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Seite 6 / Nummer 11.

recht hat? Wir erwarten eine klare, eindeutige und jeden Zweifel ausschließerche Antwort

Zu dieser Frage wären wir nicht gekommen, wenn nicht Dr. Goebbels versucht hätte, Hitler als ein ganz besonderes Wunder eines Frontsoldaten hinzustellen Wir meinen, daß derartige Phanta­stereien niemand schärfer verurteilen müßte als Hitler selbst. Daß er eine ganz besondere Rolle an der Front gespielt habe, wie es jetzt behauptet wird, dürfte ein Irrtum sein. Insbesondere müß­ten sich aber Dr. Goebbels und der „Völkische Be­obachter" davor hüten, Behauptungen auszuspre­chen, die nicht bestätigt sind. Damit hat Hitler bas Wort.

An sich sind ja die Militärverhältnisse Hitlers uns gleichgültig. Wenn wir auf gewisse Ungereimt­heiten hingewiesen haben, so nur deshalb, weil die HiUerianer ihn gern als den großen Helden ab- stempeln wollen. Das ist Hitler offenbar nicht gewesen.

Was uns aber nicht gleichgültig ist an Hitler, das ist seine religiös-sittliche Einstellung. Hier ist Hitler mit samt seinem Anhang der ausgefprod}ene Erbe des kirchenfeindlichen und areligiösen Libera­lismus. Deshalb haben alle Bischöfe Deutschlands und Oesterreichs den Nationalsozialismus ver­urteilt. Typisch ist, daß die Nationalsozialisten auf Weisung Hitlers gegen das preußische Konkordat gestimmt haben und im Landtag sogar diese Feindseligkeit gegen die katholische Kirche damit begründeten, der Staat solle eigenmächtig die kirch­lichen Verhältnisse regeln: Also wieder das alte Staatskirchentum, das die Kirche in Fesseln le­gen will

In welch kirchenfeindliä-er Weise der Chef- redakteuer des von Hitler selbst herausgegebenen „Völkischen Beobachters" eingestellt ist, beweist nicht nur dieses Blatt selbst durch seine häufigen Ausfälle, sondern vor allem das Buch dieses Chef­redakteurs Rosenberg „2>er Mythos des 20. Jahr­hunderts", das in dem nationalsozialistischen Ver­lag — also mit Billigung Hitlers — herausgegeben worden ist und geradezu strotzt von niedrigsten An­griffen gegen Kirche und Christentum.

Daß Hitler selbst nicht mehr als Christ gelten will, beweist er in der Schrift: „Mein Kampf!" Dort sagt er: „Die nationalsozialistische Partei sam­melt die Kräfte, die als Vorkämpfer einer neuen Weltanschauung befähigt sind". Diese neue Welt- anschauung nennt Hitler die völkische. So gebraucht er in dem genannten Buch den Ausdruck, die NSDAP, verfolge das Ziel, „der völkischen Welt­anschauung ein Instrument zu schaffen": „Der völ­kische Staat hat die Rasse in den Wittclpnnkt des allgemeinen Lebens zu setzen".

Gerade wegen dieser Pläne einer neuen Welt­anschauung hat die katholische Kirche Hitler und seinen Nationalsozialismus verurteilt. Kardinal Verkram, der Vorsitzende der Fuldaer Bischofskon­ferenz. schrieb daher in seiner Neujahrsbotschaft:

„Wir katholischen Christen kennen keine Rassen­religion. sondern nur Christi weltbeherrschende Offenbarung. Niemals kann Rasseneigenart über irgend eine der Wahrheiten und Gebote Christi zu Gericht sitzen."

Einst! And jetzt?

Am 28. April 1925 — nach der Hindenburg- wahl — schrieb Hugenbergs „Berliner Lokalan- zeiger":

„Uns ist — höchstes Glück der Crdenkinderl — ein Großer, eine über allem Gehudel stehende Per­sönlichkeit zum Führer gesetzt. Ung allen; auch denen, die bis jetzt gegen Hindenburg kämpften. Zeigen wir, daß wir es verdienen. Daß der Große der Wann unserer Wahl ward, beweist immerhin, daß wir genesendes Volk sind. Denn an der Art, wie cs seine Großen ehrt, erkennt man den Stand der moralischen Gesundheit einer Ration".

Der Hugenbergsche „Deutschnationale Presse­dienst" schrieb kurz nach der Wahl Hindenburgs zum Reichspräsidenten:

„Wer Hindenburg bat, diese neue schwere Pflicht auf sich zu nehmen, wird zum Deserteur, wenn er den Führer jetzt, da er sein Werk beginnen soll, verläßt."

Hindenburg an das Handwerk.

