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Front verhandelt, um Hindenburg zu Fall zu bringen. Allem Anschein nach wird Hitler selbst kandidieren, wenn es ihm — dem Staatenlosen — bis dahin noch gelingt, die Einbürgerung zu erreichen.
Abgesehen davon, daß die Kommunisten aut Kommando Rußlands ihren Thälmann wieder aufstellen werden, dürfte sich der Wahlkampf in erster Linie abspielen um die Männer Hindenburg und Hitler. Jedem vernünftigen Bürger dürste da die Wahl nicht schwer werden. Wir wählen lieber den Generalfeldmarschall von Hindenburg als den Ge- darmeriekommissar von Hildburghausen. Wir wählen lieber den besten Mann des deutschen Volkes als jenen Staatenlosen, der es in den 13 Jahren seit dem Krieg nicht für nötig gehalten hat, einen Antrag auf Verleihung der deutschen Staatszugehörigkeit au stellen: Aus welchen Gründen Hitler bisher die Staatenlosigkeit dem deutschen Bürgerrecht vorgezogen hat, ist nicht bekannt und nicht einzusehen. Aus jeden Fall verdient ein solcher Mann nicht, zum höchsten Repräsentanten des Deutschen Reiches gewählt zu werden.
Hindenburg, der Volkskandidak.
Von vornherein hat Hindenburg für Annahme einer Wiederwahl die Bedingung gestellt, daß er nicht als Parteikandidat, fonbern als Kandidat des Volkes aufgestellt werde. Aus diesem Grund hat sich ein überparteilicher Ausschuß mit dem Berliner Oberbürgermeister Dr. Sahm an der Spitze - gebildet. Sein Aufruf zur Unterschriftensammlung hat in ganz wenigen Tagen fast 3 Millionen Zustimmungserklärungen gefunden. Daraufhin hat Hindenburg sich bereit erklärt, die Kandidatur wie- der anzunehmen.
Was den greisen Feldmarschall bestimmt, in dieser schweren Zeit nochmals sich zur Verfügung zu stellen, ist das Gefühl der Verantwortung für das Schicksal des Reiches und Vaterlandes. Der Name Hindenburg ist ein wichtiger Aktivposten unserer Außenpolitik wie auch unserer inneren Aufwärtsentwicklung. Tief muß es deshalb jeden Deutschen treffen, wenn jetzt von feiten derer, die sich „national" nennen, alles getan wird, um diesen wichtigen Aktivposten Deutschlairds zu beseitigen.
Das Zentrum und Hindenburg.
Die Zentrumspartri hat vor sieben Jahren bei der ersten Präsidentenwahl nicht für Hindenburg, sondern für Wilhelm Marx gestimmt. Nachdem Marx damals schon im ersten Wahlgang die Zentrumsstimmen erhalten hatte, wurde er für den zweiten Wahlgang der Volkskandidat der verfassungstreuen Parteien. Erst nachdem Marx von allen zur republikanischen Verfassung stehenden Parteien als aussichtsreicher Kandidat proklamiert worden war, ließen die Rechtsparteien chre verschiedenen Kandidaten fallen in dem Bewußtsein, daß es nur einen Mann in dem deutschen Volke gebe, der noch Aussicht biete, gegen Marx gewählt zu werden: Hindenburg. So einigte'man sich auf Hindenburg, und nach langem Sträuben ließ sich Hindenburg als Kandidat der Rechtsparteien gegen Marx aufstellen. Damals also war Hindenburg als Parteikandidat aufgestellt, er wurde aufgestellt, um den Zentrumsführer Marx zum Falle zu bringen, er wurde ausgestellt von den Geg. nern der Verfassung und den Anhängern des alten monarchistischen Systems. Deshalb konnte damals das Zentrum nicht für Hindenburg stimmen. Es konnte das um so weniger, als man fürchten mußte, daß der schon fast achtzigjährige Feldmarschall, der immer Soldat gewesen und sich nie um Politik gekümmert hatte, als Präsident völlig abhängig sein würde von seiner Umgebung und seinen engeren politischen Freunden im deutschnationalen Lager (denn Hindenburg war damals Mitglied der deutschnationalen Partei).
