Religiöses Wochenblatt
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Sonntag, 24. Januar 1932
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Wochenkalender.
Könn tag, 24. Ian. Septuagesima. Timotheus, Apostslfchüler, Mart.
Montag, 25. Ian. Pauli Bekehrung.
Dienstag, 26. Ian. Polykarp, Apostelschüler, Mart
Mittwoch, 27. Ian. Iohannes Chrysostomus, Bisch, Kirchenlehrer.
Donnerstag, 28. Ian. Agnes, Jgfr., Mart., (2. Festfeier).
Freitag, 29. Ian. Franz von Sales, Bischof, Kirchenlehrer.
Samstag, 30. Ian. Martina, Jgfr., Mart.
NB. Am 2 5. Januar schließt d ie Weltgebetsoktav um Wiedervereinigung im Glauben.
Sonntag Septuagesima.
Epistel. 1. Korinther 9, 24—10, 5.
Evangelium. Matthäus 20, 1—16. Das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg.
In jener Zeit trug Jesus seinen Jüngern folgendes Gleichnis vor: „Das Himmelreich gleicht einem Hausvater, der frühmorgens ausging, um Arbeiter für feinen Weinberg zu dingen. Er einigte sich mit den Arbeitern auf einen Tagelohn von einem Denar und schickte sie in seinen Weinberg. Um die dritte Stunde ging er wieder aus, sah andere müßig auf dem Markte stehen und sagte zu ihnen: „Geht auch ihr in meinen Weinberg; ich will euch geben, was recht ist." Um die sechste und neunte Stunde ging er abermals aus. und machte es ebenso. Als er um die elfte Stunde ausging, fand er wieder andere dastehen. Er fragte sie: „Was steht ihr hier den ganzen Tag müßig?" Sie antworteten: „Es hat uns niemand gedungen." Er erwiderte ihnen: „Geht auch ihr in meinen Meinberg". Als es Abend geworden war, sagte der Herr des Weinbergs zu seinem Verwalter: „Rufe die Arbeiter und zahle ihnen den Lohn aus, von dem letzten angefangen bis zu den ersten." Es kamen nun die, welche um die elfte Stunde gekommen waren, nud empfingen je einen Denar. Als aber die ersten kamen, glaubten sie mehr zu erhalten; aber auch sie empfingen je einen Denar. Da sie ihn empfingen, murrten sie wieder den Hausvater und sagten: „Die Letzten da haben nur eine ein= 3<ge Stunde gearbeitet, und du hast sie uns gleichgestellt, uns, die wir die Last und Hitze des Tages getragen haben." „Freund", erwiderte er einem von ihnen, „Ick) tue dir nicht unrecht. Bist du nicht auf einen Denar mit mir einig geworden? Nimm also, was dein ist, und geh! Ich will aber diesein letzten ebensoviel geben wie dir. Oder darf ich nicht tun, was ich will? Ist dein Auge neidisch, weil ich gut bin?" „So werden die Letzten die Ersten und die Ersten die Letzten sein. Denn viele sind berufen, wenige aber auserwählt."
Der göttliche Weinstock.
eht in meinen Weinberg. Diesen Auftrag hören wir heute an Septuagesima aus dem Mund des Himmlischen Hausvaters. Nun ist Christus selber „.„.. zugleich der göttliche Winzer und der göttliche Weinstock. Ist er nicht bei der Hochzeit
zu Kana ein lebendiger Weinstock gewesen, der ohne Reben und ohne Kultur durch ein Wort seiner Allmacht Wein hervorgebracht hat gleich einem fruchtstrotzenden Weinstock, dessen Trauben man abschneidet und auspreßt? Mit diesem Wunder von Kana wollen wir uns heute beschäftigen. Treuherzig berichtet der hl. Evangelist Johannes folgendes:
„Zu Kana in Galiläa wurde eine Hochzeit gehalten, und die Mutter Jesu war dort. Aber auch Jesus wurde mit seinen Jüngern zur Hochzeit eingeladen. Da nun der Wein ausging, sagt Jesu Mutter zu ihm: sie haben keinen Wein. Jesus antwortet ihr; Frau, was habe ich mit dir zu tun? Meine Stunde ist noch nicht gekommen. Seine Mutter sagt den Dienern: was er euch sagt, das tut. Es waren aber dort 6 steinerne Wafferkrüge aufgestellt. wie es den Reinheitsgebräuchen der Juden entsprach, die je zwei bis drei Maß faßten. Jesus sagt ihnen: füllet diese Krüge mit Wasser. Sie füllten sie bis zum Rande. Dann sagt er zu ihnen: Schöpfet nun und bringet es dem Speisemeister. Sie brachten es. Wie aber der Speisemeisier das Wasser kostete, das zu Wien geworden war, — er wukte nicht, woher es war, die Diener, die das Wasser geschöpft hatten, wußten es — ruft er den Bräutigam heraus und sagt ihm: Jedermann stellt zuerst den anten Wein auf, und erst, wenn die Gäste trunken geworden, den geringen. Du hast den guten bis jetzt aufgehoben. Diesen Anfang der Wunder machte Jesus zu Kana in Galiäa. Er offenbarte so seine Herrlichkeit, und seine Jünger glaubten (noch mehr) an ihn." —
Ein Schwarm von Fragen bestürmt unsere Seele, wenn wir diese Geschichte aufmerksam erwägen. Warum erscheint der Heiland bei einer Hochzeit, die nur eine weltliche Angelegenheit zu sein scheint? Warum macht der Heiland aus Wasser Wein, den so viele zur Trunkenheit mißbrauchen? Warum bedient sich der Heiland so schroffer Worte seiner Mutter gegenüber, die er doch ehren will?