Der Reichspräsident empfing in der vorigen Woche eine aus den Handwerkskammerpräsidcnten Ueterberger-Breslau, Hefter-Frankfurt a. O.. Ment­zel-Stettin und Groß-Königsberg bestehende Ab­ordnung des ostdeutsâzen Handwerks, deren Wort­führer ihm die Not des Handwerks, die in den Ost­gebieten durch die katastrophale Lage der Landwirt­schaft verschärft worden sei, schilderten. Einem Be­schluß des ostdeutschen Handwerkskammertages ent­sprechend wurde dem Herrn Reichspräsidenten die Bitte vorgetragen, sich dieser Notlage des Hand­werks und Gewerbes und der vorge^chlagenen Hilfsmaßnahmen anzunehmen.

Reichspräsident von Hindenburg erwiderte, daß er die Bedeutung des Handwerks und aller mtttel= ständigen Gewerbe und ihre vaterländische Be­währung im Krieg und Frieden würdige. Als Ehrenobermeister des deutschen Handwerks fühle er sich mit diesem aufs engste verbunden, und auch er empfinde es schmerzlich, daß Handwerk und Ge­werbe von der allgemeinen wirtschaftlichen Not be­sonders schwer betroffen seien; er werde die ihm vorgetragenen Wünsche der Reichsregierung zur ernsten Prüfung und möglichst weitgehenden Be­rücksichtigung züleiten. Im übrigen habe er das ungeminderte Vertrauen zu Handwerk und Ge­werbe, daß der bei ihm vorhandene und seit Jahr­hunderten bewährte Geist der Pflichttreue und Va­terlandsliebe sich auch in dieser Notzeit behaupten und in Einigkeit mit allen Deutschen gleicher Ge­sinnung die bessere deutsche Zukunft erkämpfen werde.

Am Schlüsse der Ansprache brachte die Abord­nung dem Herrn Reichspräsidenten den Dank des ostdeutschen Handwerks dafür zum Ausdruck, daß er sich dem deutschen Volke für eine Wiederwahl zur Verfügung gestellt habe, und versicherte den Herrn Reichspräsidenten der Treue und des Vertrauens des deutschen Handwerks.

Der Nationalsozialist an der Futterkrippe.

Der Kampf der Rechten, besonders der Natio­nalsozialisten gegen das heutige System arbeitet in den großen Massen mit besonderem Erfolg durch den Hinweis auf die Futterkrippenwirtschast der Regierungsparteien und besonders der preußischen Sozialdemokratie. Seit der Ernennung Hitlers zum Regierungsrat ist es ja etwas stiller in den Reihen der Nationalsozialisten geworden, weil viele sich durch diese offensichtliche Schiebung doch etwas beschämt fühlen. Von Interesse ist auf diesem Ge­biet auch eine Zusammenstellung über den Ge­brauch von Staatsgeldern zu rein persönlichen Zwecken des braunschweigischen Nazi-Land­tagspräsidenten Zörner, über die der „Braunschweiger Volksfreund" wie folgt berichtet:

Für die Teilnahme an einer Tagung des Deutschnationalsn Handlungsgehilfen-Verbandes in Braunschweig liquidierte Herr Zörner für sich selbst 20 Mark. Für die Teilnahme am Braun­schweigischen Städtetag zahlte sich der Präsident Zörner 20 Mark. Am 5. Juni fuhr der Präsident nach Hannover, um sich dort die landwirtschaftliche Ausstellung anzusehen. Er liquidierte dafür an Spesen 80 Mark. Am 13. Juni 1931 besuchte der Herr Präsident Zörner eine Jugendherbergsta­gung in Braunschweig; er zahlte sich auf Kosten des braunschweigischen Steuerzahlers 10 Mk. aus. Am 9. Juli fühlte sich der Herr Präsident auf einer Artillerietagung wohl, er liquidierte dafür 20 Mk Am 19. Juli fühlte der Herr Präsident das Bedürf­nis, Zigarren zu rauchen. Er bestellte beim Nazi- Zigarrenhaus Quidde-Braunschweig 50 Stück je 30 Pfg. Die Rechnung bezahlte er aus der Verfü­gungskasse mit 15 Mark. Am 14. Juli lockte ihn das Rennen nach Harzburg. Er entnahm dem Landtagspräsidenten-Verfügungsfonds 30 Mark. Am 5. September fuhr er zur Abwechslung nach Sachsen. Für diese Reise liquidierte er 40 Mark. Als Begründung schrieb er in die Akten „Verfas­sungsfeier in Sachsen" (Verfassungsfeiern sind sonst am 11. August). Am 15. Juli 1931 besuchte der Herr Präsident die Hundertjahrfeier der Landes­baugewerkschule in Holzminden. Seine Ausgaben bezifferte er auf 80 Mark. (Dabei hat der Präsi­dent Zörner freie Eisenbahnfahrt.) Am 14. Sep­tember 1931 nahm er an Raabe-Feiern in Braun­schweig, Wolfenbüttel und Eschershausen teil; er glaubte dafür 85 Mark nötig zu haben. — Für die Eröffnung einer Kolonialaüsstellung in Braun­schweig im „Konzerthaus" nahm er 10 Mark in

