SUU § / Nummer 14.
ten der anderen anzunähern haben, aber mit dem Willen, fest zu bleiben, weil dies unser Recht ist, und well wir, da wir die Sicherheit von morgen aus der Unterschrift aufbauen wollen, nicht die Abkommen von gestern, die aus den Unterschriften von gestern begründet sind, zerbrechen lassen wollen. Frankreich wird bis zum Ende für die Respek- tieruug der Unterschriften ein treten, aber niemals zulassen, daß die Unterschrift auf irgendein Gewinn- oder Verlustkonto geschrieben werben könnte, wie irgendein eingefrorener Kredit. Wenn nicht während der zwei Monate bis zur Lausanner Konferenz Maßnahmen ergriffen werden, könnten ernste Ereignisse eintreten. Die Läuder Mitteleuropas befinden sich gegenwärtig im Zustand des Moratoriums. Man muß also schnellstens für die Rettung Mitteleuropas etwas tun."
Bekanntlich liegt es nur an der Hartnäckia- keit und Kurzsichtigkeit Frankreichs, wenn die hier erörterten Finanzfragen noch nicht erledigt sind. Frankreich weiß aber aus der bekannten Aeußerung Brünings, daß Deutschland nichts mehr an Frankreich zahlen kann, weder jetzt noch in der Zukunft. Und erst dann wird die Wellwirtschaftskrisis ein Ende haben, wenn Frankreich sich zu dieser Ueberzeugung duvchgerungen haben wird.
I Tschechoslowakei.
Im Herbste vorigen Jahres wurde auch an maßgebenden Stellen ine Hoffnung ausgesprochen, daß die Verhandlungen 311t Ausführung des „Modus vivendi" zwischen Vatikan und Tschechoslowakei bald zu einem Resultat führen würden. Wie wir nun hören, ist aber die Arbeit in den letzten Monaten sehr ins Stocken geraten. Bezüglich der Verhandlungen um die Abfindung des Erzbischofs von Breslau liegt seit langem ein weitherziger Lösungsvorschlag des Breslauer Erzbischofs den Prager Regierungsstellen vor. Daß es über diesen Plan so lange nicht zu einem Abschluß kam, scheint anzudeute-g, daß die Prager Regierung nicht recht gewillt ist, ans den Plan des Breslauer Erzbischofs einzugehen. Dies wäre umso bedauerlicher, als der Breslauer Plan in großzügiger Weise die Lösung vereinfachen und beiden Parteien gerecht werden wollte. Anderseits bringen tschechische und slowakische Zeitungen die Nachricht, daß das Schulministerium in Prag selbst allen Grund hat, die Verhandlungen um die Ausführun- gen des „Modus vivendi" zu beschleunigen. Das Schulministerium ist nämlich staatlicherseits mit der interimistischen Verwaltung der beschlagnahmten Kirchengüter in der Slowakei bis zur Beendigung der Verhandlungen beauftragt und hat zur Zeit große Kreditschwierigkeiten bei der Sanierung solcher Kirchengüter.
Ungarn.
Die frühere österreichische Kaiserin Zita legt Wert darauf, ungarische Staatsangehörige zu bleiben; verständlich, wenn man bedenkt, daß ihr Sohn Otto heute mehr als vor Jahren bereit ist, habsburgische Thronansprüche in Ungarn und in Oesterreich geltend zu machen. Nach dem ungarischen Gesetz verlieren aber im Ausland lebende Ungarn, die sich nicht im Verlauf von zehn Jahren bei den zuständigen ungarischen Behörden melden, die Staatsangehörigkeit. So wird Frau Zita von Habsburg-Bourbon demnächst bei den ungarischen Konsulatsbehörden in Belgien erscheinen, um an ihr Recht zu erinnern, das jetzt verloren gehen könnte. Sie will ihren Kindern die Rechte sichern, die sich aus der Staatsangehörigkeit ergeben Es läge nahe, auf einen Fall zu exemplifizieren, der mit einem Mann aus Braunau und mit einem Regierungsrat in Braunschweig etwas zu tun hat, — der es vorzog, lange Jahre staatenlos zu leben.
H Litauen.
Die Litauer tanzen dem Völkerbund auf der Nase herum. Die litauische Regierung hat kürzlich von den Beauftragten des Völkerbundes die Wei>- ftmg bekommen, die Verfolgung der deutschsprechenden Memelbewohner einzustellen und auf keinen Fall den Landtag in Memel aufzu lösen. Schon
zwei Tage später ist diese Auflösung doch erfolgt; die Neuwahlen sind auf den 4. Mai festgesetzt. Um einen der litauischen Regierung willigen neuen Landtag zu schaffen, will die litauische Regierung einer großen Anzahl Litauer das Wahlrecht im Memelgebiet verleihen und so zum alten Unrecht neues hinzusügen. Sie hat auch eine Reihe Arbeiterführer verhaften lassen. Die deutsche Regierung will sich diese Mißhandlung der Memelländer, die zu 95 Prozent deutsch sind, nicht gefallen lassen und deshalb wirtschaftliche Kampfmaßnahmen anwenden. Da Litauen wirtschaftlich fast ganz von Deutschland abhängig ist, wird das wohl die beste Medizin sein.
