Gabentisch geführt, wo liebende Hände Geschenke aller Art aufgespeichert hatten. — Am Dienstag hatte die Katholische Vorbereitungsschule Schüler und Eltern zu einer sinnigen Weihnachtsfeier zusammen- gerufen. Hochw. Rektor Hartmann wies in seiner Ansprache aus die große Notzeit hin: Wir sind in unserer heutigen Armut dem armen Jesulein in der Krippe viel näher gekommen. Möge seine Gnade und sein Segen unser armes Volk wieder aufrichten und aus der alles bedrohenden Krise wieder herausführen! Dann folgten die flotten Rezitationen der Kleinsten, die stürmischen Beifall ernteten. Als größeres Weihnachtsstück folgte: „Wintersonnenwend-Weihnacht" von Lehrer Karl Machts. Der gedankenreiche Inhalt wurde in allen feinen Teilen vollendet wiedergegeben. Das heitere Spiel: „Der Mond mit roter Nase" sorgte für weihnachtsfrohe Stimmung. Die Weihnachtsaufführungen der Vorbereitungsschule haben in der kath. Bevölkerung Erfurts einen o guten Ruf, daß auch die diesjährige Feier vor einem vollen Hause erfolgte. — Am gleichen Tage fand die Aufführung des Weihnachtsoratoriums von Joh Seb. Bach durch den A capella-Chor unter Leitung des Kapellmeisters Bergzog statt. Die Wiedergabe des Werkes erfolgte in solcher Vollendung, daß sie in allen Gästen als tiefes Erlebnis noch lange nachwirken wird. — In H o ch- h e i in bot kürzlich der katholische Kirchenchor eine feine musikalische Adventsandacht. Die Einleitung bildeten Teile des Weihnachtsoratoriums von H. F. Müller-Fulda. Werke von Palästrina, Bruckner und Griesbocher folgten. Am gleichen 2lbenb fand dann noch eine Adventsfeier im Restaurant „Zum grünen Tal" statt, bei welcher außer dem Kirchenchor auch der Männergesangverein m twirkte, die die beiden Vorträge (Pfarrer Reymann: „Advent in der Kirche", Lehrer Hillmann: „Advent im Volk") in wirkungsvoller Weise mit entsprechenden Chören umrahmten. — In Gotha fand sich am 20. Dez. der Gesellenverein zu einer schlichten Weihnachtsfeier zusammen. Gesangliche Darbietungen und eine Verlosung gestalteten den Abend sehr abwechslungsreich. — Die Pfadfindergruppe hatte sich an demselben No?? mittag zu einer Christfeier zufammengefunden.
na. Die Pfarrgemeinde hielt in diesem Jahr ihre gemeinsame Weihnachtsfeier am Spätnachmittag des 27. Dezember im „Nollendorfer Hof" ab. Der neue Saal faßt 7—8 00 Personen und war bis auf den letzten Platz besetzt. Der Abend war ausgefüllt mit einer Reihe köstlicher Weihnachtsspiele der Schulkinder. Am meisten gefielen die Aufführungen der Kleinsten, die unter der Leitung von Frl. Deutschmann entzückend spielten. Auch die Stücke der anderen Klassen, die von Frl. Weber und Herrn Lehrer Stude eingeübt waren, fanden reichen Beifall — Im Prinzessinnenschlößchen findet vom 20 Dezember bis 15. Januar eine Ausstellung .Malerei und Graphik" von Gustav Gulde statt. Cs ist der junge Künstler, der im vergangenen Jahre die Wandgemälde und den Kreuzweg' unserer Kirche schuf. Bei der Eröffnung wies Herr Professor Rose, der Vorsitzende des Künstverein, auf die Entwicklung im fünfjährigen Kunstschaffen Guldes hin und hob die kraftvolle Fülle der Gestaltung hervor, die ihre Lebendigkeit und
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Alle hörten die Stimme, auch die bet der Totenwacht faßen. Sie drang hinein in die Seelen. Frauen schluchzten, Kinder schmiegten sich ängstlich an ihre Kleider und weinten. Die Männer senkten die Köpfe und wagten nicht zu murren. Scheu gingen sie auseinander.
Die Nacht sank — die armen Abgebrannten verließen ihre vernichtete Habe nicht. In der Reihe hockten sie am Graben hin, den Blick starr zu der wilden, verrauchenden Trümmermasse gerichtet. Gebete und Lästerungen schollen in der Dämmerung durcheinander. Barmherzige Dörfler der Gegend brachten warme Decken und Speise und Trank.
