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zu erflehen und dann sich rin Helm zu schaffen und miteinander und für einander zu leben. Klein wollten sie anfangen und nach gutem Brauch ihrer Väter ihren Kindern eine Heimat schaffen, in vie­ler Müh und Arbeit. Und jetzt sind alle Pläne zerschlagen. Er hat keine Arbeit mehr. Bis wann bekommt er wieder? Und kann man dann die Gründung eines eigenen Haushaltes verant­worten . . . ? Wie lange behält er dann Arbeit und Verdienst? Da wird die Treue auf manche harte Probe gestellt und die Geduld dazu. Auch die Braut des Erwerbslosen sieht manchen schönen Traum zerrinnen und die Liebe mag manchmal leiden unter den hoffnungslosen Aussichten.

Und doch möchten sie einmal zehn, fünfzehn Jahre zurückdenken. Damals wartete eine Million deutscher Mädchen umsonst auf das Glück. Der Bräutigam, der junge kriegsgetraute Gatte zog ins Feld Und blieb tot draußen liegen.O wie liegt fo weit, o wie liegt so weit. was dereinst mein eigen war!"

Eine Million deutscher Mädchen und junger Frauen sah den Erwählten ihres Herzens niemals wieder. Zerriß ihn eine Granate? Verhauchte er fein junges Leben in den schrecklichen Nebeln gif­tiger Gase? Manche Photographie wurde mit Herzblut geweiht. Denkt daran, wenn die Ungeduld zu groß werden will! Ihr wartet, aber in der Hornung auf bessere Zeit!

Vielleicht mag es nichts schaden, auf folgendes hinruweisen: Bei der Arbeiterbevölkerung werden zum Teil Bekanntschaften und Ehen recht früh ge­schlossen. Bräute unter 20 und Männer kaum über 20 waren mancherorts keine Seltenheit. Das war nicht gut. Man hat früher später, meist erst zwi­schen 25 und 30 geheiratet und hat noch lange ge­nug Freud und Leid des Ehestandes getragen. Wenn das Heiratsalter etwas hinauf gerückt wird, ist das kein Schaden, sondern ein Segen für die betretenden Eheleute selbst und das ganze Volk

Eine Bitte! 3m Namen der Mütter!

Die Unterstützungssätze der Erwerbslosen rei­chen im allgemeinen, wenigstens in ländlichen Ver­hol nissen und bei guter Haushaltungsführung so­weit, um den Hunger abzuwehren. Furchtbar schwer aber hält es, Kleider, Schuhe und Wäsche an 'uf gaffen. Und doch zerreißen die Kinder so­viel. Welche Mutter will sich mit ihren Kindern schämen? Aber es ist ihr fast unmöglich, ihre Klei­dung auf die Dauer in Ordnung zu hasten und zu ergänzen. Wenn die Mutter Geschick und Ver­ständnis im Nähen hat, wenn sie gerne flickt und stopft, dann kann sie sich ja in manchem helfen. Werden nur alle Mädchen in chrer Jugend sich barvm kümmern!

Unsere Bitte geht nun dahin, daß man den Mutern bei längerer Erwerbslosigkeit gerade in der Kleidung für die Kinder zu Hilfe kommen sollte. Wo Geschwister und Verwandte sich gut verstehen, wird ja viel geschehen können. In je­dem Kleiderschrank hängt das oder jenes entbehr- licke Stück. Falscher Stolz wird sich vielleicht ge­gen solche Hilfe wehren; aber man soll daran den­ken. daß jedes heute in die Lage kommen kann, fremde Hilfe annehmen zu müssen. Eine rechte Frau wird ohnehin den rechten Weg finden, um Gaben zu bringen, die nicht verletzen, sondern trö­sten. Liebe hat gar zarte Finger!

Etwas vom Lhr'stkind und katholischer Jugend.

Eine wahre Begebenheit: In einem Industrie- ort war auch bei der kinderreichen Familie W. bi" Arbeitslosigkeit als böser Gast ins Haus gekom­men. Den Mann drückte es furchtbar nieder. Er verlor bei Männern nicht selten allen Mut. Zum erstenmal Weihnachten, ohne daß er feinen Kindern e^was kaufen kann. Hart traf es auch die Mutter, obwohl sie nicht so schnell den Mut ver­lor. Aber sie sah umsomehr die Not. Dem einen fehlte ein Schürzchen, dem andern ein Kleidchen, dort eine Mütze, Handschuhe . . . Früher hatte das alles auf Weihnachten das Christkind ge­bracht. Und dieses Jahr . . . ? Es floß manche heimliche Träne.

Zwei Tage vor dem Fest. Der Briefbote kommt. Ein Vaket' Wer soll uns ein Paket schicken? Ihr seid falsch am Platz!Doch e s stimmt. Die Adresse ist ganz genau." Na ja, in Gottes Namen denn. Kann mir aber nicht denken, wer. . ."

