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Entweder — oder.
Wie in Stein gemeißelt steht dieses Wort Christi da. Gültig für alle Zeiten. für alle Menschen! Niemand kann ihm ausweichen. Dieses Entweder — oder ist unerbittlich. Mit innerer Notwendigkeit tritt es an jeden von uns heran. Denn der Welterlöser beansprucht alle Menschen für sich. Sein Reich umspannt die ganze Erde. Aber auch der Satan beansprucht alle Menschen für sich. Auch er begehrt nach der Oberherrschaft über die ganze Erde. Deshalb kann in Christi Reich auf Erden nie satte Ruhe, behaglicher Friede herrschen; es muß ewiger Kampf sein. Immerfort, bis zum Ende der Welt, rennt der „Starke" wider den „Stärkeren" an, um ihm die Beute des Ostersieges wieder zu entreißen. Und der Kampfplatz dieses unaufhörlichen Ringens find wir, ist jede einzelne Menschenseele, und zwar in ihrer Ganzheit, in allen ihren Lebensbezirken. Eine neutrale Zone gibt es nicht. Ueberall heißt es: Entweder mit Christus oder mit feinem Widersacher!
Viele von uns beachten zu wenig die Entschiedenheit, mit der Christus selbst uns vor dieses Entweder — oder stellt. Auch unter den Katholiken gibt es nicht wenige, die sich auf manchen Gebieten des Lebens gern „neutral“ verhalten. Die überall eine „mittlere Linie" suchen. Die bequeme Kompromisse mit dem Leben schließen Gewiß, man ist Katholik. Man erfüllt seine Pflichten. Aber man will kein Fanatiker sein. Man möchte doch auch seine „Interessen" wahren — im Berufe, im Geschästs- betrieb, im gesellschaftlichen Leben. Da muß man die Dinge nehmen, wie sie sind, muß Rücksichten üben, Zugeständnisse an Andersdenkende machen. Wir alle kennen diese Redensarten. Man gebraucht da oft das Wort „Toleranz" und meint damit seine Halbheit, seine religiöse Gleichgültigkeit, seine Unentschiedenheit gegenüber dem ungeheuren Ringen zwischen dem Gottesreiche und den Mächten der Unterwelt. Machen wir uns das einmal klar: Nicht die Feinde der Kirche sind es in erster Linie, die den Aufschwung eines starken katholischen Lebens hemmen, sondern eben diese Katholiken, die nicht kalt und nicht warm sind, denen die Kirche Christi nur mehr ein Gefäß ohne lebendigen Inhalt, denen die Lehre Christi nur mehr eine Formel ohne innere gestaltende Kraft ist. Mit ihrer falschen Toleranz sind sie der stärkste Hemmschuh für die Bildung eines machtvollen, geschlossenen kacholischen Ocffentlichkeitswillens, den wir heute so nötig hätten.
Nirgends vielleicht zeigt sich das so deutlich wie auf dem Gebiete der Dresse. Gleich einer unwiderstehlichen Flut überschwemmt die farblose Presse unser ganzes Vaterland. Die Generalanzeigerpresse, die in allen Weltanschauungsfragen neutral sein will. Die nicht offen gegen Christus kämpft, aber auch nie entschieden für christliche Grundsätze eintritt, nie die christlichen Ideale verteidigt, nie ein mannhaftes Wort findet gegen die furchtbaren Entartungen unserer Zeit. Die Christus, fein» Lehrs, fein Gesetz einfach totschweigt. Die wider Christus ist, weil sic nicht für ihn ist! Und die Hunderttausende von Katholiken zu ihren Abonnenten zählt! Indessen muß die katholische Presse um ihre nackte Existenz ringen. Die katholische Presse, die treue Hüterin des Erbes Christi in der Oef- fentlichkeit, die stärkste Waffe des Katholizismus im Geisteskampfe der Gegenwart, die unser Hl. Vater den „rechten Arm" der Kirche genannt ha^, und ohne die unser katholisches Volk einem wehr- und waffenlosen Heere gliche! Wie viele katholische Zeitungen sind in letzter Zeit schon untergegangen, wie viele sind in ihrem Bestände gefährdet — unbesiegt von ihren Feinden, aber verlassen von denen, die ihre Freunde sein müßten! Man muß erschrecken, wenn man die Abonnentenzifsern der Generalanzeigerpresse mit denen der führenden katholischen Zeitungen vergleicht! Und man kann sich dann auch nicht mehr darüber wundern, daß das glaubensfeinUche Blatt „Der Freidenker" eine Auflage von 4 73 000 hat, und daß die in Moskau erscheinende Zeitung des Bundes der Gottlosen in 20 Millionen Exemplaren über Europa flutet.
