Manb
England.
In London wurde soeben die offizielle Liste der 756 Mitglieder des Oberhauses veröffentlicht. Die Zahl der Katholiken beträgt 43. Unter den 615 Abgeordneten des Unterhauses befinden st st 24 Katholiken, und zwar 18 Konservative. 4 Ar- beiterparteiler und 2 irische Unabhängige. Seit einem Jahrhundert, d. h. also seitdem Katholiken im englischen Parlament zugelasfen sind, hat es noch keinen Katholiken gegeben, der die liberale Partei vertritt.
Spanien.
Der kürzlich gewählte erste Präsident der spanischen Republik, Don Niceto Alcala Zamora, wurde in prunkvollem, wahrhaft königlichem Aufzuge — er fuhr in einem Galawagen des Er- königs, eskortiert von berittener Leibgarde in ihren historischen Uniformen, und umgeben von dem sonstigen farbenfrohen militärischen Beiwerk — zur Eidesleistung zum Parlamentsgebäude geleh tet. Vorher hatte er einer stillen Messe beigewohnt. Es ist nicht das erste Mal, daß Alcala Zamora Beweise seines Katholizismus gegeben hat, die in ihrem persönlichen Werte niemand anzuzweifeln berechtigt ist. Trotzdem waren die spanischen Katholiken nicht in der Lage den ersten großen Festtag der Republik anders denn als kühle, wenn auch „achtungsvolle Zuschauer", wie „El Debate" sich in seinem Leitartikel vom 2. Dezember ausdrückt, zu begehen. Denn die Verfassung, die am Tage vor dem Amtsantritt Zamoras endgültig angenommen wurde und auf die der Präsident den Eid leistete, ist, wie das gleiche Blatt sagt, eine „ungerechte Verfassung", eine Charakterisierung, die angesichts chrer notorisch antikirchlichen Bestimmungen nicht noch einmal begründet zu werden braucht. Mit dieser Verfassung habe, so heißt es in dem erwähnten Artikel weiter, die öffentliche Gewalt einem außerordentlich großen Teil der Bürger den geistigen Krieg erklärt, und so müsse es die Hauptsorge des neuen Präsidenten sein, das Land wieder zum wahren inneren Frieden zu führen. Zum Schluß spricht „El Debate" den Wunsch aus, daß Alacala Zamora und die Regierungen der Republik einen Staat für alle Spanier schaffen möchten, damit man künftig ähnliche Festtage wirklich als nationale bezeichnen könne. Wer wird es den spanischen Katholiken verargen wollen, daß sie dem neuen Regime pflichtgemäß wohl Achtung, aber keinerlei innere Befriedigung oder gar Liebe entgegenbringen! Der erste Präsident wird sich ein wahrhaft historisches Verdienst um sein Land erwerben, wenn er alle seine Kräfte auf das Ziel konzentriert, den neuen Staat auch für die gläubigen Katholiken wohnlich zu machen. Schon daß vieler Präsident gewählt wurde läßt eine gewisse Hoffnung, daß es mit der Durchführung der kirchenfeindlichen Artikel, die u. a. die Vertreibung der Orden vorsehen, nicht allzu eilig getrieben werden wird
vereinigte Staaten.
