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Jtand es Pastor Farnung, die Familienfeier zu einem leinen Pfarrabend auszugestalten, wobei ihn die Theatergruppe der Fritzlarer DJK. durch ein entsprechendes heiteres Theaterstück unterstützte. Frl. Bayer bot die Musikunterhaltung.
Aus dem Dekanat Erfurt. Am Montagabend fand tine Versammlung aller katholischer Lehrpersonen und Jugendführer in St. Ursula statt, in der Herr Karitas-Direktor Baumeister-Freiburg über das Thema: „Alkoholfreie Jugenderziehung" in sehr eindringlicher Weise sprach. Vier Punkte legte er seinen Ausführungen zugrunde: 1. Die Jugend muß wissen, wes- ha!d sie den Rauschtrank meidet. 2. Die Jugend muß sich selbst entschließen. 3. Sie muß zu diesem Entschlusse geführt werden durch Aufklärung über die Alkoholnot unseres sonst so armen Volkes. Der Entschluß zur Ent- 5agung muß * aus edler Gesinnung heraus erreicht wer- >en: aus dem Streben nach Geist und Kraft und aus Verantwortung für die Zukunft unseres Volkes. 4. Vor allem mutz erreicht werden, daß die Jugend durchhält. Die alkoholfreie Lebenshaltung muß wenigstens bis zum Ende der Reifejahre möglich fein. Die sehr wertvollen Ausführungen wurden noch durch Lichtbilder unterstützt, deren Bildreihe allen Schulen für Elternabende sehr empfohlen werden kann. Für wenige Pfennige ist sie in der Karitas-Zentralstelle, Freiburg i. Br., erhältlich. — Am Dienstagabend hielt dann der Kreuzbund im Katholischen Gesellenhaus einen frohen Abend ab, zu dem Freunde und Gönner der Vereinigung eingeladen waren. Die Leitung des Abends lag in den Händen des Herrn Karitasdirektors Baumeister-Freiburg. Volkslieder, Volksgesänge und ftohe Spiele sicherten im bunten Wechsel dem Abend einen fröhlichen Verlauf. Zum Schlüsse ermahnte der Leiter des Abends in sehr eindringlicher Weise, auch in Zukunft in allen Kreisen für die idealen Ziele des Kreuzbundes zu werben.
Gotha. Mit dem 1. Februar 1932 wurde unser bisheriger Seelsorger, hochw. Pfarrer Josef Hesse, zum Pfarrer von Magdeburg-Neustadt berufen und verließ nun am Dienstag, den 9. Februar, unsere Gemeinde. 10 fange Jahre wirkte Pfarrer Hesse segensreich auf dem anspruchsvollen Posten und betreute mit größter Hingabe und Selbstaufopferung den weit ausgedehnten, einen großen Teil des Thüringer Waldes und feines Vorlandes umfassenden Pfarrbezirk. Er war der erste Pfarrer, der nach der Revolution vom Bischöfe nach eigenem Ermessen, ohne Befragung der weltlichen Behörde eingesetzt werden konnte, und ihm fiel die schwere und große Aufgabe zu, die Gemeinde durch die wirren Nachkriegszeiten zu neuer Blüte zu führen. Daß Pfarrer Hesse diese seine Aufgabe erfüllt hat, beweisen das blühende Leben in Pfarrei, Schule und Vereinen, die hohe Zahl der ausgeteilten Kommunionen und sonntäglichen Kir= chenbesucher. 1925 wurde die Bestellung eines Vikars nötig Vor allem zeichnete Pfarrer Hesse seine Bereitschaft aus, allen arbeitswilligen und fähigen Kräften Raum zur Auswirkung zum Besten der Gemeinde zu geben und selbst auch bei der Verwirklichung neuer Pläne mutig voranzugehen. So dankt die Jugend seiner unermüdlichen Tätigkeit das Jugendheim unter oer Kirche. Das Laiendiakonat erfaßt alle Bezirke der Gemeinde, und das von Pfarrer Hesse begründete Ge- meindeblait knüpft ein Band zwischen den weitverzweigten Gliedern der Pfarrei. Weiteste Förderung schenkte Pfarrer Hesse allen Bestrebungen tätiger Nächstenliebe und ging auch hier mit kaum zu übertreffendem Beispiele voran. Daß herzliche Liebe dem bisherigen Seelsorger seine opferbereite Mühe und Sorge dankt, bewiesen die Tage des Abschiedes. Von allen Seiten wurden Pfarrer Hesse Beweise der Treue und Anhänglichkeit zuteil. Die kirchliche Verabschiedung fand am Sonntag statt. In seiner Abschiedspredigt dankte Pfarrer Hesse für alle treue Mitarbeit. Niemand schämte sich der Tränen, die während der Stunden des Abschiedes flossen! Tränen und Wehklagen gab es besonders auch in der Schule, bei den Kleinen, denen Pfarrer Hesse ein lieber Freund gewesen war! Alle guten Wünsche begleiten unsern lieben Pfarrer Hesse an seine neue Wirkungsstätte. Bis zum Eintreffen des Nachfolgers, Pfarrer Redemann-Obisfelde, wurde hochw. Vikar Schamoni zum Pfarrverwefer bestellt.
