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Alle fordern heute Glauben. Jeder für fein Pro-' gramm, sein System. Eine neue Gläubigkeit ist 'auferstanden. Wir haben weniger gegen einen seichten Aufkläricht zu kämpfen. Glaubensfronten stehen sich gegenüber wie einst in der Reforma- ironsteit Darum wohl auch die furchtbare Lei­denschaft des Kampfes. Wenn wir uns nicht gläu­big einseben, dann seht sich eben die andere Gläu­bigkeit durch: jene, die Europa im Völkerhaß zer­fleischen wird, oder jene grauenvolle des bolsche­wistischen Ostens, oder auch jene fremde, fast un­widerstehliche Gläubigkeit des Mannes, der iw vergangenen Jahre mit weißem Gewand in Lon­dons Konferenzsälen weilte und mit den Tugen­den des indischen Geistes, mit Mäßigung und Selbstlosigkeit, wie sie für uns der Hl. Vater 'or­dert, den europäischen Ungeist in einer seiner stol­zesten Bastionen, im englischen Weltreich, zu über­winden droht.

Noch eins. Pius Xi. ließ das Herrenwort an­klingen: Sucht zuerst das Reich Gottes, alles an­dere wird euch hirrzugegeben werden. Unsere Darfahren richteten Hungerkreuze auf, wenn die Not zum Rande stieg. Die Israeliten sprachen: Wir wollen unser Haupt zu den Bergen heben, von wannen uns die Hilfe kommt. Und wir? Wir schreien nach dem Staat, nach der Fürsorge, noch den anderen. Allzu viel vergessen wir, daß neben und über aller staatlichen und privaten Für­sorge ein fürsorgender, obsorgender, vorsorgender Vatergott im Himmel lebt. Der Vorsehungs- glaube ist die innere Reserve eines siegreichen Kampfes gegen die Not. Dann schwindet auch die Sinnlosigkeit. Vielleicht hat die Arbeitslosigkeit jenen furchtbaren, aber heilenden Sinn, daß uns der Götze, den wir Menschenalter hindurch aus Arbeit und Erwerb gemacht haben, elend zertrüm­mert am Boden liegt Vielleicht auch führt Gott die Völker, die durch die Zivilisation in Verweich­lichung gerieten, von den Fleischtöpfen Aegyptens, wie einst die Israeliten, weg in die Wüste und in das Land der Einfachheit und der Lebensnotwen­digkeiten. Das Elisabethjahr 1931 sagt uns sogar noch mehr, daß nämlich die Armull, von der Welt am meisten gehaßt, im Gottesreich eine höhere Stufe ist. Gewiß, das mögen nur wenige erfas­sen. Für uns alle ist aber maßgebend der Vor­sehungsglaube, selbst und vor allem dann, wenn wir nicht mehr weiterwissen. Wie es in einem al­ten Bauernspruch heißt nach Beendigung der Saat- zett: Der Mensch hört auf und Gott fängt an.

«Gutheit ist Dummheit.-

Bon Elsbeth Düker.

Auf der Straße kann man auch Sprichwörter hören. Das erfuhr ich dieser Tage, als mich die redselige Nachbarin in einem Gespräche festzuhal- ten suchte, was lang zu werden drohte. „Wie man's macht, so ist es falsch", hatte sie gerade ihr tapferes Vorgehen ersteren wollen; und ich redete ihr zu ohne Menschenfurcht dos zu tun, was ihr Gewissen von ihr fordere. Doch dann setzte jetzt wieder ein Wortschwall ein, dem ich, mich verab­schiedend, nur noch das obige Sprichwort entnahm. So rief ich ihr noch eben nach: „Es kommt alles darauf an. wie man es auffatzt."

„Gutheit ist Dummheit." Sollte es doch ein Körnchen Wahrheit enthalten? — Wenn ich gedul­dig bin. nachgiebig und verträglich, kurz, alle bk passiven Tugenden übe, die im Leben viel weniger hervortreten als die aktiven, wenn ich gern von dem Meinigen abgebe — sollte all das Dummheit bedeuten? Nein, gewiß nicht! Es ist im Gegentest Weisheit ein Zeichen, daß ich nicht der natürliche Mensch bin, der sich auslebt, der Egoist, sondern der gläubige Christ, welcher in der Nachfolge Christi sein Glück schon hier auf Erden sucht und begründet. Wenn dieses Sprichwort nicht ebenso verlogen wäre wie das berüchtigte „Einmal ist keinmal' dann wären die lieben Heiligen die al­lergrößten Dummköpfe gewesen: denn sie strebten Tag für Tag nach dieser Dummheit. Und sie wuß­ten, was sie taten, wenn sie „Wohltaten spendend durchs Leben gingen". Waren sie nid# Millionäre, die austeilten von jener „Gutheit", welche das Sprichwort „Dummheit" nennt? —

