Sänger. Er berichtete über die Dereinstâtigkeit im ver-' stoffenen Jahre und gab einen Rückblick über die Geschichte des Vereins von der Gründung bis zur Gegenwart. Im letzten Jahre starb Tischlermeister Karl Wolff, der langjährige Vorsitzende des Vereins. Aus der Vereinsgeschichte ist hervorzuheben: Der Verein wurde 1888'gegründet, erster Vorsitzender war Amts- ricbter Ellering, erster Dirigent Seminaroberlehrer Agel in Heiligenstadt; 1895 erfolgte der Anschluß an den Diözesanverein. Unter den Dirigenten sind weiter zu nennen: Hauptlehrer Burchard, Kaplan Vocke, Lehrer Steinmetz. Um 1900 war Schulrat Heddergott in Hei- ligenstadt Musikalienverwalter. Die Mitgliederzahl beträgt gegenwärtig 66: 29 Damen, 37 Herren. Herr Stâdtdechant Buch dankte Sängerinnen und Sängern für ihre kirchliche Mitarbeit. Der Vorstand wurde in seiner Gesamtheit wiedergewählt: Der Dirigent sprach über sein künftiges Jahresprogramm. Der Anschluß an den Diözesanverein Fulda wurde gutgeheißen.
Worbis. Die Kreismittelschule beginnt ihr neues Schuljahr am 5. April. Für die Schüler die auf Gymnasium bezw. Realgymnasium übergehen wollen, ist eine Gymnasialabteilung eingerichtet, die dem Gymnasium in Duderstadt angeschlossen ist und bis zur Untersekunda führt. Für die übrigen Schüler ist verbindliches Unterrichtsfach Französisch, wozu auf Klasse III Englisch tritt. Der Unterricht ist vormittags. Die Aufnahme erfolgt am Dienstag, dem 5. April ds. Js., um 8 Uhr Anmeldungen nimmt entgegen Mittelschulrektor Frommhold. Der Vorsitzende des Kreisausschusses weist darauf hin, daß der für den Monat Januar ausgegebene Reichsbezugsscheine zum Bezüge von 2 Ztr. Kohle gilt, wodurch eine Verbilligung um 30 Pfg. je Zentner em- tritt. Der letzte Gültigkeitstag ist der 31. Januar. Der jetzt gültige Rsichsbezugsschein für Frischfleisch umfaßt die Zeit vom 11. Januar bis 6. Februar ds. Js.
Worbis. Im Jahre 1931 wurden hier 51 Kinder geboren, 26 Knaben und 25 Mädchen, darunter sind 12 ortsfremd; Eheschließungen fanden 10 statt; gestorben sind 52 Personen, 26 männliche und 26 weibliche darunter sind 27 ortsfremd. — Im Bezirk des Arbeitsamts Eichsfeld beträgt die Zahl der Arbeitslosen nach der neuesten Aufstellung des Landesarbeitsamtes 9005 Personen, 6965 männliche und 2040 weibliche.
Worbis. Ein dreister Einbruch erfolgte in das kath. Pfarrhaus. Die Diebe drangen vom Hofe her durch ein Fenster ein. Sie versuchten den Geldschrank, in dem sich die hl. Gefäße befanden, zu öffnen, was ihnen nicht gelang.
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Frankfurt a. M. Herr Oberstadtsekretär I. Noll, Schwanthalerstraße 27, geboren zu Mackenzell bei Hünfeld, begeht am 1. Februar d. J. sein 25jähriges Dienstjubiläum bei der hiesigen Stadtverwaltung. Herr Noll ist seit langen Jahren Mitglied des katholischen Kirchenvorstandes und Kassierer des Kirchenbauvereins sowie in vielen katholischen Vereinen und in der Zentrums- partei tätig. Durch seine Tätigkeit im Vincenzverein ist schon manche Not gelindert, sind viele Tränen getrocknet worden. Wir wünschen dem Jubilar für das Gute, welches er in unserer Diaspora schon geleistet hat, für die Zukunft Gottes reichsten Segen.
