Gemeinsames Hirtenschreiben der SischSse der Paderborner Kirchenprovinz.
Vielgeliebte Diözesanen!
Wieder steht strahlend vor unserem geistigen Auge die Krippe Jesu Christi im Stalle zu Bethlehem. Keiner von allen, die neben uns die weite Weltstraße wandern, geht achtlos an ihr vorüber. Was wir sehen, ist klein, nichtig und armselig: die Krippe, das Kind, die Jungfrau, der Zimmermann von Nazareth. Und doch ist es ein gewaltiges, welterschütterndes Ereignis, das sich in jener Herberge der Armut zugetragen hat. Die Geburt Christi ist der große Markstein in der Geschichte der Menschheit. Am ersten Weihnachtstage ist ein neues Weltalter angebrochen; die Krippe des Heilandes bezeichnet die Grenzlcheide zweier Kulturepochen; die finstere Zeit des alten Heidentums ist abgeschlossen, ein neues, das üristliche Zeitalter hat seinen Anfang genommen, die kalte, liebeleere Welt spürt wieder den warmen Hauch der göttlichen Liebe. Der Völkerlehrer Paulus hebt mit Recht in Bezug aus die Geburt Christi hervor: „Erschienen ist die Gnade und Menschenfreundlichkeit Gottes, unseres Heilandes" (Tit. 3, 4). Christus kam aus Liebe, d. h. aus liebendem Erbarmen mit uns armen Menschen; er kam mit Liebe, d. h. mitleidsvoll sich jeder Not anncumenh; er kam für die Liebe, d. h. uns Menschen Liebe lehrend und die Menschenherzen mit Gottes Herzen und untereinander in Liebe vereinend. Von ihm ist der belebende Geist der vollkommensten Gottes- und Nächstenliebe aus- gegangen. Diese Liebe ist die Edelkraft des Willens, sie fehlt nicht bei denen, die „guten Willens find". Guten Willens ist, wer seinen Willen dem Willen Gottes, des einzig Guten unterwirft. Guten Wittens ist, wer dem göttlichen Willen gemäß allen Menschen aut ist, aller Wohl fördern will.
Wenn wir von einem solchen Bethlehemsgeist in der ganzen Fülle beseelt sind, dann ist es uns unmöglich, den Reichtum dieser inneren großen Begnadung für uns allein zu behalten. Es drängt uns, ihn auch anderen mitzuteilen. Und io erklärt es sich, daß die Weihnachlsfreude ihre Vollendung in der Gemeinschaft, zunächst in der Familien-, dann in der Volksgemeinschaft findet, ^ie wird doch die Weihnachtsseligkeit gestört und beeinträchtigt, wenn rirns um uns Not, Hader, Groll, Zank, Streit, Haß, Kiaffen- kampf, Parteikampf herrschen. In der Tat, echte Weihnachtssreude können wir nur dann genießen, wenn die ganze Schönheit der innigen Volksgemeinschaft in die Erscheinung tritt; sie tut es überall da, wo alle Volksgenossen als Brüder und Schwestern in Christo Jesu sich fühlen und in der von ihnen vom Schöpfer bestimmten Aufgabe eng vereinigt sind mit dem Ziele, die Einzelmenschen zu stützen, ihnen die Erfüllung ihres Lebenszweckes zu ermöglichen und zu erleichtern und sie so zeitlich und ewig glücklich zu machen. Weihnachten ist das Fest des Friedens. Aber der schönste Christbaum allein kann den Weihnachtsfrieden nicht wiederbringen. Wir müssen erst lernen, die Dinge dieser Welt im Lichte der Krippe zu sehen, alles wieder hinzuordnen auf den einen großen Mittelpunkt, auf das göttliche Kind, das uns zu feinem himmlischen Vater, zu Gott, führen will. Nicht zuletzt gilt es, die Zwietracht, den Haß aus der
menschlichen Gesellschaft zu bannen. Denn wo Haß, da Elend, Tränen, Flüche, Zerstörung, Vernichtung. Das hat die Geschichte allzeit zum Erschrecken deutlich gezeigt. Mehr als je zeigt unser Volk gegenwärtig das traurige Bild tiefster Zeit üftung und zersetzender Agitation. Und dazu kommt — mit tiefem Seelenweh sei es gesagt —, daß eine Stimmung der Gewalttätigkeit, selbst eine Mordstimmung sich geltend macht. Worte und Phrasen werden in den Versammlungen und in der Presse gebraucht, Drohungen gegen Andersdenkende ausgesprochen, die unter Umständen sich grauenhaft auswirken können und sich mehrfach schon ausgewirkt haben. Wie steht
Haft Dy noch Arbeit? Haft Zu noch Brot?
Ja?
Dann freue dich dieses Glückes für dich und die Deinen!
Bedenke aber: Millionen flehen ohne Arbeit, Millionen hungern und frieren, wenn brüderliche und schwesterliche Liebe ihnen nicht hilft, über die harte Zeit hinwegzukommen. Willst du an solchem Schicksal schuldig werden? Nein!
Dann denk' auch an die Pflicht, zu helfen r
doch ein solches Verhalten einzelner Fanatiker in Wort und Schrift in grellem Gegensatze zu den Lehren des menschgewordenen Gottessohnes in der Krippe zu Bethlehem. Wie schön, wie beglückend wäre es für die Menschen, wenn man nach den ewigen Grundsätzen der Wahrheit und des Friedens, wie er sie aufgestellt hat, die verschlungenen Pfade des ganzen öffentlichen Lebens regeln würde. Segen in Fülle würde sich alsbald über die Menschheit ergießen. Kostbare Gaben würden ihr zuteil werden, wenn auch nicht mit dem Golde des Metalls, dann doch mit dem viel wertvolleren Golde der Liebe und des Friedens.
