Sonntag, 14. Februar 1932
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Religiöses Wochenblatt für die katholischen Gemeinden Kassels. Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 40 L-Vteanig 3 45 ZL-Pfennig (3u)teQgehühr epra)
Wochenkalender.
Sonntag. 14. Febr. E r st e r F a st e n s o n n t a g. Valentin, Bischof und Mart., Valentin, Priester u. Mart. P a p st s o n n t a g.
Montag, 15. Febr. Vom Tage.
Dienstag, 16. Febr. Vom Tage.
Mittwoch, 17. Febr. Ouatembermittwoch.
Donnerstag, 18. Febr. Vom Tage. Simon, Bischof, Mart
Freitag, 19. Febr. Quatemberfreitag.
Samstag, 20. Febr. Quatembersamstag.
Erster Aasrensonntag.
Epistel. 2. Korinther 6, 1—10.
Evangelium. Matthäus 4, 1—11. Die Versuchung Christi.
In jener Zeit wurde Jesus vom Geiste in die Wüste geführt, um vom Teufel versucht zu werden. Als er 40 Tage und 40 Nächte gefastet hatte, hungerte ihn. Da trat der Versucher an ihn heran und sprach: „Wenn du der Sohn Gottes bist, so befiehl, daß diese Steine da zu Brot werden." Er gab ihm zur Antwort: „Es steht geschrieben: „Nicht vom Brot allein lebt der Mensch. fon= dern von jedem Worte, daß aus dem Munde Gottes kommt." „Dann nahm ihn der Teufel mit in die Heilige „ Stadt, stellte ihn auf die Zinne des Tempels und sprach I zu ihm: „Wenn du der Sohn Gottes bist, so stürze dich hinab. Es steht ja geschrieben: Deinetwegen hat er leinen Engeln befohlen: Sie sollen dich auf ihren Hän- 1 ! den nagen, damit du deinen Fuß an keinen Stern sto- I ßest." Jesus entgegnete ihm: „Es steht auch geschrieben- Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen!" Sodann nahm ihn der Teufel mit auf einen sehr hohen Berg, zeigte ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit und sprach zu ihm: „Dies alles will ich dir geben. wenn du niederfällst und mich anbetest." Da sprach Jesus zu ihm: „Hinweg, Satan! Es steht geschrieben: Den Herrn, deinen Gott, sollst du anbeten und ihm allein dienen!" Da verließ ihn der Teufel. Und siehe, Engel kamen herbei und dienMr ihm.
„Ich mutz abnehmen."
er von der Personenwaage heruntersteigt und seinen Wiegschein studiert und im Verhältnis zu seiner Körpergröße und seinem Alter ein Uebergewicht feststem;
wer von der ärztlichen Untersuchung zurückkehrt mit dem Bescheid, daß sein Gewicht die normale Grenze überschreite; wer beim Sport eine Rekordleistung aufstellen und bei der Schönheitskonkurrenz den Preis erringen will; alle diese machen es sich zur Parole:
«Ich muß abnehmen."---
In einem anderen Sinn, im übertragenen, übernatürlichen Sinn, hat auch der Vorläufer Johannes diese Parole sich zu eigen gemacht, sie
öffentlich ausgesprochen und rücksichtlos durchgeführt.
Dieses interessante Vorspiel zum öffentlichen Leben Jesu berichtet der Evangelist Johannes mit folgenden Worten:
„Da entstand ein Streit zwischen den Jüngern des Johannes und einem Juden über die Reinigung. Sie gingen zu Johannes und sagten ihm: „Meister, der am anderen Jordanufer bei dir war, für den du Zeugnis abgelegt hast, siehe, der taufte, und alles läuft ihm zu." Johannes antwortete: „Kein Mensch kann sich etwas nehmen, es muß ihm vom Himmel gegeben werden. Ihr selbst müßt mir bezeugen, daß ich gesag' habe: „Ich bin nicht der Messias, ich bin nur von ihm hergesandt. Wer die Braut hat, der ist der Bräutigam. Der Freund des Bräutigams, der dasteht und ihn hört, freut sich herzlich über die Stimme des Bräuti- gams. Diese Freude ist mir nun in vollem Maße zuteil geworden. Er muß wachsen; ich muß abnehmen." —
„Ich muß abnehmen." Wie hat Johannes dieses Wort verstanden? Eine herrliche, lichtumflossene Sonne sah Johannes heraufsteigen: Jesus, den Erlöser, den Lehrer der Wahrheit, das Licht der Welt. Da geschah das gleiche, was jeden Morgen zu geschehen pflegt, wenn im Osten die Sonne lichterloh aufgeht. Nach und nach erlöschen sämtliche Sterne, selbst der blendend weiße Sirius und der feurige Mars. Johannes ist der Stern; Christus die helleuchtende Sonne. Durch sein gewaltiges Wort, durch das Beispiel seiner Weltflucht und Vußstrenge hat Johannes bis dahin geleuchtet gleich dem Morgenstern. Nun aber geht Christus wie eine königliche Sonne über dem Spiegel des Jordan auf. und da erkennt Johannes freudig die Pflicht, vom Schauplatz zurückzutreten.