Die Mutter schickt in einer plötzlichen Einge­bung die Kinder weg. Mit zitternden Händen hat

8er Mann inzwischen geöffne?. Das Paket enthält wundernette Kleidchen, Schürzchen, Wäsche. Und darauf liegt ein Zettel:Ein lieber Gruß vom Christkindchen." Weiter nichts.

Der arbeitslose Mann steht eine Zeitlang ohne Worte. Und dann erschüttert plötzlich ein Schluch­zen seinen starken Körper. Er weint, wie nur ein Mann in den tiefsten Stunden seines Lebens weinen kann . . . Wer war der Absender? Eine reiche Familie, eine einsame Frau oder ein paar brave Mädchen aus der Pfarrei, oder ein Herr, der auf Weihnachten jemand froh machen wollte? Es gibt noch gute Menschen!

*

Von einer Gruppe junger Männer weiß ich, daß sie auf Weihnachtsabend zwei und zwei sich heimlich auf den Weg machten. Im Rucksack meh­rere Pakete. Wie sie die zusammengebracht haben, ist ein Geheimnis geblieben. Aber sie dachten dem Christkind und seinen Armen eine Freude zu ma­chen Und so erschienen sie denn in den arman Stuben. Wurden erstaunt angesehen, wenn sie mit der Tür in das Haus fielen und sich im frem­den Haus kaum zurechtfanden. Was die wohl woll­ten? Flugblätter? Aufforderung von der Gewerk­schaft oder der Partei? Haussammlung? Da kom­men sie gerade recht - .

Nein, die katholischen Iungmänner haben an­deres vor. Ein Paket erscheint auf dem Tisch. Dazu ein gutes christliches Wort. Ohne Frömmelei, aber ehrlich und gut gemeint. Noch einige gute Schriften dazu. Der arbeitslose Mann drückt ihnen die Hand. Namen werden keine genannt Das Christkindchen hat sie geschenkt, sonst wären sie nicht da. Sie sehen in tränenfeuchte Augen Nach einem freundlichen Gruß verschwinden die Iung­männer. Draußen auf der Straße wischen sie sich selbst die Augen. Ist es der kalte Wind oder Rüh­rung . . . oder Mitleid . . . oder Glück, jemand geholfen zu haben?

Liebe weiß ja viele Wege zu den Herzen. Dop­pelt schön, wenn junge Menschen diese Liebe Christi in die kalten Stuben tragen. Denkt jetzt schon daran!

Laßt uns der Welt wieder die Liebe bringen, die Liebe Christi, des Armen von Nazareth!

1932! ver^limmerm» oder Besserung?

Von Dr. W. Reinermann.

Ob dieses Jahr die Wende in der Not bringt? Das ist die einzige Frage, die wir als Erben des größten Krieges aller Zeiten, umdroht von b?n einstürzenden Wänden des einst jo stolzen Gebäu­des der Weltwirtschaft, an das neue Jahr stellen. ; Diese Frage mag kleinherzig und irdisch erschei- ; nen, wo doch eine Jahreswende uns an jenes ! Band gemahnen soll das die Zeit an die Ewig­keit knüpft. Aber wir können nicht anders. Und es ist unsere Pflicht auch unsere religiöse Pflicht ' alles zu tun, um den Hunger ganzer Völker ; und der Millionenmassen der Arbeitslosen zu stil­len.

Massennot macht hilflos und kopflos. Auf den Krücken der sozialen Wirrnis geht manche Irr­lehre heute durch die Menschenwelt. Fast jeder­mann erhofft die Besserung von einer Aenderung der äußeren Verhältnisse, von einer Wandlung des Systems. Da ist die Jahreswende ein stiller Ruf an uns, den tieferen Wurzeln der Not nachzu­gehen und daraus die eigentlichen, durchgreifen­den Heilkräfte zu erkennen.

Was viele auch unter den Christen quält, das ist die Sinnlosigkeit der Not. Arbeitskraft, Ar­beitswille, Arbeitsfreude, aber keine Arbeitsplätze! Die Speicher der Welt strotzen von Wirtschasts- gütern, und dennoch müssen wir hungern vor ge­füllten Tellern. Man greift zum Verzweiflungs­mittel und vernichtet die Fruchtfülle der Erde. Zu einem Weltverhängnis ist es geworden, daß die Erde mehr hervorbringt, als eine vielfach zerstörte Kaufkraft aufzunehmen vermag. In ihrer Be­drängnis vermehren die Staaten die babylonische Sprachverwirrung und sperren sich wirtschaftlich gegeneinander ab. Größte Geldinstitute sah das vergangene Jahr zusammenbrechen. Selbst das angestaunte Dollarland, der große Kriegsgewinn­ler Amerika, ist ins goldene Schlepptau geraten, und der französische Goldkeller knechtet heute fast

die ganze Welt. Wahrlich, die Zügel sind ent« glitten, das Werk wurde Herr über den Meister, die Wirtschaft über den Menschen.

