Kleine pom. nathtishtenf _____Nummer 14 / Seite 7
so stark vernehmbar wie heute, wo die öffentliche Fürsorge unter der Finanzlast zufammenzubrechen droht.
Umso vordringlicher ist die Schulung der zahlreichen freiwilligen Helfer und Helferinnen. Ganz abgesehen von den vielen praktischen Erfahrungen, die jeder einzelne bei der praktischen Karitas- übung machen kann, abgesehen ferner von den durch Pfarreien und Organisationen abgehaltenen Kursen dient dieser Schulung die in legier Zeit stark an gewachsene und besonders vom Karitasverlag in Freiburg i. Br. geförderte Karitaslitera- fur, in erster Linie auch das offizielle Organ des Deutschen Karitasverbandes, die Zeitschrift „Caritas". Ähr Vorzug ist, daß sie alle Gebiete der Karitasarbeite gleichmäßig behandelt und würdigt.
Wählerlisten Nachsehen!
Wer umgezogen ist oder gerade in diesen Tagen 20 Jahre alt wird, oder wer sonst Zweifel hat, ob er für die Wahlen am 10. April und am 24. April in der Wählerliste steht, sehe sofort nach. Umb wenn sein Raine fehlt, steife er gleich den Antrag, daß er noch eingetragen wird. Die Wählerlisten Liegen bei den Gemeindebehörden zur Einsichtnahme auf bis zum 3. April (Weißer Sonntag) ein- fchließlich. Wahlberechtigt ist, wer bis jium Wahltag (10. April bezw. 24. April) wenigstens 20 Jahre alt ist. Wer nicht in die Wählerliste eingetragen ist, kann am Wahltage nicht zur Wahl zugelassen werden.
Stimmscheine.
Wer am Wahltage verreisen muß und zu Hause nicht wählen kann, lasse sich rechtzeitig einen Wahlschein oder Stimmschein von seinem Bürgermeister ausstellen. Mit diesen: Stimmschein kann er dann auch an fremden Orten das Wahlrecht ausüben.
Eichsfeld und Landlagswahl.
Für die drei Wahlkreise Erfurt (mit Eichsfeld), Magdeburg und Merseburg hat die dortige Zen- -tr um spart er wiederum einstimmig den Abgeordneten Dietrich-Halle als gemeinsamen Kandidaten aufgestellt, so daß in den drei Wahlkreisen die gleiche Kandidatenliste eingereicht wird. Die ersten Namen dieser Liste sind:
1. Abg. Dietrich, Lehrer, Halle;
2. Gewerkschastssekretär Wiedemann, Mühlhausen;
3. Landwirt Reiter, Westhausen;
4. Kaufmännischer Angestellter Gold, Magdeburg;
5. Arbeitersekretär Topolinski, Halle;
6. Kaufmann Otto Kugel, Erfurt;
7. Geschäftsführer Hülsmann, Heiligen st adt;
8. Haushälterin Fräulein Harbert, Magdeburg; tÖ. Amtsvorsteher Wand, Breitenworbis. könn man sich sät Rutzlan» melden?
Unwahrheit, Gewalt kann doch nicht immer herrschen, nicht den Endsieg davontragen. Wenn der schwere Sturm in Rußland nachläßt, stehen dann auch Arbeiter für den Weinberg bereit? Einen jungen Studenten trieb die Begeisterung, sich für Rußland zu melden. Auf seine Anfrage erhielt er die Auskunft: In Rom ist ein eigenes Seminar für Rußland, das „Rusficum" (Via Carlo Cattaneo 2) gegründet. Darin sind Zöglinge aus Polen, Oesterreich, Deutschland, Holland, Frankreich. Vorbedingung für die Aufnahme ist im allgemeinen das Reifezeugnis des Gymnasiums, das Abitur. Wegen der Gefahren, der unsicheren, aber vielleicht auch ganz großen Zukunft wird bei der Aufnahme besonders auf festen Charakter, selbstlose Hingabe an die Aufgabe des Heilandes, auf praktisches Organisationstalent bei guter Gesundheit gesehen. Schon in der Heimat läßt man die Kandidaten daraufhin prüfen. Solide Ausbildung erhalten sie dann an der römischen Universität. Wer es kann, soll für die Ausbildung selbst aufkommen, wo die Mittel fehlen, hilft der Hl. Vater nach. Sie unterstehen unmittelbar dem Hl. Vater, müssen das Versprechen oblegen, den apostolischen Arbeiten hauptsächlich im orientalischen Ritus sich zu widmen. Dafür übernimmt natürlich der Hl. Stuhl Anstellung und Sorgen. Auf die Frage, welche Aussichten sie haben, kann man einstweilen nur antworten: Misit Dominus seminare . . . Der Hl. Vater ladet ein.
