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/ Nummer 19.
Senft ZisePh. der Schutzpatron der Kirche.
Das Fest, dessen äußere Feier mir heute begehen, trägt den Namen „Hauptfest des hl. Joses, des Bräutigams der seligen Jungfrau Maria, Bekenners und Patrons der ganzen hl. Kirche". Es hieß früher Patrozinium, Schutzfest des hl. Josef, und geht zurück auf Papst Pius 1X., der nm 8. Dezember 1870 den hl. Joseph zum Schutzpatron der ganzen Kirche erwählt hat.
Warum sollte gerade der hl. Josef der Schutzpatron der Kirche sein? — Gehen mir einmal den Gründen dafür nach! Wir werden dann das heutige Fest besser verstehen und die Festesfeier wohl auch mit mehr Eifer und Andacht mitmachen.
Wir nennen den hl. Joseph gewöhnlich den Nähr- und Pflegevater des Heilandes; wir müßten ihn eigentlich auch noch den Beschützer des Heilandes nennen. Dem hl. Josef war im Heilsplane Gottes nicht nur die Aufgabe zugewiesen, dem Heiland Nahrung und Pflege zu bieten, sondern er sollte vor allem auch sein Beschützer sein, solange er als Kind und Knabe wie jeder anbere junge Mensch irdischen Schutzes bedurfte. Unter dem Schutze Josefs sollten sich all die heiligen Geheimnisse vollziehen, die in der Kindheitsgeschichte Christi sich aneinanderreihen. Josef sollte als Schützer gleichsam vor diesen Geheimnissen stehen und sie decken mit seiner Mannesehre und seiner Manneskraft.
Diese Aufgabe Josefs begann schon, bevor der Heiland geboren wurde. Unter dem Schutze Josefs vollzog sich die Menschwerdung des Sohnes Gottes. Denn als Maria die Botschaft des Engels empfing und Mutter Gottes wurde, da war sie die Braut Josefs, was damals soviel galt als Gemahlin. Der Bräutigam hatte alle Rechte des Gemahls, er hieß nur deshalb nicht Gemahl, weil eine mehr äußerliche Sache, nämlich die Heimho- lung der Braut in das Haus des Bräutigams, uoch nicht stattgefunden hatte. Josef schützte also als Bräutigam Marias seine heilige Braut vor übler Nachrede und das heilige Geheimnis der Menschwerdung vor Anfeindung und Befleckung von feiten böswilliger und das Große nicht ahnender Menschen. Unter dem Schutze Josefs wandelte Maria die ganze Zeit von der Empfängnis bis zur Geburt des Heilandes.
Unter Josefs Schutz fand dann die Geburt Christi statt. Er besorgte, so gut es ging, ein Unterkommen für Mutter und Kind und nahm, als das Kind geboren war, nun auch dieses sofort in jeder Hinsicht als sein Eigentum und seinen Schützling an.
Von diesem Augenblicke an wurde der Schutz Josefs noch weit bedeutungsvoller. Denn nun kamen die Gefahren und Verfolgungen, die das Leben des Heilandes in der Kindheitszeit bedrohten. Josef war es, der den Heiland rettete, als Herodes ihn umbringen wollte. Vom Engel angerufen, nahm er bei Nacht das Kind und seine Mutter und machte sich auf die Reise nach Aegypten. Unter seinem Schutze vollzog sich die weite, schwierige und sicher auch gefahrvolle Flucht. Unter Josefs Schutz lebte der Heiland in dem fremden Lande, bis die Zeit zur Rückkehr gekommen war. Josef führte ihn dann auch mit Umsicht und Sorgfalt in die Heimat zurück und blieb fortan der Beschützer Jesu in seinen Jugendjahren in Nazareth.
Das alles ist bedeutungsvoll für unsere Frage, weshalb gerade St. Josef zum Beschützer der Kirche gewählt worden ist. Ahnen wir den Zusammenhang?
Die Kirche ist nichts anderes, als der in der Welt fortlebende Christus, Corpus mysticum Christi, der geheimnisvolle Leib Christi. Sein geheimnisvoller Leib, aber richtig fein Leib, wie er se'ber gesagt hat: Ich bin das Haupt, ihr seid die Glieder: Glieder, die dem Haupt gehören, also feine Glieder, fein Leib.
