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WochenkaSender.

Sonntag. 17. April. 3. Sonntag nach Ostern.

Montag, 18. April. Von der Oktav des Schutzfestes des hl. Joseph.

Dienstag, 19. April. Von der Josephsoktav.

Mittwoch 20. April. Oktav des Schutzfestes des hl. Joseph.

Donnerstag, 21. April. Anselm, Kirchenlehrer.

Freitag, 22. April. Toter u. Cajus, Päpste, Mart

Samstag, 23. April. Georg, Mart.

Dritter Sonntag nach Ostern.

Epistel. 1. Petrus 2, 1119.

Evangelium. Johannes 16, 1622. Trennung und Wiedersehen.

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:Noch eine kleine Weile, und ihr seht mich nicht mehr, und wiederum eine kleine Weile, und ihr seht mich wieder: denn ich gehe zum Vater." Da sagten einige seiner Jünger zueinander:Was will er uns damit sagen: Noch eine kleine Weile, und ihr seht mich nicht mehr, u. ui wiederum eine kleine Weile, und ihr seht mich wieder"? undIch gehe zum Vater"? Sie sagten also:was m meint er mit den Worten:Noch eine kleine Weile? Wir verstehen nicht, was er damit sagen will.Jesus wußte, daß sie ihn fragen wollten, und sprach zu ihnen:Ihr fragt einander, weil ich gesagt habe: Noch eine kleine Weile, und ihr seht mich nicht' mehr, und wiederum eine kleine Weile, und ihr seht mich wieder. Wahrlich, wahr- lich, ich sage euch, ihr werdet weinen und wehklagen, aber die Welt wird sich freuen; ihr werdet trauern, aber eure Trauer wird sich in Freude verwandeln. So hat das Weib Trauer, wenn es gebären soll, weil seine Stunde da ist. Hat sie aber das Kind geboren, so denkt sie nicht mehr an die Angst, aus Freude darüber, daß ein Mensch zur Welt gekommen ist. So habt auch ihr jetzt Trauer; aber ich werde euch wiedersehen, und euer Herz wird sich freuen, und eure Freude wird niemand mehr von euch nehmen."

Ein unverstandenes, aber vieisazendes Wörtlein.

S D^M^A^ ies nochmals das Evangelium des heutigen Sonntags oben an der Spitze des Blattes. Du wirst dich überzeugen, daß in den wenigen Sätzen, aus denen es besteht, ein Wörtlein nicht weniger als siebenmal vorkommt: !..Eine kleine Weile." Die Apostel haben es nicht verstanden und sich darüber die Köpfe zerbrochen, bis es dem Meister gefallen hat, eine Erklärung zu geben, die aber das eigene Nachdenken nicht über­flüssig macht, sondern erst recht wachruft u. steigert. Rücken wir dieser kleinen Weile zunächst aus M Erfahrung und Geschichte zu Leibe. Drei Jahre sind es, seit ich meine heutige Seelsorgsstelle be- kleids. Eine scheinbar lange Zeit. Und doch ist es mir, als hätte ich erst gestern dèn Boden dieser Gemeinde betreten. Ja, ich kann versichern, diese drei Jahre kommen mir heute kürzer vor als der «3 erste Tag, den ich hier verlebt habe. Die drei

Jahre sind heute zusammengeschrumpft zu einer kleinen Weile", weil sie vorüber sind An einer andern Stelle war ich sechzehn Jahre, scheinbar eine lange Zeit. Als ich aber den Staub jener Ge­gend von meinen Füßen säMtelte, ist mir alles wie ein Traum vorgekommen. Sechzehn Jahre haben sichals kleine Weile" entpuppt. Geht es dir nicht auch so, lieber Freund? Vielleicht hast du schon mit deiner lieben Gemahlin das 25jäh- rigs Ehejubiläum gefeiert. Ist es dir nicht vor­gekommen, als hättet ihr erst gestern euch die Hände am Altare gereicht? Die 25 Jahre Freude und Leid gehen heute auf einekleine Weile". Und haben wir nicht gehört vom Vater des Aegyp- tischen Joseph? Jakob war sein Name. Als er der Hungersnot wegen nach Aegypten gekommen war und von seinem Sohn dem Pharao vorgestellt wurde, fragte ihn dieser:Wie viele sind die Jahre deines Lebens?" Und der Altvater erwi­derte:Die Jahre meiner Wanderschaft sind ein Hundert und dreißig, wenige und böse."---