Duderstadt. Der um das ganze Eichsfeld hochverdiente Rektor Karl Wüstefeld, der durch seine Wirksamkeit als Heimatschriftsteller und seine Arbeit im heimatkundlichen Verein breitesten Kreisen bekannt wurde, feierte seinen 75. Geburtstag. Er war 32 Jahre lang Organist an der St. Cyriakuskirche und langjähriger Leiter der Duderstädter Volksschule. Wüstefeld veröffentlichte unter anderen: Geschichte des Kirchenliedes auf dem Eichsfelde, Aus der eichsfeldischen Heimat und drei Bände Eichsfelder Sagenschatz.
An der Moskerpforke.
Ueber die karitativen Riesenleistungen Mün- ihener Klöster und katholischer Anstalten macht der katholische Karitasverband der Erzdiözese München-Freising in der „Münchener katholischen Kirchenzeitung" für die Zeit vom 1. Oktober 1930 bis 30. September 1931 u. a. folgende Mitteilungen:
Das Kapuzinerkloster St. Anton gibt zur Zeit täglich an etwa 1500 bis 1600 Arme mehr als 5 Ztr. Brot ab. Außerdem werden täglich eine größere Anzahl Suppenportionen verabreicht sowie Studentenessen gewährt. Im genannten Berichtsjahr gab St. Anton ab: 1800 Zentner Brot rm Werte von 36 000 Mark, 2400 Studentenessen
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unS 29 200 Suppenportionen. Der Gesamtwert für die Leistungen darf auf 39 640 Mark veranschlagt werden.
An der Pforte von St. Bonifaz werden täglich drei Zentner Brot und mehr abgegeben. Dazu kommen jeden Tag eine stattliche Anzahl von Mittagessen (Suppe mit Fleisch und Gemüse) usw. Im Berichtsjahr gaben die Benediktiner an der Karlstraße ab: 758 Ztr. Brot, 1327 Essenporlionen für Studenten, 25 32> Mittagessen, rohes Gemüse aus dem Klostergarten im Werte von etwa 760 Mark, an Geldunterstützungen etwa 1200 Mk. (ohne Pfarrei) u. a. m. Gesamtwert etwa 24 000 Mark ohne Berücksichtigung der abgegebenen Kleider- und Wäschestücke.
Das Franziskanerkloster St. Anna am Lehel, das mit zu den am stärksten aufgesuchten Münchener Männerklöstern gehört, meldet die folgende Jahresleistung: 1500 Ztr. Brot, 1825 Studentenessen und 36 500 Suppenportionen im Gesamtwerl von 33 896 Mark.
Im Kapuzinerkloster S t. I o s e f an der Tengstraße wurden abgegeben: 416 Ztr. Brot, 2400 Studentenessen im Werte von je 60 Pfg., 9125 Mittagessen zu je 30 Pfg., zusammen 12 498 Mk.
Außerordentliches leisteten auch die Jesuiten b e i S t. M i ch a e l. Sie gaben im Berichtsjahr für nicht weniger als 34 800 Mark Lebensmittel ab. Das Ottilienk olleg an der Königinstraße wendete für Brot, Studentenessen und Volksspeisung über 3500 Mark auf.
Hinsichtlich des Aufwandes für Bedürftige steht das Mutterhaus der Armen Schulschwe - st e r n am Unteranger mit einem Iahresdetrag von 45 000 Mark an der Spitze aller Münâner Männer- und Frauenklöster Diese Dienerinnen Gottes, der Jugend und der Armen verabreichten u. a. 1200 Ztr. Brot im Werte von 24 000 Mark und 108 000 Essenportionen im Betrage von 21000 Mark.
