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Religiöses Wochenblatt

für die katholischen Gemeinden Kassels.

Erscheint jeden Sonntag und tostet monatltil) Ausyade A 40 IL-Pfenntg 8 43 1L* Pfennig Oufteägebübi epra) RedaktinnsschluhIRontag. Anzeigen« Preise: Lotonelzeil» w Anzeigenketl 0.16 ©olbmart Eoloaelzetl» «m ReklameteN 0,60 ©oibmart 'Bet Wiederholung-Rabatt Auskunst und Oss.-Ged 0,10 ©olbmartBorte epi* Anzeigen müssen spätestens bis Monroy morgens im Besitz der Fuldaer Aetlendruckeret t» Fulda lei*

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Wochenkarender»

Sonntag, 31. Januar. Sonntag Sexagefima. Pctrris Nolascus Bek.

Montag, 1. Februar. Ignatius, Bischof, Mart.

Dienstag, 2. Febr. Mariä Lichtmeß.

Mittwoch, 3. Febr. Blasius. Bischof, Mart.

Donnerstag, 4. Febr. Rabanus Maurus, Bischof, Bek.

Andreas Corsini, Bischof, Bek.

Freitag, 5. Febr. Agatha, Jgfr., Mart. Herz-Jefu- Freitag.

Samstag, 6. Febr. Titus, Bischof, Bek. Dorothea, Jgfr., Mart.

Sonntag Sexagesima.

Epistel. 2. Korinther 11,1912,9.

Lvangel. Lukas 8,415. Das Gleichnis vom Sämann.

In jener Zeit, als eine sehr große Volksmenge zu­sammenkam und Leute aus den Städten zu Jesus ström­ten, trug er folgendes Gleichnis vor:Ein Sämann ging aus, seinen Samen zu säen. Beim Säen fiel einiges an den Weg, wurde zertreten, und die Vögel des Himmels pickten es auf. Anderes fiel auf steinigen Grund. Es ging zwar auf, verdorrte aber, weil es keine Feuchtig­keit hatte. Wieder anderes fiel unter die Dornen, und die Dornen wuchsen mit auf und erstickten es. Anderes end­lich fiel auf gutes Erdreich, ging auf und trug hundert­fältige Frucht." Bei diesen Worten rief er aus:Wer Ohren hat zu hören, der höre!" Da fragten ihn feine Jünger, was dieses Gleichnis bedeute. Er antwortete ihnen:Euch ist es gegeben, die Geheimnisse des Rei­ches Gottes zu verstehen: den anderen werden sie nur in Gleichnissen dargeboten, damit sie sehen und doch nicht sehen, hören und doch nicht verstehen. Das Gleichnis be­deutet dies: Der Sams ist das Wort Gottes. Die am Wege sind jene, die das Wort zwar hören und mit Freuden aufnehmen. Doch sie haben keine Wurzel, eine Zeitlang glauben sie, aber zur Zeit der Versuchung fal­len sie ab. Was unter die Dornen fiel, sind jene, die das Wort zwar hören, aber dann in den Sorgen, Reich- tümern und Genüssen des Lebens aufgehen und es er­sticken und jo keine Frucht bringen. Was endlich auf gutes Erdreich fiel, sind jene, die das Wort hören, in einem guten und edlen Herzen bewahren und Frucht bringen mit Beharrlichkeit."

Terra sancta

ieh die Schuhe von deinen Füßen; denn der Ort, auf dem du stehst, ist Terra sancta"Heiliges Land". So sprach der Herr zu Moses, als dieser dem brennenden Dornbusch sich näherte.

Terra sancta", heiliges Land ist auch das Got­teshaus, in welchem der König Himmels und der ^l'de im Tabernakel wohnt, umgeben von Chören der Engel. Heiliges Land ist das Gotteshaus. in welchem jenes erhabene Opfer dargebracht wird, das Himmel und Erde versöhnt. Heiliges Land ist

das Gotteshaus, in welchem die Sakramente ge spendet werden, die vom Aussatz der Sünde reini­gen unb übernatürliäze Schönheit, überirdische Kraft und ewig seliges Leben verleihen. Heiliges Land, wo das Samenkorn des göttlichen Wortes in die Furchen der Seelen gestreut wird, damit es Früchte bringe in Beharrlichkeit.

Wenn also das Gotteshaus einheiliges ßonb" ist, müssen wir dann nicht dem Psalmisten Recht geben, der da sagt:

Deinem Hause, o Herr, ziemt Ehrfurcht

Arif ewige Zeiten"?

Der so lammgeduldige, so herzensgute Heiland hat eine auffallende Strenge unb Entschiedenheit an den Tag gelegt, als es sich darum handelte, dem Tempel des Alten Bundes den gehörigen Respekt zu verschaffen. Diesen denkwürdigen Vorgang be­richtet der hl. Evangelist Johannes mit folgenden Worten:

Ostern war nahe, und Jesus stieg zum Feste hinauf nach Jerusalem. 3m Tempel fand er Leute, die Ochsen, Schafe und Tauben verkauften; anch Geldwechsler, die da saßen. Da band er eine Gei fiel aus Stricken und trieb alle aus dem Tempel hinaus, sogar die Schase und die Ochien, Die Münzen der Wechsler verschüttete er und stieß ihre Tische um. Den Taubenhändlern sagte er: Rehm! das fort und macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Krämerbude." Seine Jünger gebuchten dabei des Schriftwortes:Der Eifer für dein haus verzehrt mich." Die Juden aber wandten sich an ihn und sagten: Was für ein Wunderlichen gibst du uns zum Beweise dafür, daß du das tun darfst?

