Teile 2 / Hummer 8»
seine Predigt verglichen mit den Lehren der anderen Apostel und errötete nicht, zu Füßen eines Pe- trüs und Jakobus das Wort Gottes zu hören.
Ist nicht der Unterricht in Religionssachen heute notwendiger als je? Hat nicht ^die Gottlosigkeit jede Maske abgelegt und schreitet unverhüllt und frech durch die Gassen von Stadt und Land? Sind nicht die Meinungen in Fragen des Glaubens gleich einem Labyrinth, in dem kein Mensch ohne Führer sich Zurechlfinden kann? Wohlan, die hl. Fastenzeit ist eilte Hochsaison der Predigt, wo zur gewöhnlichen Predigt noch die Jastenprcdigten hinzukommen. Besuche sie fleißig. Eilt einziger Satz der Predigten kann zu einer Quelle des Heiles werden, die emporspringt zum ewigen Leben.
Der Tvlpfarrer.
Tabsr und Oelberg.
Es ist wohl die wunderbarste Begebenheit im Erdenleben des Gottmenschen, die das heutige Evangelium erzählte Die Tage des Leidens und Sterbens Jesu haben sich genähert. Bereits mehrmals hat der Herr seine Jünger darauf hingemre- fen; aber diese sind noch weit vom Verstehen entfernt. Noch sind sie ganz von irdischen Messias- Hosfnungen beherrscht; noch träumen sie von einem glanzvollen Königtum Jesu, neben dem sie als seine Paladine herrschen werden. Ein leidender, sterbender Messias hat in bieten Vorstellungen keinen Platz. Und in solche Träume hinein fallen nun die dunklen Worte Jesu über das nahe Selbst- opfer. Die Jünger sind beunruhigt, beklommen; sie wehren sich innerlich gegen den Gedanken, daß ihr Meister ein Opfer seiner Feinde werden soll. Vor welligen Tagen noch hat Petrus einer solchen Ankündigung in heißer Aufwallung widersprochen: „Fern sei es von dir, Herr, daß dir das widerfahre!" Aber mit ungewohnter Schärfe hat Jesus ihn zurückgewiefen: ,4)u hast nicht im Sinn, was göttlich, sondern was menschlich ist." Nun ist es an der Zeit, daß der Herr seine Getreuen einen Schritt tiefer hineinführt in das göttliche Mysterium seines l^rlösungswerkes. Wenigstens seine drei Lieblingsjünger sollen einen Blick in seine überirdische Herrlichkeit tun dürfen, damit sie sich daran erinnern, wenn sie ihn in seiner menschlichen Todesangst am Oelberge schauen, damit sie nicht an ihm irre werden, wenn sie ihn als Opferlamm am Kreuze verbluten sehen. So nimmt er sie denn mit in die stille Einsamkeit der Berge. Hier dürfen die Jünger den geheimnisvollen Vorgang schauen, der ihnen zum unvergeßlichen Erlebnis wird.
Jesus betet. Seine Seele weilt in restloser Hingabe beim Vater. Wir können uns den Inhalt seines Gebetes vorstellen: freudige Erneuerung seines Gehorsams, seiner willigen Bereitschaft zum schweren Opfergang, und zugleich heißes, inniges Flehen um Hilfe für die Apostel, für ihre Schwäche, ihre Verständnislosigkeit, ihre Erdengebundenheit. Und während er so betet, geschieht das Wunderbare — gleichsam als Antwort des Vaters auf das Gebet des Sohnes! Der Körper des Heilandes wird plötzlich umgestaltet. Die übernatürliche Herrlichkeit, die dem Gottmenseben wegen seiner unlöslichen Verbindung mit der Gottheit auch während seines Erdenlebens gebührt und nur durch den Erlöserwillen verhüllt bleibt, ergreift den Leib, durchdringt ihn. bricht aus ihm hervor und kleidet ihn in eine Schönheit, deren bloßer Anblick mit Seligkeit erfüllt. Zugleich vollzieht sich ein tiefbe- deutungsvoller Vorgang: zu beiden Seiten Jesu erscheinen Moses und Elias. Der Befreier des aus- erwählten Volkes aus der Knechtschaft Aegyptens. &r Gesetzgeber des alten Bundes, dem Messias, in dem alle Prophetenworte ihre Erfüllung finden. Gesetz und Prophetie gehen auf, vollenden sich in Christus, im Evangelium. Und als feierliche Bestätigung dieser Wahrheit erklingt die feierliche Stimme des Vaters, der für den geliebten Sohn zeugt: „Ihn sollt ihr hören!"
