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Seite 2 / Hummer 17.

vorgenommen. Ich beschwöre dich, alte Schlange, so lautet das kräftige Gebet über einen Besessenen, ich beschwöre dich beim Richter über die Lebendi­gen und Toten, daß du weichest von diesem Die­ner Gottes. —

Mein Christ, ergreife die Hand deiner Mutter, der Kirche, die immerdar vom hl. Geist geleitet wird, und du wirst einstens nicht mit der Welt verdammt, sondern mit den Auserwählten selig werden. Der Talpfarrer.

Flurgänge und Btttprozelsionen.

(Zum Markuslage.)

Beim Anbruch des Frühlings zogen unsere Vorfahren, die alten Germanen, hinaus in die Landschaft, um der Götter Gunst und Segen für das Wachsen und Gedeihen der erwachenden und aufgrünenben Feldfrüchte zu erbitten. Besonders wurde Thor oder Donar als Fruchtbarkeitsgott ge­feiert und beschworen, die Saat in den Schollen, Gerste, Weizen, Hirse und Hafer vor dem Toben feindlicher Gewalten zu schirmen unb vor Hagel, Frost, Blitz und Sturm zu bewahren.

Diese von inniger Naturverbundenheit zeugende Sorge um das Werk ihrer Hände, die jedoch das gute Gelingen, den Enderfola dem gütigen Walten eines höheren Wesens anheimstellt und bittend empfiehlt, ließ das Christentum in den Herzen der Getauften ruhig weiter wurzeln. Die Flurgänge blieben bestehen. Man, entkleidete sie nur ihres heidnischen Charakters und gab nicht mehr Do­nar die Ehre, sondern Gott, dem Sck)öpf«r Him­mels und der Erde, dessen Segen man auf die sprossenden Saaten in Gebeten und Liedern her- «bflehte. Im neunten Jahrhundert bürgerte sich die christliche Bittprozession in Deutschland ein, nachdem sie schon Papst Gregor im Jahre 590 all­gemein auf den 25. April festgelegt hatte. 21 n sich hat der Evangelist und Apostel Markus, der Verfasser des zweiten Evangeliums, nichts mit der Bittprozession zu tun, denn diese war auf den 25. April gelegt worden, weil der heilige Petrus an diesem Tage zum ersten Mal nach Rom ge­kommen sein soll. Markustag wurde der Tag der Bittprozession erst im achten Jahrhundert. Gleichwohl besteht ein kleiner Zusammenhang: Markus begleitete damals den heiligen Petrrts auf feiner Romreise.

Der Vittprozession geht das Vittamt voraus, das mit frohlockendem Alleluja die Erhörung und Hilfe des Herrn preist: „Er erhörte meine Stimme von seinem heiligen Tempel aus und was ich rief, fand Eingang in sein Ohr. Ich liebe dich, Herr, meine Kraft. Der Herr ist mein Fels, mein Hort, mein Heil." Auf den Schöpfer und Gebieter al­ler Naturkräfte nimmt die Epistel aus dem fünf­ten Jakobusbrief mit dem Hinweis auf Elias Be­zug: „ein Mensch, den Leiden unterworfen wie wir. Er betete eifrig, es möge nicht regnen auf Erden: und es regnete drei Jahre und sechs Mo­nate nicht mehr. Da betete er abermals, und der Himmel gab Regen, und die Erde brachte ihrs Frucht hervor." Im folgenden Lukasevangelium hören wir des Heilands Rat an seine Jünger: „Bittet und es wird euch gegeben werden . . . . Wer von euch bittet seinen Vater um Brot und erhält von ihm einen Stein? Oder um einen Fisch und erhält von ihm statt des Fisches eine Schlange9 Oder wenn er um ein Ei bittet, wird er ihm einen Skorpionen geben? Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euern Kindern gute Gaben zu geben wißt, wieviel mehr wird euer Vater im Himmel den guten Geist denen geben, die ihn darum bitten!"

Nach Schluß des Amtes zieht die Prozession mit Kreuz und Fahnen in die Fluren unter Ge­sang oder Gebet der Allerheiligenlitanei. Alle Pa­triarchen und Propheten, alle Jünger des Herrn, alle Märtyrer und Bekennner, alle Kirchenlehrer unb Einsiedler, alle Jungfrauen und Witwen, so­fern sie in die Schar der Heiligen eingereiht sind, werden mit Bitten bestürmt, Fürbitte zu leisten beim gütigen Gott. Die Engel und ihre Königin, die Mutter Gottes werden um den gleichen Lie- besdienst angefleht. Endlos wechseln Anruf und Bitte. D§L ganze Himmel wird bestürmt, damit der Allmächtige dem Flehen Erhörung schenkte,

das in den uns allen so nah gehenden Sitten gipfelt: „Daß du die Früchte der Erde geben und erhalten — das du uns Frieden und wahre Ein­tracht schenken wollest."