3 es ns antwortete ihnen also: Brechet diesen Tem­pel ab. und in drei Tagen werde ich ihn wieder aufrichten. Da antworteten ihm die Juden: Sechs, undvierzig Jahre lang ist an diesem Tempel gebaut worden, unb bu willst ihn in drei Tagen wieder anfrichten? Jener redete aber vom Tempel seines Leibes. Als er daher von den Toten auferstanden war, erinnerten sich seine Jünger daran, daß er dies gesagt hatte. Sie glaubten der Schrift und dem Worte. das Jesus geredet hatte." (Joh. 2, 1323.)

Flammt nicht in dieser Erzählung der Eifer unseres Heilandes für die Ehre seines himmlischen Vaters und für die Heilighaltung des Tempels wie ein Meteor am nächtlichen Himmel? Bedenke, mein Christ, wie oft Jesus beschimpft und mißhan­delt mürbe, bedenke, wie ihn rohe Menschen einen Fresser und Säufer, einen Verführer und Gottes­lästerer nannten; bedenke, wie ihn Judas mit dem Verräterkuß entehrte, wie ihn ein Kriegsknech! ins Angesicht schlug, wie ihn die Fäuste römischer Soldaten o.npackten und umherzerrten, wie sie ihm unter Hohngelächter eine Dornenkrone aufs Haupt setzten. Und Jesus, unser Herr und Heiland? Ent­weder hat er auf all diese Beleidigungen nur eine sanfte Antwort gegeben oder er hat es vorgezogen,

gänzlich zu schweigen. Hier aber bei der Tempel- reinigung wurde Je'us selbst nicht im geringsten angegriffen ober beschimpft. Und dennoch hat er sich so sehr ereifert. Auch hat er sich keineswegs damit begnügt, die Schänder des Tempels zurecht­zuweisen oder ihnen eine Strafpredigt zu halten. Was hat er vielmehr getan? Eine Geißel hat er mit feinen göttlichen Händen verfertigt und ist zur Tat übergegangen, hat die Geißel niederfauien lassen über dem Rücken von Menschen und T.eren und nicht eher geruht, bis die ganze Gesellschaft den Bereich des Tempels verlassen hatte.

Ist das nicht für uns alle eine heilsame Lehre? Ist das nickt eine göttliche Unterweisung über die Heiligkeit des Gotteshauses? Wenn der Tempel zu Jerusalem heilig mar und ohne Strafe nicht ver­letzt werden durfte, ist dann der christliche Tempel, ist bann das katholische Gotteshaus in Stadt und Land nicht noch viel heiliger und ehrwürdiger? Aber, sagst du, man sieht ja nirgends in oder vor unsern Kirchen Ochsen ober Schafe zu Kaufe aus­gestellt und ebensowenig Banken oder Wecksel- stnben angebracht. Gewiß nicht. Wenn wir aber im Heiligtum der Kirche oder gar während des Gottesdienstes irdische Gedanken unterhalten, wenn mir über Gewinn und Verlust Nachdenken, wenn wir allzusehr mit unserer Not beschäf­tigt sind oder gar sündhaften, unsittlichen Gedan­ken nachhängen, wenn mir unsern Mund dort spa­zieren gehen lassen und mit dem Nachbar ungehö­rige Gespräche anbandeln oder herumgaffen wie auf einem Jahrmarkt ober sonst ein ungebührliches Betragen uns zu Schulden kommen lassen, haben wir dann nicht auch aus dem Hanse Gotteseine Krämerbude" gemacht, haben mir es nicht entehrt und entweiht?

Und doch hat von jeher der Teufel es barauf abgesehen, die Christen um die Früchte ihrer Frömmigkeit zu betrügen, indem er sie zu einem ungehörigen Betragen zu verleiten sucht. Darum finden wir schon bei den Kirchenvätern manche ge­harnischte Warnung. So lese ich z. B. in einer Predigt des hl. Kirchenlehrers Johannes Chryfo- ftomus folgende Rüge:

Die Frauen sollen in der Kirche schweigen, lehrt der hl. Paulus. Heutzutage aber gibt es auf der Frauenseite viel Lärm, viel Geschnatter, viel Gewisper, nirgendwo so viel wie da. Alle haben etwas zu schwätzen wie auf dem Markt und in den Badestuben. Gerade als wären sie eigens hsr- gekommen, um recht ungeniert zu fein, so sind sie im eifrigsten Gespräch über die unbedeutendsten Dinge. Und doch ist es die Ansicht des Apostels, die Frauen sollten nicht bloß nicht über weltliche, sondern nicht einmal über geistliche Dinge spre­chen." Wenn nun dieser große, strenge Pred-aer eine solche Schweigsamkeit und eine solche Ehr­furcht von den grauen verlangt, welche Ehrfurcht geziemt dann erst den Männern. welche doch die