Nordhausen. Unter Leitung von Studienrat Dr. Pradel wurde ein Schulungskursus für die katholische Jugend abgehalten. Nach der Begrüßung des Vorsitzenden der Zentrumspartei Nordhausen stellten die Jungen 85 Fragen, die zum größten Teile im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses stehen. Einen großen Umfang in der Aussprache nahm die Stellung des Zentrums zum Nationalsozialismus ein. Bereitwillig ging der Leiter des staatsbürgerlichen Schulungskursus auf alle Fragen ein. Mit einem Teugelöbnis klang dis Tagung aus.
Brehms. Am Nachmittage des Lichtmetztages wurden alle im vergangenen Jahre aus der Schule entlassenen jungen Mädchen in die Jungfrauenkongregation ausgenommen.
Hüpstedk. Allgemein war die Beteiligung an der Religiösen Woche, die Pater Mushoff aus dem Heiligen- ftädler Redemptoristenkloster für unsere Jugend abhielt.
Helmsdorf. Im Rahmen eines Familienabends der Pfarrgemeinde sprach Volksoereinsekretär Rommen-
Heiligensiadi über die Gefahren des Bolschewismus für das christliche Deutschland. Rektor Rüffer-Dingelstädt schilderte in eindrucksvoller Weise seine Erlebnisse auf einer Pilgerreise nach Lourdes. Die Vorträge waren von musikalischen und deklamatorischen Darbietungen umrahmt.
Holungen. Der Landwirt Heinrich Ertmer, der den größten Teil seines Vermögens der hiesigen Schwestern- niederlassung vermachte, würde unter großer Beteiligung zu Grabe getragen. Der Verstorbene war kinderlos verheiratet und hatte bereits vor Jahren seine Ehefrau verloren. Aus den Mitteln soll ein neues Schwesternhaus errichtet werden.
Jützenbach. Bis auf den letzten Platz war unser Gotteshaus gefüllt während der Missionserneuerung. Die ganze Gemeinde beteiligte sich an der Generalkommunion. — Zum Besten der Missionen veranstaltete die Jungfrauenkongregation einen Theaterabend.
Kreuzebra. Schulze a. D. Joseph Kühn feierte mit seiner Ehefrau Elisabeth geb. Franke die goldene Hochzeit. Die ganze Gemeinde nahm an dem Ehrentage ihres langjährigen Führers herzlichen Anteil.
Kirchworbis. Die Eheleute Hermann Siebert und Frau Berta geb. Kaufung feierten ihre goldene Hochzeit Von den sieben Söhnen des Jubelpaares sind vier im Kriege gefallen.
Leinefelde. Diözefanfenior Klingebiel-Heiligenstadt leitete die Konferenz der Senioren der eichsfeldischen Ge- sellenoereine. Diözesanpräfes Bolte-Heiligenstadt berichtete über die Tagung des Generalrates in Fulda Ar- beitsamtsdlrektor Kotzur gab wertvolle Aufklärung über die Lage auf dem Arbeitsmarkt und Geschäftsführer Dr. Hartung entwarf ein Bild von der wirtschaftlichen Lage des Eichsfeldes. Alois Opfermann-Dingelstädt sprach über Arbeits- und Erwerbsmöglichkeiten auf dem Lande. Eingehend erörtert wurde der Arbeitsplan für die nächsten Wochen, in denen u. a. an 15 Orten eintägige Kurse für arbeitslose Mitglieder durch Vizepräses Kurt Döbler-Gotha abgehalten werden. — Eltern, Meister und Gönner des Gesellenvereins hatten sich am vergangenen Sonntag zu dem Elternabend in großer Zahl eingefunden. Nach Begrüßungsworten des Vorsitzenden und einem luftigen Einakter überbrachte ein Vertreter des Duderstädter Brudervereins herzliche Grüße. Anerkennenswerte Arbeiten wurden auf der Bastlerausstellung gezeigt, mit der der Verein aufwarten konnte.
Leinefelde. Für seine Mitglieder und deren Angehörige veranstaltete der Paramentenverein einen Familienabend, der im Rahmen musikalischer Darbietungen die Ansprache des Ehrenvorsitzenden, Herrn Dechant Roth, brachte. Er sprach über die Wichtigkeit des Pa- ramentenvereins, der in jeder größeren Gemeinde bestehen müsse und der die schöne Aufgabe habe, zur Verschönerung des Gottesdienstes beizutragen.