Diese letztere Befürchtung hat sich nicht erfüllt. Hindenburg hat im Jahre 1925 den vorgeschriebenen Eid aus die Verfassung geleistet und stets in diesen sieben Jahren loyal erfüllt. Er hat sich alle einseitigen und extremen reaktionären Ratgeber vom Halse gehalten und verfassungstreue Politik
getrieben. Gewiß waren mir nW mW offen seinen Entscheidungen einverstanden; mir wollen darauf heute nicht zurückkommen. Aber alles in allem müssen wir sagen: Hindenburg hat mit Klugheit, Würde und Geschick das Amt eines Präsidenten der deutschen Republik erfüllt, und es liegt heute im Interesse des deutschen Namens und der deutschen Zukunft, daß Hindenburg wieder gewählt wird. Deshalb treten wir für seine Wiederwahl aus voller Ueberzeugung ein. Wir können das um so eher, als Hindenburg jetzt nicht als Parteikandidat auftritt, sondern als überparteilicher verfassungstreuer Volkskandidat, als Hort der Ordnung, als Symbol der (Einheit, als Mann der Verantwortung und treuen Pflichterfüllung, als der beste Bürge für eine glückliche Zukunft des,Deutschen Reiches.
Und es ist sehr bezeichnend (und bedeutet die beste Rechtfertigung für die damalige Stellungnahme des Zentrums), daß die äußerste Rechte, die 1925 für Hindenburg eintrat, heute gegen Hindenburg kämpft: weil er ihre reaktionären und zentrumsfeindlichen Hoffnungen nicht erfüllt hat.
Wir hoffen und wünschen, daß die politische Einsicht und Klugheit des deutschen Volkes am 13. März dem Reichspräsidenten von Hindenburg — trotz aller Treibereien der Rechts- und Linksbolschewisten — einen millionenfachen Vertrauensbeweis erbringt und ihn mit großer Mehrheit wiederum an die Spitze des deutschen Reiches stellt.
In Genf
ist nun auf der Abrüstungskonferenz auch Brüning zu Worte gekommen. Seine Rede fand nicht nur die ungeteilte, spannendste Aufmerksamkeit der Zuhörer, sondern war geradezu der Höhepunkt der seitherigen Verhandlungen. Mit seiner ganzen eindrucksvollen Sachlichkeit und höchstem diplomatischen Geschick setzte der Kanzler den französischen Ansprüchen die deutschen Forderungen gegenüber: Wirkliche Abrüstung aller gemäß den Versailler Abmachungen, gleiche Sicherheit für alle, nicht nur für die Sieger von gestern.
Nach Brüning sprach Grandi, der italienische Außenminister. Seine wirkungsvolle Rede wie auch die des ungarischen Grafen Apponyi waren die beste Unterstützung der deutschen Forderungen. Die Reden der übrigen Staaten fanden nicht mehr das große Interesse: Man wußte ja, daß Poker/ der Trabant Frankreichs, nichts anderes als Tardieu sagen könne, und daß die übrigen kleineren Länder vorerst mit ihrer Stellungnahme nichts Ent- säzeidendes vorbringen würden.
Der Völkerbundsral hat die Erledigung der deutschen Beschwerde wegen der litauischen Eingriffe in die Verwaltung des Memellandes in Angriff genommen. Alle Berschleppungsmanöver der Litauer haben es nicht verhindern können. Nachdem Staatssekretär Bülow für Deutschland und Minister Zaunius für Litauen eingehend zu Wort gekommen waren, wurde das norwegische Ratsmitglied als Referent bestellt, der in den nächsten Tagen fein Gutachten abgeben soll.
Im chinesisch-japanischen Konflikt ist bis jetzt noch jeder Versuch, zu einem Ergebnis zu kommen, an der ablehnenden Haltung Japans gescheitert. Japan ist eher bereit, aus dem Völkerbund auszutreten, als durch Genfer Einsprüche sich von seinem Vorgehen in China abbringen zu lassen. Dabei geben sich die Japaner in Genf den Anschein, als sei China der Angreifer und Japan in der Defensive. Unterdessen beschießen die japanischen Truppen die Forts von Schanghai, und die chinesischen Truppen leisten den zähesten Widerstand.
China hat in Genf verlangt, daß — nachdem die Anrufung des Völkerbundsrates keine Hilfe gebracht hat — das Plenum des Völkerbundes zusammentritt, um zur chinesisch - japanischen Frage Stellung zu nehmen.
Die Reparationskonferen;
ist nun „endgültig" für den Juni festgesetzt. Nachdem es den Franzosen gelungen ist, das Zusammentreten zu Lausanne im Februar zu verhindern, haben sie jetzt für den Juni ihre Zustimmung gegeben. Die offizielle Mitteilung über die erfolgte Verständigung sagt:
Aufgabe Ser Konferenz È8 es fein, sich «Wert eine dauerhafte Regelung der in dem Bericht best Baseler Sachverständigen aufgeworfenen Fragen> und über die Methode zu verständigen, um die an». deren wirtschaftlichen und finanziellen Schwierig-» ketten zu lösen, welche die gegenwärtige Weltkrisis & verursacht haben und sie verlängern könnten.