Der hl. Petrus Canisius.

(Zu seinem Feste am 27. April.)

Im altehrwürdigen Dome Augsburgs fällt uns das lebensgroße Denkmal eines geistlichen Lehrers auf, der vor feinen Schülern steht. In den Händen hält er das Kreuzbild, und fein Mund scheint die Worte zu sprechen: „Ich predige euch Christum, den Gekreuzigten." Das ist das Bild eines Priesters, bem nicht nur das katholische Augsburg, sondern ganz Deutschland viel verdankt.

Im Jahre 1559 wurde der Gottesmann Petrus Canisius vom Kaiser Ferdinand I. zum Reichstag nach Augsburg berufen, das fast vollständig dis Lehre Luthers angenommen hatte. Mit großem Erfolge begann er dort seine Tätigkeit als Dom­prediger, um die Stadt des hl. Ulrich dem katho­lischen Glauben zurückzugewinnen. Was er in sie­ben Jahren in Augsburg leistete, faßte sein dank­barer Bischof in die Worte zusammen: „Augsburg muß ihn als seinen Apostel und sich zu nicht ge­ringem Danke gegen ihn verpflichtet erkennen."

Aber Petrus Canisius dehnte sein Wirken im­mer weiter aus. Die göttliche Vorsehung hatte ihn in schwerer Zeit, in der alles gärte und zu Neuerungen drängte, zu einem wahren Refor­mator bestimmt, der das religiöse Leben in allen Volksschichten wieder erwecken und auf die einzig zuverlässige Grundlage der katholischen Kirck)e stellen sollte.

Der eigentliche Name des wahrhaft großen Mannes ist Petrus Kanis. Seine Wiege stand am sagenumwobenen Niederrhein. Dort erblickte er in einem alten Patrizierhause der holländischen, bamats aber zu Deutschland gehörenden Stadt Nymwegen am 8. Mai 1521 das Licht der Welt. An seinem 22. Geburtstage wurde Canisius von dem Jesuitenpater Petrus Faber, der bekanntlich ebenfalls in Deutschland segensreich wirkte, als er­ster deutscher Jesuit in den Orden der Gesellschaft Jesu ausgenommen. Als Arbeitsfeld wurde ihm Deutschland zugewiesen, dessen kirchliches und re­ligiöses Leben durch die politische Zerrissenheit und die heftigen Glaubenszwiste schwer erschüttert war. Petrus Canisius begann seine apostolische Tätigkeit in Ingolstadt, wo er an der Hochschule Vorlesungen hielt. Als Provinzial für Oberdeutsch­land und Oesterreich war er rastlos an der Arbeit in der Ausbildung des theologischen Nachwuchses an den Hochschulen, a's Kinderkatechet, auf den Kanzeln der Dome und Dorfkirchen, auf Reichs­tagen und Synoden. Studienkollegien und Ele­mentarschulen entstanden auf seine Anregung, Kaiser und Papst, kirchliche und weltliche Fürsten suchten seinen Nat. Oft beteiligte er sich an Reli­gionsgesprächen und verfocht mit Mut und Klug­heit die katholische Sache. Vor allem nahm er sich der Jugendbildung an. Beispiellos ist der Erfolg, den die von Canisius verfaßten drei Katechismen hatten: sie wurden in die meisten europäischen Sprachen übersetzt und erlebten mehr als 200 Auf­lagen. Im Jahre 1547 wurde Canisius als Theo­loge zum Konzil nach Trient gesandt, dann vom hl. Ignatius nach Rom berufen. Nach feiner Rück­kehr war er mit apostolischem Eifer am Ober- und Niederrhein, in Schwaben, Bayern und Po- fen tätig und gründete Kollegien in Wien. Prag Ingolstadt, Jnnsbru^ Köln, Augsburg, München und Dillingen. Nachde. noch einmal das Trien­ter Konzil besucht hatte, lebte er seit 1580 zurück­gezogen den Studien in Freiburg in der Schweiz. Dort starb er am 21. Dezember 1597.

Gesegnet für alle Zeiten bleibt das Andenken des edlen Mannes, der den Ehrentitel eines zwei­ten Apostels verdient. In der Tat, Canisius ha: das Werk des heiligen Bonifatius, das dem Ver­fall entqeqenginq, gerettet. Er war die eigentlick?« Seele seines Or^ns in Deutschland. Hier möge betont sein: Sir Ziel der deutschen Jesuiten war keineswegs die direkte Bekämpfung der Irrlehren, sondern die Erneuerung des kirchlichen Lebens unter den Katholiken. Diese Aufgabe suchten sie auf allen Gebieten der gewöhnlichen Seelsorge, durch aufopfernde Liebe in den Spitälern und 2fr= menpflege zu lösen. Von ungemeiner Wirksamkeit

waren Re geistlichen Uebungen, welchen sich zahl­reiche Mitglieder der höheren Stände unterzogen. Klöster wurden dadurch reformiert, viele Geistliche zu echt priesterlichem Wandel bekehrt, unzählige Laien zu frommerem Leben geführt. In hohem Ansehen standen die von den Jesuiten gegründeten Gymnasien, die auch von den Söhnen Anders­gläubiger zahlreich besucht wurden.

