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der Dr. Heß'während seiner 'Krankheit seelsorgerisch betreut hatte.

Für die Gesamtpartei widmete der Reichspartei' führer Dr. Kaas dem Verstorbenen herzliche Worte des Nachrufs und feierte ihn als leuchtendes Bei­spiel des Zentrumskacholiken aus dem Volke. Justizrat Dr. Mönnig sprech für die preußische und rheinische Zentrumspartei, der Vorsitzende der Landtagsfraktion, Steger, für die preußische Zentrumssraktion. Der Bürgermeister von Ahr weiter übermittelte die letzten Grüße der Heimat­stadt, deren Ehrenbürger Dr. Heß war. Für den Unitas-Verband legten die Delegierten Ohlendorf und Studiendirektor Dr. Monzel das feierliche Versprechen am Grabe des verstorbenen „Alten Herrn" ab, wie er wahre Unitarier, wahre Katho­liken und wahre Männer des Volkes zu sein.

Auf dem Liesensriedhof der St. Hedwigs-Ge­meinde, wo schon so mancher wahre katholische Volksführer die letzte Ruhestatt fand, wo auch Dr. Sonnenschein, der soziale Zlpostel Deutschlands, begraben ist, harrt nun auch Dr. Heß der künf­tigen Auferstehung entgegen. R. I. P.

HUleriade.

Eine große Ueberraschung haben die letzten Tage gebracht, als

Herr Gendarmeriekommissar Hiller plötzlich dem deutschen Volke vorgestellt wurde. Das kam gerade recht für die Fastnachtslage! Ein besserer Fastnachtsulk hat schon lange nicht mehr die Deutschen zum Lachen gebracht. Was ist doch Hitler für ein vielseitiger Mann! Von Beruf Lak- kierer und Dekorationsmaler aus Oesterreich, möchte er sich zum Diktator Deutschlands auf- schwin.qen und läßt sich schon im Voraus als sol­cher von seinen Getreuen reichlich beweihräuchern. Weil aber diese Ehren einstweilen noch nicht ge­setzliche Münze sind, so hat Herr Frick als thürin­gischer Minister versucht, Herrn Hitler wenigstens eine kleine wirkliche und „legale" Doranzahlung auf die kommenden Würden zu leisten, indem er ihn zum Gendarmeriekommissar von Hildburghau­sen ernannte, damit er deutscher Reichsbürger werde. Wir gratulieren!

Freilich, für den großmütigen Verleiher dieser Würde wird die Sache noch ein Nachspiel haben.

Frick steht unter Anklage, daß er die Gesetze des Landes Thüringen durck- diese Ernennung gröblich verletzt habe. Daß er selbst ein sehr schlechtes Gewissen bei seiner Staatsaktion hatte, ergibt sich schon daraus, daß er den zwei Beamten, welche amtlich mit der Sache zu tun hatten und sofort ihre Bedenken äu­ßerten, strengstes Stillschweigen auferlegte. Er fühlte eben selbst, daß es sich um eine Aktion von besonderer Qualität („Schiebung" nennen es zahlreiche Zeitungen) handelte. Daß die Hitler­jugend sich die Methoden der inneren und äuße­ren Politik nach dem Muster der Geschichten von Karl May vorstellt, war längst bekannt. Aber daß auch nationalsozialistische Minister noch von dem Geist der Jndianergeschichten und Detektiv­romane so stark beeinflußt sind, hätten wir doch nicht für möglich gehalten! Was kann man da noch alles erwarten!

Kleine pom. Hathrithtett

Moralische Verwahrlosung im politischen Kampfe. Die Berufung des früheren kommunistischen Tschekafüh- rers Felix Neumann, der vom deutschen Staatsgerichts- Hof wegen Mordes und Mordversuchs zum Tode verur­teilt wurde, zum Redner in einer nationalsozialistischen Versammlung veranlaßte das württembergische Landes­organ des Zentrums zu einem scharfen Artikel. Es heißt darin: „Gibt es keine nationalsozialistischen Männer, keine nationalsozialistischen Frauen mehr, die dem für den geplanten Vortrag Verantwortlichen vor Empörung ins Gesicht schreien, daß man es wagt, solche Leute vor

war er Mitglied des preußischen Abgeordneten bauses. Im Jahre 1920 übernahm ihn die Regie­rung Koblenz als Oberregierungsrat, spater als Negierungsdirektor. Im gleichen Jahre wurde er Mitglied des Kreistages zu Ahrweiler und Mit­glied der Rheinischen Provimrallandtages. Auf der Liste des Zentrums wurde er in die ver- fasfunqqebende preußische Landesversammlung und im Jahre 1921 in den Preußischen Landtag ge­wählt Sein Mandat hat er auch im neuen Land­tag von 1928 behalten. Bei der Neuwahl des Frak­tionsvorstandes am 30. Januar 1930 wurde Heß an Stelle des zurückgetretenen Dr. Porsch zum Vorsitzenden der Zentrumssraktion im Preußischen Landtag gewählt. Gleichzeitig wurde er der erste Vorsitzende der Preußischen Zentrumspartei.

