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Seife § / Kummer LS.

bekämpften. Hindenburg aber hat seitdem seine ein­stigen Anhänger enttäuscht, weil er unparteiisch war und es bleiben will, weil er für jeden Staatsstreich nicht zu haben ist, darum wollen sie ihn jetzt beseitigen. Ge­gen Hitler! Das ist die Losung des 13. März. Die Sozialdemokratische Partei will die Klarheit dieser Ent­scheidung nicht verdunkeln. Darum hat sie aus die Aus­stellung einer Zählkandidatur im ersten Wahlgang ver­zichtet. Zum Zählen der Stimmen ist bei den nahen Wahlen zu den Länderparlamenten Gelegenheit genug. Bei Parlamenten gilt jede Stimme. Bei der Reichs- präsidenlenwahl dagegen fällt jede Stimme ins Leere, die für einen Zählkandidaten abgegeben wird. Jede Stimme, die gegen Hindenburg abgegeben wird, ist eine Stimme für Hitler. Jede Stimme, die Thälmann entrissen und Hindenburg zugeführt wird, ist ein Schlag gegen Hitler. Setzt alle Eure Kräfte ein, damit der entscheidende Schlag schon im ersten Wahlgang fällt." Der Aufruf schließt mit den Worten:Schlagt Hiller! Darum wählt Hindenburg!"

Warum es so lange gedauert hat, bis die Harzburger Parteien mit ihren zwei Kandidaten herauskamen, zeigt deutlich eine Auslassung der rechtsstehenden Deut­schen Allgemeinen Zeitung, die in lautes Klagen über das unglücklichetaktische und strategische Spiel" der Rechtsopposition ausbricht und zu folgenden betrüblicher? Feststellungen kommen muh:Daß die Opposition noch keinen Gegenkandidaten aufgestellt hat, wäre nicht zu tadeln, wenn es überlegter politischer Haltung entspringt Aber wir fürchten, daß es sich vielmehr um die Schwie- rigkeil handelt, sich untereinander zu einen und die vie­len Sonderbestrebungen und Planlosigkeiten auszufchal- lcn, die seit jeher die Geißel der nationalen Bewegung sind. Man zerbricht sich den Kopf über zukünftige Re­gierungsbildungen, bei denen manche Ressorts so begehrt sind, daß man gleich drei bis vier Anwärter für eines der Aemter besitzt. Darüber kämpft und streitet man, während der Bär nicht nur noch nicht erlegt ist, sondern sich bester Gesundheit erfreut und der Schar seiner Jä­ger gerade einen gewaltigen Streich gespielt hat. Das Gegebene wäre eine Einheitskandidatur aller Gruppen und Verbände, die Ausstellung eines parteimäßig nicht gebundenen Mannes, dessen Nam« überall auf der Rech­ten Ansehen genießt. Diele Bestrebungen scheinen nun cm Montag endgültig gescheitert zu semi" Jawohl! schon drängen sich die nationalenParteibuchbeamten" und reißen sich um die Ministerposten, die nach dem Siege Hitlers zu winken scheinen. Aber bis zu dem Siege Hitlers können die Herrschaften lange warten. Ge­wählt wird am 13. März nicht Hitler, sondern Hinden­burg, nicht der Kandidat der macht- und ämtergierigen Nationalsozialisten, sondern der eine und einzige Volks- tandidat: Paul von Hindenburg.

Nationalsozialistische Lügen. Kein Märchen ist zu töricht, daß es nicht von den Nationalsozialisten bei der Agitation verwendet würde. So wird, wie man un^ berichtet, in der Gegend zwischen Wertheim und Milten­berg von den Nationalsozialisten in den katholischen Ge- meinben das Gerücht verbreitet, Hitler sei persön­lich beim Papst gewesen und habe ihm sein Programm vorgelegt, habe auch auf Wunsch des Papstes einige Punkte geändert/ so daß dann der Papst das Programm gutgeheißen und Hitler mit Gruß und Segen freundschaftlich entlassen habe. Ein katholischer Haupt­lehrer fragte ausdrücklich bei einer nationalsozialistischen Versammlung den Redner, ob dies wahr sei, und diese? bestätigte indirekt das Gerücht, indem er geheimnisvoll andeutste, daß man über die Sache nicht öffentlich reden solle, da nichts davon in die Zeitungen kommen solle! Wir stellen fest, daß diese Behauptung der Nationalso­zialisten in allen Teilen frei erfunden ist. Hitler war nicht beim Papst, weder heimlich noch öffentlich. Er hat auch nicht sein Programm dem Papst zur Begut­achtung vorgelegt und hat keinen Punkt seines Pro­gramms zu Gunsten der Katholiken geändert. Es war auch kein anderer führender Nationalsozialist beim Papst, um mit ihm zu verhandeln. Als einige Blätter behaup­teten, daß Göhring im Vatikan gewesen fei, wurde dies ausdrücklich vom Blatt des PapstesOffervatore Romano" dementiert. Alls diese Gerüchte sind frei er= funden. Man kann ja von selbst erkennen, daß dies nicht anders sein kann, weil ja die Nationalsozialisten in den evangelischen Gegenden sich bamit brüsten, daß sie Rom und den Katholizismus bekämpfen und weil dies dort ihr bester Trumpf ist. Aber die Lügen der Agita­toren werden Hitler am 13. März nicht viel nützen. Ge­wählt wird Hindenburg!