Der Herzenswunsch des seligen Petrus Cani­sius war die Wiederherstellung der Glaubensein­heit. An seinem Augsburger Denkmal lesen wir auf einem von Engeln gehaltenen Spruchband sein tägliches Gebet: „Ein Herr, ein Glaube, ein Hirt, eine Herde." Heute, 400 Jahre nach der Ge­burt des Seligen, flehen wir inniger denn je um dieses kostbare Gut. Aehnlich wie im 16. Jahrhun­dert sehen wir auf allen Gebieten des staatlichen und bürgerlichen Lebens Zerrissenheit, Selbstsucht und Materialismus, überall ein Gären, ein Drän­gen nach neuen Formen. Not tut uns aber vor allem die Erneuerung des Geistes in und durch Christus. Möge echter Canifiusgeist wieder ein­ziehen in die deutschen Lande und alle Völker, der Geist der Ordnung und Selbstzucht, der christlichen Zucht und Sitte, des Opfersinns und der Bruder­liebe. Den Wahlspruch des seligen Petrus Cani­sius wollen wir auch zum unfriaen machen: „Der gute Christ muß drei Herzen haben: für Gott ein sehr frommes und demütiges, für sich selbst ein rauhes und strenges, für den Nächsten ein sehr großmütiges und gütiges." I.

Eine Mahlbetrach-un?.

Unsere Wahlpflicht.

Am 24. April ist Großwahllag. Wir kennen aus dem Krieg das Wort „Großkampftag", es gilt auch hier. Mit nie gesehener Erbitterung und Entschlossenheit werden die Parteien an diesem Tage antreten. Wenn unser Sonntagsblatt zu diesen Wahlen Stellung nimmt, bann geschieht es auf Grund seiner ureigensten Mission: Weckruf und Sammelruf zu sein für uns Katholiken in dem Wirrwar der streitenden Parteien.

1. Wahlpflicht ist Gewissenspflicht. Das be­weist eine ganz einfache Erwägung. Ludwig XIV., der absolute Monarch, hat das Wort geprägt: „Der Staat — das bin ich." In gewisser Weise kann heute jeder Staatsbürger, der nicht seiner bürgerlichen Ehrenrechte verlustig gegangen ist, dieses Wort auf sich anwenden, als Teil des Staa­tes, des Volkes. Grundlage unserer Verfassung ist das Wort: „Die Staatsgewalt geht vom Volke aus." Die lebendige Mitgestaltung des Rechtes im Staate vollziehen wir durch die Ausübung unseres Wahlrechtes. Wem immer nun ein Recht zum Be­sten der Allgemeinheit übertragen ist, für den wird das Recht bei wichtigen 2tnläffen zur Pflicht. Wer wollte nun aber leugnen, daß die bevorstehenden Wahlen geradezu ungeheuerlich« Entscheidungen für unser Volk bringen werden?

2. Wahlpflicht ist Christenpflicht. Das beweist die letzte Reichstogswahl. Nur ein paar Zahlen. Bei den letzten Reichstagswahlen hat sich das „christliche" Deutschland neben 361 Christen nicht weniger als 214 Nichtchristen oder Antichristen ge­wählt. Verdient Deutschland noch den Namen eines christlichen Volkes? Selbst diese 12,6 Prozent Mehrheit der christlichen Abgeordneten sind kaum zu halten, wenn man die „Auchchristen" ober „Nochchristen" unter ihnen etwas bei Licht besieht. Von den in Berlin gewählten 19 Abgeordneten sind 11 antichristlich. Also Berlin, der Kops des Reiches, — wenn auch in mancher Hinsicht Was­serkopf — ist, wie manche andere große Gebiets­teile Deutschlands, bereits durch den Antichrist in Besitz genommen. Von den 10 Hamburger Abge­ordneten sind gar 7 religionslos, von den in Sach­sen gewählten 46 Abgeordneten sind 25 antichrist­lich. Wer noch christlich denkt und fühlt, muß durch diese Zahlen geradezu erschüttert werden! Müßten sie nicht die größten Siebenschläfer im christlichen Lager wachrütteln und aufrütteln zur Tat, zur Wahl?

3. Wahlpflicht ist katholische Pflicht, das be­weist die Weltanschauung der jetzt aufmarschieren­den Parteien.

Vom Kommunismus weiß jedes Kind, daß er gleichbedeutend ist mit Frcidenkertum, Gottlosen­beweguna, Kampf gegen jede Religion nach