Waren die Heiligen nicht schon hier auf Erden glücklich? Ja, sie machten den Anfang schon hje- nieden mit dem ewigen Glücklichsein, indem sie immer den Willen Gottes taten, immer die For­

derung der Stunde erfüllten, hinhorchten nach Jesu Wünschen. „Was willst du, das ich tun soll, o Herr?" Ihr Wunschtraum lag immer im Ewi­gen gebettet. „Gutsein ist Dunimheit"? Dann wäre ja unser guter Meister, die ewige Weisheit selbst — dumm gewesen! Und seine grenzenlose Gutheit hätte ins Narrenhaus gehört. Wir sind seine Jünger, die mit kleinen Kinderschritten ihm Nachfolgen! Deshalb oft und ernstlich fragen: „Wem gilt mein Tun, des Herzens eifrig Stre­ben?" Und wir wollen trotz aller verlogenen Sprichwörter täglich und entschieden zu uns selbst sagen: „Ein Narr bin ich, wenn heilig nicht mein Leben!"

Schicksaisahnen?

Der Zug rast durch die kahle, farblose Gegend. Ein scharfer, kalter Wind streicht durch alle Fu­gen. Mich fröstelt. Ich schlage den Kragen meines Mantels hoch. Dabei fällt mein Blick auf den blei­chen jungen Mann mir gegenüber. Es ist mein Bruder Georg, das Abbild meines früh verstorbe­nen Vaters. Erschrocken zucke ich zusammen. Seine Augen sind seltsam nach draußen gerichtet. Ich habe schon oft in diese Augen geschaut und mein doch nicht, welche Farbe sie haben. Sie sind nicht braun, nicht blau, nicht grau und auch nicht schwarz, vielleicht ist es ein Gemisch von allen Farben 311= sammen. Aber so, wie sie heute sind, habe ich sie nur zweimal in meinem Leben gesehen. Ein un­heimliches, geisterhaftes Flackern und ein eigen­artiger Glanz ist in ihnen. Damals, das erste Mal hatte er meine Hände ergriffen.

„Marianne, ich habe ein solch banges Gefühl, als ob — als wenn Mutter — heute sterben müßte —"

Ich lachte ihn aus. Mutter, die noch so gesund war wie wir auch. Da sah ich seine Augen. Sie schienen in eine unsichtbare Ferne gerichtet zu sein. Am späten Nachmittag erlitt Mutter einen Schlag­anfall. Abends war sie tot.

Dann sah ich diese unheimlichen, seltsamen Au­gen zum zweiten Mal. „Marianne, wir werden unser Vermögen verlieren!" Auch dieses Mal lachte ich ihn aus.

Am anderen Tage verloren wir durch den Zu­sammenbruch einer Bank unser kleines, dort in Wertpapieren angelegtes Vermögen.

Noch immer sèhe ich meinen Bruder an. Seine langen, weißen Finger zucken nervös. Unruhe, Angst erfassen mich. Ich werde aufgeregt. Das Flackern und der Glanz seiner Augen werden grö­ßer. Ich kann mich nicht mehr bezwingen. Weit beuge ich mich vor, flüstere leise: „Was siehst du wieder, Georg?"

Sein« Augen werden starrer. Durchdringend sieht er mich an. „Was willst du von mir?"

Ich fasse seine kalten, feuchten Hände. Ich fühle, daß sie zittern. Abwechselnd weâe ich heiß und kalt.

„Ich habe dich zweimal ausgelacht, Georg. Heute glaube ich dir. Sag mir, was du siehst", bat ich leise.

„Bis jetzt habe ich dir alles ungefragt gefaat, und wenn ich das nicht tue, sollst du mich nicht fragen."

Ich muß mich zufrieden geben. Ziefer verberge ich mich in meinen Mantelkragen. Mein Herz klopft bis zum Hals.

Gleichmäßig stößt der Zug gegen die Schienen. Der Wind heult und pfeift. Mir gegenüber die seltsamen Augen. Aus irgendeiner Ecke strömt starkes Parfüm. Schwer legt es sich um meinen Kopf. Da — ein Krach — ein Bersten — ein Splittern —. Ein Körper fliegt gegen den meinen Schreien und Kreischen. An irgendeinem Etwas versuchte ich mich zu halten. Es gibt dem Druck meiner Hände nach. Ich stürze, ringe nach Luft. Schwer liegt es wie eine gewaltige Last auf mei­nem Körper. Ich kann nichts sehen, nichts unter­scheiden. Es ist dunkel um mich herum. Nur durch einen kleinen Schlitz sehe ich wie einen schma­len, hellen Silberstreifen das Tageslicht. Dann verschwindet auch das. Ich kann nicht mehr den­ken, nicht mehr fühlen. Ein grauer Schleier legt füh vor meine Augen.

Plötzlich erwache ich. Mein erster Gedanke ist bei meinem Bruder Georg. Ich muß mich aus meiner schrecklichen Lage befreien, um ihn zu ret­ten. Den rechten Arm kann ich nicht gebrauchen.