Ilm Ludendorff. Im Buchverlag der Germania A.-G. (Berlin) erschien dieser Tage eine FlugschriftLu­dendorff gegen Rom. Fieberphantasien eines Generals." Es handelt sich bei der Veröffentlichung um eine Abwehr

der krankhaften Hetze, die das Ehepaar Ludendorff und n Berbindung mit ihm der Tannenberg-Bund seit Jah­ren gegen die katholische Kirche und den katholischen Klerus betreiben.

Kölnhche Volkszeitung. Sie möchten gerne wissen, was diese vortreffliche katholische Zeitung heute kostet? Die Kölnische Volkszeitung, kurz genannt KB., kostet seit dem 1. Januar nur RM. 3.20 monatlich, durch die Post Mk 3.20 und 0.42 gleich Mk. 3.62. Das macht 11 Pfg. den Tag, sicher nicht zu viel für so vortreffliche geistige Kost, wie die KV. sie bietet. Wer sie einmal bezogen hat, will sie nie mehr entbehren, und wir Ka­tholiken wären auch sehr töricht, wenn wir nicht unsere gute katholische Presse halten würden. Wir empfehlen Ihnen also sehr: halten sie die KV., es wird sie nie ge­reuen. Und noch eine Bitte sollte sie überhaupt not­wendig sein?! empfehlen Sie die KV. und bringen Sie die KV. unter, wo Sie nur können. Das wäre ein hochmodernes, bestes katholisches Missionswert. Und dann: die KB. kaufen auf Bahnhöfen, sie fordern im Gasthaus, im Cafë, wo immer es angebracht ist. Immer! Den Leuten vom Handel fei verraten, daß der Handels­teil der KV. deswegen allein and) in Kreisen gehalten wird, die ihrer religiösen und politischen Haltung ganz fernstehen. Infolge der letzten Preisherabsetzung hat die KV. in kaum vier Wochen 2000 neue Abonnenten ge­wonnen. Möchte sich die Zahl in diesen Tagen noch vervielfachen! Wir brauchen notwendig ein so füh­rendes katholisches Blatt! Wir brauchen es heute nötiger als je!

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Memel.

Während die deutschen Beschwerden über di-e Rechtsverletzungen seitens des litauischen Gouver­neurs von den in Frage kommenden Mächten ge­prüft werden, hat jetzt dieser Gouverneur einen Li­tauen, Simmat, zum Präsidenten des Memellän- dischen Direktoriums ernannt. Damit soll dem deutschen Memelland ein litauisches Direktorium aufottroyiert werden. Man darf gespannt sein, was die Litauen im Memelland noch alles anstellen, bis die Signatarmächte mit ihrer Entscheidung fertig werden.

Versuch eine atheistischen Thrakers.

Nach einer Mitteilung aus Moskau haben die Gottlosen" von der Regierung eine Subvention von 200 000 Rubeln erhalten für die Bewirtschaf­tung eines Theaters, das ausschließlich der anti­religiösen Propaganda gewidmet fein soll. Die Saison wird eröffnet werden mit dem StückDer Bllrgergott" von Maxim Gorki, das eigens für dieses Theater geschrieben mürbe. Im Falle eines Erfolges, hat die Regierung in Aussicht gestellt, die gleiche Summe alljährlich dem gleichen Zweck zu­kommen zu lassen.

Italien.

DieTribuna" veröffentlicht in Nr. 36 eine in­teressante statistische Uebersicht über die Verteilung der Bewohner Italiens nach religiösen Bekennt­nisse auf Grund der siebten allgemeinen Volkszäh­lung. Das der Regierung nahestehende Blatt sieht in dem Ergebnis dieser Ziffern eine Rechtfertigung des Verfassungsartikels, der d'e katholische Religion zur Staatsreligion erklärt, wie es übrigens im Artikel 1 des Vertrages über die Lösung der Rö­mischen Frage neu bestätigt worden ist. Die Kon- fessionszählunq hat von 41220134 Einwohnern Italiens 41 060 963 Katholiken ergeben, also für Andersgläubigewinzige, gleichsam verschwindende Minderheiten". Auf 1000 Einwohner sind 996,1 Katholiken.

Das statistische Zentralinstitut hat 82 569 ermit­telt, die sich alsevangelisch" angaben. Sie ver­teilen sich auf die Waldenser, die italienische metho­distische Episkopalkirche, die methodistische Kirche von Wesley, die evangelischen Baptisten, eine evan- gelische Brüderkirche, die Heilsarmee, die Adven- tisterrmission usw. Von diesen Protestanten sind 31 625, also 38 3 v. H., in Italien lebende Fremde. Die Zählung wies ferner 47 485 Juden auf.

England.

