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viele überhaupt nicht mehr; jeder urteilt und riât in Glaubenssachen wie ihm gutdünkt und wie er will auch wenn ihm jegliche Kenntnis und jedes Verständnis fehlt. Das ist eben der Geist unserer Zeit der nur das eigene Ich kennt und nur auf das eigene Ich hört.

Als einer der schärfsten Feinde unseres gött­lichen Erlösers Jesus Christus tritt leider auch ein Mann auf, den wir in der Gesellschaft dieser Got­tes- und Christusfeinde nur mit tiefem bbmerz und brennender Scham setzen und den wir hier nur notgedrungen, mit innerem Widerstreben, nen­nen, General Ludendorff. Es ist selten ein Buch geschrieben worden das mit einer beschämenden Unwissenschaftlichkeit den Gottessohn, unseren Hei­land Jesus Christus, so unwürdig, wegwerfend und i verächtlich behandelt wie das Buch „Erlösung" von ^rau Ludendorff. Und dieses Machwerk, dem von Fachmännern der Vorwurf wissenschaftlicher Ge­wissenlosigkeit und wissenschaftlichen Betruges ge­macht wird, trägt die ausdrückliche Billigung des Generals an der Stirne.

Das Ehepaar vertreibt außerdem eine ganze Reihe von aufreizenden Schriften und Traktätchen mit den schwersten Angriffen und Verleumdungen gegen unsere Kirche, mit den gehässigsten Beleidi­gungen und Verdächtigungen des Priester- und Ordensstandes. Vieles davon ist aus gemeinen Schmähschriften abgeschrieben, die längst wider­legt und verurteilt sind. Mit großem Bedauern sieht man einen Mann von solcher Stellung und einst so hohem Ansehen in diese Arena herunter­steigen, als Namengeber und Mitinhaber eines Verlags von Schriften und Traktätchen, mit denen Verwirrung, Unglaube, Unfrieden und Haß in einem ohnehin so unglücklich gewordenen, schwer- leidenden und schwerringenden Volk ausgestreut wird. Er scheint ganz vergessen zu haben, daß Tausende braver Männer einst auf seinen Befehl so Grohes geleistet und so Schweres gelitten haben in der Kraft ihres christlichen Glaubens, der ihnen heilig war; er denkt nicht daran, daß über den tausenden der deutschen Heldengräber das Kreuz emporragt, als Zeichen des Glaubens und der Hor­nung, womit die deutschen Helden gekämpft, ge­litten und ausgerungen haben. Ist es auch eine schwere Pflicht, ist es doch eine heilige strenge Pflicht, vor der seelischen Vergiftung zu wahren, die durch solche Zerstörungsarbeit angerichtet wird.

Wir dürfen nicht untätig zusehen, wie dieses J Gift massenhaft durch eigene Vertriebsstellen in ganz Deutschland verbreitet, der Name Gottes ent­weiht. wie Jesus Christus entehrt, wie der Prie­ster- und Ordensstand in so gemeiner We'se ver­dächtigt. wie der christliche Glaube in Tausenden von Seelen untergraben wird. Wir kämpfen nicht gegen Personen, wohl aber müssen wir eine War­nungstafel aufrichten vor einer Tätigkeit, die in ihrer Wirkung nicht weniger unheilvoll ist wie der Kampf der Gottlosen.

Die geheiligte Person Jesu Christi wird auch sonst immer mehr in den Streit des Tages und der Meinungen hereingezogen. Den einen gil: er nur als Proletarier oder Revolutionär, andern ist er ein jüdischer Sektierer oder Fanatiker, an­dere lehnen ihn ab, weil er nicht der arischen Rasse angehört habe.

Das Schlaawort von einem deutschen Gott und deutschem Goltesglauben trübt vielen, besonders jungen Leuten, das religiöse Verständnis und bringt sie um ihre christliche Glaubensüberzeugung. Gibt es etwas Engherzigeres und Kurzsichtigeres als auch noch unseren Herrgott nach nationalen und rassischen Gesichtspunkten zu beurteilen? Wenn ' irgend jemand, dann muß doch Gott der Schöpfer I und Erlöser allen Menschen gehören, über allem irdischen Streit und über allen Gegensätzen der Menschen stehen: „Ein Gott uitb Vater aller, der da ist über allen und durch alle und in uns allen" lEph. 4, 5). Und wie dürfte man Jesus Christus nach völkischen Gesichtspunkten beurteilen; der doch der Sohn Gottes war und durch Ueberschattung des Heiligen Geistes aus Maria der Jungfrau Mensch geworden ist, von dem die Offenbarung des hl Iohannes so herrlich sagt: „Du hast uns Gott erlauft mit deinem Blut aus allen Stämmen und Sprachen und Völkern und Rationen."

