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Sonntag, 28. Februar 1932

Ausgabe B.

Religiöses Wochenblatt

für die katholischen Gemeinden Kassels.

Erscheint jeden Sonntag and kostet monatlich Ausgabe A 40 «.-Pfennig B 45 L-pseanIg (Zustellgebühr extra). Redaktiansschlutz Montag. Anzetgen-Preise: EalonelzetU tm Anzeigenteil 0.15 Soldmark. Lalonelzell» tm Reklameteil 0,60 Soldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Og.-Ded. 0,10 Goldmark. Port« extra. Anzeigen wüsten spätesten» bis Montag morgens tm Besitz der Fuldaer Aetteadruckerei I» Fulda (eia

! Druck und Verlag der Fuldaer AcNeudruckereU veclagaork Fulda.-

Wochenkalender.

Sonntag, 28. Februar. 3. Fastensonntag.

Montag, 29. Febr. Vom Tage.

Dienstag, 1. März. Vom Tage.

Mittwoch, 2. März. Vom Tage.

Donnerstag, 3. März. Kunigunde, Igfr., Kaiserin.

Freitag, 4. März. Kasimir, Bek., Lucius, Papst, Mart. herzZesuFreitag.

Samstag, 5. März. Vom Tage.

NB.Ülii dem 3. Fastensonnlag beginnt die österliche

Zeit; sie schließt am 2. Sonntag nach Ostern.

Dritter Fastensonnkag.

Epistel: Epheser 5, 19. Evangelium: Lukas 11, 1428.

Austreibung eines stummen Teufels.

In jener Zeit trieb Jesus einen Teufel aus, der stumm war. Nachdem er den Teufel ausgetrieben hatte, redete der Stumms. Die Volksscharen staunten darüber. Einige aber von ihnen sagten:Durch Belzebub, den Anführer der Teufel, treibt er Teufel aus." Andere wollten ihn auf die Probe stellen und verlangten von ihm ein Zeichen vom Himeml. Er aber kannte ihre ' Gedanken und sprach zu ihnen:Jedes Reich, das in sich selbst uneins ist, zerfällt, und ein Haus stürzt über das andere. Wenn nun der Satan mit sich selbst uneins ist, wie soll da sein Reich bestehen? Ihr sagt ja, ich treibe die Teufel durch Belzebub aus. Wenn ich durch Belzebub die Teufel austreibe, durch wen treiben dann eure Söhne sie aus? Sie werden darum eure Richter sein. Wenn ich aber durch den Finger Gottes die Teufel austreibe, so ist ja das Reich Gottes zu euch gekommen. Wenn ein Starker bewaffnet seine Burg bewacht, so ist sein Besitz in Sicherheit. Wenn aber ein Stärkerer ihn iiberiällt und überwindet, so nimmt er ihm die ganze Waffenrüstung, auf die jener sich verließ, und verteilt, was er bei ihm erbeutet hat. Wer nicht mit mir ist, der ist wider mich: wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut Wenn der unreine Geist aus dem Menschen ausgerahren ist, schweift er durch öde Steppen und sucht sich eine Ruhestätte. Weil er aber keine findet, sagt er:Ick) will in mein Haus zurückkehren, aus dem ich aüsgezogen bin." Wenn er kommt, findet er es gekehrt und geschmückt. Dann geht er hin und holt noch sieben andere Geister, die schlimmer sind als er. Sie ziehen ein und wohnen darin. Und die letzten Dmge eines solchen Menschen werden ärger als die ersten." Während er noch redete, krhob eine Frau aus dem Volke ihre Stimme und sprach tzu ihm:Selig der Leib, der dich getragen, und die Brust, die dich genährt hat!" Er aber 'sprach:Vielmehr noch selig, die das Wort Gottes hören und es befolgen!"

Ein Teufel.

m heutigen und an den drei folgenden Fastensonntagen wollen wir einige Persönlichkeiten betrachten, die im Lei­den Jesu eine Rolle gespielt haben. Und zwar im Anschluß an das Jo-

hannesevangeliurn. Heute beginne ich mit jenem berüchtigten Manne. der im Leiden des Herrn die traurigste unheilvollste Rolle gespielt hat. der zum -ods Jesu den unmittelbaren Anstoß qeqeb m hat, drr durch Verrat den Heiland seinen Feinden nus=

geliefert hat, mit Judas. Und diesen nenne ich mit Recht einen Teufel.

Heute wird im Evangelium vom dritten Fa­stensonntag erzählt, wie unser Heiland mit souverä­ner Macht einen Teufel ausgetrieben hat. Der un­glückliche Judas war gerade durch seine eigene Schuld in der umgekehrten Lage. Er hat dem Teufel die Türe weit aufgemacht und diesem höl­lischen Gast den Einzug gestattet.

Es ist keine Anmaßung, wenn ich den ver­ruchten Judas einen Teufel nenne. Ich befinde mich da ganz in der Gesellh-aft des Heilandes. Lies, wenn es deine Zeit dir gestattet, das mun= dervolle, geheimnisreiche, dramatisch bewegte sechste Kapitel bei Johannes. Es handelt von der Ver­heißung des höchsten Gutes der Kirche, des aller­heiligsten Altarsakramentes. Vers 71 und 72 die­ses langen Kapitels lauten wörtlich:

Jesus antwortete dem Petrus: habe ich nicht euch zwölfe erwählt, und einer von euch ist ein Teufel? Es meinte aber Jesus den Judas, den Sohn Simons aus Sscariot; dieser sollte ihn näm­lich verraten, obwohl er einer aus den Zwölfen war."