Das größte englische Watt, dieTimes", wid­met der Lage in Deutschland einen Leitauffatz, worin sie sagt, die kurze Reichstagssitzung habe die Aussicht verstärkt, daß Deutschland die Führer­schaft Hindenburgs als Präsident und Brünings

als Kanzler nach der Präsiüenlenwahl behalten werde. Sie vergleiche das Verhältnis zwischen den beiden Männern mit dem gegenseitigen Vertrauen, das Kaiser Wilhelm I. und Bismarck vereinigt habe Die beiden bedeuteten für Deutschland e ne Führerschaft. die bei den gegenwärtigen Umstän­den nur unter der größten Gefahr aufgegeben wer­den könnte. Die Art, wie der Reichstag seine Ge­schäfte erledigt habe, schreibt das Blatt weiter, habe die Welt überzeugt, daß die Zeit von vier Tagen völlig ausqereicht habe. Nur eine einzige Rede von Interesse und Bedeutung für das Aus­land fei während dieser Zeit gehalten worden, näm­lich die des Kanders. Worte besonderer Aner­kennung findet die Times auch für den Plan der Bankeufanierung, her als Vorbild dienen dürfte, wenn ähnliche finanzielle Schwierigkeiten an andern europäischen Finanzplätzen entstünden. Ueber Ein- zelheiten des Plans könne man verschiedener Mei­nung sein, aber als Ganzes genommen feien die ohne Beispiel dastehenden Schwierigkeiten mit der Festigkeit und dem Geschick angepackt worden, die Brüning ebenso wie in finanziellen, so auch in po» fftischen Angelegenheiten entwickle und heroorzuru- fen verstehe.

Kanada.

DieCroix", Frankreichs bedeutendste katho­lische Zeitung, berichtet über eine interessante kirch. liche Berufung. Dem französischen OrdensgeistU- chen von den Oblaten der Unbefleckten Jungfrau, Pater Arftne Turquetil, ist unter Ernennung zum Titularbischof von Ptolemais das Apostolische Vi­kariat der Hudson-Bucht übertragen worden. Die Croix weist darauf hin, daß es sich um den größ­ten kirchlichen Sprengel der Welt handle. Das Vikariat erstreckt sich vom 59. Breitengrad bis zum Nordpol, d. h. auf ein Gebiet von zweieinhalb Mil­lionen Quadro tkffometer. Der neuernannteBi­schof des Nordpols" lebt seit dreißig Jahren in den arktischen Regionen Kanadas. Er hat wert­volle Arbeiten über die Sprache und Sitten der Eskimos geschrieben. Außerdem hat er sich ein­gehend mit den rothäutigen Stämmen Nordkana­das beschäftigt. Trotz seiner gewaltigen Ausdeh­nung zählt sein Vikariat nur 8000 Einwohner. Auf Visitationsreisen steuert er selbst seinen Hundeschlit­ten. Die Croix bringt gleichzeitig ein Bild des neuen Bischofs, das ihn mit einer hohen Pelzmütze bekleidet zeigt

Der Bischof des Nordpols ist eine lebende Ver­körperung der Universalität und des weltweiten Wirkens der katholischen Küche. In Gegenden, die sonst nur gelegentlich von Forschern betreten werden, bringen ihre Diener vor, um mit manch­mal heroischer Aufopferung ihre göttliche Mission zu erfüllen. Der neue Bischof ist gleichzeitig eine sprechende Illustration für die gerade in den ab- g-elegensten Wirkung derErde so häufige Verbindung der religiösen mit allgemeintultureller Pionier- tätigkeit.

China und Japan.

Vor Schanghai wurde in der letzten Woche ein Grohkampf durchgeführt, wie er nur in modernen Kriegen denkbar ist. Die Chinesen haben sich zum äußersten Widerstand entschlossen, und die Jap. ner haben diesen Widerstand trotz ihrer militärischen Ueberlegenheit nicht zu brechen vermocht. Nach den letzten Nachrichten sind die Japaner jetzt zum Verhandeln bereit. Es scheint, die Trauben hängen ihnen zu hoch. Zur Zeit sind die Aussich­ten auf Beilegung des japanisch-chinesischen Kon­fliktes nicht ungünstig.

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Internationale Kongresse der freimaurerischen Groß­loge. Wie in den vergangenen Jahren, tritt auch in die­sem Jahre der Konvent der Internationale Assoziation der Freimaurer zusammen. Ein Beweis dafür, wie sich die Verhältnisse am Balkan gestaltet haben, ist wohl die Tatsache, daß der Konvent diesmal in Konstantinopel tagen wird. Das Exekutivkomitee der freimaurerischen Assoziation tritt im Frühjahr in Wien zu einer Sitzung zusammen. Es ist dies neuerdings ein Beweis für die Behauptung der katholischen Presse, daß Wien der Mit­telpunkt für die freimaurerische Propagandaarbeit am Balkan ist. Ueber diese Arbeit wird in Wien Bericht erstattet werden, schon um den Beweis zu erbringen, daß die Gelder, die man von amerikanischer Seite nach Wien geschickt hat, nicht vergeblich gegeben wurden.