Die Bewegung, die einen deutschen Gott. eine oeuische Religion, und eine deutsche Sittlichkeit zum Ziel hat, führt nicht von der Gottlosigkeit weg, sondern sie fiifjrt unwiderstehlich, ob gewollt

oder ungewollt, zum Unglauben und zum Hel­dentum.

Wir bekämpfen nicht eine berechtigte nationale Bewegung in den Grenzen, die der christliche Glaube und das christliche Sittengesetz ziehen müs­sen. Nein, auch wir wünschen unserem Volks, daß es sich seiner Würde und Kraft, seiner seelischen und geistigen Vorzüge, seiner großen Geschichte und Leistungen bewußt sei und sich mit stolzer Freude als ein großes, freies Volk fühlen kann. Es ist nicht unsere Aufgabe, gegen eine politische Bewe­gung als solche Stellung zu nehmen, denn so ge­fährlich und verhängnisvoll auch Irrwege und Fehlgriffe gerade jetzt sind, so tragen wir dock da­für nicht die Verantwortung: wohl aber müssen wir uns pflichtgemäß wenden gegen Bewegungen, die vom politischen Bereich auf das Gebiet des Glaubens und der Sitte übergreifen und dort Ver­wirrung und Unheil anrichten. Wir nehmen gerne an, daß viele mit ihrem Glauben und ihrer Kirche nicht in Widerspruch geraten wollen und unbe­rechtigte Angriffe und Uebergriffe auf dieses Ge­biet mißbilligen. Möge der gute Wille, der diese beseelt, vor werteren Irrwegen zurückhalten und bald den Weg zur Verständigung und zum Frie­den finden! Nicht der Bruderkrieg, sondern nur die Bruderliebe kann uns retten.

Mbettsßsse in Hsmmerspfsrken.

Mehr als sechs Millionen Arbeitslose stehen traurig auf deutscher Schalle. Fühlen ihre Arme, ihres Geistes Kraft, sehen des Vaterlandes Bedürf­nisse und Not, verkosten vielfach ihrer Familienan­gehörigen nagenden Hunger und können doch nichts tun, um all dieser Not zu steuern.

Wie Bergeslast liegt dieses Geschick auf ihnen und martert Leib und Seele. Mehr die Seele als den Leib. Denn Staat und Kirche und Gemein­schaft, Verwandte und Nachbarn und Fremde ar­beiten rastlos zusammen, um wenigstens den ärg­sten Hunger und die drückendste Leibesnot der Arbeitslosen und ihrer Famil'en zu lindern. Aber den Seelen? An ihnen nagt die Not, die Erbitte­rung weiter. Und neben die Not hat sich die wilde Verhetzung gestellt und will den Abgebauten das Letzte nehmen, ja hat es vielen schon genommen: das Vertrauen. Das vertrauen auf sich selber, das Vertrauen auf. edle Menschen, das Vertrauen auf Staat, Gemeinde, Kirche und Gott! — Deshalb stehen so viele dieser Arbeitslosen hoffnungs- und vertrauenslos ihrem harten Schicksal gegenüber mit geballter Faust, mit verbissenen Lippen und knir­schenden Zähnen.

Die Fäuste, die Lippen, die Zahnreihen werden nicht mehr geöffnet durch eine notdürftige oder selbst hinreichende Unterstützung des Leibes; die lö­sende, erlösende Hand muß tiefer greifen. Muß mit edlem Verständnis das in den (Seelentiefen be­grabene Gottvertrauen wieder wachrütteln; „Pe­trus, was ich da tue, verstehst du jetzt nicht. Es kommt aber die Stunde, in der du es verstehen töirtt." —

Das sind die Gedanken, die den Arbeitslosen, Männern und Jungmännern, die Tore des Exer- zitienheims „Himmelspforten" öffneten zu drei großen Exerzitienkurfen. Vom 28. Dezember bis 1. Januar fand der 1. Kursus statt und zählte 67 Teilnehmer. Der zweite vom 8. bis 12. Januar zählte 83, der dritte vom 12. bis 16. Januar 82 Teilnehmer. Aus allen Teilen unserer Diözese rück­ten die Arbeitslosen heran: aus Städten und Dör­fern, aus Rhön und Spessart, aus den Saale-, Sinn- und Maintälern.

Ihr edlen Wohltäter, die ihr durch euer Scherf­lein den Arbeitslosen diese heiligfrohen Tage er­möglicht habt — eines hätten wir euch allen gern als Gegengabe für eure Hochherzigkeit gespendet: daß ihr einmal hättet dabei fein können, um zu hören und zu sehen, wie diese arbeitslosen Männer und Burschen beteten und sangen und vor dem Tabernakel knieten in diesen Tagen stiller Einsam­keit und göttlichen Friedens.