Neuendorf. Unter großer Beteiligung wurde Schulze Wilhelm Müller zu Grabe getragen. In seinem Nachrufe zeichnete der Ortspfarrer den Heimgegangenen als einen verantwortlichen Gemeindeführer, der sein Amt mit Ehrlichkeit, Gerechtigkeit und Wahrhaftigkeit verwaltet hat.
Sickerode. Das Ehepaar Peter Börner und Frau Regina geb. Gothe feierte seine goldene Hochzeit.
Westhausen. Mit dem 88 Jahre alten ehemaligen Gemeindesinnehmer Michael Meyer ist der letzte Alt- veteran unserer Gemeinde aus dem Leben geschieden.
Worbis. Der Vorsitzende des Blindenvereins Heiligenstadt und Worbis gibt bekannt: Gegenwärtig werden Karten zu einem Blindenkonzert angeboten. Vereinsleitung und Behörden ist von einer derartigen Veranstaltung nichts bekannt. Es wird darauf hingewiesen, daß kein Blinder mit Kurzwaren oder ähnlichen Artikeln hausiert. Als Vertreter der Blindenanstalt Halle kommt nur Herr Rumpf-Leinefelde in Frage. In Zweifels- fällen wende man sich an den Blindenverein.
Worbis. Der kath. Gesellenverein hielt am Sonntag im Vereinslokal „Norddeutscher Bund" seine diesjährige Generalversammlung ab, die vom Präses, Herrn Vikar Kirchberg eröffnet wurde. Der Jahresbericht zeugte von reger Arbeit im verflossenen Vereinsjahr. Der Kassenbericht gab Zeugnis von sparsamer Wirtschaftung. Herr Vikar Kirchberg hielt einen Vortrag über die geschichtliche Entwicklung des Vereins. Der Vorstand wurde in seiner Gesamtheit wiedergewählt. — Der Jung- männerverein veranstaltete im Altersheim eine Führertagung, die von Vögler-Fulda geleitet wurde. Herr Stadtdechant Buch begrüßte die Erschienenen und gab seiner Freude Ausdruck, daß Worbis als Tagungsort gewählt sei. Die Referate, die von der Notwendigkeit einer Organisierung der kath. Jugend sprachen, wurden mit großem Interesse ausgenommen. Die Aussprache war lehr rege.
Worbis. Der Herr Oberpräsident der Provinz Sachsen, Dr. Falk, durchreiste in Begleitung des Herrn Regierungspräsidenten, zweier Oberregierungsräte, der drei eichsfeldischen Landräte Pabst-Mühlhausen, Dr. von Christen-Heiligenstadt, Bock von Wülfingen-Worbis und des Landtagsabgeordneten Dietrich-Halle a. S. die Kreise Worbis und Heiligenstadt und Mühlhausen. Die Reise galt einer Prüfung der wirtschaftlichen Lage des Eichsfeldes. Sie begann in Leinefelde, führte durch unsere Kreisstadt, noch deren Besichtigung der Magistrat dem Herrn Oberpräsidenten die örtlichen Belange vortrug, über Breitenworbis, Haynrode, Craja, Großbodungen, Bischofferode zum Sonnenstein; von dort über die Do
mäne Kloster Gerode nach Weißenborn-Lüderode. Tin,! gehend besichtigt wurden die Kaliwerke und die sonstigen wirtschaftlich wichtigen Betriebe sowie die Schule im Weißenborn. Die Weiterreise ging über Weilrode,! Jützenbach, Brehme nach Ecklingerode, wo der erst kürz-j lich vollendete Kirchenneuban besichtigt wurde. Ueber: Domäne 'leiftungenburg, Teistungen, Berlingerode führte» der Weg in den Kreis Heiligenstadt über Günterodè,? Glasehausen, Bischhagen, wo eine Besichtigung der Ver->' bands-Wasserleitung „Hohes Kreuz" erfolgte, nach Hei» ligenstadt. Am folgenden Tage wurden nach einem Be- luche des Hansteins die Dörfer im Süden des Kreises Heiligenstadt und die Gemeinden des Obereichsfeldes imk Kreise Mühlhausen besucht. Längerer Aufenthalt wurde« in Küllstedt genommen, wo das neuerbaute Krankenhaus - und die neuerbaute Kirche eingehend besichtigt wurden.
Der selige Geistliche Raf Franz Adert als Kaplan in Fritzlar.
Aus den Erinnerungen eines alten Fritzlarers.
