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Seite 14 / Nummer S.

ausgeschlossen. Ergriffen faltete ich die Hände und betete ein stilles Vaterunser für den Abgeschiede nen. Dann stand ich sinnend, bis der Totengräber mich rief und wir das unschuldige Kindlein in sein frühes Grab betteten. Als ich zur Heimfahrt mich rüstete, warf ich noch einen langen Blick hin­über zum Grabe des Mannes: Schlafe in Ruhe' Gott gebe dir eine selige Auferstehung!

Soll ich den guten Lesern des Bonifatiusboten sein Lebensschicksal erzählen? Schlicht ist es und doch voll Tragik. Es ist ihm ergangen wie so vielen Verstürmten in der Diaspora, nur daß er am Abend seines Lebens die ganze Fülle der göttlichen Gnade und Barmherzigkeit an sich er­fahren durfte. In den fünfziger Jahren des vori­gen Jahrhunderts war er als wandernder Geselle gekommen und hatte in der Schmiede Arbeit ge­nommen. Er war katholisch und wollte bald wei­terwandern, als er erfuhr, daß die ganze Gegend protestantisch sei. Aber wie es so geht, die Mei­sterleute hatten den stillen und braven jungen Mann liebgewonnen und redeten ihm seine Wan­dergedanken aus. Er blieb, heiratete und über­nahm nach dem Tode des Meisters die Dorf­schmiede. Meilenweit war keine katholische Kirche. Frau und Kinder waren natürlich protestantisch. So lebte der Mann lange Jahre dahin. Sein Wohlstand mehrte sich, aber eines fand er nim­mer: den Frieden des Herzens. Immer stiller wurde er, immer tiefere Furchen zog der Gram und die innere Unruhe in sein Gesicht. Da hörte er in den neunziger Jahren, daß im nahen L. ka­tholischer Gottesdienst eingerichtet sei, aber es floß noch viel Wasser die Elbe hinunter, bis er den Weg dorthin fand. Endlich schlug auch für ihn die Gnadenstunde. Er hatte die Siebzig über­schritten, der Tod sandte seine Vorboten; die Kin­der waren groß und verheiratet. Eines Sonn­tags bat er um Wiederaufnahme in die Kirche. Sie wurde ihm gewährt, und nun kam er alle vier Wochen nach L. zum Gottesdienst. Ich sehe sie noch vor mir, die hohe Gestalt mit dem eisgrauen Barte und den tieftraurigen Augen. In der gro­ßen Stube, die uns als Kapelle diente, lehnte er beim Hochamt immer ganz hinten an der Wand und betete den Rosenkranz. Nach dem Gottes­dienst habe ich immer etwas mit ihm geplaudert. Er sprach nicht viel, nur seine Augen leuchteten auf in dankbarer Freude. Langsamen Schrittes machte er sich dann auf den Heimweg. Ueber zwei Stunden brauchte er, bis er in G. war. Da kam eines Tages die Nachricht nach L., daß der alte W. schwer krank sei. Am folgenden Morgen setzte ich mich auf die Bahn und kam nach dreistündiger Fahrt nach G. Wie freute sich der alte Mann, als ich an sein Bett trat! Ich hörte seine Beichte. Auf seinen Wunsch rief ich dann seine ebenfalls hochbetagte Frau und seinen Sohn ins Kranken­zimmer. Verlegen und hilflos standen sie, wäh­ren der Kranke die heilige Wegzehrung und die Letzte Oelung mit rührender Ändacht empfing. Nachher saß ich noch lange an seinem Lager. Jm- wirder sagte er, wie ruhig und glücklich er sei, wie gut es doch der liebe Gott mit ihm gemeint, wie leicht ihm jetzt das Sterben werde. Noch ein in­niges „Müde bin ich, geh' zur Ruh", und ich mußte mich verabschieden — es war ein Abschied fürs Leben. Am folgenden Tage ist er still und unbemerkt entschlafen. Ein müder Erdenpilger hatte die Hei­mat gefunden.

Drei Tage darauf habe ich dem Heimgegange­nen auf der Tenne seines Hauses einen ehrenden Nachruf gewidmet, dann wurde sein Sarg auf den Bretterwagen gestellt, und wir gingen den lan­gen Weg zum Friedhofe nach P. Und da war es, wo es mir so wehe im Herzen wurde, nicht wegen des Toten, der hatte Frieden, aber wegen des Trauergefolges. Ich ging allein gleich hinter dem Sarge, hinter mir kamen die Angehörigen des Toten und viele Leute aus dem Dorfe. Außer mir war nur noch ein Dienstmädchen im Gefolge katholisch, alle anderen waren protestantisch. Wie ganz anders wäre es gewesen, wenn der Mann in seiner katholischen Heimat hätte bleiben können' Dann wäre das Kreuz vorangegangen! Die Kin­der hätten gesungen und gebetet, vom Turm hät­ten die Glocken geklungen, die Glocken, die sein ganzes Leben mit ihrem Sange begleitet, hn Gat­

