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teil eingetreten. Die Last der deutschen Annuitäten sei ferner durch das außerordentliche Fallen der Goldpreise um 40 Prozent erhöht.

Unter diesen Umständen erfordert das deutsche Pro­blem, das in weitem Maße für die wachsende finanzielle Lähmung der Welt die Ursache ist, ein gemeinsa­mes Handeln, das nur von den Regierun­gen ausgehen kann.

Aber das Problem hat eine weltweite Bedeutung an­genommen. Wir können für die Friedenszeit an keine Parallele erinnern zu der jetzt eingetretenen Zerrüttung, die eine tiefgehende Aenderung in den wirtschaftlichen Beziehungen der Nationen untereinander bedeuten kann Es ist dringend notwendig, zu handeln.

Die wirtschaftliche Verflochtenheit der verschiedenen Länder der Welt, wie sie heute besteht, bedarf keines weiteren Beweises; die letzten Jahre haben sie in schla­gendster Weise veranschaulicht. Seit dem Juli dieses Jahres liegt es zum Beispiel klar zutage, daß die Krise, von der Deutschland überwältigt worden ist, behoben werden muß, wenn sie nicht auf das übrige Europa über­greifen, das so mühsam ausgebaute Kreditsystem zerstö­ren und tiefgehende Rückwirkungen in anderen Teilen der Welt Hervorrufen soll.

Das von der Bank für Internationalen Zahlungsaus­gleich auf Ersuchen der Londoner Konferenz eingesetzte Komitee hat diese Lage in seinem Bericht vom 18. Au­gust dieses Jahres dargestellt und eine außerordentlich ernste Warnung ausgesprochen. Er wies darauf hin. daß zur Vermeidung von Katastrophen vor Ablauf der Stillhaltefrist am 29. Februar 1932 sofort Schritte von den Regierungen unternommen werden müßten.

Aber die Ereignisse haben nicht gewartet. Das Jahr 1931 ist noch nicht zu Ende, und schon hat die Krise fürchterliche Ausmaße angenommen. Der Austauschver­kehr vieler Länder ist nach und nach zerrüttet worden, und es haben sich Schwierigkeiten gehäuft, die, wenn nichts weiter geschieht, sich nur als die Vorboten weiterer Katastrophen erweisen werden.

Der Ausschuß tadelt es dann, daß politischen Erwä­gungen ein so großer Einfluß auf die Behandlung von Wirtschaftsproblemen durch die Regierungen eingeräumt worden sei. Dadurch seien die Regierungen verhindert worden, diese Probleme im wahren Licht zu sehen. Das Durcheinander, das durch die Reparationszahlungen und die Zahlungen der allierten Kriegsschulden hervorgeru­fen wird, kennzeichnet der Ausschuß mit dem folgenden Satz:

Transferierungen von einem Land zum andern in einem solchen Maßstab, daß die Zahlungsbilanz erschüt­tert wird, können das augenblickliche Chaos nur noch verschärfen."

Der wichtigste Satz der Schlußfolgerungen lautet:

Die Anpassung aller zwischenstaatlichen Schulden (Reparationen und andere Kriegsschulden^ an die ge­genwärtige zerrüttete Lage der Welt, eine Anpassung, die unverzüglich erfolgen muß, wenn neue Katastrophen ver­mieden werden sollen, ist der einzige Schritt von Dauer, der das Vertrauen, das die Voraussetzung der wirt­schaftlichen Stabilität und des wirklichen Friedens ist, wieder Herstellen kann.

Wir appellieren an die Regierungen, auf denen die Verantwortung für das Handeln ruht, ungesäumt zu Entscheidungen zu kommen, die eine Besserung dieser ernsten Krise, die auf allen gleich schwer lastet, herbei­führen werden."