Was ist zu tun? Wirtschaftskonferenzen Same- rungsaktionen, Stitthaltekoniortien, Sparscheren? Gewiß, alles das ist unerläßlich und blutnotwen­dig, aber helfen äußere und technische Maßnahmen allein? Oder ein neues System, eine neue natio­nale Binnenwirtschaft, ein Fünfjahresplan? Ach, auch die beste Planwirtschaft und die beste Kredit­regulierung werden das Mißverhältnis zwischen lebensnotwendiger Erzeugung und profitmäßiger Bedarfszüchtung vorläufig nicht beheben. Häuser» bauen ist fraglos viel wichtiger und beschäftiat un­gleich viel mehr Menschen als Filme herstellen. Letzteres gilt aber als bedeutend rentabler also fließt das Gold dorthin! Eine Kreditregulierung des Weltmarktes nach sozialen und sittlichen Ge­sichtspunkten ist uns nicht gegeben. Ein Fünf- jahresplan für die ganze Welt etwa, aufgezogen nach dem Gesichtspunkte der lebensnotwendigen Bedarfsdeckung, ist ein schöner Traum. Ueber» Haupt, tut es der Rechenstift allein? Kann er uns aus dem Todeszirkel noch herausbringen? Muß nicht etwas Stärkeres hinzukommen, wie zu jeder Zeit? Etwas, was Gewalt bekommt über das Mißtrauen und den Egoismus der Klassen und Völker? Man spürt es, selbst bei den Radi­kalen. oder gerade bei ihnen, daß nur ein neuer Geist uns aus dem Todeszirkel herausbringt. Selbst die Menschen der Gewalt machen eine An­leihe beim Geiste und wollen erst einen neuen Menschen, einen neuen Kern, eine neue Elite bil­den, die dann der Träger einer neuen Ordnung sein soll. Die große Erkenntnis bricht wieder durch, daß der Mensch die Geschichte gestaltet und nicht der Zwang der Verhältnisse. Die geistige Wand­lung ist der Hebel der wirtschaftlichen Besserung. Das ist auch der Grundgedanke der großen sostä- len Enzyklika Papst Pius' XI., des wichtigsten ge­sellschaftlichen Ereignisses des dahingesunkenen Jahres. Vor aller Zuständereform steht die Ge- finnungsreform, lautet das schlickte Programm­wort des Papstes.Wollt ihr eine bessere Zukunft, dann müßt ihr sie euch erziehen" (Adolf Kolving).

Daß nur eine andere Gesinnung, ein anderer Wirtschaftsgeist, der sich nicht mehr an der Profit­rate und Kon^ernquote orientiert, uns helfen kön­nen, zeigt die Lage der Wirtschaft selbst. In dem Ursachengeflecht der Wirtschaftskrise steht neben dem rationalisierten Produktionsdurckeinander, ne­ben der toten und politischen Weltverschuldung und der Geldverknappung im Mittelpunkt der un­heimliche Vertrauenszerfall im ganzen modernen Kreditsystem. Das ist zwar auch ein Versagen der Geldtecknik und der reckenhaften Auffaserung der ehedem sichtbaren Eigentumsverhältnisse, aber im Kern doch eine geistige Tatsache, nämlich Miß­trauen. Egoismus und Bankerott menschlicher Zu­sammenarbeit, der der rechte Geist fehlt. Gesin­nungsreform vor Zuständereform! Hören wir den Papst selber:Das Bemühen um eine rechte Wirtschaftsordnung der Vernunft bleibt ganz und gar unzulänglich und mangelhaft, wenn nicht alle wirtschaftlichen Betätigungen der Menschen in Nachahmung der wunderbaren Einheit des qött» lichen Weltplanes zu seiner Verwirklichung freund­willig sich vereinigen. Wir meinen jene Ordnung, die von der Kirche mit aller Kraft gepredigt, ja schon von der natürlichen Ordnung gefordert wird: Alles auf Gott hingeordnet, das erste und höchste Ziel aller gefchäsilicken Tätigkeit; alles, was nicht Gott ist, ist bloßes Mittel, das so weit in Anspruch genommen wird, als es zur Erreichung des letzten Zieles und Endes dienlich ist . . . Wollten alle immer und überall sich daran halten, dann würde bald nicht nur Gütererzeugung und Vermögens­erwerb, sondern auch die heute so ungeordnete Reickstumsverwendung wieder in rechte Bahnen kommen. Gegenüber der häßlichen Selbstsucht aber, die so recht der Schandfleck und die große Sünde unserer Zeit ist, würde mit sanfter Gewalt das Gesetz christlicher Mäßigung sich durchsetzen, das den Menschen zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit suchen heißt in der Gewißheit, daß Gottes Freigebigkeit und Verheißungstreue auch die zeitlichen Güter beigeben wird." Selten ist der regelnde Einfluß einer lebengestaltenden Religion auf den Wirtschaftsgeist und damit auf die Wirtschaftsordnung so schön ausgesprochen worden. Das Wort des Papstes fordert Glauben.