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Sette 6 / Hummer 6.

In der Völkerbundssatzung (Art, 8) steht nämlich wörtlich: „Die Bundesmitglieder bekennen sich zu dem Grundsatz, daß die Aufrechterhaltung des Frie­dens eine Herabsetzung der Rüstungen auf das Mindestmaß erfordert." ... Im Versailler Ver­trag zwang die Welt, die gegen Deutschland stand, uns zur Abrüstung mit dem ausdrücklichen Satz, daß die deutsche Abrüstung „allen Rationen eine allgemeine Rüstungsbeschränkung ermöglichen soll".

Weit über ein Jahrzehnt sind seitdem vers as­sen und doch starrt die Welt weiter in Waffen. Vom Staatshaushalt werden für Rüstungen aus­gegeben in Prozent in Deutschland 5,8, Frankreich 34,5, Italien 28, Polen 29, England 15, Tschecho­slowakei 19. Die Abrüstung ist also, trotz aller Verträge einer friedlichen Regelung der Streitig­keiten und der rechtlichen und moralischen Frie- benssicherung nicht nur nicht vorwärts gekommen, sondern im Gegenteil, die Völker haben weiter aus­gerüstet. Nur ein einziger Fortschritt ist in der Abrüstung zu verzeichnen und zwar bei den F'ot- ten. Dagegen ist auf dem Gebiete der Landabrü­stung bisher praktisch nichts geschehen. Der Prä­sident der Vereinigten Staaten hat die tatsächliche Lage auf dem Gebiete der Rüstungen am 5. Mai 1931 treffend gekennzeichnet, wenn er ausführte: „Die Welt gibt jährlich nahezu 5 Milliarden Dol­lars für Rüstungen aus, d. h. ungefähr 70 Prozent mehr als vor dem Kriege. Beinahe 5,5 Millionen Menschen stehen im aktiven Heeresdienst und wei­tere 20 Millionen in Reserve. Obwohl 12 Jahre seit Unterzeichnung des Waffenstillstandes verstri­chen sind, sind diese ungeheuren Kräfte, die das Rüstungsniveau der Vorkriegszeit wesentlich über­steigen, noch nicht demobilisiert, weil die Völker Furcht voreinander haben und unfähig sind, auf dem Wege der Verständigung eine Verminderung herbeizuführen."

Alle internationalen Verträge des letzten Jahr­zehnts zur Sicherung des Friedens, das Genfer Protokoll von 1924, der Vertrag von Locarno 1925, der Kellogg-Pakt 1928 haben nur dann Sinn, wenn die Völker abrüsten. Denn eins folgt aus dem andern. Wer all diese hier niedergelegten schönen Worte und heiligen Ideen vertritt. wer sie zum bindenden Gesetz der internationalen Völker- rechtsgemeinschaft macht und dann noch aufrüstet, dem sind diese Dinge nichts anderes als Mittel, den früheren Gegnern, die man zu Abrüstung zwang, um dann selbst abrüsten zu können, poli­tische Gleichberechtigung vorzuenthalten. Deshalb muß Deutschland nicht etwa nur im eigenen Inter­esse, nein im Interesse des Weltfriedens, im Dienste der von den früheren Feinden viel angerufenen internationalen Gerechtigkeit auf der Abrüstung der anderen Völker bestehen. Sie müssen jetzt zum Be­kenntnis gezwungen werden, ob ihnen die Ver­träge, die Gerechtigkeit und der Friede heilig sind, oder ob sie nur Mittel sind, Deutschland politisch ohnmächtig zu machen.

„Sicherheit" rufen sie. Am lautesten ruft es Frankreich. Nur um der Sicherheit willen haben sie Vertrag auf Vertrag geschlossen. Entweder gel­ten die Verträge, oder die Völker vertrauen wie ehedem auf die schimmernde Wehr der Waffen. Dann aber sind Völkerbund, internationaler Ge­richtshof, Schiedsverträge, Friedensgarantie nichts anderes als Völkerbetrug. Es gibt kein Drittes. „Wer kann sich auf Völkerbund und Friedensga­rantie verlassen, wenn sein eifersüchtiger oder feind­seliger Nachbar ein starkes Heer auf den Beinen hält?": so Lansing, Staatssekretär der Vereinig­ten Staaten. Wie furchtbar muß das Erwachen aller Völker sein, wenn sie merken sollten, daß alle Sicherheit durch Verträge und Recht nur Opium für die anderen waren.

In Zukunft gibt es nur zweierlei, entweder Sicherheit für alle durch Waffen, also Aufrüstung und Bekenntnis, daß alle Kriegsverhütungsver- träge nur Mittel waren, Deutschland klein zu hal­ten, Aufrüstung also bis zum Rüstungswahnsinn für alle bis zum Krieg, der Europa vernichten wird — oder endlich abrüsten wie Deutschland abgerü­stet hat. Gerade auch als deutsche Kacholiken sol­len wir diesen Tatbestand mit aller Schärfe her­ausstellen und verlangen die versprochene Abrü­stung. Das ist nicht nur unser Recht gegenüber denen, die früher unser Feinde waren, sondern auch

unsere Pflicht für uns selbst, für Europa, für den Frieden. Erst dann ist auch eine Regelung der Schuldenfrage und eine solche des Reparat'ons- problems möglich, das die Weltkrise durch Wirt- schastsgesundung ablöst. Wenn das Ausland den Willen zu dieser Einsicht nach Genf mitbringt, ist die Welt ein Stück weiter vorwärts gekommen.