Die Stillhaiteverhandlungen

in Berlin, d. h. diejenigen Verhandlungen, die sich mit der Verlängerung der vom Auslande an Deutschland gegebenen kurzfristigen Kredite be­schäftigen, haben, was nicht mehr länger verschwie­gen zu werden braucht, bisher kein Ergeb­nis gezeitigt. Die vorläufige Lage läßt sich dahin kennzeichnen, daß die Verhandlungen ebenso wie die Kredite selbereingefroren" sind. Jeder Teil kann mit bestimmten formulierten Forderun­gen, mit denen eine gebundene Marschroute gege­ben war, von der man nicht abweichen zu können glaubte. Nun sind die ausländischen Vertreter ge­nötigt, neue Instruktionen einzuholen, und die Pause der Weihnachtsfeiertage soll zu dieser Aktion benutzt werden.

Die Forderungen, die von feiten der Auslands­gläubiger an Deutschland gestellt waren, gingen weit über das erträgliche Maß hinaus. Cs war grundsätzlich gefordert worden, daß mit Ablauf des ewigen Stillhalteabkommens am 23. Februar 1932 cfort eine Quote von 10 Proz. der von den Still- >alteverhandlungen betroffenen Summe zurückbe- zahlt würde. War schon diese Forderung, die zu einer für den Gold- und Devisenbestand der Reichs- inark unerträglichen Belastung hätte führen müs­sen, nicht erkennbar, so wurde die Situation noch dadurch kompliziert, daß die weitere Forderung gestellt wurde, in jedem Vierteljahr des neuen Still­haltejahres abermals je 2% Prozent der betreffen­den Summe zurückzuzahlen. Dadurch würden au­ßer der grundsätzlichen Rückzahlung von 10 Proz. für den Verlauf des Jahres 1932 noch weitere zehn Prozent, also im ganzen 20 Prozent an Rückzah­lungen effektiv geworden sein. Die Erfüllung ei­

nes solchen Ansinnens ist vollkommen ausgeschlos­sen, nicht allein deshalb, weil die erforderlichen Mittel gar nicht flüssig gemacht werden könnten, sondern auch deshalb, weil Deutschland ja im letzten Jahre schon weit über eine Milliarde Mark an ausländischen Geldern zurückgezahlt hat.

Staatspräsident Dr. Volz.

Der Freistaat Württemberg und besonders die katholischen Schwaben feierten am 15. Dezember einen ihrer besten führenden Staatsmänner, der ununterbrochen seit dem Jahre 1919 Mitglied der württembergischen Regierung und seit dem Jahre 1928 Staatspräsident, an jenem Tag sein 50. Le­bensjahr vollendete: des Innenministers und Staatspräsidenten Dr. Volz. Geboren am 15 Dezember 1881 und Sproß einer Kausmannsfami^ lie, die zu den angesehensten der schwäbischen Bi­schofsstadt gehörte, studierte Dr. Bolz die Rechte und Staatswissenschaften, beschäftigte sich aber schon in den Studenten- wie in den ersten Anstel­lungsjahren mit öffentlichen Fragen. In einer Zeit, da sich die studierende Jugend der Politik noch in der Regel fernhielt, hatte Dr. Bolz schon Fühlung mit dem Windthorstbund und dem Volks- verein genommen. Kein Wunder, daß lhm seine Vaterstadt Rottenburg im Jahre 1911 in den Würt­tembergischen Landtag und im Jahre 1912 der da­malige 13. Wahlkreis Aalen-Ellwangen in den Reichstag wählte. Im Landtag wie im Reichstag lenkte Dr. Bolz bald die Aufmerksamkeit auf sich und setzte sich so schnell durch. Im Jahre 1919 wurde er nach dem Ableben des württembergi­schen Zentrumsführers Dr. Kieme nicht nur mit an die Spitze der württembergischen Zentrumspar­tei berufen, sondern auch an die Spitze des würt­tembergischen Justizministeriums. Erst 38 Jahre alt, in schwerster Zeit, im Spartakusjahr 1919/20, war es eine ebenso heikle wie verantwortungsvolle Aufgabe, der oberste Leiter der Rechtspflege zu sein. Das Vertrauen wurde gerechtfertigt, ja, die Verantwortung gemehrt, als es galt, im Jahre 1923 als Nachfolger des Ministers Graf das mürt= tembergische Innenministerium zu übernehmen, zeitweise sogar das Finanzministerium dazu. So schwierige Lagen auch zu meistern waren Dr. Bolz setzte sich dank einer seltenen Ruhe und Klarheit des Urteils und ebensolcher Lauterkeit, Bestimmtheit und Sicherheit der Amtsführung in Regierung und Landtag immer mehr durch. So verwundert es nicht, daß nach der Niederlage der Rechten im Jahre 1928 Dr. Bolz an die Spitze des württembergischen Staates zu treten hatte. Auch hier zeigte er seine zielsichere Hand und ein ebensolches Auftreten, getragen von Verantwor- tungs- und Pflichtgefühl. So verkörpert Dr Bolz ein Prinzip der Stetigkeit des Staatskurses, zu welchem man das Schwabenland nur begliick- wünschen kann.

