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die die beiden Führer zu ihrer Haltung bestimmt haben. Ihre Schreiben zeigen deutlich, daß fi° Brüning einen Erfolg der Aktion, die er eingelei tet hatte, nicht gönnen, und daß sie es verhindern wollten, daß Brünings Stellung durch einen sol­chen Erfolg gefestigt werden könne.

Vertrauere zur Führung!

„Wir müssen wie ein 2Rann hinter der Regierung stehen".

Geheimrat Louis Hagen, der am Dienstag wie­der zum Vorsitzenden der Kölner Industrie- und Handelskammer gewählt wurde, hielt nach der Wahl eine politisch bemerkenswerte Ansprache. Die gegenwärtige Lage, so führte er aus, macht es un­möglich, irgendeinen Ausblick auf das neue Jahr zu geben. Jetzt stehen wir an einer Wende, wo es heißt: Entweder — oder! Denn so kann es weder in Deutschland noch auch in der ganzen Welt wei­tergehen. Wenn ich unter solchen Umständen ver­suche, Ihnen einen Lichtblick zu zeigen, so kann ich nur darauf hinweisen, daß endlich in der gan­zen Welt die Erkenntnis sich Bahn bricht, daß Deutschland nicht in der Lage ist, weitere Repara­tionen zu zahlen. Das ist das Ergebnis der letzten Tage, das ist das Urteil, das sich heute alle ver­nünftigen Menschen gebildet haben. Zu dieser Er­kenntnis hätte man schon längst kommen müssen, aber man hat sich gegen sie verschlossen.

Wir müssen wie ein Mann hinter der Regie­rung stehen, die den Mut gefunden hat, zu erklä­ren,' daß Deutschland nicht zahlen kann - n* nicht zahlen wird, weil es nicht kann. Es fehlt nicht an gutem Willen. Ich wage zu behaupten, baj em Mann wie Brüning unser volles Vertrauen ver­dient, und wage ferner zu behaupten, daß wir stolz darauf sein dürfen, daß Deutschland einen Reichspräsidenten hat wie Herrn von Hindenburg (Lebhafter Beifall). Es ist ein Schandfleck der Weltgeschichte, daß man Deutschland, an dessen Spitze so ausgezeichnete Männer stehen, ins Ver­derben treiben läßt, wie es von Menschen geschieht, die das Wohl und Wehe der Welt vollkommen mißachten.

Heute kann ich keinem andern Wunsch Ausdruck geben, als daß es der umsichtigen Regierung, die unser volles Vertrauen hat, gelingen möge, unsere früheren Gegner davon zu überzeugen, daß eine weitere Belastung der deutschen Wirtschaft nicht nur das Deutsche Reich, sondern mit ihm auch ganz Europa zugrunde richten wird. Um das zu verhüten, müssen wir wie ein Mann hinter der Regierung stehen.

Das sagt ein Bauernführer!

Wir lesen im „Badischen Beobachter" (Nr. 323 v. 24. 11.) ein Bekenntnis, das für alle kath. Landwirte große Bedeutung hat:

In der Baar fanden in der letzten Zeit 50 Ver­sammlungen der Zentrumspartei statt, die durchweg einen glänzenden Verlauf nahmen. In der Ver­sammlung in Unadingen trat nach einem ausge­zeichneten Referat der bisherige Landesvorsitzende der Badischen Bauernpartei, Bürgermeister Kai­ser, von Behla auf und gab folgende Erklärung ab:

„Es werden manche überrascht sei, daß ich heute als Redner der Zentrumspartei auftrete. Vor 10 Jahren kam eine starke Bewegung der Bauern, es war ein Zusammenschluß,« um die Fesseln der Zwangswirtschaft eher lösen zu können Auch ich bin mit Begeisterung eingetreten und glaubte, der Landwirtschaft damit dienen zu können. Ich fand mich an der Spitze der Bewegung, die im Land­bund dann in der Badischen Bauernpartei den Kampf geführt hat. Diese Bewegung ist ausge­gangen. Die zwei protestantischen Abgeordneten Schmidt-Bretten und Hagin sind zu den National­sozialisten, der einzige katholische Abgeordnete Hil­bert ist zur Zentrumspartei übergetreten, auch ich habe mich zur Zentrumspartei gemeldet. Mit dieser Tatsache hat die Badische Bauernpartei auf­gehört zu existieren.

Ich hatte mir fest vorgenommen, daheim in der Familie und in der Gemeinde zu wirken und zu arbeiten; wenn es nun anders gekommen, dann war die furchtbar ernste Zeit für mich bestimmend, jetzt hinauszutreten, um frei und offen mein Be­kenntnis abzulegen gerade vor meinen Berufs­kollegen, die mir bisher ihr Vertrauen schenkten.