ten der Kirche hätte er sein Grab gefunden, viele, viele „Vaterunser" wären für ihn gebetet worden. Und nun, — einsam schritt der Priester hinter seinem Sarge, auf fremdem Friedhof mußten wir ihn bestatten, mitten unter Toten, die nicht seines Glaubens gewesen waren, und das Glöcklein, das unten im Tale ihm den Grabgesang läutete, hing im Turme einer nichtkatholischen Kirche. Ich hatte dem Toten die letzten Gebete in die Ewigkeit nachgesandt, der Grabhügel wölbte sich. In ern­ster Stimmung pilgerte ich nach G. zurück. Wann wird wohl wieder einmal ein Vaterunser an dei­nem Grabe gebetet werden, guter alter Mann? Vierzehn Jahre mußten vergehen, bis der Prie­ster, der ihn zur letzten Ruhe geleitet, als Seel­sorger nach L. geschickt wurde und an einem Spätnachmittage sein Grab wiederfand auf dem Hügel der Heide.

Liebe Leser, betet ein stilles Requiescat in pace! Werfet keinen Stein auf ihn! Er hat gefehlt, aber viel gelitten und gehungert nach der Kirche feiner Jugend. Gott war ihm gnädig. Betet auch für die vielen, die als verwehte Blätter auf den Fried­höfen der weiten Diaspora ruhen, deren Grab nie­mand schmückt, für deren Seelenruhe niemand betet, deren Nachkommen vielleicht mit interessan­tem Gruseln davon sprechen, daß ihr Vater oder Großvater einmal katholisch war. Dr.

Das Kruzifix in der Schule.

In der bei Palencia (Spanien) gelegenen Ort­schaft Villafarracinos entfernten die Lehrer vor einigen Tagen aus den Schulzimmern die Kruzi­fixe mit der Begründung, daß sie in Ausführung von Befehlen handelten, die von höherer Stelle er­teilt worden seien. Den Kindern wurde beigc- bracht, daß sie von jetzt an rein weltlichen Unter­richt erhalten würden. Als der Unterricht beendet war, erzählten die Kinder den Vorgang ihren El­tern. Im Handumdrehen war die Mehrzahl der Bewohner des Ortes auf den Beinen und zog vor die Dienstwohnungen der Lehrer, von denen sie kategorisch die Wiederanbringung der Kruzifixe forderten. Sie hätten die Kinder in der katholi- sthen Religion zu erziehen, da der ganze Ort ka­tholisch sei. Die Lehrer erwiderten, daß sie nichts machen könnten, da sie nur höhere Befehle aus­führten. Darauf marschierten die Eltern vor das Haus des Bürgermeisters, dem sie eine Art Ulti­matum stellten mit dem prompten Ergebnis, daß kurz darauf die Kruzifixe unter dem Jubel der Bevölkerung und Hochrufen auf die katholische Re­ligion wieder in den Schulzimmern aufgehängt wurden. Ein ähnliches Vorgehen wird von El Sehnte auch aus dem Orte Pinel de Abajo (Valladolid) berichtet.

Chmsspchk? MmslsrMsMnl wird Priester

Ain 15. Januar fand in der Abtei St. Andreas eine Priesterweihe statt, die wohl nicht alltäglich sein dürfte Unter den fünf Söhnen, welche in die große Familie des Hl. Benedikt ausgenommen wurden, befand sich auch ein Asiate, der vor eini­gen Jahren noch als Exzellenz Rens Loutsengt- fiang, Ministerpräsident der Republik China, ehem. Gesandter des 1911 abgedankten Kaisers von China in Den Haag und St. Petersburg welt­bekannt war. Mehr als einmal stand diese Per­sönlichkeit an der Spitze der Regierung der jungen chinesischen Republik, welche heute furchtbarsten Umwälzungen ausgesetzt ist. 1911 war Loutsengt- siang es, der in St. Petersburg dem früheren Kaiser die Abdankung empfahl, um Blutvergießen zu vermeiden. Als Vertreter Chinas auf der Ver­sailler Friedenskonferenz weigerte sich der Mini­sterpräsident den Vertrag zu unterschreiben, zumal China in seinen gerechten Forderungen beeinträch­tigt wurde. Pater Peter, O. s. P., so heißt jetzt der frühere Politiker, war seit 1910 mit Berta Bovy verheiratet, die aus einer angesehenen Diplo­matenfamilie aus St. Petersburg stammte. Nach dem Tode feiner Frau im Jahre 1926 in Bern zog sich Loutsengtsiang vom diplomatischen Leben zu­rück und klopfte im Oktober 1927 an die Pforte der Abtei St. Andreas. Soweit bekannt ist, wird Pater Petrus Lou seinen Wohnsitz wahrscheinlich 'N der Abtei St. Andreas von Si Chan, 5 Kilo­meter von Shun-Shin, einer chinesischen Stadt mit 100 000 Einwohnern, nehmen, wo er als Missio­nar tätig sein wird

Demut.

Demut hält die rechte Mitte ein zwischen Ver­messenheit und Kleinmut.