Es ist gewiß beklagenswert, einen Weihnachtshirtenbrief durch den Hinweis auf so betrübende Erscheinungen in unserem Vaterlande schließen zu müssen. Doch wenn uns die Erkenntnis aufgeht, daß die Gefahren für Kirche und Vaterland groß find und immer größer werden, dann werden wir um so hingebender für unsere große hl. Sache kämpfen, um so felsenfester wird das Vertrauen auf den sein, der uns im hl. Kampfe vorangeht, auf Christus, Gott hochgelobt in Ewigkeit.
Und nun entbieten wir Euch, liebe Diözesanen, aus ganzer Seele unseren Weihnachtsgruß und Weihnachtssegen. Daheim im Glanze des Christbaumes und in der Kirche zu den Füßen des Altares wollen wir uns freuen, daß uns der Heiland geboren ward. Haltet fest zu ihm und arbeitet mit Eifer in Eurer Umgebung, daß fein Geist und fein Gesetz überall wieder zur Geltung kommen. Und wenn Euch die Ungläubigen von Eurem Heiland weglocken wollen,
dann überlasset ihnen ihre trügerische Weisheit, eingedenk, daß „nur einer uns er Lehrer ist: Christus" (Matth. 23, 10) und daß „kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben ist, durch den wir selig werden können, als der Name Jesus" (Apostg. 4, 12).
Paderborn, am Oktavtage der Unbefleckten Empfängnis 1931.
Die Bischöfe der Paderborner Kirchenprovinz:
tt Caspar, Erzbischof von Paderborn. t Joseph Damian, Bischof von Fulda.
f Nicolaus, Bischof von Hildesheim.
AUS Kss VAzsß» fclia
Vom Diözesanklerus. Der Hochwürdig ft e Herr Bischof hat den Pfarrer August Rübsam an der Hl. Geist-Kirche in Fulda, den Pfarrer Dr. Alerander Herzberg in Erfurt, den Dechanten Iohannes D e l m h o r st in Kassel und den Rektor Wigbert Sondergeld in Hünield zu Geistlichen Räten ad Honores ernannt.
Das neue Jahr wird für die Diözese Fulda ein besonderes Freuden- und Jubiläumsjahr werden. Kann doch unser Hochwürdig st er H e r r B i s ch o f am 19. März die 25. W i e d e r - kehr des Tages seiner Bischofskonsekration und a m 28. Oktober den 50. Jahrestag seiner Priesterweihe begehen. Das goldene Priester- und silberne Bischofsjubiläum unseres Oberhirten wird allen Diözesanen Anlaß sein, in diesem Jahre ganz besonders Sr. Exzellenz stets im Gebete zu gedenken, auf daß der Allmächtige ihn uns noch recht lange in ungeschwächter Kraft und Gesundheit erhalte.
Vom Frauenberg. In Rom verstarb, nachdem er sich einer Operation hatte unterziehen müssen, Pater Dr. Bruno Katterbach. Er ist aus der Fuldaer Ordensprovinz der Franziskaner hervorgegangen und seit langem an verantwortungsvoller Stelle in der Hauptstadt der Christenheit als Vatikanischer Archivar tätig. Er erfreute sich des besonderen Vertrauens des Hl. Vaters.
In Fulda spricht am 4. Januar der Reichs- tagâabgeorbnete Schmelzer über: Die politische Lage und unsere Aufgaben in den kommenden Moncvten. Die Delegierten des weiteren Fuldaer Landes sind dazu eingeladen.
Taubstummengottesdienst. Am Dreikönigsfest, Mittwoch, den 6. Januar, hält Herr Religionslehrer Blanke aus Köln um ^10 Uhr in der Severikirche zu Fulda Taubstummengottesdienst. Vorher ist Gelegenheit zum Sakramentenempfang. Am Nachmittag ist gemütliches Beisammensein in der Harmonie.
Fulda. Vergangenen Sonntag boten die A n t o - niusheimer Kinder ihr diesjähriges Weihnachtsspiel dar. Sie hatten die Freude, einen vollgefüllten Saal vor sich zu sehen von gespannt lauschenden und schauenden Großen und Kleinen, die durch ihre spontanen Beisallsäußerungen zeigten, daß die kleinen Spieler und Spielerinnen' sich sehen lassen konnten. Wieviel Mülle es allerdings kostete, den Spielern und den einübenden Schwestern, durch lange Wochen hindurch das Spiel vorzubereiten, das läßt sich nicht so leicht einsehen, wohl aber ahnen, wenn man bedenkt, welche schwache Kräfte für die Spiele in diesem Heime zur Verfügung stehen. Umso erfreulicher und anerkennenswerter ist es, wenn dennoch so schöne Leiktunaen erzielt werden, wie wiederum beim diesjährigen Weihnachtsspiel.
Das Zahr 1932 ist ein Schaltjahr, hat also 366 Tage. Es beginnt an einem Freitag und endet an einem Samstag. Der Schalttag (29. Februar) fällt auf einen Montag. Das Jahr 1932 entspricht dem Jahr 6645 der Julianischen Zeitrechnung, dem Jahr 5692-93 der Juden und dem Jahre 1350-51 der Mohammedaner. — Das Jahr 1932 bringt zwei Sonnenfinsternisse und zwei Mondfinsternisse. Nur die letzte Mondfinsternis, am 14. September um 20,18 Uhr beginnend, ist in ihrem