Kleine poM. ttathtiritien

Die große Regierungskonferen;, die aus den Be­schlüssen des Baseler Ausschusses die praktischen Schluß­folgerungen für Aenderungen des Reparationssystems zu ziehen hat, soll nach Pariser Meldungen am 18. Jan. 1932 zusammentreten und bis Anfang Februar dauern. Eine bestimmte Verabredung über den Zeitpunkt ist noch nicht getroffen, da jetzt wieder in Berlin die neuen Still­halteverhandlungen beginnen, die erst zu Ende geführt werden müssen.

Um das Reparalionsproblem. Der englische De­legierte in Basel, Layton, war für Streichung aller Kriegsschulden und Reparationen. In E ng l a n d herrscht weithin die Ueberzeugung, daß die Wirtschafts­krise der Gegenwart auf den Reparationszahlungen be­ruht. Ist dieser englische Standpunkt für uns günstig, so muß das Gegenteil gesagt werden von dem neuesten, ganz unerwarteten Beschluß des amerikanischen Kongresses, daß fremde Schulden an Amerika in keiner Weise zu streichen oder zu mindern seien. Die Hoffnung der gesamten englische Presse, sich mit Amerika über Schuldenherabsetzung und entsprechende Reparations­minderung verständigen zu können, schwand über Nacht durch jenen Beschluß des amerikanischen Kongresses. Frankreich wird deshalb um so hartnäckiger an den deut­schen Reparationsleistungen festhalten.

Vom hessischen Bauernverein. Kürzlich tagte in Mainz die 15. ordentliche Generalversammlung der Hauptge­nossenschaft des hessischen Bauernvereins, der sich die 9. ordentliche Verband-tagung des Genossenschaftsverban- des des hessischen Bauernvereins anschloß. Der Vor­

sitzende des Aufsichtsrates, Rechtsanwalt Dr. Lotz-Mainz, eröffnete die Tagung mit Begrüßungsworten, besonders an die anwesenden Vertreter der staatlichen und städti­schen Behörden. In seiner Ansprache betonte er d i e große Bedeutung des Zusammenschlusses der Hauptgenossenschaft des hessischen Bauernvereins mit der Zentralgenossen- schaft des bayerischen Bauernvereins. Nachdem noch der Direktor der Zentralgennoßenschast des bayerischen Bauernvereins, Klimm-Regensburg, einen Ueberblick über die Auswirkungen des Zusammenschlusses gegeben hatte, wurde diesem einstimmig zuge - stim m t. Ministerialdirektor Professor Dr. Rößler« Darmstadt, Leiter der Abteilung für Landwirtschaft, übermittelte die Glückwünsche der hessischen Regierung zu dem Zusammenschluß der beiden Genossenschaften.

Goebbels verheiratet. DerAngriff", das Organ des Nationalsozialisten Goebbels, veröffentlicht folgende Meldung:Die Vermählung von Dr. Goebbels mit Frau Magda geborene Ritschel fand heute mittag um 12 Uhr in Severin in Mecklenburg statt. Die Trauung wurde in der Dorfkuche von Severin von dem p r o t e° stantischen Pfarrer an der Neuen Garnisonkirche in Berlin, Wenzel, der durch sein mannhaftes Eintreten für unsere ermordeten Kameraden Thielsch, Böwe und Mo­ritz bekannt wurde, vollzogen. Trauzeugen waren Adolf Hitler und General von Epp." Ein Katholik, der sich von einem nichtkatholischen Religionsdiener trauen läßt, verfällt bekanntlich der Exkommunikation. Bezeichnend ist, daß die beiden katholischen Nationalso­zialisten Hitler und von Epp bei dieser protestantischen Trauung als Trauzeugen fungierten. Das Ganze zeigt schlaglichtartig, was von der Einstellung führender Na­tionalsozialisten zur katholischen Kirche zu halten ist.

