Kette 6 / Nummer 13.
Zehn Fragen an die VatisnskWaWen.
1. Frage: Wer finanziert eure Partei?
2. Stage: Welche Gehälter werden an Hitler und die „Prvvinzgcneräle" bezahlt?
3. Stage: Wep. bezahlt die Luxuslimousinen?
4. Stage: Wer bezahlt die sich jeweils auf Taufende. von Mark belaufenden Rechnungen im feudalen .Kaiserhof" in Berlin?
5. Stage: Worher stammen die 200 000 Mark, die täglich nur für die S.A.-Formationen aufgewendet werden?
6. Frage: Wer besoldet die SS., die persönlichen Leibwachen?
7. Frage: Welche Höhe hat die finanzielle Unterstützung der N. S S). A. P. durch die Schwerindustrie?
8. Frage: Wann und in welcher Höhe wurden bis jetzt die Diäten der Reichstagsabgeordneten der NSDAP, an die Erwerbslosen verteilt?
9. Frage: Welche Summen hat die NSDAP, bis heute zur Linderung des Arbeitslosenelends zur Verfügung gestellt? Welche Gehaltsabzüge der von der Leitung der NSDAP. Besoldeten sind zur Steuerung der Erwerbslosennot bis heute durchgeführt worden?
10. Frage: Hat der Regierungsrat Hitler auf Urlaub mit Rücksicht auf sein „Führereinkommen" und die braunschweigischen Steuerzahler auf das Gehalt der eigens nur für ihn geschaffenen Par- tetbeamtenstelle in der braunschweigi- fchen Gesandtschaft in Berlin verzichtet?
Diese Fragen wurden schon mehrfach in den Zeitungen öffentlich an die Nazis gestellt. Don einer Antwort hört man nichts. Man weiß, warum!
Die Nationalsozialisten und die „armen Teufel".
„Dem armen Teufel wird es »eggenommen, die Bonzen und Großen werden verschont", so schreien mit dem Ausdruck tiefster Empörung die Herren Nationalsozialisten in den Bauernversammlungen draußen auf dem Lande unter allgemeinem Beifall. Und die Wahrheit: am 9. Dezember 1930 falben die Nationalsozialisten im deutschen Reichstag gestimmt:
1. gegen die erhöht« Besteuerung von Einkommen über 50 000 Mark.
2. gegen die vorgeschlagene Dividendensteuer.
3. gegen die Besteuerung der Aufsichtsratstantiemen.
4. gegen die erhöhte Besteuerung von Vermögen mögen über 500 000 Mark.
Sind diese Leute mit solchen Bezügen auch „arme Teufel"? Der „arme Teufel" Hitler fährt dabei den teuersten Autowagen von der Ausstellung — das Braune Haus und seine Einrichtung hat Millionen gekostet — wohl alles wegen der „armenTeufel", die dort in den gepolsterten Sesseln die Geschicke der Hitlerpartei leiten.
Des Wahlergebnis in Hessen-Nassau.
Die Reichspräsidentenwahs vom 13. März hat im Wahlkreis 19 (Hessen-Nassau) nach den endgültigen amtlichen Feststellungen folgendes Ergeb
nis gehabt:
Stimmberechtigt« 1 735 192 abgegebene Stimmscheine 29 355 überhaupt abgegebene Stimmen 1 491 510 gültige Stimmen 1 481 247 ungültige Stimmen 10 263
Es erhielten: Duesterberg 63 030
Hindenburg 737 743
Hitler 510 869
Thälmann 166 745
Winter 2 710 zersplitterte gültige Stimmen 150
Vorbereitung der prevtzenwahl in Hessen Vaffau.
Am Palmsonntag tagten in Fulda und £im- burg der kurhessische und der nassauische Landesausschuß der Zentrumspartei, um di« Kandidaten für die am 24. April stattfindende preußische Landlagswahl aufstellen. Die kurhess. Zentrumspartei nominierte wieder einstimmig den seither. Mge- ordneten Rhiel für die zweite Stelle der hessennassauischen Zentrumsliste. Die nassauische Zentrumspartei stellte — nachdem der seitherige Spitzenkandidat und Abgeordnete Sanitätsrat Dr. Stemmler (Bad Ems) eine Wiederwahl abgelehnt hatte, die seitherigen Abgeordneten Dr. Grah, Schreinermeister Fink wieder auf, ferner auf Vorschlag der Arbeiter-Zentrumswähler den früheren Arbeiterfekretär, jetzigen Bürgermeister Roth- Montabaur. Die Liste der Zentrumpartei im Wahlkreis Hessen-Nassau wird also an aussichtsreichen Stellen folgende Kandidaten enthalten:
1. Dr. Gratz, Bauernvereinsdirektor, Koblenz.
2. Rhiel, Amtsgerichtsrat, Fulda.
3. Roth, Bürgermeister, Montabaur.
4. Fink, Schreinermeister, Wiesbaden.
Die Zentrumspartei wird wieder Listenverbin- dung herstellen mit der Zentrumspartei der Wahlkreise Koblenz-Trier und Köln-Aachen.