„Er muß wachsen." Christus ist der Bräutigam. und ihm gehört von Rechtswegen die Braut, die Menge der Seelen, die Gesamtheit der Weltbewohner. Da will Johannes auch seine Jünger an den Meister überweisen. Freilich sind die Johan- nesjünger darüber betrübt, verärgert und enttäuscht, Hängen sie ja wie Kletten an ihrem Lehrer Johannes. Dieser aber, seiner dienenden Rolle eingedenk, weist sie alle an Christus, den Herrn. Ich komme von der Erde, will er sogen. Christus aber kommt vom Himmel. Ich bin nur der Freund, der die Brautwerbung übernimmt und die Braut dem Bräutigam zuführt. Jesus aber ist der Bräutigam, der es verdient daß alle Herzen ihm entgegenschlagen und alle Lippen ihm zujubeln. Und darum — so spricht er gleichsam zu seinen Jüngern — wenn ich euch verliere, so freut es mich; wenn ihr euch Jesus anschließt, so freut es mich; wenn ich allen Ruhm einbüße, so freut es mich. Wenn Jesus von allen erkannt.
geehrt, geliebt und verherrlicht wird, so ist meine Freude vollkommen.
O herrliche Seele, die nicht berührt wird vom Giftzahn des Neides, die über das Glück eines anderen so rein und restlos sich freut, die ohne den geringsten Anflug von Traurigkeit, ja sogar mit allen Zeichen der Freude sich in eine verborgene Ecke zurückzieht, damit um so herrlicher aufleuchts Christus, der König der Glorie.
„Ich muß abnehmen." Welche Selbstentäußerung und Demut liegt in diesen Worten beschlossen!" Und wahrhaftig, sie haben dem hl. Johannes keinen Schaden gebracht. Im Gegenteil: sie haben seiner Heiligkeit erst die Krone aufgesetzt und ihm das Lob des Herrn eingetragen: „Wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden."----
„Ich muß abnehmen." Das soll unser aller Losung sein für die hl. Fastenzeit, in der wir seit Aschermittwoch stehen. Abnehmen heißt sich beschränken in den körperlichen Bedürfnissen, vor allem in der Zufuhr von Speise und Trank. Oder soll das Fasten nur auf dem Papier stehen? Nur ein überwundener, historischer Standpunkt sein? Du würdest dich selbst aus der Zahl der praktischen Katholiken ausscheiden und in die Reihe der bloßen Namenskatholiken einrücken, wolltest du grundsätzlich das Fasten ignorieren. Selbst für den Fall, daß du infolge von Kränklichkeit oder schwerer Arbeit vom eigentlichen Fasten dispensiert wärest, wüßtest du doch zu irgendeiner Form der Abtötung die Zuflucht nehmen. Da lese ich im volksliturgischen Kalender folgende praktische Anweisung:
„Setzen wir uns genau fest, wie viel und was wir zum Frühstück zum Abendessen genießen; ob wir auf die Jaule verzichten können; wie oft wir in der Woche kein Fleisch essen werden. Doch auch das Fasten tm weiteren Sinn, die Enthaltung von Lieblingsgewohnheilen wollen wir beachten: der eine verzichtet auf das Rauchen, der anders auf Süßigkeiten, der dritte auf Alkohol, der vierte auf das Mittagsschläfchen, ein anderer schränkt Besuche, Unterhaltungen ein. Selbstverständlich werden wir äußere Lustbarkeiten wie Theater u. dergl. in dieser Zeit meiden." —
„Ich muß abnehmen." Nur das leibliche, das materielle, das irdische wird abnehmen, das geistige aber, das seelische, das heilige wird zunehmen. Etwas Lustiges wird in dieser Hinsicht vom hl. Erispinus erzählt. Als er infolge vielen Fastens sehr mager wurde, drangen feine Angehörigen in ihn, er möge dach sich mehr zusetzen. Um Ruhe zu bekommen gab er nach und nahm mehr Nahrung zu sich. Und was geschah? Er wurde noch maaerer und fing an zu kränkeln. Da gaben seine Angehörigen nach und sprachen: „Besser, wir bekommen einen mageren Heiligen, als einen fetten Bösewicht."
Der Talpfarrer.