Vitus heller gegen die Bischöse. Das Blatt des Vitus HellerDas Neue Volk" in Würzburg betätigt sich schon seit langer Zeit als eifriger Vorkämpfer der kommunistischen Ideen und erfüllt so sehr die Aufgabe, Ersatz einer kommunistischen Zeitung zu sein, daß ein kommunistisches Flugblatt in Karlstadt bereits einmal die Kommunisten zum Abonnement des Neuen Volkes aufforderte. Wie weit das Blatt im Kampfe gegen die katholische Kirche schon gekommen ist, beweist die Tat­sache, daß es über den letzten Hirtenbrief der bayerischen Bischöfe, welcher die Gedanken der Enzyklika von Pius XI. über die Arbeiterfrage zusammenfaßte, zu schrei­ben wagt, er bringekonfuses Zeug, über das jeder, auch christliche Arbeiter lacht". Der Größenwahn und der Kirchenhaß des Schreibers dieses boshaften, törichten Angriffs auf die bayerischen Bischöfe ist gleich groß. Wie gut war es, daß die Bischöfe rechtzeitig gesehen haben, wohin der Weg von Vitus Heller führt und daß sie seine Bewegung verurteilt haben und wie richtig haben die kirchentreuen Katholiken gehandelt, als sie sich von die­ser Bewegung fernhieltenl

Von Rationalsozialisten wird das Gerücht verbreitet, Pius XI. oder die päpstliche Kongregation für außeror­dentliche kirchliche Angelegenheiten bereite eine Stellung­nahme der kathol. Kirche zugunsten des Nationalsozialis­mus und damit eine Korrektur der Stellungnahme un­serer Bischöfe vor. An der ganzen Meldung ist, wie aus bester römischer Quelle gemeldet wird, kein wahres Wort. Jenes Gerücht beruht auf einer nationalsoziali­stischen Tendenzlüge.

5 350 000 Arbeitslose. Nach dem Bericht der Reichs­anstalt für die Zeit vom 1. bis 15. 12. 1931 hat sich der Druck auf den Arbeitsmarkt, wie zu erwarten war, in der ersten Hälfte des Dezember verstärkt. Die Zunahme der Zahl der Arbeitslosen belief sich auf rund 290 000 womit eine Belastung von rund 5 349 000 erreicht wurde. In der gleichen Zeit des Vorjahres war die Zunahme mit rund 278 000 neu gemeldeten Arbeitslosen nur um weniges geringer. Der Anteil der überwiegend von der Konjunktur abhängigen Berufe ist in der ersten Dezem­berhälfte rascher (um 4,2 v. H.) als in der zweiten No­vemberhälfte (um 1,6 v. H.) gestiegen. Neben der Be­endigung des Weihnachtsgeschäftes in vielen Industrien haben besonders die internationalen Währungsschwierig­keiten und die Schutzzollmaßnahmen wichtiger Abneh­merstaaten ungünstig auf den deutschen Arbeitsmarkt ein­gewirkt. Die Belastung von Arbeitslosenversicherung und Krisenfürsorge hat zusammen um etwa 158 000 Hauptunterstützungsempfänger zugenommen. Nach den Meldungen der Arbeitsämter wurden in der Arbeits­losenversicherung am 15. Dezember 1931 rund 1 484 000 Hauptunterskützungsempfänger (Zunahme rund 118 000) gezählt, während in der Krisenfürsorge nach einer Zu­nahme um rund 40 000 etwa 1 446 000 Hauptunterstüt­zungsempfänger betreut wurden.

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