' Die Beisetzung

des Verstorbenen fand am Montag auf dem Fried­hof der Berliner St. Hedwigsgemeinde statt. Am Sonntagabend bereits war der Sarg vom Kranken­haus nach der St. Norbert-Kirche übergeführt worden. Chargierte des Verbandes des wissen- schastlichen katholischen Studentenverbandes „Uni­tas", dem der Verstorbene angehört hatte, hielten hier die Nacht über, wie bereits am Sonntag in der Krankenhauskapelle, die Ehrenwacht. Der Altar­raum der St. Norbert-Kirche war in schlichten Trauerschmuck gekleidet. Zu beiden Seiten der Kommunionbank standen zwei große Kandelaber. Vor der Kommunionbank war der Sarg inmitten einer Fülle von Blumenschmuck aufgebahrt. Unter i den zahlreichen prächtigen Kränzen bemerkte man einen mit einer großen schwarzrotgoldenen Schleife und der Aufschrift „Der Reichskanzler". Dr. Brü­ning, der bereits nach Genf abgereist war, hatte ihn am Sarge niederlegen lassen.

Neben der Witwe und dem Töchterchen des Verstorbenen sah man in dem dicht gefüllten Got­teshaus die Reichsminister Stegerwald und Schätzel, die preußischen Zentrumsminister Hirtsie fer, Schmidt und Steiger, ferner Finanzminister Klep­per und Kultusminister Grimme und eine große Zahl höherer Beamter aus den verschiedenen Aemtern. Als Vertreter des preußischen Minister­präsidenten war Staatssekretär Weismann erschie­nen, ferner Polizeikommandeur Heimannsberg und der Regierungspräsident von Sigmaringen, Dr. Brandt. Aus den führenden Kreisen der deutschen Zentrumspartei sah man den Parteichef, Prälat Dr. Kaas, ferner den Vorsitzenden der Rheinischen Zentrumspartei, Justizrat Mönnig, den Vorsitzen­den der badischen Zentrumspartei, Abg. Dr. Föhr, mit zahlreichen anderen Zentrumspolitikern. Die preußische Zentrumsfrattion gab ihrem verstorbe­nen Vorsitzenden vollzählig das letzte Geleit. Sämtliche anderen Landtagsfraktionen, von den Deutschnationalen bis zu den Sozialdemokraten, waren durch führende Mitglieder vertreten, von der Apostolischen Nuntiatur sah man P. Gehr­mann.

Das Requiem zelebrierte der Bischof von Berlin, Dr. Christian Schreiber, der Dr. Heß während seiner schweren Krankheit oft besucht hatte. Nach dem Requiem erteilte der Bischof am Sarge die Absolution. Unter Voran­iritt der Chargierten der Studendentenkorporatio- nen, die auf der Straße Spalier bildeten, wurde der Sarg aus der Kirche zum Leichenwagen getragen, worauf die Ueberführung nach dem Friedhof der St. Hedwigs-Gemeinde in der Liesen­straße erfolgte.

Die große Trauergemeinde, die bereits dem Pontifikalrequiem in St. Norbert beigewohnt hatte, begleitete den Toten auch auf seinem letzten Gang. Die Gedenkrede am offenen Grabe hielt Pfarrer Knauft von der St. Ansgargemeinde, deren Mit- glied der Heimgegangene war. Bei der kirchlichen Handlung assistierten Pfarrer Leppelt, Steglitz, der bis vor kurzem Pfarrgeistlicher bei St. Ansgar war, und Kaplan Große-Schanze von St. Norbert,