Wie das amerikanische Arbeitsministerium bekannt gibt, wird die Zahl der Erwerbslosen in Amerika bis zum Januar wahrscheinlich auf 7.5 Millionen steigen. Von anderer Seite glaubt man sogar die Zahl auf 9 Millionen schätzen zu können. Also auch in Amerika nimmt die Notlage immer ernstere Formen an. Die Besorgnis der maßgebenden Regierungsstellen ist umso größer, als das Gesetz keine offiziellen Mittel für die Erwerbslosen in Form regelmäßiger Zuwendungen vorsieht Eine Unterstützung kann also nur durch eine karitative und private Aktion und durch die städtischen Organisationen erfolgen. Die Regierung beschäftigt sich indessen mit der Organisation eines großzügigen Karitas-Kreuzzuges und bemüht sich, alle Kräfte der Nation für dieses Werk zu erfassen. Durch das Arbeitsministerium hat sie
DIAISN-Puderbewahrt I ihren Liebling vorWundsein
sich vor allem mit den Bischöfen in Verbindung gesetzt und sie gebeten, durch die Geistlichen auf den Kanzeln den Gemeinden das Elend der Erwerbslosen lebendig vor Augen führen zu las sen, und ihnen die besten Mittel zu einer Mithilfe aller vorzuschlagen. Ferner mögen die Geistlichen auf die katholischen Arbeitgeber einwirken, damit diese nach Möglichkeit keine Angestellten entlassen, im Gegenteil ihre Zahl vergrößern, soweit es in ihren Kräften steht. Alle katholischen Organisationen, vor allem auch die katholischen Vermittlungsbüros, werden gebeten, mit den öffentlichen Behörden zusammenzuarbeiten. Es erübrigt sich zu erwähnen, mit welchem Eifer der amerikanische Episkopat dieser Bitte der Regierung nachgekommen, ja schon zuvorgekommen ist.
Christus, Herr der neuen Zeit.
Gedanken eines Laien zum weihnachtsfest 1931.
Wir stehen an der Wiege des göttlichen Kindes und feiern das Fest des Friedens. Ist uns wirklich der Friede beschert? Die Welt sieht im Jahre 1931 noch anders aus. Christus hat uns schon aufmerksam gemacht: „Den Frieden gebe ich euch, nicht aber wie die Welt ihn gibt". Warum gibt uns die Welt den Frieden nicht? — Schauen wir hin auf die Ratssitzungen der Staaten — alle Welt horcht und schaut auf die Ratssitzungen der Staaten — alle Welt horcht und
Rok ist Aufgabe!
Wenn das Elend unserer Zeit durch hochtönende Phrasen beseitigt werden könnte, dann müßten wir längst über den Berg sein. Leider geht das in Wirklichkeit nicht so einfach!
Nicht Reden nützt, sondern Handeln! Nicht Verhetzung kann uns retten, sondern nur liebevolle Hilfe a' en Notleidenden gegenüber!
Wer noch Arbeit hat, wer gesund ist, wessen Zukunst gesichert vor ihm steht, der vergesse nicht:
Wir wollen helfen!
schaut auf mit der Frage: Was wird's geben —, was hat man bis heute uns beschert, wie werden die Abrüstungsverhandlungen ausfallen? Es sind alles Fragen, die gelöst werden könnten, wenn die Völker der Erde für den Frieden „guten Willens" wären. Und doch, sie müssen gelöst werden, die große Not schreit um Erbarmen zum Himmel. Noch aber stehen die Flammenzeichen eines verlorenen Krieges am Horizont. Die klirrenden Fronketten eines Friedens, der kein Friede war, drücken uns alle erbarmungslos zu Boden. Bis auf den heutigen Tag hat die Seele des deutschen Volkes die Bitterkeit dieser Umsturzzeit noch nicht überwunden. Bejahung und Verneinung, Hingabe und Ablehnung, Liebe und Haß, die schon an seiner Wiege standen — sie stehen auch heute noch unversöhnt und anscheinend unversöhnbar an der Zeitschwelle, über die der umkämpfte, aber starke deutsche Volksstaal in sein zweites Jahrzehnt hineingeschritten ist.
Ein unseliger, die Herzen verbitternder, den volkhaften Gemeinschaftswillen zersetzender Bruderstreit geht durch die deutschen Lande. Und es schwellen die Wogen dieses Streites eher an als ab. Berge von Gegensätzen, Nebelwände von Mißtrauen türmen sich auf. Geistige Stacheldrähte umgrenzen die Parteilager und Interessengruppen. Und aus der politischen Zerrissenheit, aus der fortschreitenden Zerklüftung unseres Volkes erwachsen verhängnisvolle Auswirkungen auf die innere Struktur unseres Staatslebens, auf die weltanschauliche und religiöse Geisteshaltung der heutigen Generation — Auswirkungen. die für die Zukunft von Volk und Nation und Staat Schlimmes und Schlimmstes in sich bergen!
