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Mr wollen uns doch mal die Sache überlegen. Wenn es dahin kommt, wohin uns diese Herren haben wollen, dann ist keiner mehr da, der uns auch noch den geringen Preis für das Schwein oder die Kuh im Stall zahlen kann oder wird, den wir jetzt bekommen. Vielleicht geht es dann so, wie es im Krieg im Feindesland von den feindlichen Heeren gemacht wurde. Dann wird uns das Vieh aus dem Stall genommen, und wir wissen nicht, wohin es kommt, und bezahlt wird es nicht. Ich will keinen Teufel an die Wand malen. Ich bin nicht ängstlich. Ich war 1918 nicht ängstlich und bin auch 1932 nicht ängstlich. Aber es muß doch einmal an dieser Stelle gesagt werden, welche Gefahren diese radi­kalen sogenannten Führer der Landwirtschaft herauf­beschwören.

Meine poltt. Usekrkiklen

Dr. heß wieder erkrankt. Der Führer der Zentrums- fraktion des Preußischen Landtages, Abg. Dr. Heß, hoffte bekanntlich zum 19. Januar die Führung der Frak­tion in vollem Umfange wieder aufnehmen zu können. Inzwischen hat ihn ein neues Mißgeschick betroffen. Am Neujahrstage mußte er sich mit einer Grippe zu Bett legen, die sich zu einer Lungen- und Rippenfellentzün­dung mit außerordentlich quälenden Atembeschwerden entwickelt hat. Aerztlicherseits wird versichert, daß die Krankheit bis jetzt einen durchaus normalen Verlauf ge­nommen habe.

Anhalt hat mit der kath. Kirche einen Staatskirchen­vertrag geschloffen. Am 4. Jan. weilten der Berliner Nuntius Orsenigo und der anhaltische Staatsminister Dr. Weber in Paderborn, wo der Vertrag unterzeichnet wurde.

Briefe 12 pf.» Postkarten 6 Pf. Die Postgebühren­senkung für Briefe, Postkarten und Pakete tritt mit dem 15. Januar in Kraft.

Nach 6 Tagen und 6 Nächten lebendig geborgen. Vorige Woche ereignete sich auf der Karstengrube bei Beuthen (Oberschlesien) ein Gebirgsschlag, durch den 14 Bergleute verschüttet wurden. Trotz größter Lebensge­fahr gingen die Rettungskolonnen an die Arbeit. Da es infolge Nachbröckelns äußerst erschwert war, vorwärts zu kommen, war schließlich jeder überzeugt, daß die Ver­schütteten nicht mehr lebendig geborgen werden konnten. Welche Freude darum, als am Sonntag plötzlich der Bohrer auf leeren Raum stieß und Klopfzeichen von innen zeigten, daß noch lebende Menschen in dem Stol­len waren. Und tatsächlich konnten 7 Bergleute, aller­dings total erschöpft, lebendig herausgeholt werden. Wer beschreibt das Glück der Frauen und Kinder, die wider alles Erwarten ihre Gatten und Väter sich wieder ge­schenkt sahen. Leider ist das Schicksal der 7 anderen Verunglückten noch nicht geklärt, ja man muß auf das Bestimmteste damit rechnen, daß sie nicht mehr gerettet werden können.

Hitler und das Zentrum im Urteil des Auslandes.

>Jn der liberalen „Züricher Zeitung" vom 4. Januar fin­den wir folgendes Urteil über die Festigkeit des Zentrums und der Bayer. Volkspartei: „Da die kleinen bürger­lichen Parteien, die im Reich dem Nationalsozialismus in die Arme laufen, in Bayern bereits dezimiert find, so können die Gewinne, die Hitler in Bayern noch erzielen könnte, nur unbedeutend sein ... Gleich dem Zen­trum im Reich darf die Bayerische Volkspartei mit der Behauptung ihrer Position rechnen, und die baye­rische Sozialdemokratie ist gegenüber ihren Brüdern im Reich in der angenehmen Lage, angesichts der völligen Unbedeutendheit des Kommunismus im Land keine Stimmen nach links hin abgeben zu müssen." Der Ver­fasser ist daher überzeugt, „ba§ Bayern den Höhepunkt der Hitlerbewegung schon erreicht hat, daß ihre werbende Kraft sich nicht mehr steigern läßt, ja gewisse Erscheinun­gen deuten sogar darauf hin, daß der Rückschlag bereits eingesetzt hat, während im übrigen Deutschland ängst­liche Gemüter in begreiflichem Fatalismus an die unbe­grenzte Ausdehnungsmöglichkeit des Nationalsozialismus glauben." Diese Prognose dürfte stimmen. Im Westen wie im Süden Deutschlands findet der Fatalismus, von dem der Gewährsmann des schweizerischen Blattes spricht, in der Tat keinen Boden. Hier sind Widerstandskräfte lebendig, die Herr Hitler trotz aller berechnenden Sieges­zuversicht kaum selbst unterschätzt.