Denn der Weg des Satans führt über die „Nev- lralikäi'. Sie ist fein erfolgreiches Mittel, um Ueberläufer zu gewinnen. Wer einmal der religiö
sen Halbheit verfallen ist, dessen Seele ist sturmreif für die „satanische Aktion", die heute gleich einer dunklen Gewitterwolke das christliche Abendland bedroht. Nicht ohne Grund hat der oberste Hirte der Christenheit von seiner hohen Warte aus gerade in unserer Zeit zur „Katholischen Aktion" aufgerufen Zum vollen Katholischsein! Zum Katholischsein in hochgemuter, starker Tatbereitschaft. Zum Sammeln mit Christus!
Das heutige Evangelium schließt mit einer Seligpreisung. Eine Frau aus dem Volke preist die allerseligste Jungfrau glücklich wegen der Gnade der Gottesmutterschaft. Christus aber greift bieh Seligpreisung auf und dehnt sie aus auf alle, die nicht nur Gnade emp'angen, sondern sie auch benutzen. „Selig, die Gottes Wort hören und es beobachten!" Hören und beobachten! Nach ihm leben! Es zur Richtschnur all unseres Handelns machen’ Darauf kommt es an. „Einst wart ihr Finsternis", sagt Paulus in der heutigen Epistel; „nun aber seid ihr Licht im Herrn. Wandelt als Kinder des Lichtes!"
Fasten?
Der Berliner Arzt Dr. Schönenberger schreibt in seinem Buche „Lebenskunst und Heilkunst: „Man sollte ab und zu eine Mahlzeit, am besten das
Das Christusbild.
Vor diesem Bild kannst du nicht böse sein! Hinschmilzt der Trotz aus deinem harten Sinn, Denn seine Qual und tiefe, stumme Pein Stellt dir dies Antlitz vor die Seele hin.
War eines Menschen Liebe je so groß. Daß sie um dich sich ließ dem Volke weih'n? — Nur einer ist, sein Blut am Kreuze floß, Der sühnte alle Schuld der Seele dein.
Nur Jesu Bruderliebe war so stark, Trug deiner Sunden Kreuz zur steilen höh' Rührt solche Treue dich nicht bis ins Mark, Des Gotteslammes abgrundtiefes Weh? —
Vor diesem Bild muß schweigen aller Streik, Vergessen sein muß hier dein finstrer Groll: In Dank und Liebe steh' vor diesem Leid, Dann ist dein Herz des Goklessriedens voll.
M. Walther, Kassel.
Frühstück, ganz überschlagen, oder einen Tag fasten. Ich selbst faste ziemlich einmal in der Woche und dann in der Regel bis zum Abendbrot." —
Ein anderer Berliner Arzt, Dr. Möller, legt in keinem Buch „Die Fastenkur und das Morgenfasten" an einer Reihe von Fällen dar, wie durch seine streng durchgcführte Fastenkur schwere Krankheiten geheilt wurden. Besonders wird dort die Methode des Moigenfastens. d. h. bis zum Mittag sich aller Speisen zu enthalten, das Wort geredet. Wörtlich sagt er: „Ich selbst komme seit 4 Jahren mit 2 Mahlzeiten reichlich aus und habe dabei nur eine Besserung meines Ernährungszustandes erfahren. Fasten ist als biologisches Heilmittel ersten Ranges zu betrachten: Ist Hunger der beste Koch, so ist Fasten der beste Arzt. Andere moderne Aerzte äußern sich u. a.: Viele Menschen gehen durch zuviel Trinken zugrunde, aber hundertmal mehr Menschen durch zuviel Essen. Siehe, wie vernünftig es ist, den weisen Anordnungen der wohlmeinenden Mutter Kirche zu folgen.
Täubchen in Geèerkratten.
Erlebnisse einer Klientin der Vahnhofmiffion.
1. „A ganz a netter Herr!"
Am Rorschacher Hafenbahnhof wartet man aufs Dampfjchiff. Eben nimmt die „Stadt Lindau" rauschend die weite Schleife, um ruhig und sicher zwi
schen Hafenmaucr und Landungsplatz einzulaufen. Da steigt ein Mädchen aus, blutjung, 16 bis 17 Jahre alt. unregelmäßige Züge, blonde Haare, ein paar Locken in die Stirn gezogen, gesunde, rote Wangen, derbe Hände, der Blick der blauen Aw gen halb erlebungslustig, halb ängstlich. Ich weiß sofort: ein Kind vom Land, noch nicht reif Da heißt es achtgeben' Ich gehe auf das Mädchen zu und biete ihm meine Dienste an, frage nach dem Woher und Wohin. Und während mir das zollamtlich abgefertigte Gepäck zum Bahnhof bringen und in eine Ecke stellen, erzählt das Mädchen: „I bi vo Unterstelln. I geh auf Zürich in ara Stell bei Frau Miller Es is mei earfta Dianst. Da- hoam hob i auf aram Hof garbat. Es war ma q bissel langweilt. Da hob i denkt: Gehst a in d' Schweiz eint, do host as lustiger. Unsa Nachbar- mädl is au dort gwen."