Ucberwältigt, erschüttert stehen die Apostel da und schauen. Ein Strom unnennbarer Wonne flutet in ihre Seele hinein. Wie Trunkenheit kommt es über sie. Wirre törichte Worte nur vermag Petrus zu stammeln: „Wir wollen drei Hütten bauen!" Ein unsinniger Vorschlag! Aber das
Glück dieser Stunde ist zu groß; es raubt ihm die klare Besinnung. Er hat nur den einen Wunsch, es festzuhalten, um es immerfort zu genießen. Wie unausWschlich tief der Eindruck dieses Erlebnisses auf die Jünger war, bezeugt Petrus noch nach vielen Jahren, da er feinen zweiten Brief schreibt: „Wir waren Augenzeugen seiner Herrlichkeit, da er vom Vater verklärt ward ... Und diese Stimme haben wir gehört, da wir mit ihm auf dem heiligen Berge waren" (2. Petr. 1,16 f.). Und auch Johannes gedenkt noch im hohen Alter jener Stunde: „Wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des Eingeborenen vom Vater." (Joh. 1, 14).
Wieder umfängt der Alltag den Herrn und seine Jünger. Sie sollen über das Erlebte schweigen. Als stille Besitzer sollen sie es in sich bergen, bis zum endgültigen Triumphe des Heilandes. Sie allein sollen vorläufig wissen um das Geheimnis ihres Meisters, daß sein Reich nicht von dieser Erde ist, und daß sein Leiden und seine Herrlichkeit in notwendigem Zusammenhänge stehen wie Ursache und Wirkung. Sie sollen sich dieser Stunde erinnern, wenn die Schatten des Karfreitags über ihnen lasten, wenn sie den Meister in den Händen seiner Feinde sehen, gedemütigt, mißhandelt, unter-
Dr. Sonnenschein.
(Zu seinem Todestag am 20. Februar.)
Du fragtest nicht, woher sie kamen, die bittend sich vor deiner Schwelle drängten, und forschtest nicht nach Schuld und dunklen Talen, sahst deine Brüder nur, die eingeengten.
Sie kannten dich. Von deinem Hamen ging Lebenswärme aus und neues Hoffen, dir brachten sie ihr schrankenlos Vertrauen, sie wußten, deine Tür stand immer offen.
Von deiner treuen Hand geleitet, ist mancher reuevoll zurückgegangen die Wege aus der Sünde Riederungen, die ihn mit starken Fesseln hielt gefangen.
Und ward mit Undank auch gelohnt die Liebe dein, die in die Wüste eilte — dein Herz litt schweigend tausend Bitterkeiten — kein Schmerz, den deine Gütigkeit nicht teilte. —
So nahm Gott stille deine Hände hinweg vom Werk, dem willig du dein Leben und deine reiche Seele opfernd schenktest, um dir den Lohn, den ewigen, zu geben.
M. Walther, Kassel.
gehend in Schmach und Tod. Und mag ihnen auch noch manches dunkel und unfaßbar fein, so soll doch von jetzt an als unverrückbarer Leitstern über ihrem Leben das Wort stehen, das sie aus dem Munde Gottes selbst vernommen haben: „Ihn sollt ihr hören!"
Aehnliche Zwecke verfolgt unsere große Erzieherin, die Kirche, wenn sie uns heute das Bild des verklärten Christus vor Augen stellt. In diesem Bilde schauen wir das Ziel unseres Lebens: die Verklärung. Den Weg aber der allein zu jenem Ziele fährt, weist uns der Apostel in der heutigen Epistel: „Das ist der Wille Gottes: eure Heiligung!" Nur ein geheiligter Leib kann der einstigen Verklärung gewürdigt werden. Nur ein Leib, der das willige und breite Werkzeug einer demütigen und heiligen Seele ist. Ohne Christus gibt es aber für uns keine Heiligung. Auch uns gilt das Gotteswort: „Ihn sollt ihr hären!" Gerade die Fastenzeit verlangt von uns, daß wir tiefer als sonst einzudringen versuchen in das, was Christus uns lehrt, was er von uns fordert. Gerade in diesen Wochen sollen wir das Wort wahr- machen, das der Priester heute bei der Opferung betet: „Ich will nachünnen über deine Gebote, die ich liebe." Christus hören, feinen Geboten nachsinnen, sie lieben — das heißt: bereit fein zur Nachfolge Christi. Auch dann, wenn sie schwer- mllt. Auch dann, wenn unsere irdische Natur zurückschreckt vor dem Kreuze, das an unserem Wege
warte!, dem Kreuze des Opfers, 5er Selbstüberwindung, des Leidens. Das Kreuz läßt sich nun einmal nicht von der Nachfolge Christi trennen. Wie für den Heiland selbst, so ist auch für sein Reich auf Erden die tiefe Verbindung von Leiden: und Herrlichkeit, von Kreuztragen und Verklärung! ein geheimnisvolles Gesetz, dem wir uns willig beugen wollen. Dem Haupte müssen die Glieder' ähnlich werden. Zuerst im Leiden, dann in der Herrlichkeit! Diese Wahrheit ist eine Quelle des Trostes und der Kraft für uns, wenn das oft so; schwere Kreuz des Lebens uns niederdrückt. Dag wir nicht verzagen, nicht mutlos werden, nicht müdcy werden! Möge der gläubige Aufblick zum verstärk ten Gottmenschen uns alle stark machen, ihm willig durch die tiefen Täler des Opfers und der Leidem zu folgen, damit wir ihm auch folgen dürfen hinauf zum Tabor ewiger Herrlichkeit!