Sie verstanden wohl alle diese, die da sitzen mußten noch manchen Tag, ehe sie erstarkten, Pläne für ein neues Heim in dem wirren Kopf zu bauen. Wer trennt sich leicht von der Stätte seiner Kindheit, von dem Haus seiner Heimat, von den Plätzen seiner Jugend, von der selbstgebauten Hütte, von den Gräbern seiner Toten? Hier lag alles: Kindheit, Jugend, Heimat, Vater und Gatte und Sinb — alles vernichtet in einer einzigen
Die Ueberlebenden waren elender daran als die Toten. Glücklich jene, deren ermatteter Leib der Schlaf auf die harte Erde warf — sie träumten sich zurück in den Arm der Liebe auf dem eigenen Tisch — aber ihr Erwachen begann mit wahnwitzigem Schreien.
Unglückselig jene, deren Hirn den Irrgang der Gedanken hundertmal durchlief — sie saßen und jammerten wie Kinder nach der Mutter und dem Vater: sie schrien nach dem Brot und dem Bett. Sie bauten sich in wirren Worten auf die zerstörten Pforten ihrer Heimat, die eingestürzten Bogen ihrer Kirchen, die eingesunkenen Plätze ihrer Freuden. Ihr Geist setzte sich an die verkohlten
Farbenfreubigkett aus der ewig spendenden Natur empfängt. Das Jenaer Volksblatt schreibt, daß die Bilder von Gulde ein „Werk von solcher Geschlossenheit, Frische und Qualität bilden, wie wir es selten im Kunstverein erlebt haben.
Burgwalde (Eichsfeld). Am 23. ds. Mts. traf der hochw. Pfarrer G r e m l e r auf seiner Fahrt zur Einführung in Schachtebich von Uder her zum ersten Male in Burgwalde ein. Trotz der strengen Kälte hatte die Gemeinde vom Kinde bis zum Großmütterlein am Dorfeingang Aufstellung genommen, um dem neuen Seelsorger einen herzlichen Empfang zu bereiten. Der gemischte Chor sang ein Begrüßungslied, Schulmädchen sprachen Willkommengrüße. Der Ortsvorsteher hieß den neuen Pfarrer im Namen der Gemeinde herzlich willkommen. Die Gläubigen geleiteten ihren neuen Seelenhirten unter Glockengeläute mit dem Ge'ang von „Großer Gott mir loben dich", durch die mit Girlanden und Sprüchen festlich geschmückten Straßen zum Gottes- Haule. Hier sprach Plärrer Gremler zum ersten Male zu seinen neuen Pfarrkindern. Er dankte für den herzlichen Empfang, der ihm so wohl getan habe nach dem schmerzlichen Abschied von seinem letzten Wirkung-wrl, mit dem ihn eine 18jährige Tätigkeit verband. Zum Schluß erteilte er seinen Pfarrkindern den priesterlichen Segen.
Dreil"Nworbls. Vor 30 Jahren hat in unserem großen Dorfe die letzte Primiz stattgefunden. Deshalb war die Freude der Gemeinde am v"rganqenen Sonntage blonder? groß ar5 der Neupriester Franz Wand sein erstes heiliges M^ßonler darbrachte. D'e gan^e Gemeinde nahm herzlichen Anteil. In feierlicher Brozel- fion wurde der Pim'zian' zur Kirche qele'tet. Festlich klangen d'e Glocken vom Tunne. laut jubelte b»im Ein- uiq? die Orgel. Beim 'Rri^i-'mte lang der Männerq»- lanaverein eine lateinische Messe. Die Festnredigl hielt ein B""-wandter des B'''m^'nnien Dechant Eua»n Wand aus E-ßirt. eben fmer G-'stlicher, der hier vor 30 Jabren fern Pvft»g hl. M-Kyvfer feinte. Emväbnt fei noch, daß ein längerer Bruder des Neuvriesters das Orbensffefb qenommm hat und daß em weiterer Bruder sich in Driburg auf den Pri^lterberuf vorbereitet.