Meine polit. Patiariditen
Vor den Preutzenwahlen. In den letzten Tagen haben sich im Preußischen Landtag Bestrebungen geltend gemacht, noch vor den kommenden Wahlen das Wahlalter heraufzusetzen. Zu der Annahme des Antrages wäre eine Zweidrittelmehrheit erforderlich gewesen, die aber nicht zustande kam. — Dagegen wurde, was gleichfalls mit dem Wahlrecht zusammenhängt, am Mittwoch im Landtag mit allen gegen die Stimmen der Nationalsozialisten ein Jnitiativgrsetzentwurf der Regierungsparteien verabschiedet, wonach beim Ausscheiden eines Abgeordneten nicht mehr automatisch der Listennachsolger in den Landtag eintreten soll. Vielmehr bleibt n den Parteien überlassen, wen sie als Rachfolger benennen.
3m Kriege reklamiert, aber jetzt Httlersoldat! Ueber den Führer der nationalsozialistischen Abgeordneten im preußischen Landtag, Herrn Kube, wurde jetzt bei der Verhandlung des Landtages aus seiner Kriegs- st a m m r o l l e folgendes fejtgestellt: „Als kriegsver- wendungssâhig infolge Reklamation zur Tätigkeit als Generalsekretär der Deutschkonservativen Vereinigung entlassen und bis Kriegsende dann zurstckgestellt".
Lin Bombenleger als Präsidentschaftskandidat? Es sind Bestrebungen im Gange, für den zweiten Wahlgang zur Reichsprüsidentenwahl den durch die Bombenlegerprozesse bekannt gewordenen holsteinischen Landvolkführer Klaus Heim als Kandidaten aufzustellen. Klaus Heim, der wegen der Bombenlegeraffäre im Zuchthaus zu Celle eine längere Freiheitsstrafe verbüßt, hat bereits seine Zustimmung zur Aufstellung erteilt. Mit der Unterschriftensammlung für den Wahlvorschlag ist bereits begonnen worden. Die Nominierung Klaus Heims geht von bäuerlich-revolutionären Gruppen aus. — Es war schon beschämend genug, daß beim ersten Wahlgang ein Präsidentschaftskandidat, der im Gefängnis fitzt, über 100 000 Stimmen bekommen hat. Soll jetzt auch noch einer, der im Zuchthaus sitzt, auf dem Stimmzettel stehen?
Die Folge nationalsozialistischer Erziehung. In Hohenhameln hat sich ein Schüler des Landerziehungsheimes und Mitglied der Hitler-Jugend, der 17- jährige Untersekundaner Glahn, erhängt. Nach dem Bekanntwerden des Reichspräsidentenwahlergebnisses hatte sich Glahn in zynischer Weise über den Reichspräsidenten, der am besten beseitigt würde, geäußert. Als er von seinem Direktor zur Rede gestellt, seine fre- oclhafte Auffassung aufrechterhielt, teilte ihm der Anstaltsleiter mit, daß er das Erziehungsheim verlassen müsse. Kurze Zeit darauf fand man Glahn in einem Nebengebäude erhängt auf.
Thomas Mann über das Zentrum und den deutschen Katholizismus. Der tschechische katholische Publizist Dr. A. Fuchs hatte, wie er in der „Vox"-Korrespondenz mitteilt, in diesen Tagen eine Unterredung mit dem Nobelpreisträger Thomas Mann. Dabei kam die Rede auch auf den heutigen großen Einfluß des Zentrums in Deutschland. Es ist interessant zu hören, daß Thomas Mann diesen starken Einfluß des Zentrums nicht der augenblicklichen politischen Konjunktur, sondern viel
mehr dem prinzipiellen katholischen Universo lismus zuschreibt. Dies merkt man, so sagte Tho mas Mann, besonders an Bayern, wo der Einfluß de Bischöfe, besonders der Persönlichkeit des Kardinal! Faulhaber, den Einfluß der Hakenkreuzler stark ab schwächt. Er sei zwar, so fährt Thomas Mann weite: fort, Protestant und halte den Protestantismus für der echten Ausdruck des deutschen Geistes; aber das luthe rische Landes- und Staatskirchentum habe sich in uni nach dem Krieg leider in den Dienst eines engstirniger Nationalismus gestellt. — Wir werden Thomas Mann gewiß nicht in allem zustimmen, aber es ist doch inter- essant zu hören, wie dieser Mann über die politischen Auswirkungen von Katholizismus und Protestantismus in Deutschland denkt und wie er sich darüber im Aus-: lande äußert.