Am 14. Oktober 1931 wurde in Dubna (Wolyn, Polen) eine neue Anstalt eröffnet. Wir haben jetzt 16 Alumnen, schreibt ein Bekannter von dort, von denen 8 Ruthenen, 4 Polen, 3 Weißrussen sind. Im Hause hört man fünf slawische Sprachen. Der Segen Gottes ruht sichtbar auf der Anstalt. Keiner hätte erwartet, daß man nach fünf Monaten schon ein ganz regelrechtes Seminar hier haben werde. Hätten wir nur Kräfte, konnten wir auch in der Kirche schon segensreich für die Union wirken. Der Arbeiter sind wenige!!
Reichskanzler Dr. Brüning ist auf seiner Erholungsreise, die er von Weimar aus nach Süddcutschland angetreten hat, am Mittwoch auch in Tübingen eingetros- sen und weilte zu kurzem Besuch bei dem ihm befreundeten Theologieprofessor Dr. Simon.
Bei der preußischen Landtagswahl am 24. April entfällt auf je 50 000 Stimmen ein Abgeordneter. Die Neststimmen der einzelnen Wahlkreise sammeln sich auf den Landeslisten der Parteien. Bleiben am Schluß noch mehr als 25 000 Stimmen übrig, dann erhält die betreffende Partei noch einen Abgeordneten. Kleinere Reste als 25 000 werden nicht berücksichtigt.
Ellernbeirakswahlen in Preußen am 26. Juni. Die Elternbeiratswahlen find in Preußen auf den 26. Juni festgesetzt worden. Bis dahin wurde das Mandat der bestehenden Elternbeiräte verlängert, damit sich die Wahlen nicht allzu sehr häufen.
Wahl und Währung. Unter dem Eindruck des Wahlergebnises der Reichspräsidentenwahl in Deutschland am 13. März haben die in Basel versammelten internationalen Notenbankleiter ihrer Ansicht dahin Ausdruck gegeben, daß dieser Erfolg „eine wertvolle Garantie für die Stabilisierung der deutschen Währung und für die Sicherung Deutschlands vor dem Bürgerkrieg" schaffe. Das gibt eine Lehre für den 10. April.
Wie das Zentrum verleumdet wird. Der „Führer", das Karlsruher Organ der Nationalsozialisten, berichtete in großer Aufmachung über eine angebliche vertrauliche Beratung des Abg. Dr. Föhr (Ztr.) mit anderen Zentrumsabgeordneten, die einige Zeit vor der Neichsprä- sidentenwahl stattgefunden haben sollte. In dieser Besprechung seien von einer Seite Aeußerungen getan worden, wonach im Falle der Wahl Hitlers das katholische Süddeutschland sich vorübergehend von Preußen trenne u. mit Oesterreich zusammenschließen werde. Das ebenfalls katholische Rheinland werde unter das Protektorat Frankreichs gestellt werden. Dazu gab der Führer des badischen Zentrums, Abg. Dr. Föhr, im Badischen Landtag die Erklärung ab, daß die Besprechung, von der hier die Rede sei, überhaupt nie stattgesunden habe. Der Angriff des „Führer" solle wohl ein Belegstück zu der Aeußerung des nationalsozialistischen Abgeordneten Wagner sein, daß unritterlicher und verlogener noch kein Wahlkampf in Deutschland geführt worden sei. Dr. Föhr fuhr fort: „Obwohl ich es nicht nötig habe, mich gegen solche Angriffe einer Partei zu verteidigen, deren Führer wegen Hoch- und Landesverrats rechtskräftig verurteilt worden iff, habe ich doch gegen den Urheber des Angriffs Strafantrag gestellt." Der „Führer", sowie der in Freiburg erscheinende „Alemanne" sind wegen des Artikels, in dem sie den Zentrumsabgeordneten Dr. Föhr und andere badische Zentrumsabgeordnete des Hoch- und Landesverrats bezichtigen, beschlagnahmt und auf 14 Tage verboten worden.
Der Aemter- Schacher der „nationalen" Opposition. Vor dem 13. März hat Prinz August Wilhelm von Preußen in Potsdam in mehreren nationalsozialistischen Versammlungen gesprochen. Prinz AuWi beklagte sich über die „unerhörten Forderungen", die Hugenberg bei den Verhandlungen der Hamburger Front über eine gemeinsame Kandidatur gestellt habe. Hugenberg habe für sich den Reichskanzler-Posten beansprucht. Ducster- berg sollte Reichswehrminister werden. Hitler dagegen — Postminister! — Alles in allem ein bemerkenswertes Vorspiel für den Aemterschacher, der sich in dem sagenhaften Dritten Reich abspielen würde.
Frick und die Parleibuchbeamlen. — 270 Reuein- skellungen. Dem parlamentarischen Untersuchungsausschuß über die Hitler-Ernennung hat das thüringische Staatsministerium eine Aufstellung vorgelegt, aus der hervorgeht, daß während der Amtszeit Dr. Fricks 270 Neueinstellungen erfolgt sind. Weiter erklärte das Ministerium, es stehe ferner fest, daß Dr. Frick die Listen von Personen, die sich zur Einstellung bei der Landespolizei gemeldet hatten, an den nationalsozia- listischen Gauführer Sauckel zur Prüfung weitergegeben habe. Das Ministerium könne aber nicht feststellen, ob auf Grund des Urteils von Sauckel Polizeibeamte eingestellt oder obgelehnt worden sind, denn diese Listen habe Dr. Frick nicht zu den Akten gegeben. Erwähnt sei noch, daß über 3000 Bewerbungen vorgelegen haben. — Diese „nationale Beweaung" scheint uns zu einem starken „Drang nach der Futterkrippe" gleichzusetzen zu sein.