Die Kunde von dem Tode des hochwürdigen Geist!« Rates Franz Atzert, Dechanten und Pfarrers in Roms- that. läßt ihn im Geiste der wenigen Fritzlarer, die ihn als Kaplan gesehen und gehört haben, wieder ausleben.. Er kam im Sommer 1885 nach Fritzlar, also vor fast i einem halben Jahrhundert, als Nachfolger des Kaplans • Ludwig Seipel, der zum Pfarrer von Niederklein er« - nannt war, um später als Dechant und Stadtpfarrer nach Fritzlar zurückzukehren. Es war keine leichte Auf« gäbe, diesem Herrn zu folgen, der durch seine Beredsam« keit und hervorragende geistige Befähigung in nicht geringem Grade sich ausgezeichnet hatte. Mit Spannung wird sein Nachfolger erwartet. Er kommt, im besten, blühenden Mannesalter stehend, 30 Jahre alt. „30 Jahre ein Mann" heißt es in der bekannten Stufen- l leiter des menschlichen Lebens. Nicht übergroß, aber| auch nicht klein, eine kerzengrade, kräftige, etwas martialisch aussehende Gestalt, — als Einjährig-Freiwilliger hatte er im kgl. bay. 9. Ins Regt. gebient und als quält« j fizierter Reserve-Offizier das Regiment verlassen, das! ihn wegen seiner Tüchtigkeit so gern behalten hätte — | mit ernstem Gesicht und fest blickendem Auge. Der Sonntag, an welchem der neue Kaplan die erste Predigte zu halten hatte, war da. „Wie wird er predigen?" I „Wird er an Seipel heranreichen?" Große allgemeine' Erwartung. Er besteigt die Kanzel. Aller Augen sind auf ihn gerichtet, und er überblickt ruhig die versammelte Gemeinde. Die Predigt wird gehalten, zwar nicht mit der glänzenden Diktion feines Vorgängers, aber so gehaltvoll und edel geformt, so einfach und doch so anmutig. Seine Worte kommen aus einer gütigen, tief fühlenden, von inniger Frömmigkeit erfüllten Seele. Er hatte die Herzen gewonnen, so daß er auch, wenn nötig, freimütig tadeln und rügen durste, ohne daß er den Unwillen der Zuhörer hervorrief. So machte damals ein junges Pärchen durch seinen allzuftühen und intimen Verkehr viel von sich reden. Der seeleneifrige Kaplan hielt es für feine Pflicht, in einer Predigt allgemein vor allzufrühem und allzufreiem Verkebr sich liebender Personen zu warnen und beschloß diese Mahnung, den Blick nach oben gerichtet: „Was soll man dazu sagen, wenn so junge Leute, die noch nicht ans Heiraten denken können, abends so frei und allein miteinander verkehren?!" Diese Worte, so allgemein sie doch waren, verstanden die Zuhörer, wie die Menschen nun einmal sind, als an die Adresse jenes Pärchens gerichtet, und mit köstlichem Humor wurde allseitig darüber quittiert: „Heute sind die Zwei zum ersten Mal proklamiert worden." An Sympathie hatte der Kaplan nichts verloren, im Gegenteil viel gewonnen. Allgemein war er beliebt, auch bei Andersgläubigen. . „Das ist unser Kaplan" oder bloß, „das ist u n f e r." So äußerte sich die allgemeine Liebe und Anhänglichkeit. Im stolzen Gefühle, einen zum Offizier avancierten Kaplan zu haben, der auch in Haltung und Gang etwas Ofsizierartiges an sich hatte, nannte man ihn auch „den Schneidigen". Im Herbst 1885 tagte in Fritzlar die Generalversammlung des katholischen Lehrervereins der Diözese. Auch die Orts- ; geistlichen und der Nachbarpfarrer nahmen teil. Als die Gemütlichkeit zu ihrem Rechte gekommen war, hieß Kaplan Atzert als Offizier die ehemaligen Soldaten mit der „Waffe" antreten und kommandierte einen militärischen Salamander, alles mit einer Schneidigkeit, die : allen imponierte und stürmische Heiterkeit auslöste. Noch oft und lange nachher wurde von den Teilnehmern dieser i militärischen Aktion freudig gedacht.
Seinen Mitbrüdern und denen, die es werden woll« ; ten, erzeigte Kaplan Atzert herzliche Liebe und treue Freundschaft. In seiner Fritzlarer Zeit feierte ein Neu- ; geweihter am hl. Fronleichnamsfeste das erste hl. Meßopfer. Es war am 20. Juni, ein später Termin. In der Prozession sandte die Sonne glühende Strahlen auf die Teilnehmer und den das Allerheiligste tragenden Primizianten. Reichlicher Schweiß floß über sein An« gesicht. Kaplan Atzert als fungierender Subdiakon, von Mitleid mit dem Schweißtriefenden gerührt, trocknete mit