Demut bahnt sich keinen Weg durch dichtes Ge­strüpp, wenn daneben schon ein ausge-, tretener Weg herläuft.

Demut sagt gern: „Ich will's versuchen", denm sie fürchtet die Beschämung des schuldlosem Versagens nicht.

Demut ist mutig, denn sie vertraut auf die Gna­denhilfe Gottes.

Demut sucht keine Absonderlichkeiten, sondern < will andern guten Menschen gleichen.

Demut tut nichts, um gesehen zu werden, ver-- steckt oder verkriecht sich aber auch nicht.

Demut freut sich über Lob und Anerkennung,, vergißt aber nicht, daß sie uns nicht an-> ders machen können, als wir sind.

Demut nimmt Zurechtweisung und Tadel dank­bar an, wenn es ihr auch weh tut.

Demut haßt die Tyrannei des guten Rates, prüft I aber ehrlich wohlgemeinten Rat.

Demut ist mit geringem zufrieden und wundert i sich immer, daß es ihr noch so gut geht., Demut verzweifelt nicht, denn sie weiß, daß Gott) den Willen für die Tat nimmt.

Aus dem neuen fesselnden Buche des Beuroner Be- nedlktinermönches W. Verlade „Der Antrieb ins Voll­kommene". Erinnerungen eines Malermönches. Ver­lag Herder, 6 RM.

Hauptstadt und Fluh.

Berlin liegt an der London „ „ „

Paris „ „ „

Rom „ am

Warschau „ an der Wien „ „ „

Budapest (Ungarn) Belgrad (Jugoslawien)

Spree, Themse, Seine, Tiber, Weichsel, Donau, liegt an der Donau, „ „ „ Donau.

Markt-Berichte.

Fulda, 30. Jan. Am heutigen Buttermarkt bezahlte man für das Pfund Landbutter 1.— bis 1.10 RM. Die Eier waren zu 8 Pf. pro Stück angeboten.

Fulda, 30. Jan. Zum heutigen Schweinemarkt wa­ren 132 Ferkel aufgetrieben. Die Preise betrugen für Ferkel bis zu 6 Wochen 6, bis zu 8 Wochen 10 und bis zu 13 Wochen 14 RM. Der Durchschnittspreis war 10 RM. Der Handel war schleppend, es verblieb Ueber» stand. — Beginn des Schweinemarktes am 6. Februar um 8 Uhr. Der Auftrieb beginnt um 7.30 Uhr. Er darf nur durch die Schlachthausgasse (Durchfahrt beim Gasthof „Zur Sonne") erfolgen.

Frankfurt am Main, 1. Februar. Es wur­den bezahlt für je einen Zentner Lebendgewicht: Rinder: Ochsen: vollst. ausgem. höchst. Schlachtw.: jün­gere 29—32, ältere 25—28, sonstige fleischige: jüngere 20—24. Bullen: jüngere vollst, höchst Schlachtw. 26 bis 30, sonstige vollst, oder ausgem. 20—25. Kühe: sonstige vollst, oder ausgem. 24—28, fleischige 18—21, gering genährte 14—17. Färsen: vollst, ausgem. höchst. Schlacht­wertes 29—32, vollfleischige 25—28, fleischige 20—24. Kälber: Beste Mast- und Saugkälber 25—38, mittl. Mast­rind Saugkälber 30—34, geringe Kälber 25—29. Schafe: Mastlämmer und jüng. Masthammel: Weidemast 25—29, mittl. Mastl. und ältere Masthammel und gutgenährte Schafe 18—25. Schweine: Fettschweine über 300 Pfd. 37—40, vollst. Schweine von 240—300 Pfd. 39—41, voll- fleischige Schweine von 200—240 Pfd. 38—41, vollst. Schweine von 160—200 Pfd. 36—40, vollst. Schweine von 120—160 Pfd. 32—35, Sauen 28—33. Auftrieb: Rinder 1367, Ochsen 365, Bullen 118, Kühe 449, Färsen 403. Kälber 546, Schafe 105, Schweine 5039. Markt­verkauf: Rinder ruhig, nahezu ausverkauft. Schafe ru­hig, ausverkauft. Kälber schleppend, Schweine ruhig und geräumt.

Büchse

Sowjet-Rußland. Die Geschichte der Revolution von 1917—1922. Von Franz Goldschmidt. 194 S. Preis kartoniert 2 RM. Katholische Tat-Verlag Köln 1932. Eine Krisis, eine Erschütterung, ein katastrophaler Zu­sammenbruch sind im Leben des Einzelmenschen Krank­heitserscheinungen, Symptome des Zerfalles und Nie­dergangs. In gleichem Maße sind es revolutionäre Kri­sen im Leben der Völker. Revolutionen als solche sind immer ein Unglück für ein Land. Die russische Revo­lution versprach dem Volke die Freiheit und wurde zur Verhöhnung des Gedankens der Freiheit und des Selbst- bestimmungsrechts des Volkes. Vor uns liegt ein Buch, das die erste populäre Darstellung jener folgenschweren