Arbeitslosenhilfe durch Arbeit.
Erzbischof Msgr. Paiano von Messina, der schon früher einmal zur Bekämpfung der Arbeitslosig- keit eine Reihe von Kirchenbauten in Aussicht genommen hat eröffnet nun eine neue Serie, so laß die Gesamtzahl der geplanten großenteils schon in Angriff genommenen Bauten nunmehr 41 beträgt, wodurch viele Arbeiter ihr Brot verdienen können. — Kardinal Verdier, Erzbischof von Paris, der auch vom Standpunkt ausgsht, daß die Beschaffung von Arbeitsgelegenheit die beste Art und Weise ist, um die gegenwärtige Krise überwinden zu helfen, hat nunmehr in seiner Aktion für Kirchenbauten bereits die vierzehnte Baustelle eröffnen können. Er hat auch die reliösen Häuser eingeladen, nach bester Möglichkeit gerade jetzt Arbeiten ausführen zu lassen. (Aus der Rundschau der Wochenschrift „Das Neue Reich", Ty- rolia, Wien.)
Für ständische Organisation in England.
„Der erste Schritt zur sozialen Reform", erklärte Pater Watt, S. I., in einem Kurs der katholisch-sozialen Gilde der Oxforder Universität, „ist die Wiederaufrichtung der Familie, der zweite Schritt muß die Wiederaufrichtung von Gilden oder ständischen Korporationen sein. Die katholische Kirche fördert Vereinigungen von Unternehmern und Angestellten und der Staat hat kein Recht, diese zu verbieten, solange sie nicht zu einem verderblichen Zweck gebildet werden. Der Staat sollte im Gegenteil ihre Errichtung ebenfalls fördern. Sie haben wichtige Funktionen zu erfüllen und können dazu beitragen, die sozialen Probleme zu lösen und die Harmonie zwischen den Klassen zu schaffen. Das Gildenidsal ist ein katholisches Ideal; die Organisationsform hat sich den Umständen von Zeit und Ort anzupassen. Zur Zeit der Gilden oder Zünfte waren die Trennungslinien zwischen den einzelnen Mitgliedern der Berufe oder Stände vertikal und nicht horizontal zwischen Klasse und Klasse. Die Gilden umschlossen Meister, Gesellen und Lehrlinge. Die Löhne wurden von den Gilden festgesetzt," sie haben auch unter der Kontrolle der staatlichen Obrigkeit die Preise festgesetzt. Es war nicht beabsichtigt, die Konkurrenz zu unterdrücken, wohl aber, sie zu regeln. Auch die Frauen an der Arbeit wurden durch das Gildensystem geschützt; sie wurden erst hilflos unter den Kräften einer sich verändernden Welt." (Aus der Rundschau der Wochenschrift „Das Neue Reich", Tyrolia, Wien.)
Rußland.
Die Kicchenverfotgung geht ununterbrochen weiter. Nach der Isa als- Kathed c ate wird nun auch die Kathedrale der Mutter Gottes von Kasan in Leningrad in ei n Intern all o nales Museum für Religionsgeschichte und Atheismus umgewandâ Das neue Museum soll anläßlich der 15. Jahresfeier des Sowjetregimes im November d. Js. eröffnet werden. Das Direktorium des neuen Museums wird zahlreiche antireligiöse Ausste klungen in der ganzen Sowjetunion veranstalten.
Das ehemalige Michaelskloster in Archangelsk (Nordrußl'and) wird auf Beschluß der Sowjetregierung in eine Reparaturwerkstatt umgewandekt. Die Arbeiten sind bereits in vollem Gang.
Der Verband der Gottlosen der Sowjetunion hat eine antireligiöse ABC- Fibel herausgegeben, die für Sowjeffchulen bestimmt ist. Jeder Buchstabe des Alphabets wird durch eine antireligiöse
Parole „erläutert".
. Wer zwei Röcke hak...
Gedanken eines invaliden Arbeiters. i
„Wer zwei Röcke hat, gebe dem einen, der keinen hat" (Luk. 3, 11). Der Bußprediger Iohannes könnte „ heute daran noch die Mahnung knüpfen: Verschenket nicht Kleidungsstücke, die in den Lumpensack gehören; stopft z. B. erst die Strümpfe, wenn ihr genau wihh daß die Empfänger hierzu nicht in der Lage sind.
