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Seits 2 / Nummer 11

gestoßen? hat er sie durch seine Allmacht zermalm- oder im Augenblick verdorren lassen? Nichts da­von. Jesus, unser Heiland, hat sein Angesicht nickt abgewaudt. Mit himmlischer Geduld und Ruhe läßt er sich anspucken und schlagen. Auch dieses Un- recht, auch dieses Leiden, auch diese Beschämung ha; der Heiland aufgeopfert iur Buße für unsere Sün den, besonders zur Buße aller Rachsucht und Feindicha't unter Menschen und Völkern.

Aber auch eine Lehre hat er uns gegeben. Die­sem weisesten aller Lehrer war es nicht genug, wie der hl. Augustinus bemerkt, uns nur mit Worten zu lehren: er lehrte uns durch Taten und Beispiele. Hätte der Heiland sich damit begnügt, uns ein­fach ui befehlen, du Zollst dich nicht rächen, du sollst deinem Feind vergeben, du sollst für ihn beten, so hatten mir eine solche Ermahnung abgetan mit der Entschuldigung: so etwas ist unmöglich; io etwas geht über die Natur. Nachdem aber der Heiland in seiner Menschheit solche heroische Werke der Ge­duld und Liebe vollbracht hat, fallen alle Entschul­digungen über den Haufen.

Und haben nicht auch die Heiligen sich in der Kraft solcher Beispiele aufgeschwungen zu uner­hörten Taten der Ruhe, Sanftmut, GelassenlM. Verzeihung und Feindesliebe? Rührend ist, was vom Pater Klemens Hofbauer erzählt wird, dessen Andenken wir am 15. ds. Mts. begehen. Als er nämlich einstens in einem Wirtshaus für feine Waisenkinder bettelte, spuckte ihn ein übelgelaunter Gast an. Ohne eine Miene zu verziehen, sprach Hofbauer zu dem Wütenden: „Mein Herr, das war für mich; jetzt aber geben Sie mir auch etwas für meine Waisenkinder!" Da mar der Zorn des Ga­stes in Beschämung und Verwunderung verwan­delt, er bat um Verzeihung, zog seine Börse und spendete reichlich. Der Talpfarrcr.

RechtsraSitate «ud katholische Religion.

Die Nationalsozialisten geben sich den Anstrich, christlich zu sein. Einer Klärung ihrer kulturpoli­tischen Ansichten sind sie aber bis heute scheu aus­gewichen. Die Bischöfe verschiedener Diözesen haben darauf hinweisen müssen, daß in dem über­triebenen Nationalismus bereits eine schwere Ge­fahr liegt, und daß dieser Nationalsozialismus mit der katholischen Auffassung nicht in Einklang zu bringen ist. Die letzten Wochen haben diese Auf­fassung besonders bestätigt. Im nationalsozialisti­schen Parteiverlag ist eine neue Broschüre erschie­nen die offenbar den Nachweis führen will, daß der Jesuitenhaß nicht nur ein Reservatrecht des Herrn Ludendorff und seiner Frau Gemahlin ist, sondern daß er ganz allgemein als Schrittmacher auch für einen großen Teil der Hitlerschen nationalso­zialistischen Bewegung zu gelten hat. Schließlich kann das nicht besonders wunder nehmen. Denn wo man den Nationalismus soweit auf die Spitze treibt, daß man den Staat vergottet und die Na­tion als höchsten Gott anbetet, bleibt für eine frei­heitliche Gesinnung gegenüber der kirchlichen Au­torität kein Raum mehr. Typisch dafür ein Vor­fall in München. Kardinal Faulhaber hat dort in St. Bonifaz bei einer Friedensmesse eine Ansprache gehalten. Sie gab bedeutsame Fingerzeige für die rechte Einstellung des Katholiken zum Friedensge­danken. Nun rate ich dir, einmal nachzulesen, wie der „Völkische Beobachter" ob dieser Predigt sich be­fugt glaubt, den Münchener Kardinal vor das Fo­rum seiner Oeffentlichkeit zu zerren und ihn von seiner Parteibonzentribühne aus zu maßregeln. Dieser Artikel verdichtet sich bis zu der Drohung, im Dritten Reiche würden Ideen und Anschauungen, die ..wehrpolitische Jrrmeinungen" enthalten, nicht mehr verbreitet werden dürfen. Das klingt fast nach Ankündigung eines neuen Maulkorbgesetzes. Man denkt sich die Sache offenbar so, daß die Kirche im Dritten Reich, das bisher glücklicherweise nur als Wunschgebilde lebt, von den „braunen Läufern" aus beaufsichtigt werden soll, und daß die katho­lischen Bischöfe ihre Kundgebungen und Hirtenbriefe von Herrn Hitler oder seinem Stabschef als den maßgeblichen Autoritäten gegenzeichnen lassen.