Nun bemerk« ich: „Fräulein, wollen Sie da bei Ihrem Gepäck stehen bleiben und keinen Schritt davongehen. Ich hole unterdessen am Schalter drüben Ihr Billett." — Ich ging. Es waren keine 30 Schritt« zum Schalter. Aber als ich nach einigen Minuten zurückkam, war kein Mädchen und kein Gepäck mehr da. Erschrocken blickte ich mich um, ging um das Gebäude herum, sah in di^ Wartesäle hinein. ~ R'chtig. da saß das Mädchen im Restaurant, vor sich ein Glas Bier, neben sich einen Herrn, der eifrig auf sie einredete. Ich trat auf das errötende Mädchen zu. Der Herr schoß wütende Blicke, verschwand aber plötzlich, als er meine offizielle weiß-gelbe Armbinde sah.
„Wie kommen Sie nur da herein, wo ich Ihnen doch ausdrücklich sagte. Sie möchten draußen auf mich warten?" — „O, dös is a ganz a netto Herr. Ex hot gsagt j soll mit eahm do einikemma, er zohlt ma a Bier." — „Ja, kennen Sie ihn denn?"' — „Na, kenna fua ihn net. Aba er Hot mi gfrogt, woher i bin. Und er Hot gsagt, er is au vo Unter» stelln her, er kennt mi no guat an meini schena Haar. Er wohnet iatzt in Zürich und i könnt grod mit eahm reisn. Er hätt as Motorrad, und do könn i gud hintn auffisitzn, und nocha brauch i koa Billett."
Durchs Fenster sah man gerade noch die Sports mütze des betreffenden Herrn auftauchen und hörte ein davonfahrendes Motorrad rattern. Ich aber klärte das leichtgläubige, für die Fremde ganz unvorbereitete Mädchen darüber auf, wie es ihm hätte gehen können. Es wäre wohl in ein Schandhaus, vielleicht ins Ausland verschachert und verschleppt worden.
2. „Steigens doch ein, schönes Fräulein!"
Diesmal war es ein braunäugiges, dunkelhaariges, hübsches Mädchen, das zwischen vielen Passagieren mit einer Tasche und einem Köfferchen aus dem Schiff stieg. Ich begleitete es aufs Zollamt. Nachdem der Beamte seine Arbeit erledig! hatte, wollten wir mit dem Gepäck weitergehen. Da vermißte das Mädchen plötzlich seinen (Schirm! „Wo hab i itzt mein neua seidna Schirm? I hob ihn in Ulm kaft. Do in der Ecke is a grod no gschdandn?" Man sucht und sucht. Der Zollbeamte hilft auch noch. Aber der Schirm findet sich nirgends mehr. „Am End hat'n der Herr gnomma, wo allmei da uma gsckchandn is und zuagschaugt hat, wia der Zollbeamte mein Koffer ogschaut hat. Grad is ear nu dagwen."
Wir treten auf den Platz hinaus und suchen nach dem Herrn. Richtig! Dort drüben sitzt er im Auto, vorn der Chauffeur — und wahrhaftig, da lehnt der Schirm im Auto drin am Polster. Das Mädchen fliegt wie ein Pfeil auf das Auto los, erzürnt über die Frechheit. „Gebn's ma sofort den Schirm aussal Dös is mei Schirm!", ruft es zorn- bebend. Der Herr lächelt süß: „Ja, mein schönes Fräulein, Sie bekommen den Schirm schon zurück Geben Sie jetzt noch flink Ihr Gepäck herauf und steigen Sie fihn-Hl ein." Unterdessen kam ich angeschnauft. „Wollen Sie augenblicklich den Schirm herausgeben!" — „Aber, liebes Fräulein" lächelte der Herr an mir vorbei, „steigen Sie dock ein! Ich bringe Sie sicher an Ihren Ort. Danr । brauchen Sie kein Fahrgeld. Sie haben der alter Dame da doch nicht zu gehorchen."
Aber die „alte Dame da" verstand keinen Spaß' „Das Fräulein steht unter meinem Schutz unt steigt nicht ein, und wenn Sie nicht sofort der Schinn herausaeben, rufe ich einen Detektiv." Ick sah mich um. Polizist stand leider keiner da. Aber