Alban Stolz hat in einem seiner Werke die Legende von St. Martin gebracht, um daran die drastische Bemerkung zu knüpfen: Wenn nun dir der Heiland erschien und zeigte dir die wertlosen Stücke, die du den Armen geschenkt hast!
Nun hat der Bußprediger wieder das Wort (Vers 14): „. . . seid zufrieden mit euerm Solde", so sagte er zu den Kriegsleuten. Heute könnte er auch gewisse Almosenempfänger zur Zufriedenheit ermahnen; ec könnte ihnen sagen: Das Bessere ist des Guten Feind. Ihr dürft den Spendern nicht zumuten, daß sie das „Gute" selber tragen, mit dem „Besseren" aber die „Nackten bekleiden". Geschenkt erhaltene Kleidungsstücke, die euerm Körper nicht passen, gebt lieber anderen Bedürftigen; verschleudert sie nicht an Althändler. „Gebet, so wird euch gegeben werden!" Mancher Erwerbslose könnte wohl auch mit feiner Arbeitskraft ein Opfer bringen; indem er z. B. einem Bedürftigen bei der Bestellung seines Landes behilflich wäre. Iohannes, der Bußprediger würde gelegentlich wohl auch einmal die folgenden Verse des ftofpredigers Abraham a Santa Clara (t 1709) aus seinem Werk: „Etwas für Alle" vorbringen:
„Wer des Bettelhungers Rillen Stillt und labt um Gottes Willen, Sammlet Segen in fein Haus.
Aber mit den guten Werken Soll man keine Bosheit stärken; Sonsten wird ein Handwerk draus.
Hierzu könnte Iohannes bemerken: Zweierlei Arten von Bettlern hat hier der Dichter im Auge. Die zur. ersten Art gehörigen, weisen ein echtes, offenes „Armutszeugnis" vor, nämlich die Rillen (Furchen) die ber Hunger erst in ihr Angesicht ziehen mußte, ehe sie sich aufraffen konnten, betteln zu gehen. Unter der zweiten Art aber mögen nicht wenige sein, die tatsächlich ein Handwerk aus dem Betteln machen; die kein „Armutszeugnis" im Gesicht vorweisen können; die sehr wohl den Spruch kennen: „Ein blöder Hund wird selten fett"« Solche Leute werden in einem Liede verulkt, das beginnt:
Ja, ja! Sell glaub ich, Bettelleut h'ens gut.
's pfeift 'ne kei Maus im Korn,
's bricht'ne kei Kuh ein Horn.
Ja, ja! Sell glaub ich, Bettelleut h'ens gut.
(Aus Polle: Po u)
Johannes würde fortfahren: Da tadeln Leute bau* ernb den Bincenz- ober Elisabethverein; beide sollen an Unwürdige ihre Gaben gelangen lassen. Leute, die diese Vereine nicht unterstützen, sollten überhaupt in deren Praxis nichts hineinreden ; die geben wahrscheinlich niemals Etwas einem „Unwürdigen", aus dem gang'einfachen Grunde, weil sie sich überhaupt selber nicht von etwas trennen können. Tatsache ist aber, daß die organisierte Armenpflege, besser als ein einzelner Almosenspender, Bedürftigkeit feststellen kann. In jedem Falle . sagen sich ernsthafte Christen: Lieber im guten Glauben neun Unwürdige unterstützen, als den zehnten, der wirklich in Not ist, mißtrauisch abzuweisen. Heute ist die Not verhängnisvoll groß. Wenn nicht aus Vernunft und freiwilligem christlichem Erbarmen gewisse kapitalistische „Hügel abgetragen werden" (Vers 5) so werden diese schließlich einstürzen, wenn so viele Mik lionen Hungrige deren Umkreise ständig benagend verkleinern. „. . . Denn die Axt ist schon an die Wurzel der Bäume gesetzt"; (Vers 9) an die Bäume, die Gott nicht bis in den Himmel wachsen läßt. In der Sündflut sind zuletzt auch jene ertrunken, denen es gelungen war, auf die höchsten Gipfel zu steigen. Hierzu bemerkte ein Akademikers „Heute können zuerst biejenigem im Chaos versinken^ die etwas zu verlieren haben; die im Golde stecken."
Die werden vergeblich dann rudern und ringen —> Der goldene Panzer muß nieder sie zwingen.
Zum Schlüsse erlaubt sich der Pseudo-Johannes noch die Worte anzuführen, die Abraham a Santa Clara unter ein Bild in „Etwas für Alle" schrieb, das einen Geistlichen auf der Kanzel predigend darstellt:
„Meine Worte treffen gut, Sind sie manchem eine Rut, Wird niemand doch beschädigt. Folgt den Worten, die ich lehr, Doch ruft mir auch zu Gehör:' Tu selbst nach deiner Predigt!" H. G.
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