Eine katholische Generation, die — trotz offenbarer Gärungs- und Zerfetzungserscheinungen — in ihrem Kern noch gesund und lebensfähig ist, in deren Adern das wesenhafte Erbgut einer großen und gottverbundenen Vergangenheit noch zeugungskräftig kreist, darf nichts wissen von Mattherzigkeit und Kampfesscheu, von Kleinmut und angstgebundener Defensive. Im Gegenteil — sie entzündet gerade an der Größe und Schwere der ihr gestellten Aufgaben den Geist tatfroher und wagmutiger zugleich allerdings auch planvoller und besonnener Offensive. Deshalb ist es Pflicht und Gebot der Stunde. daß alle Katholiken sich der großen Verantwortung streng bewußt bleiben und mithelfen an dem Wiederaufbau unseres Staates und unserer Familie.
„Es ist erschienen die Güte und Menschenfreundlichkeit unseres Gottes." Demutsvoll und hoffnungsvoll
schauen wir hin zum göttlichen Kinde, dem Urquell alle- Guten: denn die Not der christlichen Familie ist unge. mein kraß, sie brennt auf der Seele. Dort, wo heiliges Feuer im Heiligtume der Familie brennen sollte, da sehen wir Not und Elend in materieller und seelischer Hinsicht. Wo ist das Feuer, wo die Glut, die Christus über uns ergießt? Wie viele sprechen resigniert: Erloschen, auf immer verloren! Und andere triumphieren und höhnen laut: Dahin ist euer Licht, ein ander Licht brennt heute, als euer Christus es hat bringen wollen.
Verzweifeln wollen wir deshalb nicht. Nicht rückwärts schauen! Denn gar zu leicht könnten wir zu einer Salzsäule verwandelt werden. Heute heißt es mit offenen Augen vorwärts schauen und die Dinge der Zukunft erfassen. . . . Mit unserer Jugend wollen wir singen: „Heil'gem Kampf sind wir geweiht! Gott verbrennt in Zornesfeuern eine Welt. Sie zu erneuern, wollen machtvoll wir beteuern: Christus, Herr der neuen Zeit."
Jetzt in der heiligen Weihnachtszeit wollen wir als Christen mit dem Priester hintreten zu den Stufen des Altares, zu dem, der unsrer Jugend Freude ist. Inständig und vertrauensvoll wollen wir beten: „Veni, fancte fpiritus"! — Komm heil'ger Geist, du göttliches Feuer, komm und entzünde wieder in uns dein Feuer, daß es wieder hell und warm brenne in den Herzen deiner Gläubigen und in der ganzen nach Frieden sich sehnenden Welt. Legen wir Menschen doch beim heiligen Opfer in der Weihnachtszeit und beim Eintritt ins neue Jahr alle Wünsche, alle unsere Anliegen auf die Patene des Priesters am Altare, er wird sie gerne dem göttlichen Kinde vorlegen und uns Heil, Segen und Gnade erflehen. „Bittet und ihr werdet empfangen". Wir bitten nur zu wenig.