Kirchworbis. W'-»^r konnte di-» Gemeinde an einer Wrtm’3 teilnehmen. Der Neuvriest-»r Adalbert Dölle H»r*e am zweiten We-bna-ßtsfeiertoge sem eHfog heil. Meßopfer in der .^»'mattirrhe. Eine deutsche Messe von Schubert, die der Mannergesangverein unter Leitzing von Lebrer Letzter sang, trua mit dazu bei, die Feier des ersten hl Opfers in der Kirche des Heimatdorfes zu erhöben. Die Ansprache des Brimizianten nach der Nach- mittagsfeier ließ erkenn-n. wie sehr er mit seinem Herzen an der Heimat hännt Dankbar g-dachte er aller, d'e mit- aehvllen, ihm den Weg zum Priestertum zu e»-mögs!chen i’nb Dank sagte er auch all-n, die an seiner Freude des Prim'^tages teilnahm"n. Der junge Priefttr besuchte das Gnmnasium in Du^rstadt und wurde Ostern 1926 mit dem Zeugnis der Reife entlasten. Er studierte in Baderborn, Wien und zuletzt in Fulda, wo er am 19. Dezember ds. Js. die hl. Priesterweihe empfing.
Tische und begehrte Speise auf den zerschmolzenen Tellern. Dann schweigen sie plötzlich, senken ihr Haupt zu Boden, ihre Brust zerreißt ein Beben, ihren Rücken krümmt die Verzweiflung, verschmachtend öffnet sich ihr Mund und chr Auge dem entsetzlichen Bilde der Wirklichkeit zu. Die Trostworte der Liebe und des Erbarmens ihrer Verwandten fallen ab von ihrem Herzen. Mit Bitterkeit sind ihre Seelen vollgetröpfell und wie mit Fesseln ihre Herzen an das Elend gekettet.
Keine Trän« löst das Eis ihrer Erstarrnis, sie sitzen kraftlos vor dem Unheil der Tage.
Mit der unendlichen Geduld der Gottesliebe suchte der Stadtpfarrer seine Pfarrkinder auf. Er setzt sich zu ihnen an den harten Rain und zu den Trümmern ihrer Häuser und redete Worte der Barmherzigkeit und des Lebens. Widerstandslos lauschen die Geschlagenen. Dann begrub man die Toten. Der Glaube an den gemeinsamen Erlöser Christi vereinte im Elend die Seelen, die in gesättigten Tagen sich gegenüberstanden.
Gottfried der Glockengießer sank mit dem katholischen Vaterunser in die Grube: feine Glaubensbrüder deckten ihn erschüttert mit der letzten Decke und die Hände beider Kirchen stellte ein Kreuz auf den kahlen Hügel. Er fand feine Stätte neben dem Schulmeister.
Der zehnte Tag stieg über die toten Trümmer.
Die umliegenden Höfe bargen barmherzig die armen Abgebrannten. Jeden Morgen schlichen ihre zerlumpten Gestalten von allen Seiten her der verlorenen Heimat zu. Noch war ihr Herz zu müd, neuem Leben entgegenzuschlagen: ihre Hände zu schwach, neue Bausteine zu tragen. Sie lebten vom christlichen Mitleid.
Fremde Leute zogen einzeln und in Gesellschaft um den Schutt der Stadtmauer. Sie kamen weit her. Die
Unglucksbotschaft zog mit Flügeln über die Berge und Flüsse. Erschrocken stand das Blut der Stammesange- Hörigkeit auf am vollen Tisch, bebend ließ die schwielige Bruderhaird den Schaft der Hacke fallen und ferne Herzen sagten zitternd: „Dort ist mein Bruder — lebt meine Schwester." Sie zogen ihre derben Stiefel an den Fuß und schnürten ihr Bündel, sie spannten ihren Handgaul an den Wagen und fuhren in die Fremde. An allen Kreuzwegen fragten sie nach der Richtung und in allen Dörfern nach der Meilenzahl. Die Liebe fand alle Wege und überwand alle Hindernisse.
Des Weges Ende.
Am zwölften Morgen nach dem Unglückstage hörte Frau Röse ihren Namen in fremdem Tons nennen.
Ein Mann trat auf sie zu, den sie noch nie gesehen hatte, der ihren Blick bannte und ihr Herz anzog. Biedere Hände streckten sich nach ihr, ein liebes, milleidvolles Auge suchte das ihre und eine weiche Stimme fragte: „Seid Ihr Röse Willmann, des Gießers Dodona Weib, die einzige Gerettete der Familie Willmann? — Ich bin Eurer toten Mutter Schwesterkind!"