Die Opfer der Beamten. In dem Baseler Bericht des Sonderausschusses heißt es in dem Kapitel über die Lage der öftentlichen Etats in Deutschland und die zu ihrer Ba­lancierung ergriffenen Sondermaßnahmen: „Durchgrei­fende Einsparungen wurden bei den Reichsausgaben vor- genommen; die Gehälter aller öffentlichen Beamten und Angestellten wurden in den letzten 18 Monaten durch wiederholte Herabsetzungen um mehr als 20 v. H. gekürzt, so daß die Gehälter jetzt niedri­

ger sind als zu Anfang 19 27* — Ein Interna­tionales Gremium von Wirtschafts-Sachverständigen hat also in bemerkenswerter Weise die Riesenopfer fest­gestellt, die im Laufe der letzten eineinhalb Jahre allein von der deutschen Beamtenschaft verlangt worden sind. Diesem Bericht können wir ergänzend noch die Ausfüh­rungen des Reichsfinanzministers Dr. Dietrich am 11. Dezember vor dem Haushaltsausschuß des Reichstages hinzufügen. Dr. Dietrich führte u. a. aus, daß in den unteren Besoldungsgruppen der Beamte im Ver- gleich zu 1913 nur noch den Kinderznschlag mehr als früher beziehe trotz der wesentlich teurer gewordenen Le­benshaltung. Bei den mittleren Besoldungsruppen ist das Durchschnittseinkommen gegen 1913 auf 96 v. h. und bei den höheren Besoldungsgruppen auf 88 v. H. gesun- ken.

5 666 000 Arbeitslose. Wie die Reichsanstalt für 2lr= beitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung mitteilt, betrug die Zahl der Arbeitslosen am 31. Dezember 1931 rund 5 666 000. Das bedeutet eine Zunahme von etwa 316 000 gegenüber dem 15. Dezember.

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Schweiz.

Der Weihbischof und Koadjutor des Bischofs von Chur, Mfgr. Dr. G i s l e r, ist gestorben. An sei­ner Beisetzung nahmen der päpstl. Nuntius in Genf, Erzbischof di Maria, sowie die Bischöfe von Chur, Basel, Lugano, St. Gallen sowie der Administrator von Feldkirch-Innsbruck teil Weihbischof Gisler war erst vor 2 Jahren dem hochbetagten Bischof von Chur, Dr. Schmid v. Grüneck, als Koadjutor mit dem Rechte der Nach­folge zur Seite gestellt worden.

Frankreich.

Immer mehr zeigt sich, daß die Weltwirtschasts- krisis auch an Frankreich nicht vorübergeht. Meh­rere Bankkrachs waren schon ein deutliches Sig­nal. Jetzt ist das größte industrielle Werk Frank­reichs, die Firma Gillet in Lyon, zahlungsun­fähig geworden. Freilich wird in Frankreich kein großer Lärm darob erhoben, wie bei uns, wo jeder Krach in Zeitungen und Versammlungen hinausposaunt wird, so daß die Sache dadurch noch viel schlimmer wird, vor allem in ihrer mo­ralischen Auswirkung.

Frankreich.

Der französtsche Kriegsminister Maginot ist gestorben. Ob eine größere Umbildung des fran­zösischen Kabinetts stattfindet, ist noch nicht geklärt.

Spanien.

In ganz Spanien häufen sich die Zusammen­stöße mit der Polizei. In Jerez (Provinz Valen­cia) bedrohten Landarbeiter einen Gutsbesitzer. Herbeigerufene Polizeitruppen, die von den Land­arbeitern tätlich angegriffen wurden, verteidigten sich mit der Schußwaffe. Dabei wurden zwei Landarbeiter getötet und zwölf zum Teil schwer verletzt. — In Daimiel kam es zwischen Arbeitern und Arbeitgebern zu Streitigkeiten, in deren Ver­lauf zwei Personen verwundet wurden. — Der Oberkommandierende der Guardia Civil (Gendar­men) hielt bei der Beerdigung der vor vier Tagen gelynchten vier- Polizisten eine Ansprache. Er er­klärte, er habe seit den Kämpfen mit den Rifkaby- len keine in derart bestialischer Weise verstümmel­ten Leichen gesehen, und forderte strengste Maß­nahmen zum Schutz der Polizei. Jedenfalls wirkt sich der sozialistisch-bolschewistische Geist in Spa­nien, der seit der Revolution dort herrscht, sehr verhängnisvoll aus. — Demgegenüber regen sich die gläubigen Katholiken täglich stärker. Mehr und mehr dringt die katholische Volksaktion vor. Es ist das ein Zusammenschluß katholischer Kräfte auf volksparteilichem sozialem Boden, ähnlich dem Zen­trum. In seinen Reihen mm wird eine außeror­dentlich rührige Tätigkeit entfaltet. Beweis dafür ist u. a. die glänzend besuchte Propagandatagung in Pons. Vor mehreren tausend Teilnehmern be­handelten züngige Redner die brennenden Fragen der katholischen Spanier. M. Baquer geißelte die geplante Einführung der Zivilehe und die Eheschei­dung, und wandte sich besonders scharf gegen den katalanischen radikalen Abgeordneten, der in den Cortes nicht einmal mit der Ehescheidung zufrie­den war, sondern offen die freie Liebe verteidigte.