Was zunächst die Hochzeit angeht, so wärest du mit deiner Auffassung gänzlich auf dem Holzweg, wolltest du sie zu einer rein weltlichen Angelegenheit degradieren. Oder meinst du, daß die Eheleute ganz nach Willkür ihren Bund schließen dürfen, oder daß der Staat darin das entscheidende Wort zu sprechen hat? O nein. Die Ehe ist vielmehr eine göttliche Einrichtung. Denn als Mann und Frau schuf Gott das erste Menschenpaar, und er segnete sie und sprach: „Wachset und mehret euch und erfüllet die Erde." Nachkommenschaft ist also der erste, der ausgesprochene, der Hauptzweck der ehelichen Verbindung nach Gottes Willen. Absichtliche, gewollte, systematische Kinderlosigkeit oder Einschränkung des Nachwuchses trotz Inanspruchnahme her ehelichen Rechte, wäre mithin ein Faustschlag gegen Gottes Willen, eine Revolution
( gegen des Schöpfers weise Vorsehung, eine Ver- - gewaltigung der Natur, eine fortdauernde Sünde, die keine Rosen hervorzaubert, vielmehr das Gewissen belastet, die Gesundheit verwüstet, der Hölle reiche Beute zuführt. Deshalb also ist der Heiland bei der Hochzeit erschienen, um für die Heiligkeit der Ehe in ihrem Abschluß und ihrem Verlauf Zeugnis abzulegen. Groß ist dieses Sakrament, sagt der Völkerapostel mit Bezug auf die Ehe, groß durch ihre göttliche Einsetzung, groß durch ihren Segen, wenn sie von den Eheleuten gewissenhaft verwaltet wird. Gebt uns gute Ehen, gebt uns gute Familien, und der Neubau der menschlichen Gesellschaft ist vollendet.
Aber hat nicht Christus Wasser in Wein verwandelt und dadurch dem Trinken Vorschub geleistet? Das erste gebe ich freudig zu, während ich das zweite ebenso entschieden zurückweise. Gewiß hat Christus Wasser zu Wein gemacht. Aber zu welchem Zweck? Um ein Wunder zu wirken, um seine Allmacht ins Licht zu rücken, um den Brautleuten und Gästen eine Freude zu machen. Gleichzeitig hat er zum voraus eine Irrlehre zermalmt, die von den Manichäern aufgestellt wurde und heute von radikalen Abstinenten wieder aufgewärmt wird, als wäre der Wein vom Teufel erschaffen und der Genuß des Weines an sich eine Sünde. So gut wie Wasser und Milch und alle andern Nahrungsmittel vom allweisen Schöpfer geschaffen sind, ebenso gut auch der Wein. Erlaubt ist also der Gebrauch des Weines, so weit er den Grenzen der Müßigkeit entspricht. Verboten ist aber und sündhaft und verhängnisvoll für Zeit und Ewigkeit jede Rnmäßigkeit, vor der ja unser Heiland selbst am eindringlichsten gewarnt hat mit den Worten: „Hütet euch vor Fraß und Vö"erei; denn ihr wißt nicht den Tag und nicht die Stunde." Jedem sei darum im Gebrauch des Weines Freiheit gegeben. Wer sich aus Gründen der Hygiene, der Religion, der christlichen Nächstenliebe grundsätzlich enthält, wie das die Abstinenten tun, verdient keineswegs Spott oder Hohn, vielmehr Anerkennung, Hochachtung und Lob. Wer aber aus Gründen der Gesundheit, Geselligkeit oder Erholung vom Weine Gebrauch machen will, verdient ebenso wenig Tadel. Müßigkeit und Vorsicht ist aber jedem dringend zu empfehlen, weil bei der Schwäche der menschlichen Natur so leicht eine Entgleisung vorkommt und weil man gegen jede Unmäßigkeit kämpfen soll bis aufs Blut.
Was sollen wir aber sagen zu der „schroffen Behandlung" der lieben Gottesmutter? Antwort, daß diese „Schroffheit" nur in unsrer Einbildung besteht. Das Wort „Frau", das Christus seiner Mutter gegenüber gebraucht, hat nichts entehrendes. Absichtlich hat er sie aber nicht „Mutter" genannt, weil seine „Stunde" noch nicht gekommen war, die Stunde des Leidens, wo er für seine Mutter so rührend sorgen wird. Jetzt aber, wo