Wiederum hat Judas mit dem Teufel zu tun beim letzten Abendmahl. Ergreifend ist, was dar­über der nämliche Evangelist Johannes zu berichten weiß:Jesus ward im Geiste erschüttert, und er beteuerte und sprach: wahrlich, wahrlich, ich sage euch: einer aus euch wird mich verraten."

Da nun die Jünger zweifelten, wer gemeint sei; winkte Petrus dem Johannes, daß er fragen solle, wer gemeint ist. Und Jesus erwiderte: der­jenige, dem ich das eingetunkte Brot reiche. Und nachdem er das Brot eingetunkt, gab er es dem Judas Iscariot. Und nach dem Bissen fuhr der Satan in ihn." Joh. 13 2137.

Habe ich also Unrecht, den verruchten Judas einen Teufe! zu nennen, nachdem Jesus selber ihn so genannt und nachdem der leibhaftige Satan von ihm Besitz ergriffen hatte!

Judas war ein Teufel des Unglaubens. Der Teufel ist ja, wie die Schrift sagt, in der Wahr­heit nicht bestanden, d. h. er hat die Glaubensprobe nicht bestanden. Nach der Lehre mancher Theolo­gen bestand die Sünde der bösen Engel im Un­glauben Nachdem ihnen das Geheimnis eröffnet winde, der Sohn Gottes solle Mensch werden und es müßten den Menschensohn alle Engel anbelen. verweigerten viele Engel ihre Zustimmung und verweigerten im Hochmut die Anbetung. >

* Auch Judas war vom Geiste des Unglaubens erfaßt. Das Brot, das ich geben werde, ist- mein Fsti'ch für das Leben der Welt. So hatte Jeius in der Synagoge zu Kapharnaum feierlich gelogt. Einige aber murrten und sprachen wegwerfend- wie kann uns dieser sein Fleisch zu essen geben? Jesus entlarvte sie mit den Worten: eg lènb einige unter euch, die nicht glauben. Zu ihnen gehörte Judas.

Eigentlich hätte er von da an die Gesellschaft der Apostel verlassen müssen. Trotzdem trat -r nicht aus dem Apostelkollegium, sondern blieb bähet aber nicht aus Ueberzeugung, sondern aus Be­rechnung. weil er aus dem Heiland ein Chjeft der Spekulation machen wollte.

O mein Christ, wehre dich mit Händen und' Füßen gegen den Unglauben, und laß auch nicht den leisesten Schatten dieser schwarzen Strahlen in deine Seele fallen!

Judas war ein Teufel der Undankbarkeit. Ha­ben nicht die Engel aus Gottes Hand Dasein und' Herrlichkeit erlangt und zum Dank dafür den Ge­horsam aufgekündigt? So hat es auch Judas ge« macht. Vom Herrn war er berufen zum Apostelamt. Die Lehr- und Waudlungsoewalt war ihm über­geben so gut wie dem hL Petrus und Johannes. Eine hohe Stufe der Seligkeit sollte er dereinst ewig einnehmen. Und Judas? 0, der undank­bare. Er spielt mit seinen Verrätern unter emer Decke und liefert seinen größten Wohltäter ihnen aus zum schrecklichen Tode.

So undankbar war ein Teufel der Verblendung. Hat nicht der Teufel durch seinen Abfall von Gott sich selbst geschadet? Hat er nicht die ewige Ver­werfung über sein Haupt beschworen? Und darin oeicht ihm Judas auf ein Haar. Freilich glaubt Judas, einen großen Profit aus dem Verrat zu schöpfen. 0 Jammer, o Irrtum, o Verblendung. Dreißig Silberlinge hast du allerdings auf die Hand bekommen. Indes welch geringes Sünden- aeld ist das gewesen. Und hat es bicb n-cht wie eine glühende Kohle in die Hand gebrannt? Gleich am andern Tag hast du sie genommen urb klir­rend auf den steinernen Boden des Tempels ge- tnortpn mit den verzweifelten Worten:Ich habe gesündigt, weil ich unschuldiges Blut verraten habe!" Was hast du jetzt von deinem Sünden- lchn? Und gleich darauf hast du zum Strick ge­griffen und deinem unseligen Leben ein Ende ge­macht.

O welche Verblendung ist jede Sünde!

Judas war ein Teufel der Verdammnis. Ewig brennen die abgefallenen bösen Geister im Höl­lenpfuhl. Dort leistet 'hnen Judas Gesellschaft; dort bekommt erdes Teufels Lohn" Dort wird er von allen Teufeln verspottet, ausgelacht, ge­quält. gefoltert in Ewigkeit!

Mit Verachtung weisest du die Rolle des Ju­das von dir? Mit Recht. Indes gebe ich dir das Wort des hl. Augustinus zu bedenken:Es gibt keine Sünde, die schon irgend ein Mensch getan, die nicht auch ein anderer Mensch tun könnte!" Wirke also dein Heil in Furcht und Zittern. Deine Zugehörigkeit zu Christus und seiner Kirche sei nicht bloß eine äußerliche oder gar geheuchelte, son­dern eine innere- mit Lust und Liebe, mit Wort und Tat. Der Talvfarrer.