Wie nach einem Rettungsanker griff die Verlassene nach dieser treuen Hand. Ein Strahl froher Hoffnung verschönte ihr vergrämtes Gesicht. Sie zog ihre beiden Kinder heran, ihr Wort zitterte in Freude, als sie sprach: „So sind wir nicht verlassen von Gott und der Welt — ein barmherziger Vater leitete Euer Herz, Vetter. Das sind meine Kinder, sie haben die Heimat und den Vater verloren — nehmt Euch ihrer an, sie werden Euch danken ihr Leben lang."
Marie betrachtete mit Staunen den Vetter und sprach schüchtern: „Wie Ihr dem Vetter Joseph gleicht, der Mutter Bruder." Tränen um den lieben Toten traten in ihre klaren Augen.
„Ihr habt ein heimatlich Gesicht," bestätigte die Mutter, „das fördert die Zuneigung."
Der Bauersmann antwortete ihr einfach- „Eure Kinder find gut und kräftig, sie werden ihr Brot finden, auf meinem weiten Hof ist Arbeit und Raum für Euch alle."
„Mein Sohn ist protestantisch", flüsterte die Mutter verlegen.
„Ich weiß," sagte der Bauersmann. Ein Schatten flog über sein offenes Gesicht, aber er fügte bei: „Er ist rechtschaffen erzogen, er wird seine Heimat bet mir und meinem Weibe haben."
Frau Röse getraute sich nicht, dem Vetter ihre Hofs- nung zu offenbaren. Ihre Hoffnung, die -sich auf dl- Einsamkeit des Sohnes nach dem Tode des Vaters baute.
Der Sohn hatte nur mehr sie, die Mutter, und er hing mit Innigkeit an ihr.
Vielleicht erwachte mit Gottes Gnade das Verlangen nach ihrem Glauben in ihm, dann war ihr Herz erlöst von allen Qualen. Der junge Friedrich stand seitwärts mit schwermütigem Gesicht. Es zog ihn zum Grabe des Vaters. Nun sollte er mit der Mutter auswandern in eine katholische Gegend, weg von allen Glaubensgenossen, fremd und unverstanden von den Nächsten.
Er setzte sich zu dem Hügel und grübelte: hatte nicht der Vater immer fremd und unverstanden neben der Mutter und chrer Familie gestanden? Der Glaube hatte ihn getrennt von seinen Liebsten und der Glaube stand heute auch zwischen ihm selbst und dem letzten, was ihm geblieben, der Mutter und der Schwester.
In dem Unglück der Tage war der Jüngling zu der Festigkeit und Ueberlegtheit des Mannes gereift. Er beugte sich über den Hügel und sprach zu dem Toten den Schwur: „^ bleibe dir treu, Vater. Ich diene deinem Glauben, standhaft wie du ihm dientest: Könnte ich doch die Menschen belehren, welch ein Jammer solch eine Trennung zwischen Eltern und Kind wirft — a könnte ich dasl — Ich möchte sie behüten vor diesem Zwiespalt, der die Liebe untergräbt und die Freude tötet."
Jetzt erhob er sich Mtzlich: ein Leuchten ging über das junge Gesicht und er rief: „Vater! — Das sagst du mir — ich kann es — ich tu' es — ich werde Diener deines Glaubens — ich studiere Theologie!" —
Als Friedrich zu seiner Mutter zurückkehrte, sah er sie in den Armen einer fremden, blonden Frau.
Die innige Schwesterliebe hatte Frau Käthe losgerissen von ihrer Familie, sie nochmal in die Ferne getrieben, um, von Angst und Schrecken erfaßt, nach dem einzigen Bruder zu sehen. Sie fand d'e gebrochene Witwe und die armen Waisen. Sie weinte am Hügel ihres Bruders und starrte wehen Auges nach der verwüsteten Stätte seiner Arbeit.
Dann aber siegte der Kopf über ihr Herz.
Sie wollte ihres Bruders Vermächtnis an sich nehmen. den Sohn zu den Verwandten seines Glaubens führen.
Frau Rüfe stockte das Herz, ihr Gesicht ward blutleer, als ihr des Mannes Schwester sagte: „Seinen Sohn laß mir. Ich ziehe einen guten Menschen aus ihm, er soll dir Freude machen."