Zaghaft im schlichten, zum Teil schon verbrauch­ten Sonntagsrock, betraten sie die ehrwürdigen Räume des alten Klosters „Himmelspforten". Zag­haft nahmen sie Platz an der geschmückten Abend­tafel, an der mancher von ihnen sich vielleicht seit Wochen zum ersten Male wieder satt essen durfte, ohne Rücksicht nehmen zu müssen auf hungernde Kinder und Familiengenossen. Zaghaft betraten

Nummer 9 / Seite 11.

sie zum ersten Male die noch im Weihnachtsschmuck prangende Kapelle, den lichten Vortragssaal und dann das stille, saubere Schlafzimmerchen, wo jeder für sich ruhen durfte im Gefühl sicheren Geborgen» seins.

Der erste Morgen. Die Glocken wecken zum ersten Exerzitientag. Ein Augenblick des Besinnens und Ueberlegens . . . dann ein heilig-frohes Er­kennen und Jnnewerden: Ich bin geborgen, an Leib und Seele umsorgt und umhegt. Drei ganze, hei­lige Tage hindurch. Nun auf zu frischem Streben, zu köstlicher Arbeit, zu starkem Mannesschaffen, wie es mir schon lange nicht mehr vergönnt war! Auf zu ernstem Ringen um meine unsterbliche Seele!

Stunde um Stunde brachte neues Erleben, neue Gnade, neue Hoffnung, neuen Lebensmut. Licht vom Lichte, Kraft von Gotteskraft. Die See­len erwachten und stiegen empor, knieten in ihrer ganzen Größe am Beichtgitter, schritten wie Herr» scher durch den uralten Kreuzgang bei der Lichter­prozession und versanken in Himmelswonne bei der gemeinschaftlichen heiligen Kommunion am Schlußmorgen.

War das ein Beten und Singen, ein ergrei­fendes Händefalten, ein Knien von Gott! Ein aus innerster Seele kommendes „Vergelt's Gott" beim Abschied!

Auf verschiedenen Tischen der nun wieder lee­ren Zimmer lagen Zettel mit Dankessägen uni) Dankesgedichten. Einige dieser Verse seien an die­ser Stelle denen übermittelt, die durch ihre Gaben den Arbeitslosen. die heiligen Exerzitien in Him­melspforten schenkten:

Die schönsten Tage meines Lebens Verbracht ich hier am stillen Ort, Wo ich so viel des heii'qen Segens Mir schöpfte aus des Glaubens Hort.

Die Stille, Einsamkeit und Liebe, Die mich auf Schritt und Tritt umgab, Sie brachte meinem Herzen Friede, Daß es neu gestartet ward.

So ich hier sitze und dies schreibe, Vergieße Tränen ich vor Glück

Und hoffe, daß dies Heil mir bleibe, Bis komme ich zum Herrn zurück.

(Würzburger Sonntagsblatt.)

Nur 1500 Meter.

Kriegserzählung von Max Biber S. I.

Sommer 1916! — Eine unheimlich dunkle Nacht. — Die in Reihe zu einem marschierende erste Kom­panie windet sich gleich einer gespenstischen Riesen­schlange durch die Finsternis.

Ein Mann folgt hinter dem anderen. Dicht aufgeschlossen. Alle sind schwer beladen. Draht­malzen, Stollenbretter, Eisenpfähle haben sie in die erste Linie vorzubringen, „Für alle Fälle" hat jeder ein gelaßenes Gewehr umgehängt und die Gasmaske. Munition — drei Rahmen Patronen — ist in der Rocktasche verstaut. Man kann ja nicht wissen!

Nur langsam bewegt sich der Zug. Voraus schreitet ein Offizierstellvertreter als Führer des ganzen Transportes. Dann kommen die Leute. Nach acht Mann immer ein Gruppenführer. Am Schluß war ich als dienstältester Unteroffizier. Zwe^ Sandsäcke mit Leuchtmunition habe ich um die Schultern hängen. Die soll ich persönlich dem Chef der 10. Kompanie übergeben, ganz bestimmt aber; denn es seien vorne fast keine Signalpatro­nen mehr da.

Bis jetzt waren wir auf der Straße Rocquiny- Sailly-Saillüel marschiert. Das ging noch. Hie und da gähnte einen zwar ein großes Granatloch an. Aber der Dreck lief einem wenigstens noch nicht zum Stiefelfchaft oben herein.

Nun durchschritten wir den Hohlweg. Hier ist eine ganze Kompagnie der Bereitschaft in einem einzigen großen Stollen untergebracht. Er hat drei Ausgänge. Schrvaches Kerzenlicht schimmert uns daraus entgegen. Abgesehen von der etwas dicken und nicht gerade ozonreichen Luft ließ es sich da unten schon aushalten. Vierzig Stufen führen hinab! So ein Ding ist bombensicher.

Aber wir müssen weiter! Die SpiNe macht rechts um. Nun sinds bis zum vordersten Gra-