ihnen sprechen zu lassen? Hier handelt es sich nicht mehr um Politik, hier geht es einfach um die menschliche Mo­ral, die ein solches Vorhaben der Nationalsozialisten als unerhört empfinden muß. Wäre nicht die Polizei ein- geschritten, so würden gestern abend Massen von urteils­losen und frech getäuschten Stuttgarter Bürgern und Bür­gerinnen zu Füßen eines Mörders gesessen sein, um sich von ihm für das Dritte Reich und seine Führer begeistern zu lassen. Die Partei, die sich zu solchem erfrecht, ist keine Bewegung mehr. Sie ist eine Gefahr für jede Moral, jede Sitte und jedes Gesetz. Mit Pestbeulen arbeitete sei­nerzeit die deutsche Tscheka. Die dreiste Verhöhnung der Moral, die sich die Nationalsozialisten leisten, ist eine schlimmere Pest, gegen die das deutsche Volk aufgerufen werden muß, wenn es nicht im Strudel der moralischen Verwahrlosung und Gesetzlosigkeit untergehen soll." — Uebrigens hat Neumann doch in Stuttgart gesprochen. Die Nationalsozialisten haben nur einige Personen, die sich nicht als Mitglieder der nationalsozialistischen Partei ausweisen konnten, zum Verlassen der Versammlung ver­anlaßt und diese dann als „Mitgliederversammlung" durchgeführt.

Nationalsozialistische Drohungen gegen einen Bischof. Im „Völkischen Beobachter" (Nr. 27 vom 27. Januar 1932) lesen wir: „Bischof Joseph Kumpfmüller von Augsburg hat dem Herrn Pfarrer Dr. Häuser wieder ein­mal ein Redeverbot auferlegt . . . Nun, wenn das deut­sche Volk einmal seine Sklavenketten abgeschüttelt haben wird, wird es nimmermehr die vergessen, die ihm auf dem Wege zur Freiheit und zum Glücke die Prügel zwischen die Füße geworfen haben. Nicht durch Weihrauch, und auch nicht durch Maulkörbe wird das Volk gerettet, sondern durch das Verständnis für die nationalen und völkischen Schicksalsfragen unserer Zeit. Wir fürchten, Bischof Jo­seph wird dies erst einsehen, wenn es zu spät ist." — Das Hitler-Blatt zeigt hier wieder einmal sein wahres Gesicht. Aus dieser vielsagenden Auslassung, daß die berüchtigten Moskauer Methoden auch im Dritten Reich zur Anwendung gebracht werden, spricht jener machtpoli­tische Geist, der sich über alle gesetzlichen Schranken hin­wegsetzt. Diese vielsagende Drohung läßt hoffentlich jeden ehrbewuhten Katholiken zur Einsicht kommen. — Bei dieser Gelegenheit möchten wir noch bemerken, daß Hit­ler verboten hat, daß in nationalsozialistischen Ver­sammlungen über das Rosenberg-Buch „Der Mythus des 20. Jahrhunderts" gesprochen werden darf. Hitler be­ansprucht für sich das Recht, zu gebieten und zu verbieten. Einem deutschen Bischof will er dieses Recht, das jedem Offizier seinem Untergebenen gegen­über eingeräumt ist, verwehren und droht mit Erprof- sungen.

«Die Bombe platzt". Im Saal des Altonaer Hofs zu Altona wurden am 5. Februar 67 Jugendliche und Schüler verschiedener Lehranstatten angetroffen, die dem nationalsozialistischen Schülerbund angehören und eine nicht angemeldete öffentliche Versammlung abhiel­ten. Die Versammlung wurde von der Polizei aufgelöst und die Personalien der Beteiligten festgestellt. Das Thema des Versammlungsvortrages lautete: „Die Bombe platzt".

Die Folgen nationalsozialistischer Verhetzung. Das Berliner Schnellschöffengericht verurteilte in dem Prozeß gegen die sieben nationalsozialistischen Studenten wegen der Universitätskrawalle am 4. Februar die Angeklagten Plaß und Piltz wegen schweren Landfriedensbruches zu je acht Monaten Gefängnis, den Angeklagten Papst we­gen Landfriedensbruches und Körperverletzung zu fünf Monaten Gefängnis, die Angeklagten Kaiser und Jüder- bock wegen Landfriedensbruches zu vier Monaten Ge­fängnis und die Angeklagten Ruppin und Leonhard we­gen Uebertretung (groben Unfugs) zu vier Wochen Haft.

Wie Nationalsozialisten reden, wenn keine Katholiken da sind. In Merkers fand vor einigen Tagen eine öffent­liche Nazi-Versammlung statt, in der ein Herr aus Mühl­hausen austrat. Einleitend gab der Redner die Erklärung ab, daß der Nationalsozialismus in punkto Religion und Kirche neutral fei und keine Kirche bekämpfe. Sehr bald aber erging er sich in wüstesten Hetzreden gegen die ka­tholische Kirche. Er glaubte jedenfalls, in den: rein evan-

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