Was Hitler vorhatte. Bei einer Versammlung der Deutschen Staatspartei in Nürnberg machte Oberbürgermeister Luppe folgende Mitteilungen: Hitler habe tatsächlich gelaubt, er werde am 13. März zum Reichs
präsidenten gewählt werden. In diesem Falle wollte er an Hindenburg die Forderung stellen, sofort zurückzu- treten und ihm die Macht zu übergeben. Im Hinblick auf diese Erwartungen seien am 13. März und in der darauffolgenden Nacht in vielen Ortschaften die Natio- nalsozialisten in Alarmbereitschaft gewefen. Was er-! folgt wäre, wenn Hitler die Macht hätte ergreifen fön» nen, darüber geben die Boxheimer Dokumente ausreichenden Aufschluß: Gewaltherrschaft der S. A., Stillstand des ganzen Erwerbslebens, Kriegsherrschaft nach russischem Muster mit Maschinengewehren und Mafsen- küchen. Beschlagnahme der gesamten landwirtschaftlichen Produktion, vollendete Zwangswirtschaft.
Die Gesinnungsschnüffelei im Dritten Reich. Bel den Haussuchungen im Oberhausener SA-Henn der Nationalsozialisten wurden u. a. Listen vorgefunden, die von dem Stadtfekretär Hasselmann, einem SA-Füh-, rer, und dem Inspektor bei der Verwaltung des Poli-« zeipräsidiums Oberhausen, Strömer, aufgestellt worden sind. In diese Listen sind sämtliche Beamte und Angestellte der Stadtverwaltung und des Polizeipräsidiums ausgenommen worden. In einzelne Rubriken wird die jetzige Parteizugehörigkeit des Beamten festgestellt und weiter darüber Auskunft gegeben, ob er dem Nationalsozialismus gegenüber zuverlässig ist oder nicht, ob er nach der Besitzergreifung der Macht durch die Nationalsozialisten entlassen werden soll, ob er überwacht werden muß, oder für welche Stellung er später vorgesehen ist. Der Stadtsekretär ist heute von seinem Amte suspendiert worden, während der Polizeiinspektor sich schon vor einigen Tagen krank gemeldet hat. Wie wir erfahren, wird gegen beide Beamte das Disziplinarverfahren eingeleitet.
Ausland
Holland.
Auch die Niederlande haben ihre drückende Agrarkrise. Die drei größten landwirtschaftlichen Organisationen Hollands hatten vor einigen Tagen eine Abordnung zur Königin entsandt, um ihr persönlich die Notlage schildern zu lassen, in die die holländischen Bauern durch die Absatzschwierigkeiten ihrer Erzeugnisse im Ausland und den damit einhergehenden starken Preissturz geraten sind. Die Königin versprach der Abordnung ihren Einfluß dahin geltend zu machen, daß der Landwirtschaft durch staatliche Maßnahmen geholfen werde. Auf diese Klagen dürste es zurückzuführen sein, daß die Königin nun ausgedehnte Besichtigungsfahrten durch mehrere landwirtschaftliche Bezirke, namentlich der Provinz Friesland, unternommen hat. Die Königin sprach den Verzagten Mut zu und wiesbdarauf hin, daß zur Zeil im Haag ernste Erwägungen darüber im Gange seien, wie den Bauern geholfen werden könne. Aber es ist klar: So lange die Weltwirtschaftskrise anhält und die Grenzen durch hohe Zölle verbarrikadiert sind, wird die holländische Landwirtschaft nicht wieder aufblühen.
Frankreich.
Ministerpräsident Tardieu führte im Senat aus: „Im Einnahmebud^et von1932 stünden 1173 CO OJO Franken, die der Wiederaufnahme der deutlichen Zahlungen am 1. Juli entsprächen, abzüglich der französischen Zahlungen an England und Amerika. Man habe die Ausnahme dieses Betrages in das Einnahmebudget anscheinend bedauert. Aber das Gesetz habe dazu gezwungen.(!) Andernfalls hätte das Parlament der Regierung einen Vorwurf machen können, denn das hätte gewissermaßen den Verzicht aus die Zahlungen Deutschlands bedeutet. Niemand hätte das der Regierung verziehen. Hoffentlich würden diese 1173 Millionen sich eines Tages auch in den französischen Kassen befinden, wie sie ins Budget eingeschrieben seien.
In der Reparationsfrage, so fuhr Tardieu fort, ist Frankreich zu freiwillig eingegangenen Angleichungen bereit, es lehnt aber die Verleugnung der Unterschriften ab. Das bebcutet, daß wir aus der Lausanner Konferenz unsere Ansichten den Ansich-