Die Barmherzigen Schwestern an der Nußbaumstraße stellen sich nicht nur in den Dienst der Kranken, sondern auch in den Dienst der Bedürftigen. 800 Ztr. Brot, 200 000 Suppenportio- nèn (Gesamtwert 36 000 Mark) sind ihre Jahresleistung für arme Mitmenschen.
Das Kloster der Guten Hirtinnen an der Preysingstraße widmet sich vor allem der Kinderspeisung. 28 835 ganze Portionen im Werte von über 20 000 Mark, nahezu 5000 Essensportionen und über 3300 Suppenportionen (Gesamtwert 22 619 Mark) haben die „guten Hirtinnen" im Berichtsjahr abgegeben.
Zahlreiche andere katholische Anstalten können ebenfalls sehr ansehnliche Ziffern melden.
Als besonders segensreich wirkende katholische Einrichtungen dürfen ferner genannt werden: Die Mittelstandsküchen Emaus I, II, in (Juhreslei- stung zusammen 43 880 Mark).
Auch auf die kleineren Anstalten, Heime, Horte, Asyle, Krippen, die mit ihren karitativen Aufwendungen unter diesen Beträgen bleiben, sei ehrend hingewiesen.
Zu der Jahresleistung von rund 550 000 Mark kommen noch die gewaltigen Aufwendungen der Karitasausschüsse der Münchener Pfarrämter die sich allem auf 205 000 Mark beziffern. Der Vin- zenz-Zentralverein, wandte außerdem noch 25 836 Mark, die Männerkongregation Bürgersal 13 302 Mark, der Elisabethenverein 20 000 Mark für die Armen auf. Das ergibt für die Zeit vom 1. Oktober 1930 bis zum 30. September 1931 für München Stadt einen Gesamtaufwand von 814 022 Mk., der allerdings eher zu niedrig, als zu hoch ange- setzt ist.
Rechnet man hierzu noch die direkten Aufwenden der katholischen Einrichtung zugunsten der Armen in München-Land in Höhe von über 314 000 Mark, so kommt man zu einer freiwilligen „katholischen Karitashilfe" in der Erzdiözese München- Freising in Höhe von 1 128 092 Mark innerhalb eines Jahres?
Bedenkt man, daß hierbei nur die direkte Aufwendungen in Betracht kommt und daß hierbei nur jene Zahlen genannt sind, die dem Katholischen Karitasoerband gemeldet sind, bedenkt man ferner, daß diese Beträge vielfach von Leuten aufgebracht bzw gesammelt werden, die selbst nichts haben und daß in den letzten Wochen diese Leistungen wegen des zunehmenden Elends noch gesteigert wurden, so wird man gerechterweise zu- geben müssen, daß diese katholischen Einrichtungen
Nummer 5 / Sette 11.
und ihre Angehörigen und Helfer alles andere eher verdienen als geschmäht zu werden, wie das leider vielfach geschieht."
Gesühnt.
(Schluß.)
Dicht hinter dem Sarge ging ein Mann, ein kleines, etwa ivjähriges Mädchen an der Hand. Aber in (einen totbleichen, gramzerfurchten Zügen lag mehr als Schmerz Still und schweigend. die Lippen zmammen- geschloffen stierte er vor sich nieder auf den Boden und umschloß das zarte Händchen seines Kindes, das neugierig bald zu dem Vater, bald zu dem schwarzen Sarge emporbllckts.
