sind 25 antichristlich. Wer noch christlich denkt und fühlt, muß durch diese Zahlen geradezu erschüttert werden! Müßten sie nicht die größten Siebenschläfer im christlichen Lager wachrütteln und aufrütteln zur Tat, zur Wahl?
3. Wahlpflicht ist katholische Pflicht, das beweist die Weltanschauung der jetzt aufmarschierenden Parteien.
Vom Kommunismus weiß jedes Kind, daß er gleichbedeutend ist mit Frcidenkertum, Gottlosenbeweguna, Kampf gegen jede Religion nach