Die Regierungen Belgiens, Frankreichs, Deutsch».» lands, Italiens, Japans und des Bereinigten Kö- - nigreiches von Großbritannien haben von dem Ba- » seler Sachverständigen-Vericht Kenntnis genommen r und sind dahin übereingekommen, den übrigen be- - teUigten Regierungen die Vertagung der Konferenz f auf den Monat Juni zu empfehlen.
Deutschland hat sich — nachdem eine sofortige Konferenz nicht zu erreichen war — mit der Juni- tagung einverstanden erklärt. Freilich ist der Zeitpunkt verhältnismäßig sehr spät gewählt; denn am 1. Juni läuft das Hoover-Feierjahr zu Ende, und es wird nickt leicht sein, bis dahin zu einer endgültigen Lösung der schwierigen Reparations- « frage zu gelangen.
Ein Schritt Chinas beim Heiligen Stuhl.
Der Leiter der chinesischen Abordnung beim Völkerbund, Pen, hat namens des chinesischen Volkes den Papst in einem Appell gebeten, ein Work zugunsten seines Landes in den gegenwärtigen schweren Umständen einzulegen. Der Osservatore Romano meldet offiziös, daß der Kardinalstaatssekretär dem chinesischen Delegationsführer eine telegraphische Antwort dahin erteilt habe, daß der Papst als Vater aller Völker mit seiner Liebe alle Nationen umfasse und dem chinesischen Volke schon wiederholte und unzweifelhafte Beweise seines Wohlwollens gegeben habe. Der Heilige Vater 1 spricht auch in diesem Falle seine Wünsche aus und sichert seine Gebete zu, damit möglichst bald der Friede zwischen den beiden großen Völkern wieder Einkehr halte, die die göttliche Vorsehung zu Nachbarn gemacht hat, damit sie einträchtig die Früchte des Friedens genießen zu ihrem Vorteil und zu dem der Menschheit.
Das Ersuchen Chinas an den Papst hat in Rom großes und berechtigtes Aufsehen hervorgerufen, da es bisher nur selten vorgekommen ist, daß eine heidnische Macht die moralische Intervention des Vatikans in Anspruch genommen hat. Der Ein», druck dieses Schrittes ist in Rom durchaus günstig.
Die Reform der Sozialversicherung.
Im Reichsarbeitsministerium sind die Vorarbeiten für die Sozialversicherung soweit erledigt war» den, daß sich das Reichskabinett damit beschäftigen kann. Cs handelt sich dabei nicht um eine ab- ; schließende Stellungnahme, sondern es wird eine Länderkonferenz zusammenberufen, um eine schnelle und reibungslose Verabschiedung der Vorlage 'M 1 Reichsrat zu sichern. Der Grundgedanke der Vorlage besteht darin, den infolge des starken Schrumpfungsprozesses der Wirtschaft zutage getretenen Notstand der Sozialversicherung durch materielle und organisatorische Maßnahmen auszugleichen. Die geplanten Reformen beziehen sich auf die kranken-. die Unfall-, Invaliden- und Angestelltenversicherung und auf die Reform der Knappschaft. Es ist nach wie vor die Absicht, dieses Reformwerk auf parlamentarischem Wege durchzuführen. Ob das aber völlig gelingen wird, läßt sich im Augenblick noch nicht übersehen. Im besonderen ist noch nicht klar, ob die Verabschiedung so schnell möglich ist, daß eine notwendig werdende Leistungskürzung in der Invalidenversicherung nicht zu spät sammt Die Frage der Arbeitslosenversicherung und der Wohlfahrtserwerbslosenfürsorge ist in dem Plan des Reichsarbeitsministeriums behandelt worden.
Ueber 6 Millionen Arbeitslose.
Nach dem Bericht der Reichsanstalt für die Zeit vom 16. bis 31. Januar 1932 hat die Arbeitslosigkeit in der zweiten Hälfte des Monats Januar er» heblich langsamer als im vorigen Berichtsabschnitt! zugenommen, sie überschritt jedoch erstmals die Sschs-Millionen-Grenze. Die Zahl der bei den Arbeitsämtern gemeldeten Arbeitslosen belief sich am 31. Januar aus rund 6 041 000. Sie ist gegen-
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