Unfallstation 43.
Eine Skizze nach der Wirklichkeit.
Ein Saal, ein paar große Zimmer, das ist Ab»; teilung 43. Im Saal 20 Betten. Menschen mit schweren Arm- und Beinbrüchen sind die Bewoh-,, , ner. Die meisten sind wochenlang ans Bert ge»: schmiedet. Nicht genug damit. Im Bett liegen auch noch alle in Gips, und manche haben den be» sonderen Vorzug, noch in der „Extention" liegen $m dürfen, dem wenig angenehmen Knochenstreckungs»: apparat. Hier findest du 14jährige und 70jährige. 5 Hier verbringe auch ich neun Wochen.
Auf der Station ist ein ständiges Kommen und Gehen. Geheilte werden entlassen, Verunglückte gebracht. Im Lauf der Zeit lernt man viele Men»: scheu kennen und ebensooiele Ansichten und Lebens»: anffassungen. Die beste Gelegenheit, vielseitige Be» obachtungen zu machen.
Große Debatte im Saal. Zwei politische Geg». ner sind aneinander geraten. Ihre Stimmen wer-' den lauter und lauter. Der ganze Saal verfolgt, die Szene mit Spannung. Zwischenrufe; allgemeine Heiterkeit. Die Gegner geraten in Wut. Der eine wirst dem anderen politische Unreife und Unverstand vor. Mitunter kommt es sogar zu Be-»> schimpfungen.
Ein Glück, daß beide in Gips liegen, sonst könnten sie vielleicht noch handgreiflich werden und sich mit „schlagenden" Beweisen bombardieren. Morgen ist man sich wieder einig.
Manchen Tag herrscht vollständig Ruhe und Eintracht. Der 19jährige H. und der fast 80jährige Großvater Br. ergötzen uns abwechselnd durch ihr Biolinspiel. Bei Volksliedern und Schlagern singt der gan,ze Saal mit. Br. als pensionierter Opernhaussolist spielt meist Opernmelodien.
Im Tagesraum. Man liest, raucht oder spielt Skat. Zusammen mit Herrn G., der nur noch mit einem Bein das Krankenhaus verlassen wird und Herrn M-, dem martialischen Mann mit dem Kai- i serlich-Königlichen Schnurrbart, vertreibe ich mir manche Stunde durch einen gemütlichen Thüringer oder Artillerieskat. An Zuschauern fehlt es nicht.! Mit einem von ihnen komme ich ins Gespräch. Üben seine Lebenseinstellung bleibe ich nicht im Unklaren. Wilde Ehe, Atheist, Gegner jeder Gesellschafts» ordnung usw Religion ist für ihn ein Märchen. Gott, Seele und Jenseits gibt es für ihn nicht. Nicht die Seele gibt dem Körper das Leben, fom>. dern der „Orudationsprozeß". Auf meine Frag«!, nach Zweck und Inhalt seines Lebens antwortet er; ‘ „Ich pflücke eben die Rosinen aus dem Kuchen des Stehens, amüsiere mit und gestalte mir das Leben möglichst angenehm, bis eben Schluß ist." (Hätte er nicht treffender gesagt: bis der Oryda- tionsprozeh beendet ist?) „Und dann?" „Dann geht mir'? wie jedem andern auch. Ich werde begraben, dann kommen die Würmer und zerfreßen mich, und dann ist alles aus "
Was den Ursprung aller Dinge anbelangt, hält er mir einen „gelehrten" Vortrag über Atome. Elek-' fronen, Energien u. dergl.
Familie--verwirft er. Kinder zu zeugen, ist die größte Verantwortungslosigkeit, die sich ein: Mensch kann zu Schulden kommen lassen. Er kann es nicht verantworten, einen Menschen zup diesem „Jammerleben" zu „verdammen".
Manä>e dieser Gedanken scheinen auch im Kopfe: eines anderen Zuschauers zu spielen. Er bezeichnet sich besonders ans durch die sichtliche Gewohnheit, den gan,zen Tag für seinen Magen zu sorgen.