Dr. A.

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Reichstag Mitte Februar. Eine Entscheidung über den Tag, an dem der Reichstag zusammentritt, ist bis­her noch nicht gefallen. Man rechnet mit einer vorzeiti­gen Einberufung des Reichstages Mitte Februar nur zu dem Zweck, den Termin für die Reichspräsidenten­wahl festzusetzen.

Die Vorstandslagung des Preußen-Zentrums. Der Landesvorstand der preußischen Zentrumspartei trat am Sonntag unter Leitung des stellvertretenden Vorsitzen­den, Justizrat Dr. Mönnig, zu einer sehr stark besuchten Sitzung zusammen. Dem erkrankten Parteichef, Abge­ordneten Dr. Heß, übermittelte die Tagung herzliche Wünsche zu seiner baldigen Genesung. Im Anschluß an ein Referat des Staatsministers Dr. Hirtsiefer, das einen aufschlußreichen Bericht über die letzten Jahre preußi­scher Staatspolitik und der Zentrumsfraktion bot, folgte eine mehrstündige Aussprache, die eine völlige Ueberein­stimmung bezüglich aller behandelten Probleme ergab. Im übrigen wurden in der Hauptsache organisatorische Fragen behandelt.

Bilanz der Preissenkung. Der Preiskommissar Dr. Goerdeler hat eine Erklärung abgegeben, in der er be­tont, daß der Preisindex gegenüber der letzten Zahl vor seinem Amtsantritt um 6.3 Prozent gefallen sei. (Im Durchschnitt des Monats Januar ist der Index unter Be­teiligung aller Gruppen um 4.5 Prozent gefallen.) An Orten, an denen die zentralen Vereinbarungen nicht durchgeführt würden, würde mit besonderen Anordnun­gen nachgeholfen.

Das Ende der „Berliner Richtung". Der neugegrün­dete Diözesanverband der Berliner Arbeitervereine ver­anstaltete am Sonntag erstmalig eine öffentliche Kund­gebung, auf der auch Bischof Schreiber eine be­deutsame Rede hielt. Der Bischof bekannte sich als Ar­beiterbischof und gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß mit der Gründung des Verbandes die Spaltung zwi­schen Berliner und München-Gladbacher Richtung über­wunden sei. Der Bischof bezweifelte, ob es zweckmäßig sei, die gewerkschaftlichen Einrichtungen der Berliner Richtung aufrechtzuerhalten.

Ein Aufruf der „Eisernen Front". Die sog. „Ei­serne Front", eine Dachorganisation, der in der Haupt­sache das Reichsbanner und die Freien Gewerkschaften angehören und die sich die Abwehr des Nationalsozialis­mus und die die Verteidigung der Republik zum Ziele gesetzt hat, tritt mit ihrer ersten Kundgebung an die Oeffentlichksit, in der sie die Grundlage ihres Kampfes erläutert und zu Kundgebungen auffordert, die am 21. Februar in ganz Deutschland stattfinden sollen. — Die Zentrumspartei beteiligt sich nicht an der „Eisernen Front", so sehr sie die Abwehr des Nationalismus und die Verteidigung der Verfassung billigt. Wir haben Kampfverbände genug!

Die Reichsindexziffer für die Lebenshaltungskosten (Ernährung, Wohnung, Heizung, Beleuchtung und „son­stiger Bedarf") beläuft sich nach den Feststellungen des Statistischen Reichsamtes für den Durchschnitt des Mo­nats Januar 1932 auf 124,5 gegenüber 130,4 im De­zember 1931, der Rückgang beträgt somit 4,5 v H. An dem Rückgang sind sämtliche Bedarfsgruppen beteiligt. Der Rückgang de - Reichsindexziffer ist wesentlich größer als in den Vormonaten und hängt zum großen Teil mit den Auswirkungen der Notverordnung vom 8. Dezember 1931 zusammen.