Wie nun in der Person Christi Göttliches und Menschliches verbunden ist, und wie das Mensch- liche an ihm, besonders fein Leib und Leben, fo- lange er nicht verklärt war. nach Gottes Willen genau so des Schutzes bedurfte wie Leib und Leben jedes anderen Menschen, so verhält es sich auch
mit 5er Kirche Sofies. Auch sie hat eine göttliche und menschliche Seite. Das Göttliche in ihr, der Geist, der in ihr lebt und wirkt — es ist nichts anderes als der Geist des Vaters und des Sohnes, der Heilige Geist selber—, bedarf keines Schutzes. Ihm kann niemand etwas anhaben. Dagegen das Menschliche an der Kirche, ihre irdischen Einrichtungen, ihre Mitglieder, ihre Vorsteher: Papst Bischöfe und Priester, auch die Teile der Kirche: ihre Bistümer, ihre Gemeinden — das alles kann bedrängt und verfolgt werden, sowohl vom bösen Feind als auch von weltlichen Mächten. Die Kirche ist von Feinden rings umgeben, und wie diese Feinde fast zu allen Zeiten gegen die Kirche gewütet haben, das lehrt uns die Geschichte der Kircl-e.
Die Kirche bedarf also des Schutzes und tut recht daran, wenn sie sich nach Schutz und Hilfe umsteht Weil sie aber weiß, daß alle irdische Hilfe unzulänglich ist, so hebt sie ringend und bittend ihre Hände zum Himmel empor, zu Gott und seinen Heiligen. Wenn es nun schöne Sitte, sozusagen Regel in der Christenheit ist, für bestimmte Anliegen sich den Heiligen im Himmel zum Helfer und Patron zu wählen, der schon in seinem zeitlichen Leben als besonders guter Helfer in diesem Anliegen sich erwiesen hat, was liegt dann wohl näher, als zum Schützer und Patron der hl. Kirche den hl. Josef zu wählen? Weil er des Heilandes irdisches Leben in feinem Schutz gehalten hat, darum dürfen mir von ihm mehr als von jedem anderen Heiligen Schutz und Hilfe erwarten für die Kirche, den in der Welt fortlebenden Christus.
Das ist offenbar der Grund gewesen, der das Oberhaupt der Kirche veranlaßt hat, den hl. Josef zum Schutzpatron der ganzen Kirche zu erwählen und alle Glieder der Kirche anzuweisen, ihn nunmehr als Schutzpatron der Kirche anzusehen und anzurufen.
Es mag aber auch noch ein anderer Gedanke hier mitgespielt haben.
Die Aufgabe, die Josef hier auf Erden nach Gottes Willen zu erfüllen hatte, ging nicht ausschließlich auf die Person Christi, sondern erweiterte sich über die Person des Heilandes hinaus auf ben kleinen Kreis, in dem der Heiland lebte. Jesus war, nicht ohne tiefe und weise Absichten Gottes, lebendiges und wirkliches Glied einer menschlichen Familie. Das Haupt dieser Familie war Josef, und als Familienoberhaupt hatte er das Amt, für den kleinen Kreis zu sorgen, ihn m überwachen und in seine Hut zu nehmen. Das hat Josef mit der größten Treue getan.
Die Familie, die unter Josefs Schutz und Leitung stand, war nun nichts anderes als die erste christliche Familie auf Erden und die Keimzelle der Kirche. Wie das Häuschen von Nazareth, in dem die Gottheit wahrhaftig wohnte, das erste Gotteshaus auf Erden, die erste christliche Kirche gewesen ist, so ist die Familie, die in diesem Hause wohnte, der Kern des Reiches Gottes auf Erden, der kleine Anfang der großen Weltkirche Gottes geworden.
Da nun der hl. Josef der Hausvater und Beschützer dieser Familie gewesen ist, so wird er gewiß auch gern der treue Beschützer der großen Gottesfamilie sein, die im Laufe der Jahrhunderte aus der kleinen Familie von Nazareth entstanden ist.
Wenn der Papst als Oberhaupt der Kirche und im Namen der Kirche eine solche feierliche Handlung vornimmt, dann bedeutet das mehr als das Bittgebet eines Privatmannes. Denn hinter dem Papst steht in diesem Falle die Kirche, die makellose Braut Christi, ja Christus selbst, dessen Stelle der Papst auf Erden vertritt. Das verleiht einem solchen amtlichen und feierlichen Akt nicht bloß eine besondere Würde sondern ohne Zweifel auch eine besondere Wirksamkeit. Gott selbst wird ihn bestätigen. llnb wenn nun. nachdem St. Josef zum Schutzpatron der Kirche gewählt und ernannt ist die Gläubigen aus dem ganzen Erdenrund mit größerem Vertrauen zu ihm aufschauen, öfter und eindringlicher ihre Bitten um das Wohl der Kirche zu ihm emporsenden, dann kann es ja gar nicht ausbleiben, daß auch der hl. Jo^es um so mehr der streitenden Kirche hier auf Erden seine Aufmerksamkeit zuwendet und umso lieber und freudiger seine schützende und helfende Hand über sie hält.