Wir müssen ferner unsere Zunge wieder bessere Worte sprechen lassen! Weg mit der Zotenhaftigkeit! Wo ist der christliche Mannesmut? Wir müssen in Stadt und Land mit eisernem Besen manche neue unchristliche Gepflogenheiten wegfegen und mehr das Wort Gottes hei» lig halten: freilich müssen wir da in erster Linie die Lehren und Mahnungen unserer P r i e st e r in uns aufnehmen und verwirklichen. Denn der Herrgott selbst sagte: „Wer euch höret, höret mich". Wir wollen uns in der Tat wieder mehr zum christlich-katholischen Leben erziehen. Wir Eltern wollen mehr denn je unsere Kinder im heiligen Gehorsam, in Ehrfurcht gegen unserePriester, dis Gesalbten des Herrn, erziehen, — heißt es doch: „Rühret die Gesalbten des Herrn nicht an!" Achten wir mehr unsere Priester, zeigen wir ihnen schon äußerlich durch den Gruß unser Achtung, wie der Soldat dem Vorgesetzten. Halten wir fern Zwistigkeiten, die künstlich aufgezogen mancherorts viel Unheil stiften. Lehren wir uns selbst und unsere Kinder mehr noch als seither das Knie in Demut zu beugen vor dem eucharistischen Heiland, wenn der Priester dem Kranken die Wegzehrung bringt. „Wenn ihr nicht werdet wie diese. Kleinen, so werdet ihr nicht in das Himmelreich eingehen". Wir Laien wollen doch mehr für das Gute eintreten. Dann werden einstens nicht Millionen von Kinderseelen vor uns stehen mit Fluchaussprüchen und Vewünschungen gegen ihre leiblichen Eltern.
Göttliches Kind öffne uns die Augen für den Jam- mer und das Elend so vieler Familien, die ohne Erwerb, ohne Wohnung dasteheN! Zeig sie uns, diese Kehrseite unserer modernen Zivilisation, reiß weg den Schleier, den wir so gerne über all das legen, was uns unbequem ist, zeig uns die nackte und harte Wirklichkeit.
In diesem Jahre feierten wir das Jubiläum der hl. Elisabeth, die uns ein leuchtendes Beispiel für die Uebung in der Nächstenliebe ist! Viel Gutes ist schon geschehen, viele Opfer sind für unsere darbenden Mitbrüder gebracht worden — nicht zuletzt von unseren Priestern. Leider finden diese Opfer, die in der Stille gegeben werden, keine Beachtung und Würdigung — im Gegenteil werden unsere Priester, deren Lebenskraft im Dienste der armen Menschheit aufgeht, nicht nur von „den Mächten der Finsternis", sondern oft auch von „katholischen Christen" in den Staub getreten. Erforsche ein jeder sein Gewissen, ob er nicht heimlich oder laut mit ins Sprachrohr der Gottlosen und Kommunisten stößt, deren Aufgabe es ist, das Priestertum, das uns ein ewiges Glück vermitteln soll, mit Stumpf und Stil auszurotten. Gegen solche Bestrebungen bilden wir eine schlagkräftige Front, und wir fingen tatenfroh: „Du Volk aus der Tiefe, du Volk aus der Nacht, vergiß nichtdas Feuer, bleib aufder Wach t". Wie in Spanien, so sollten auch bei uns edle Frauen sich zusammenfinden und wie jene einen Notschrei in die Welt Hinausrufen: „Laßt uns unseren heiligen Glauben. Rühret die Priester nicht an! Gebt unseren Männern Arbeit und Brot — wir wollen ernsthaft mithelfen an der Neugestaltung in Staat und Gesellschaft, auf daß in unserem Schoße ein neues Morgen geboren werde, eine neue Zeit für Christus den Herrn."
Deshalb laßt unsere Söhne in christlichen Vereinen mitarbeiten, im Kolpings-, Jünglings- oder Jungmännerverein. Wo derartige Vereine noch nicht bestehen, sollten sie unverzüglich gegründet werden. Ohne Gott gibt es keine befriedigende Lösung. Heute müssen alle Christen nicht den Taufschein zwei Mal zusamengefaltet zu den Akten legen, sondern sich zu einer Abwehrfront gegen die Mächte der Finsternis in katholischen Vereinen zusammenschließen. Die vielfachen Unterschlagungen geben ein deutliches Bild davon, wie allmählich alle Schichten an dem hemmungslosen Mammonsgeiste so vieler