Ich habe in den zehn Jahren die Erkenntnis ge­wonnen, daß die landwirtschaftlichen Interessen am besten bei der Zenlrumspartei gewahrt wurden, verderblich aber sind gerade für die Landwirtschaft die radikalen Methoden und Ziele der Rational- sozialisien, vor denen ich in aller Öffentlichkeit als einer ungeheuren Gefahr die warnende Stimme erheben will, weil ich dies klar eingesehen habe. Wir katholischen Oberländer mußten den Gegen­satz vom Unterland stark fühlen und mußten die politischen Ziele, die Männer, wie Hugenberg, uns ausdrängen wollte, entschieden ablehnen. Durch solche falsche Führung mußte naturgemäß der Land- bund wieder eingehen. Man gab uns vor, die Landwirlschaft zu schützen und suchte mit uns Hu­genberg-Politik zu machen.

Das weitere entscheidende Moment, daß ich zur Zentrumspartei übertrat, war die Einsicht, daß in der Zenlrumspartei am besten und sichersten ge­schützt sind: Religion, Moral, Sittlichkeit; wir sind es aber schuldig, unseren Kindern diese Güter zu erhalten und mitzugeben ins Leben. Ich komme mir Heuke vor wie einer, der zehn Jahre in der Fremde war und sehr viel gelernt, heimgekehrt ist in die Heimat — zur Zentrumspartei, der ich in der Jugend schon angehört habe. Ich warne meine Berufskollegen vor dem Rationalsozialis- mus, denn viele radikalisierte Anhänger werden, weil die großen Versprechungen nicht gehalten werden können, zu den Kommunisten übergehen, und damit wird der Kulkur-Volschewismus gestärkt. Darum bleibt für uns nur die eine Partei, die uns richtig führt, die Deutsche Zentrumspartei."

Mit großer Begeisterung wurde das klare mu= tige Bekenntnis ausgenommen. Ein ehemaliger Landbündler meinte, es waren Enteneier, die uns der Landbund unterlegte, man sah es gleich — wie die Ausgebrüteten zu schwimmen begannen. So wie die Hähner hat man uns Bauern genarrt. Darum mußte das Ende des Landbundes kommen

Im Fuldaer Land, in dem die Bauern mit ganz wenigen — übrigens bei Kenntnis der Eigen­art der betreffenden Persönlichkeiten leicht verständ­lichen Ausnahmen dem Zentrum treu geblieben sind, obgleich auch bei uns gar manche Versuchun­gen in den Zeiten des Kampfes um die Beseiti­gung der Zwangswirtschaft an sie herantraten, wird man die Worte des Badischen Bauernführers mit Interesse kennen lernen. Sie werden jedem denkenden Bauern auch heute ein neuer Antrieb sein, der alten Fahne die Treue zu hallen. So dumm wie andere Landbewohner, die durch ihre eigene Stimme Leuten zur Macht verhelfen wollen, die nach den bolschewistischen Rezepten vom Box­heimer Hof zu regieren gedenken, sind die Fuldaer Bauer — Gott sei Dank — nicht. „Nur die aller­größten Kälber, wählen ihre Metzger selber."

Kleine polit. Hadtifditen

Vorskandssihung der Zenlrumspaciei. Am 14. Ja­nuar fand in Berlin unter der Leitung des Vorsitzenden der Deutschen Zentrumspartei, Prälat Kaas, eine ein­gehende Besprechung der in Berlin anwesenden Mitglie­der des geschäftsführenden Vorstandes der Deutschen Zen- trumspartei der Vorstände der Fraktionen des Reichs­tags und des Landtages statt. Es ergab sich eine völlig einheitliche Beurteilung der politischen Lage und der Auf­gaben der Zenttumspartei.

Der frühere Zenlrumsabgeordneke Rientimp in Dort­mund, der wegen Bestechung angeklagt und in erster In­stanz verurteilt worden war, wurde von dem Berufungs­gericht freigesprochen.

Aeberführung der Leiche des Abg. Herold. Am Donnerstagmorgen wurde die in Amelsbüren vor etwa Jahresfrist beigesetzte Leiche des Zentrumsführers Herold in die Familiengruft in der Nähe des Wohnsitzes des Verstorbenen, Loevelincloe, überführt. Der Ueberfüh- rung vorauf ging ein Jahrgedächtnis, an dem neben den Angehörigen auch der Oberpräsident von Westfalen, Gronowski, der Regierungspräsident Amelunxen, Land­rat Dr. Stiff, der Vorsitzende der Westfälischen Zen­trumspartei, Fabrikant Raestrup, Vertreter der Land­wirtschaft sowie eine Reihe von Abasordneken des Reichstages und des Preußischen Landtags teilnahmen.

Randsiedlung. Nach den bisherigen Arbeiten des Reichskommissars für vorstädtische Randsiedlung kann damit gerechnet werden, daß die Arbeit an rund 20 0O0 Kleinsiedlerstellen ausgenommen wird. Falls die finanzielle Lage es noch irgendwie zuläßt, wird alsdann im April die Durchführung eines zweiten Schubs in Höhe von etwa 30 000 Kleinsiedlerstellen er­folgen, so daß insgesamt innerhalb weniger Monate

50 000 Kleinsiedlerstellen geschaffen werden können. Da­neben hat die Förderung der Kleingärten sehr erheblich zugenommen.