St. Josef wird das Seinige tun, wenn wir nur
das Unfriae tun. Die Gläubigen in 5er Kirche dürfen die Sorge für die Kirche nicht dem Papst, den Bischöfen und den Priestern allein überlassen. Die Sorge nicht, und erst recht die Gebete nicht. Die Kirche ist immer in Not; die Verfolgungen der Kirche erleiden eigentlich niemals eine Unterbrechung, sie wüten bald hier, bald da, aber immer irgendwo. Darum darf das Gebet der Gläubigen zum erhabenen Schutzpatron der Kirchs niemals aufhören. Möchten wir uns diesen Satz heute, am Hochfest des hl. Josef, tief in unsere Seele schreiben.
Goethe und das Sterben.
Der Alte von Weimar feiert seineAuferstehung; mit steigendem Interesse wendet sich die Welt zu ihm und lauscht seinen Weisheitssprüchen. Man sieht in ihm nicht bloß den genialen Dichter, der mit voller Hand aus der Tiefe schöpft, sondern auch den großen Lebenskünstler, der Maß und Fülle zu vereinigen weiß, den harmonischen Menschen, der mit den schönsten Gaben bedacht, vom Glücke wie kaum ein zweiter begünstigt. in rastloser Tätigkeit eines ungewöhnlich langen Lebens und Schaffens feine Persönlichkeit im ganzen Umkreise menschlichen Seins und Könnens kraftvoll ausgestaltet. Die Menschen wollen Götter haben, und es schmeichelt ihnen, sie unter ihresgleichen zu finden.
Goethe ist kein Gott und kein Uebermensch, aber ein großer Mensch--leider ein kleiner Christ, wenn auch in seiner Art ein frommer Mann. der aufrichtig versichert, daß er „bei allem irdischen Treiben immer aufs höchste geblickt." Wir können ihm nicht auf seinen Wegen folgen, aber er kann uns vieles geben, wenn mir das Rechte zu nehmen wissen. Und auch ein Christ kann sich von Herzen freuen an diesem Geiste, den der Schöpfer nach seinem Bilde und Gleichnisse ge- macht hat. Ist nicht das Schöne und Herrliche, das uns im Namen Goethe erklingt und ausleuchtet, Widerhall und Widerschein aus dem Ewigen. dem Einen!
Ueber alles mögliche fragt man bei Goethe an und will wissen, was er darüber gedacht und gesagt hat.
*
Gern und oft hat er den Tod nicht betrachtet. Er war so lebensdurstig und stand so tiefgewurzelt im Boden der Gegenwart, er liebte das Licht des Tages so innig, daß er scheute vor der Nacht des Todes. Der Tod mar ihm das Feindliche, woran man stillschweigend vorübergeht.
Als sein eigener Sohn in der Fremde gestorben war, und Kanzler Müller dem Vater die Schrek- fenstunbe mitteilte, ließ er ihn nicht ausreden, sondern unterbrach ihn schnell mit den Worten: „Als er fortging, gab ich ihn schon verloren," und zu den Seinen sprach er bloß: „Er kommt nicht wieder." Kein Wort weiter von der Sache — und doch liebte er feinen Sohn von Herzen. Es gibt Menschen, die keinen Sarg sehen können, die kaum ein Haus betreten können, worin kurz vorher jemand gestorben ist; es ist eine überzarte Empfindlichkeit, mag man es Schwäche nennen; schärfer darüber zu urteilen, sind mir nicht berechtigt.
Goethe hat wenig vom Sterben gesprochen, den Gedanken an den Tod hat er auch nicht abwehren können. „Wenn einer 75 Jahre alt ist," so saate er w seinem getreuen Eckermann, „kann es nicht fehlen, daß er mitunter an den Tod denke." Sie fuhren im Waaen durch den blühenden Frühling von Tiefurt nach Weimar, und vor ihnen ging die Sonne unter hinter dem Etters- berge. Da sprach Goethe mit heiterer Stimme die schönen Worte: „Mich läßt dieser Gedanke in völliger Ruhe, denn ich habe die feste Ueberzeugung, daß unser Geist ein Wesen ist aanZ unzerstörbarer Natur, es ist ein fortwirkendes von Ewigkeit zu Ewigkeit. Cs ist der Sonne ähnlich, die bloß unseren irdischen Augen unterzugehen scheint, die aber eigentlich nie untergeht, sondern unaufhörlich fortleuchtet!"
Die Unsterblichkeit war der Stern, der auch ihm das Dunkel des Todes freundlich erhellte. Goethe war durch und durch ein Diesieits-Menich, im Erdenleben verankert, aber ohne den Ausblick auf das Jenseits wäre ihm die Erdensonne trübe und dunkel gewesen:
Und so lang du dies nicht hast, Dieses Stirb und Werde,