Du wirst vielleichr sagen, diese Darstellung sei übertrieben. Dann antworte ich: Du unters thatet die antikatholische Gesinnung, die in weiten Kreisen des Hitlerlagers einen maßgeblichen Faktor dar­

stellt. Nimm das Buch von Universitätsprofessor Stark „Zentrumspolitik und Jesuitenpolitik" zur Hand, auf das ich oben bereits anspielte. Die Zcki- trumspolitik soll uns hier nicht interessieren. Um so mehr die Jesuitenpolitik. Was sich hier ein ehe­maliger Universirätsprofessor in dieser 71 Seiten starken Broschüre an Beschimpfungen und Belei­digungen der Jesuiten — und damit der ganzen katholischen Kirche — leistet, spottet aller Beschrei­bung. Dem Herrn Ludendorff ist hier ein geführ- licher Konkurrent entstanden. Mit dem Professoren­titel sucht Stark die wissenschaftliche Fundierung seiner Broschüre vorzutäuschen. Wer aber, wie Pro­fessor Stark. Proiessor für Physik und Chemie war, ist noch lange kein patentierter Geschichtsforscher und wissenschaftlicher Beurteiler der katholischen Kirche. Ja er bleibt ein armseliger Stümper und gibt seinen Professorentitel der Lächerlichkeit preis wenn er in so naiver und primitiver Weise gegen das Bollwerk der katholischen Kirche anrennt, wie das Iohannes Stark tut. Sachlichkeit und Gründ­lichkeit sind jedenfalls nicht seine Stärke. Man könnte die ganze Broschüre mitleidsvoll dem Pa­pierkorb anvertrauen, wenn aus ihr nicht eine io tragische Verirrung der nationalistischen Bewegui /

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x Sankt Joseph. *

A Wo war ein Herz wie deines treu, •

X Wie dein s an heil'ger Liebe reich? - So rein wie frisch gefallener Schnee. y ¥ So demutsvoll, so still und weich. 0

¥ And war auch arm dein kleines Haus ¥ y And hieltst du schwer die Rot nur fern U 0 Es barg des Reichtums Fülle doch: st

X Mit ihrem Kind die Braut des Herrn! ß

Ü Wie strahlte hell dein Auge auf, ß st Wenn „Vater" sprach das süße Kind! st X Wie bebte dir dein Herz vor Glück, X ¥ Wenn es sich an dich schmiegte lind! ¥ 5 = E : In harter Arbeit regtest du X ¥ Die fleißchen Hände ohne Rast V y Und trugst geduldig Jahr um Jahr 0 st Der grauen Alltagssorgen Last. y y Und als dann heim der Herr dich rief, V 0 Als treu dein Lebenswerk vollbracht: ß st In seinen Armen hast du still st Die müden Augen zngemacht.---X

0 Joseph, bitte du für mich, st Daß treu mein Herz und still und rein, X / Daß ich wie du in letzter Rot ¥

-J In Jesn Armen schlafe ein!

y Henriette Brey. I

spräche, daß man für den Frieden und die Einheit unseres Volkes tiefste Besorgnis liegen müßte.

Aus diesem Grunde allein muß man sich mit dem Starkschen Pamphlet doch etwas näher beschäf­tigen, als es uns, die wir den Frieden zu schützen wissen, an sich lieb ist. Ich will dich nur auf einige Dinge Hinweisen Stark operiert mit dem Scheine der Wirklichkeit. Er zitiert viel und reichlich. Aber er sucht sich nicht nur seine Zitate willkürlich zu­sammen, so wie sie ihm in den Kram passen, son­dern er zitiert auch sichtlich falsch. In mehreren Fällen hat er beim Evangelischen Bund faule An­leihen gemacht. Beispielsweise wärmt Stark die tendenziösen Darstellungen über Benedikts XV. Wirken auf, der angeblich im Weltkrieg mit seiner Gesinnung auf Seite der Gegner Deutschlands ge­standen habe. Stark beruft sich dabei insbesondere auf ein Zitat der „Acta Apostolicae Sedis" und behauptet, Benedikt XV. habe i. I. 1919 mit fol­genden Worten Stellung zu dem Diktat von Ver­sailles genommen: „Von Frankreich aus möge sich Gottes Gnade über die ganze Welt ergießen; was menschliche Klugheit auf der Versailler Konferenz begonnen, möge die göttliche Liebe veredeln." Stark hat sich offenbar überhaupt nicht die Mühe gemacht, selbst d> Acta Apo o na Sedis" nachzuschlagen, g um nq :Z -ua noab srsyuv lüvb ^x RN wie es Pflicht jedes Wissenschaftlers wäre. Er hat das gefälschte Zitat einfach beim Evangelisten -susA tp,j wh P-chrhvW u$ •uaqmtplabqb qun^

November 1919 an den Kardinal Amette von Pa­ris anläßlich der Konsekranon der Sacre-Coeur- Kirche auf dem Montmartre, die Paris überragt, einen Brief geschrieben, in dem es am Schluß (mir geben die deutsche Uebersetzung) wörtlich heißt:

„Möge unser Herr Jesus Christus mit Euch fein, die Ihr die Gnadengeheimnisse der göttlichen Barmherzigkeit feiert, und möge er auf die Für­sprache Eurer Volksheiligen Margarita, der er die Schätze seines Herzens in einzigartiger Weise ge­offenbart hat, von diesem edlen Sitze (eben dem Montmartre-Heiligtum) aus, den Ihr zur Ehre dieser göttlichen Erlö^erliebe aufgerichtet habt, nicht nur Frankreich, sondern das ganze Menschenge­schlecht in Liebe umarmen und an sich ziehen, damit das, was im Rate von Versailles menschliche Klug­heit neulich angefangen hat, dieg öttliche Liebe auf dem Montmartre vreedele und vollende."

Das ist also ungefähr das Gegenteil von dem, was Stark zitiert. In diesen Worten Benedikts XV. liegt eine deutliche Kritik an Versailles, die im Munde der höchsten moralischen Weltautorität ein ganz besonderes Gewicht hat, und die zu einer Zeit erfolgte, als Herr Stark vielleicht noch nicht daran dachte, gegen das Unrecht von Versailles öf­fentlich anzukämpfen Ein Student, der sich in einer Doktordissertation ein so leichtsinniges falsches Zitat zuschulden kommen läßt, kann seine Pro­motion unweigerlich kassieren. Johannes Stark „besteht", allerdings nur vor feinen geistlosen Nach­betern.

Dieser Fall ist so typisch für die ganze Hetz­schrift, daß man es sich ersparen kann, weitere Einzelheiten herauszugreifen. Das geschichtliche Ur­teil über Benedikt XV. ist längst gegenüber den ein­seitigen Darstellungen, die unter dem frischen Ein­druck der Kriegshetze entstanden im Sinne der Ge­rechtigkeit und Wahrhaftigkeit revidiert worden. Be­nedikt XV. wird in der Geschichte als der Friedens- papft fortleben, der mit dem Bekenntnis auf den Lippen starb: „Ich opfere mein Geben für den Frie­den der Welt". Nur der Universitätsprofessor a. 2. Stark braucht sich darum nicht zu kümmern. Müßte er ja sonst auf seine traurige, volksverhetzende Tä­tigkeit im Dienste der nationalsozialistischen Partes verzichten.

Schließlich ist diese Papsthetze für Stark nur eine Nebensache. Die Jesuitenhetze, die er betreibt, ist noch viel toller. Alle Ladenhüter der Vergan- gnheit, die jemals zur Verunglimpfung der Jaul­ten erfunden wurden, werden in seiner Broschüre zusamurengekratzt, um die Mitglieder der Gesell­schaft Jesu als Feinde des Protestantismus, des deutschen Volkes und Vaterlandsverräter zu brand­marken. Es ist ja augenblicklich so modern, in Je­suitenhetze zu machen. Mexiko verfolgt die Orden. Spanien hat die Jesuiten aus dem Lande vertrie­ben. Warum soll sich Herr Stark aus Hesseloh bei Ndünchen nickst bemühen, die deutsche Kultur mit der Mexikos auf eine Stufe zu stellen? Kommt es ihm doch nicht darauf an, wörtlich zu behaupten, „in voller Uebereinstimmung mit der Jesuitenpolitik wirke die Zentrumspolitik objektiv für die Aufrecht­erhaltung und den Ausbau des großen Erfolaes des Weltkrieges und des Diktates von Versailles: Vorherrschaft des katholischen Frankreich in Europa, Vorherrschaft der klerikalen Partei in Deutschland". Solche Theorien zu verfechten, ist krankhaft. Hoben wir es nötig, die Jesuiten gegenüber einem solchen Pamphlet, für das sich der Hitlersche Parteiverlag hergibt und das im Zentralblatt dieser Bewegung angepriesen wurde, in Schutz zu nehmen? Nein, über so niedrige und häßliche Anfeindungen sind die deutschen Jesuiten himmelhoch erhaben. Und das katholische Volk, das soll dieser Herr Stark wissen, sicht geschlossen hinter ihnen und wird für ihr verdienstvolles Wirken nur noch größere An­erkennung und Hochachtung empfinden. Herr Stark aber darf den traurigen Ruhm für sich in Anspruch nehmen, die politische Diskussion, in die er allein die Jesuiten hineinzerrt, unter das Niveau des simpelsten Biertisches gesenkt zu haben

Es wird Zeit, daß wir gegen diese Katholiken- hetze gewisser Kreise, die immer größeren Umfang annimmt, endlich auch ein positive Abwehr in die Wege leiten. Ich darf dich auf eine Schrift Hin­weisen „Ludendorff gegen Rom, Fieberphantasien eines Generals", die im Verlag der Germania A.-G., Berlin SW. 68, Pukkamerstraße 19, er­schienen ist. Diele Broschüre muß in großen Massen unter das Volk gebracht werden. So allein ist