Reue Münzen. Das Reichsfinanzministerium hat den Auftrag zur Herstellung der neuen 4-Pf.-Stücke an die sechs staatlichen Münzen erteilt. Die neue Münze kommt voraussichtlich bereits Anfang Februar m den Verkehr. Ihr Entwurf stammt von dem Graphiker Tobias Schwarz. Sie wird aus einer Legierung von 95 Tei­len Kupfer, vier Teilen Zinn und einem Teil Zink be­stehen. Der Durchmesser wird 24 Millimeter und das Gewicht für Gramm betragen.

Die schwebende Schuld. Nach einer Mitteilung des Reichsfinanzministeriums betrug die schwebende Schuld des Deutschen Reiches am 31. Dezember 1912,6 Mill. Mk. Von dieser Summe entfielen 1092,1 Mill. Mk auf Zahlungsverpflichtungen aus der Begebung unverzins­licher Schatzanweisungen und 400 Mill. Mk. auf umlau­fende Reichswechsel.

Die Wahlen zum Preußischen Landtag werden vor­aussichtlich am 8. Mai durchgeführt werden. Am glei­chen Tage werden auch die Landtagswahlen in Württem- berg und in Anhalt stattfinden. Nach einer von'der preußischen Regierung im vorigen Jahr erlassenen Not­verordnung wird ein Landtagsmandat auf 60 000 Stim­men (statt wie bisher auf 40 000) entfallen. Die Zahl der Abgeordneten wird also in Zukunft wesentlich kleiner sein.

Wichtig für Mieter. Der preußische Minister für Volkswohlfahrt hat die Anordnung getroffen, daß An­träge an das Mieteinigungsamt zur endgültigen Fest­stellung der Miethöhe spätestens am 25. Januar 1932 gestellt werden müssen. Wird die Frist versäumt, so bleibt es bei der vom Vermieter angegebenen Miet­ermäßigung.

Auf gewisse nationalsozialistische Skandalblätter wird jeder mit Fingern weisen, wenn er die Ausführungen liest, die der Staatsanwalt in Ratibor dieser Tage in einem Presseprozeß machte. Er erklärte: „Die Verhand­lungen haben gezeigt, daß es der Skandalpresse nicht darum geht, in sachlicher oder berechtigter firitit angeb­liche Mißstände zu geißeln, sondern nur darum. Skandal- geschichten zu bringen. In den allermeisten Fällen werde aus einer Mücke ein Elefant gemacht. Ferner werden Angriffe übelster und gehässigster Art gegen Persönlich­keiten, die im öffentlichen Leben stehen, erhoben, so daß jede staatliche Autorität untergraben werde. Mißliebige Privatpersonen, insbesondere Geschäftsleute, werden durch Namensnennung bloßgestellt und in ihrem Kredit ge­schädigt. Das sei besoirders in der heutigen schweren Wirtschaftslage aufs schärfste zu verurteilen. Das Ma­terial bezieht diese Wochenpresse meist von fragwürdigen Personen oder von solchen, die sich an ihrem Gegner rächen wollen. Sie kenne in ihrer Maßlosigkeit und Rachsucht keine Grenzen, den andern durch Behauptung meist unwahrer Tatsachen zu schaden. Wie vieles von solchen Mitteilungen abgestrichen werden muß, wissen diese Redakteure sehr wohl, aber sie scheuen sich nicht, sie trotzdem zu verwerten und noch in maßloser Ueber­treibung Dinge hinzuzusetzen, die nur im Reiche der Phantasie liegen. Jede im öffentlichen Leben stehende Person muß gewärtig sein, daß sich diese Presse ihrer be­mächtigt."

Aufsehenerregende Vorgänge beim Potsdamer Kre­matorium. Aus Grund einer Anzeige des bisherigen Verbrennungsmeisters Schmidt beschäftigte sich die Krimi­nalpolizei mit einem aufsehenerregenden Vorkommnis am Potsdamer Krematorium. Nach Angaben des Derbren- nungsmeisters, die von der Telegraphen-Union mitge­teilt werden, müssen die Leichen wegen der unzweckmäßi­gen Bauart des Verbrennungsofens während der Ver­brennung mit einem eisernen Haken gewendet werden. Die Verbrennung dauert außerdem bis zu vier Stunden. Dennoch wird keine vollkommene Verbrennung erzielt, so daß die Knochen mit einer Eisenstange durch den Rost nach außen gestoßen werden müssen. Die Knochen sollen dann auf unwürdige Weise bestattet worden sein. Sie sollen zum Teil in Oeffnungen des Ofens hineingeworfen worden sein und dort noch liegen. Zum Teil seien die

Kath. Lyzeum Pensionat Engelsburg der Schwestern der christlichen Schulen Kassel, Ständeplatz 16

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