Unterdessen hatte der Zug den Friedhof erreicht, und während der Sarg am Rande des Grabes stand, hielt der Geistliche eine lange Rede. Die Männer umstanden ihn mit entblößten Häuptern. Drunten im Tale rauschte der mächtige Strom vorüber und wälzte seine dunklen, gelben Wellen dem Meere zu. Ein sanfter Windstoß kam, fuhr durch die grimmen Baumkronen und bewegte das ßaub, daß es leise flüsterte. Aber das alles ging lautlos an dem Ohr des Mannes vorüber. Sein Blick haftete wohl an dem Sarg, der soeben die Leiche seines teuren Weibes ausgenommen hatte. Zwar wühlte in seinem Herzen der Schmerz und schlug ihm Wunden, die kein Frühling wieder heilen konnte. Sein Geist aber schweift weit über das blaue Meer, hinüber in ein fernes Land. —
Nacht war es dort. Tiefe, stille friedvolle Nacht. Nur der Mond stand hoch am Himmel und warf feinen bleichen Schein über die Bäume und Häuser des Dorfes. Aus der Wirtschaft klangen dumpfe, verworrene Schreie herüber. Es waren die Bauern, die ihre Wut im Schnaps erstickten. Weit draußen am Friedhof stand einer, der sich mit dunklen, verbrecherischen Plänen trug. Seine Augen schienen die Nacht durchdringen zu wollen. Unverwandt ruhten sie auf dem kleinen Wagen, aus dem ein schwacher Lichffchein drang. Erst als dieser erlosch, verließ der Mann seinen Standort, um seine Tat auszuführen. — „Halt!" donnerte plötzlich die Stimme des Priesters an fein Ohr, und mit dem Worte „Jesus" sank der Mann zerbrochen, zitternd in die Knie und barg das bleiche Antlitz in den sich krampfhaft krallenden Fingern.
„Halt ein, halt ein auf dem Weg der Sünde", fuhr der Redner fort. „Halt, da es noch Zeit ist, da die Posaune des Gerichtes noch nicht an dein Ohr dröhnt. Laßt uns alle Buße tun, wenn es noch nicht zu spät ist, damit der Tod nicht unerwartet an unsere Tür klopfe und die Pforten des Himmels uns verschlossen bleiben auf ewige, ewige Zeiten. Weiter schmetterte die Rede, aber der Mann am Grabe hörte und verstand kein Wort mehr. Vor seinem Ohre klang und dröhnte es und das Blut jagte in wilden, pochenden Schlägen durch die heißen Adern. „Gottes Gericht" klang es in seinem Innern. „Ja furchtbar bist Du o Herr in Deiner Rache", so hämmerte das Gewissen in einem fort. Ich habe den armen Waisen damals die Mutter genommen. Heute tust Du es meinem Kinde ebenso und zerschlägst mir mein ganzes, blühendes Lebensglück. Aber ich muß Dir die Ehre geben und bekennen: „Du bist gerecht." —
Die Grabrede war vorüber und der Sarg in die Gruft gesenkt. Jetzt rollte die schwarze, schwere Erde nieder, — Schaufel auf Schaufel folgte, und während die Totengräber ihr trauriges Amt vollendeten, verließen die Menschen den Friedhof.
Der Farmer ließ sich nicht unter den Leidtragenden blicken. Er hatte sein Kind auf den Knien und saß still und in sich gekehrt in seinem Arbeitszimmer. Es wurde Nacht draußen. Unten rauschten die Fluten des Parana, und der Abendwind wehte mit seiner Kühle durch das offene Fenst-?. Erst am nächsten Morgen fand die alte Wirtschafterin die beiden. Das Mädchen fiel in ein hitziges Fieber. Die Kleine hatte zu lange im Zug des offenen Eckfensters gelegen. Der Zustand verschlimmerte sich von Tag zu Tag und nach wenigen Wochen kamen die Nachbarn wieder zusammen, wie damals. Nur daß man heute einen Kindersarg zum Friedhof begleitete.
Der Talmüller war vollends zusammengebrochen. Er klagte nicht mehr über das harte Schicksal, sondern schlug voll Reue an seine Brust und stöhnte: „Ich hab's verdient". Die Nachbarn hatten anfangs gerechtes Mitleid mit dem Manne, der in kurzer Zeit sein Weib und Kind verloren hatte. Doch er wich ihren gutgemeinten Bemühungen aus. Hätten sie gewußt, wie einsam er sich fühlte und wie es in seiner Brust bohrte und nagte,