Nun ist es aber Zeit, daß wir daran gehen, den Worten des Herrn ins Gesicht zu schauen. Eine kleine Weile, und ihr werdet mich nicht mehr sehen, und wieder eine kleine Weile, und ihr werdet mich wieder sehen. Die Welt wird sich freuen, ihr aber werdet trauern. Doch ich werde euch wiedersehen, und eure Traurigkeit wird in Freude verwandelt werden, und eure Freude wird niemand von euch nehmen." Nach dem hl. Augu­stinus kann diese kleine Weile doppelt ausaeleat werden. Zunächst von der Zeit, die vergeht vom Tode des Meisters bis zu seiner Auferstehung. Denn nach dem Tod haben sie den Herrn eine Zeit lang nicht mehr gesehen, da er im Grabe lag. Nach der Auferstehung aber haben sie ihn gesehen, weil er ihnen erschienen ist. Und welche Zeit ist denn zwischen Tod und Auferstehung vergangen? Rund drei Tage. In der Tat eine kleine Welle. Es gibt aber noch eine zweite Auslegung, die noch zutreffender ist und nicht bloß die Apostel, sondern auch uns alle angeht. Oder ist nicht unser gan- tes Leben einekleine Weile", während welcher wir den Heiland nicht von Angesicht schauen kön­nen? Und dann kommt die Ewigkeit, die allein von langer Dauer ist, während welcher die An­schauung Gottes, unseres Heilandes unser einziges, unvergängliches Glück bilden wird.

Diese zweite Auslegung wird vom hl. Augu­stinus bevorzugt. Hören wir seine Auffassung mit seinen eigenen Worten:

Die Worte des Herrn von der kleinen Weile verstehen sich am besten vom Endziel. Klein ist ja dieser ganze Zeitraum, in welcher die gegenwär­tige Welt dahineilt. Diese kleine Weile erscheint uns lang, solange sie noch dauert. Wenn sie aber vorüber sein wird, dann werden wir erkennen, wie klein sie war."

Vernimm noch den hl. Kirchenlehrer Hierony­mus, der über diese kleine Weile in folgenden Worten sich ausspricht:Wir müssen uns zum voraus zu Gemüte führen, was wir einmal fein werden und was nicht lange dauern wird, ob wir nun wollen oder nicht. Wenn wir selbst neun Hundert Jahre und darüber leben würden wie einstens Mathusalem, so wäre diese ganze Länge nichts, so bald sie vorüber ist. Ob einer nur zehn Jahre gelebt hat oder tausend, ist gleich, wenn beide der Tod ereilt hat."

So unverständlich also das Wörtlein von der kleinen Weile zunächst ist, so verständlich wird es uns, wenn wir die Sonde des Verstandes daran legen. Und ist dieses Wörtlein nicht vielsagend? Beleuchtet es nicht wie ein tausendkerziger Kron­leuchter die Kürze, Erbärmlichkeit, Hinfälligkeit, Armseligkeit und Nichtigkeit unseres ganzen Er­dendaseins? Ist dieses Wörtlein nicht ein goldener Sporn, der uns antreibt, unser Dasein auf die Ewigkeit einzustellen, und zwar auf eine glückliche Ewigkeit? Haben etwa die Vergnügungen, die Genüsse, oder gar die sündhaften Lüste wie Un­zucht, Ehebruch, Fraß und Völlerei, ungerechter Reichtum irgend einen Wert, wenn sie vorüber sind? Im Gegenteil. Wenn sie vorüber sind, dann zeigt sich erst ihre Abscheu'ichkeit, Verwerf­lichkeit und Schlechtigkeit. Die Lust wandelt sich dann in Ekel, Strafe, Schmerz, Bitterkeit, Nacht und Verzweiflung. Oder was hat es dem reichen Prasser genützt, daß er in Purpur und Byssus sich kleidete, daß er alle Tage herrliche Mahlzeiten hielt? Ist er nicht gestorben und wurde in die Hölle begraben, wo er unsägliche Pein leidet in der Flamme, wo er gequält wird bei Tag und bei Nacht, wo er um einen Tropfen Wasser schreit und sein Schrei unerhört verhallt?

Umgekehrt, was kann es uns schaden. wenn wir einige Jahre uns plagen mit Arbeit und Not, mit Krankheit und Siechtum?' Wenn wir uns an- strengen, ein ehrliches, keusches, abgetötetes, opfer­frohes Leben zu führen? Ein Ende nimmt Plage und Kampf, ewig aber bleibt die Freude, der Sieg und die Krone. Augenblickliche Luft bringt viel­leicht ewige Oual, aber kurze Leiden bringen ewige Freuden.

Drum wollen wir diese kleine Weile zu unserm besten benützen. Kindlein, ruft uns der hl. Jo­hannes zu: es ist die letzte Stunde! Diesen Saß las einst um das Jahr 400 die hl. Melania, eine reiche, römische Matrone. Von diesem Wort ge­troffen, schenkte sie alles den Armen und begab sich in die Einsiedelei bei Bethlehem und widmete den Rest der Tage der Frömmigkeit und der Vor­bereitung auf eine glückliche Ewigkeit. Läßt uns Gutes tun, so lange wir Zeit haben. Kurz ist die Aussaat ewig die Ernte.

Der Talpfarrer.