Ein Amerikaner über Brüning. In der Industrie» und Handelskammer zu Berlin fand ein Empfang zu Ehren des Präsidenten der amerikanischen Handelskammer in Washington, Silas Strawn, statt, an dem u. a. der amerikanische Botschafter Mr. Sackett und Rcichs- wirtschaftsminister Warmbold teilnahmen. Nach einer Meldung der Associated Preß hat sich Strawn nach einem Empfang durch den Reichskanzler Dr. Brüninz folgendermaßen geäußert: Ich habe selten einen Mann getroffen, der so die ganze internationale Lage beherrscht, wie den deutschen Reichskanzler. Ich habe einen außerordentlich starken Eindruck von seiner Persönlichkeit und seinem Können empfangen.
IliisM
Alemel.
In dem Konflikt, den die litauische Regierung im deutschsprechenden Memelland durch Absetzung öes Präsidenten Böttcher Heraufb «schworen hat, ist jetzt endlich ein klarer und entscheidender Schritt der Signaturmächte erfolgt. Diese haben dem litauischen Außenminister in Kowno nacheinander identische Noten wegen des Memelkonfliktes übergeben. In diesen Noten wird ausgesührt:
1. Die Tatsache, daß die Mehrheiteparteien des me» melländischen Landtages nach vierzehntägigen Verhandlungen die Zusammenarbeit mit dem vor Simaitis vorgeschlagenen Direktorium abgelehnt haben, beweist, daß dieses Direktorium nicht in der Lage sein wird, das im Memelstatut vorgeschriebene Vertrauen des Landtages zu erhalten. Die Bildung eines Direktoriums Simaitis mit litauischer Majorität werde daher dem Wemelstalut und außerdem den Verpflichtungen wiberspr^hen, die der litauische Außenminister gegenüber dem Völkerbundsrat übernommen hat.
2. Für den Fall, daß ein Direktorium, das das Vertrauen des Landtages genießt, nicht in naher Zeit gebildet wird, werden die Signatarmächte sich gezwungen sehen, den Fall Böttcher nicht auf dem bisher beabsichtigten Wege eines Schiedsgerichtes zu erledigen, sondern statt dessen die Angelegenheit dem Haager Gerichishof zu unterbreiten.
3. Eine etwaige Auflösung des Landtages würde von den Signatarmächten als Zuwiderhandlung gegen die Empfehlungen des Völkerbundsrates vom 20 Februar betrachtet werden können. Die Signatarmüchle würden dann zu prüfen haben, ob ein solcher Akt nicht einen neuen Verstoß der litauischen Regierung gegen die Memelkonvention darstellt.
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Aus Kreisen des Memelländischen Landtages wird mitgeteilt, daß in der Sitzung des Landtages cm Dienstag ein Mißtrauensantrag gegen das Direktorium Simaitis eingebracht wird, der alter Wahrscheinlichkeit nach angenommen werden dürfte. Was dann darauf erfolgen wird, ist in der gegenwärtigen Lage — nach der Ueberrei- chung der Note der Signatarmächte in Kowno — völlig ungewiß. Berichte über diese Note wurden in den litauischen Zeitungen lm-t erdrückt; auslön« dische Zeitungen, die darüber Berichte brachten, wurden beschlagnahmt.
Genfer Entschließung.
Die Völkerbundsversammlung hat die Entschließung über den chinesisch-japanischen Konflikt mit 45 Stimmen bei zwei Enthaltungen, nämlich des Chinesen und des Japaners, angenommen. Damit gilt die Entschließung entsprechend der Geschäftsordnung als einstimmig angenommen. Der chinesische Delegierte Dr. Yen, begründete leine Stimmenenthaltung mit dem Fehlen von Instruktionen seiner Regierung, wobei er betonte, daß diese Enthaltung nicht als Widerspruch gegen die Entschließung ausgefaßt werden dürfe. Die chinesische Delegation habe die Annahme der Entschkie-