Hummer 3 / Seife 7

Ein weiterer Redner behandelte das Postulat der sogenannten „Einheitsschule" und erklärte, die Zin- Heitsschule, die man völlig zu Unrecht Laienschule, laisierte Scbule bezeichnete, solle in Wirklichkeit Sektiererschule heißen. Denn das sei ihr wahrer Charakter und nichts anderes. Auch die Auswei­sung des Jesuitenordens war Gegenstand lebhafter Erörterungen und insbesondere wurde auf die klaf­fende Ungerechtigkeit hingewiesen, daß man ver­diente spanische Bürger einfach deswegen des Lan­des verweisen wolle, weil sie dem Papste Gehor­sam geloben, indes man Kommunisten oder Bolsche­wisten oder wie sie heißen, die dem Programm des Umsturzes Treue geschworen haben, ungescho­ren nach Spanien kommen und hier wirken lasse. Als schreiende Ungerechtigkeit geifelte P. Font die Streichung des Kultusbudgets, womit der Staat sich nunmehr weigert, für die seinerzeit von der Kirche gestohlenen Besitztümer sage und schreibe pro Einwohner Spaniens jährlich einen halben Pesetas Zins zu zahlen. Die begeistert verlaufene Tagung wird auch in anderen Städten ihre Fort­setzung finden, bis die gesamte Bevölkerung aufge« weckt sein wird. — Um die Friedhöfe dreht sich im­mer wieder derKampf bald da, bald dort. Neuestens ist es der Gemeinderat von Bisbal, der die Lai­sierung des Friedhofes beschlossen hat. Er will dem Beispiel des Gemeinderates von Barcelona folgen, und die Mauer niederlegen, die bisher den ka­tholischen von dem weltlichen Friedhofsteile trennte. Alles soll ausgeglichen werden. Die katholische Minderheit gab in der entscheidenden Sitzung ihren Protest ab und erklärte, sie wolle keinen Anteil haben an dieser erbärmlichen Verletzung von Treu und Glauben und der Tradition ihrer Vorfahren.

Schweden.

Die katholische Kirche in Schweden, die in dem be­kannten deutschen Bischof Dr. Johannis Erik M ü l- l e r einen tatkräftigen Führer besitzt, konnte im Jahre 1931 gute Fortschritte verzeichnen In Stockholm ließen sich die Schulschwestern von München nieder, die die ka­tholische Volksschule St. Erik auf Söder übernehmen soll­ten. Zur Einführung der Schwestern waren die Gene­raloberin und der Superior des Mutterhauses, Prälat Gerg, in Stockholm erschienen. Die Station Hälsingborg erhielt am 1. Dezember eine kleine Schwesternniederlas- sung. Es sind die Dienerinnen Mariä vom Mutterhaus Pleszew in Polen, die bereits in Oskarström ambulante Krankenpflege ausüben und eine Kommunikantenanstalt unterhalten. Die Dominikanerinnen vom 3. Orden aus dem Mutterhaus Pensier in Freiburg-Schweiz eröffneten in Stockholm ein Heim für alleinstehende berufliche Mäd­chen und Frauen. Ein Dominikaner auj der Pariser Provinz ist ihr Spiritual und zugleich Seelsorger der französischen Kolonie. Kurz vor Weihnachten schickte Kardinal Hlond einen polnischen Priester für die katho­lischen Polen in Slldschweden. Zu diesem Zwecke wurde Pfingsten in Bromölla eine provisorische Kapelle einge­richtet, wo österreichische Redemptoristen von Dänemark aushalfen. Die größte Sorge des Bischofs bildet der dringend notwendige Kirchenbau in Gotenburg, der zweit­größten Stadt Schwedens. Diese bedeutende Hafenstadt zählt eine beträchtliche Zahl Katholiken, die sich mit einer vor 40 Jahren gebauten ärmlichen kleinen Kirche behelfen müssen. Für diesen Kirchenbau vertraut der Bischof aus die auch in schwerer Zeit unversiegbare Opferkrast der deutschen Katholiken.

Palästina.

Nach der Volkszählung vom 18. November 1931 hat Palästina 1035154 Einwohner. Jerusalem zählt 90 526, Bethlehem 6 827, Nazareth 8 690 Be­wohner.

Indien.

Gandhi, der Führer der indischen Unabhängig­keitsbewegung, ist bei seiner Rückkehr aus London verhaftet worden. England hat umfassende Vor­kehrungen getroffen, um die weitere Entwicklung der drohenden Losreißung Indiens zu verhindern.