Die Razisierung der Schule. Am Dienstag sprach der nationalsozialistische Reichstagsabgeordnete Dr. Lö- velmann in Berlin über „Lehrernachwuchs und Na­tionalismus". Der Redner skizzierte große Teile des im ganzen aus taktischen Gründen noch unveröffentlichten Schulprogramms und erklärte u. a., wenn die Natio­nalsozialisten nach der Preußenwahl mit etwa 160 Ab­geordneten auf die Entwicklung in Preußen bestimmen­den Einfluß gewinnen würden, so würde das gesamte Bildungswesen von Grund auf umgestaltet werden. Der Lehrernachwuchs werde der Hitlerjugend und SA ent­nommen werden. und auf der einheitlichen Grundlage des Universitätsstudiums zunächst auf einer Probezeit mit der grundlegenden Volksschularbeit vertraut ge­macht werden. Daran werde sich die Fachbildung schlie­ßen. Aber weniger Spezialwissen als vielmehr Füh­rereigenschaften würden für den Aufstieg entscheidend

sein. An den Universitäten werde die Wissenschaft nicht mehr nur üm der Wissenschaft willen, sondern nur so­weit gepflegt werden, als sie für Volk und Nation von Wert sei.

Neuer Präsident der Regierungskommission des Saar- gebiete. Der Völkerbundsrat hat in vertraulicher Sitzung den Engländer Geoffry George Knox, brit. Botschafts­rat in Madrid, zum Präsidenten und den Jugoslawen Zoricitsch zum Kultusminister der Regierungskommis­sion des Saargebiets gewählt.

Lucien Romier prophezeit das Ende der Wettwirk- fchaftskrise. Im „Petit Parisicn" beuntmortet Lucien Romier die Frage, ob in absehbarer Zeit mit einem Rückgang der Weltwirtschaftskrise zu rechnen sei, zu­versichtlich, warnt jedoch davor, Wunder zu erwarten. Noch vor dem 31. März würde eine feste Grundlage für die Liquidierung der Wirtschaftskrise gefunden werden. Allmählich werde das allgemeine Gefühl des Mißtrauens und die Zurückhaltung in der Geschäftstätigkeit ver­schwinden. Die Preisdeflation der Privatwirtschaft scheine in Amerika, Deutschland und Italien schon zum Stillstand gekommen zu sein. England habe sich dieser Deflation durch Entwertung seiner Währung angepaßt. Auch Frankreich passe sich diesem Niveau mit Mühe an und so erkläre sich die Verschärfung der Not, die man in Frankreich gegenwärtig spüre.

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Oesterreich.

Nachdem das Kabinett Buresch zurückgetreten war, ist die Regierung neu gebildet worden. Der seitherige Außenminister Schober, in dessen Per­son der österreichischen Außenpolitik besondere Schwierigkeiten gegenüber Frankreich erwuchsen^ ist ausgeschieden.

Tschechoslowakei.

Durch die Zerstreuung der deutsch - sprachigen Katholiken über das ganze Staatsgebiet der Tsche­choslowakei ist es für sie nicht leicht, eine starke deutsch-katholische Presse zu schaffen. Es muß auf die örtlichen Sonderbedürfnisse zu vieler einzel­ner Gebiete Rücksicht genommen werden, wodurch die Entwicklungsmöglichkeit für mehr zentrali­sierte, größere Unternehmungen sehr gehemmt ist. Trotzdem erscheinen täglich zwei politische deutsche katholischen Zeitungen: die „Deutsche Presse" in Prag und „Das Volk" in Jägern darf (Schlesien). Dreimal wöchentlich erscheinen „Egerland" (Eger) und „Landbote" (Böhmisch- Krumau). Daneben erscheinen nrch sechs politische Zeitungen der deut­schen Katholiken mit zwei Ausgaben in der Wachs.

Frankreich.

Die Neuwahlen der Zweiten Kammer, die im Früher fällig wird, ist auf Ende Mai festgesetzt worden. Dieser späte Termin wurde mit Rück­sicht auf Deutschland genommen: Man will in Frankreich erst sehen, wie die Reichspräsidenten^ wählen und die preußischen Landtagswahlenaus­fallen. Im Falle der Zunahme der rechtsrad'.ka- len Stimmen (Nationalsozialisten!) hofft man dies bei der Wahlagitation ausnutzen zu können, um die französifck)en Wähler aufzupeitschen.

Rußland.

Am Weihnach^rtage funkte der russische Ge­werkschaftssender in deutscher Sprache eine ebenso geschmacklose wie taktlose antireligiöse Sendung über unsere Grenzen. Der äußeren Form nach handelte es sich dabei um eine Führung durch das Moskauer antireligiöse Museum, diese Sammlung von Abfallprodukten aus der Geschichte der ortho­doxen Kirche. Wir vermuten, daß selbst die deut­schen Kommunisten keine reine Freude an solchen Sendungen haben. Wenn auch der frühere Ansa­ger des Westdeutschen Senders heute der Organi­sator dieser russischen Funkstelle ist, so rechnen doch Programme, wie das vom Weihnachtsabend mit einem solchen Tiefstand weltanschaulicher Ausein­andersetzung, daß der deutsche Arbeiter, auch wenn er unser Gegner ist, sie als eine Beleidigung für sich betrachten sollte. Ueber solche Mätzchen sind wir doch hoffentlich hinaus! Bei der Verquickung amtlicher und privater Dinge in Rußland hat die ganze Angelegenheit aber auch noch eine politische Seite. Nach außen ist der russische Gewerkschasts- sender zwar eine private Einrichtung. Niemand