Anbruch. Am 22. September 1931 brauchte der Herr Präsident wieder Zigarren und bezahlte da­für bem Nazi-Zigarrenhaus Quidde 15 Mark. Am 14. und 15. Oktober 1931 setzte sich der Herr Prä­sident auf die Bahn, um sich Berlin und seinen Reichstag anzusehen. Er liquidierte dafür 84 Mk. Die Arbeiterkolonie Kästorf erregte auch sein In­teresse. Er berechnete dafür auf Kosten des braun­schweigischen Steuerzahlers 26 Mark. Am 19. Ro- vember 1931 besuchte er das Schulfest einer ge­werblichen Berufsschule (Freiprogramm war allen Abgeordneten zugestellt). Der Herr Präsident li­quidierte trotzdem 15 Mark. Kurz vor Jahresschluß waren die Zigarren aufgeraucht. Zörner bestellte eine neue Kiste; die Not der Zeit erforderte selbst bei dem Herrn Präsidenten einen Preisabbau. Er bestellte jetzt Zigarren je 25 Pfg. und za Ite dafür 12.50 Mark. Für die Sitzungen des Staats­bank-Untersuchungsausschusses beinspruchte Herr Zörner ohne nähere Begründung 29.68 Mark. Kein Mensch weiß, wofür diese Gelder verwendet wurden, denn seine Sitzungsgelder hat Herr Prä­sident Zörner wie jeder andere Abgeordnete auch erhalten.

Selbst der Volksparteiler Brandes, der sonst über alle Taten der Nazis feine schützende Hand hält, erklärte im Haushaltsausschuß,' daß Herr Präsident Zörner eigentlich auch mit den Tages­geldsätzen eines Ministers zufrieden sein könne!

So sieht das Lauterkeitsbedürfnis der National­sozialisten aus! Was wird erst werden, wenn diese Partei an die Herrschaft kommt und neben einer Armee von unterzubringenden Parteibuchbeamten auch noch auf die obige Weise über das gesamte Geld der Steuerzahler „verfügen" kann? Wie wol­len diese Herren anderen den Vorwurf machen von „Futterkrippenwirtschaft" und „Korruption", die heute schon schlimmer wirtschaften dort, wo sie an der Macht sind. Wehe dem Deutschen Reich und den deutschen Steuerzahlern, wenn dieses System unter einer Reichspräsidentenschaft Hitler ans Ru­der fommen sollte. Dann armes „Deutschland er­wache!"

warum wählt der Bauer nickt Hitler sondern Hindenburg?

In einer Massenversammlung des Obersränti­schen Bauernvereins führte Geheimrat Dr. Heim, der bekannte Bauernführer, zur Reichspräsiden­tenwahl u. a aus:

Für uns kann die Wahl nicht schwer fallen, wir sind uns darüber klar, daß wir im Augenblick der Gefahr einen bewährten Mann brauchen und kei­nen Mann, der sich in der Gefahr noch nicht be­währt hat, wie Herr Hitler.

Wir brauchen einen Mann, der über den Par­teien steht. Darum wähle ich Hindenburg, weil er als oberster Hüter und Wächter des Reiches bei al­len Gegensätzen aller Vertrauen genießen kann und alle Gegensätze überbrückt. Bei jedem anderen Kandidaten ist das Gegenteil der Fall.

Wir brauchen in dieser trostlosen Lage Deutsch­lands einen Mann, der mit Ernst und Würde und in Vertrauen auf Gott seine schwere Arbeit er­kennt, und das ist Hindenburg. Ich gebe meine Stimme einem Mann der Tat ohne viele Worte und nicht einem Mann vieler Worte ohne eine ein­zige Tat. Und wir geben unsere Stimme dem Retter Deutschlands. der unser Vost und Land vor dem Einfall der Feinde bewahrt hat.

Wir wählen den Mann, der wie ein Fels in der Brandung der Leidenschaften mit ruhigem Gleichmut und liebevollem Herzen steht.

Der 13. Wärz 1932 entscheidet Deutschlands Sckncksalsslunde. In euren Händen liegt die Wahl zwischen Tod und Leben, Gedeihen oder Verder­ben, Aufstieg oder Niedergang.

Auch die Beamten wählen Hindenb rg.

Der Bundesvorstand des Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes erläßt zur bevorstehenden Reichs- präsidentenwahl einen Aufruf, in dem es heißt:

„Beamte! Im ganzen Reiche rüsten die An­hänger der faschistischen Diktatur seit Monaten zum entscheidenden Schlage gegen Dolksrechte und Demokratie. Sie wollen die Grundrechte der re­publikanischen Verfassung im Reich und in den Ländern zertrümmern, um ihre unumschränkte Herrschaft über Beamte, Angestellte und Arbei­ter ausüben zu können.

Beamte? Wollt ihr auf Gnade und Amgnsde