Denkt an die hungernden Bögel! Sorgt für die Futterplätze!

Er scheint gebrochen zu sein. Nach einiger Zeit habe td) mit dem linken Arm das Gerümpel von meinem Körper entfernt. Mit etwas Kraftanstrengung kann ich mich aus dem Schutt von Holz, Eisen und Glas herausarbeiten. Ich stehe wie eine dem Un­tergang entkommene Statue zwischen Ruinen. Männer in grauer Kleidung, mit weißer Binde und rotem Kreuz stürzen auf mich zu. Sie scheinen mich etwas zu fragen. Ich verstehe aber nichts davon. Meine Beine zittern. Ich drohe zu stür­zen. Sie sehen es und stützen mich. Halb ohn­mächtig weise ich auf di« Trümmer. „Darunter liegt einer. Mein Bruder. Rettet ihn!"--— Nach kurzer Zeit verlasse ich das Krankenhaus. Mein erster Weg führt mich zum Friedhof. Still trete ich an ein einfaches Grab. Da ruht mein Bruder Georg. Hanna Führer.

Reichsgottesarbett.

Jeder von uns hat die Aufgabe, so viele aus dem ungöttlichen Strom der Zeit herauszuziehen, wie er nur eben erreichen kann. Es geht um jede Seele und auch über einen Sünder, den einen Gottfremden, Enttäuschten, Gleichgültigen, Abae- fallsnen. Entfremdeten „herrscht Freude im Him­mel". Es gibt für uns keine Feinde, es gibt mr uns nur Sehende oder Blinde, Hörende oder Taube, im Hafen Gottes Geborgene ober fern von Gott mit den Wogen Kämpfende. Uns ist auch der, der uns Steine nachwirft, ein Bruder, der der Erlösung und der besseren Erkenntnis be­darf. Für uns ist der Entfremdet«, ber Li­berale", der Soza, der Nazi, der Moskowit ein Mensch, nach dem Gott sich sehnt — und wir sind Gottes Boten an ihn. Und sitzt irgendwo ein Saulus und verfolgt die Kirche und samme't triumphierend die Kleider, die man uns vom Leibe reißt, so ist unsere wichtigste Aufgabe, üjn auf den Weg nach Damaskus zu locken. Wir sind nicht dazu da, um ein geknicktes Rohr vollends zu brechen, sondern um jeden Faden und jede Fa­ser zu schützen, die noch hält. Nicht die Ver­bindung mit ihnen suchen, ist unsere Losung. Nicht wer den weitesten Slbftanb hält, sondern wer den weitesten Abstand überbrückt, tut Reichgottes­arbeit. Emil Fiedler.

Weiht Du das schon?

Wer heute eine Zeitung zur Hand nimmt und die Prozeßberichte darin, liest, tut gut daran, sich vorher zu wappnen gegen die Versuchung dev Menschenverachtung! Derart sind die „Charaktere", die hier enthüllt werden. Da tritt in dem famosen Sklarekprozetz neben Kommunalbeamten auch der Redakteur Degener von der kommunistischen „Ro­ten Fahne" in das Licht der Oefsentllchkeit. Diesem Proletarierführer, dessen Lieblingsphrase die des „darbenden hungernden Proletariates" ist, der den Haß predigt gegen die Besitzenden, die vom Schweiß der Armen prassen, wirft die Anklage­schrift vor, daß er einen iujuriöfen Lebenswandel führe, z. B. Zigarren nur zu einer Mark geraucht, sich eine Wohnungseinrichtung von 27 000 Mark gekauft habe und, wie er selbst bekannt, im Devisen­handel gute Geschäfte gemacht hat! Man hetzt die armen Proletarier gegen die Reichen, und wenn man die Feder, mit der man die Brandartikel ge­schrieben, eingelegt hat, dann beeilt man sich, das alles bei den Reichen mitzumachen. Das heißt man „Charakter"!

(M. Gladbacher Kath. Kirchenblatt vom 6. Dez.)

Gesundheitspflege im Januar.

Schnee und Eis geben im Januar jung und alt erwünschte Gelegenheit, die Freuden des Winters auszukosten. Eine lustige Schneeballschlacht un­serer Kinder, eine Wanderung durch die leuchtende Schneelandschaft, ein Stündchen Schlittschuhlaufen auf dem Eise, eine Fahrt im Rodelschlitten oder, wo geeignetes Gelände ist, eine Skitour, alles dies ist nicht nur erfreulich, sondern auch der Gesund­heit förderlich in jedem Betracht. Allein damit sich Freude und Nutzen nicht in Leid und Schaden ver­wandeln, gilt es ein wenig fürsorgliche Vorsicht walten zu lassen.

Wer empfindliche Augen hat, setze bei länge­rem Wandern durch den sonnenbeglänzten Schnee eine Schutzbrille auf, um einer oft säMerzhasten Augenentzündung wirksam vorzubeugen. Die ultravioletten Strahlen der Sonne, dieselben, die