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Religiöses Wochenblatt
für die katholischen Gemeinden Kassels.
Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 40 L-Vsenntg 3 45 L-Pfenntg lZustellgevüvr extra) Redaktionsschluß Montag. Anzeigen-Preise: Lolonelzetir im Anzeigenteil 0.15 Goldmart. EoloaelzeNr tm Reklameteil 0.60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Ofj.-Ged. 0.10 Goldmart. Port» extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besttz her Fuldaer Aetiendruckeret in Fulda fein.
—.....- Druck und Bering Oer Fuldaer AeNeudruckerel. Berlag»ort Fulda. ' ■
Sonntag, ö. Dezember 1931.
W 41. Jaw
Wochenkalender.
Sonntag, 6. Dezember. 2. Adventssonntag. Ni- kolaus, Bisch., Bek. Missionssonntag.
Montag, 7. Dezember. Ambrosius, Bischof, Kirchenlehrer. Ged. der Bigil von Unbefl. Emps.
Dienstag, 8. Dezember. Mariä Unbefl. Empfängnis.
Mittwoch, 9. Dezeinber. 2. Tag der Oktav der Unbefl. Empfängnis.
Donnerstag, 10. Dezember. 3. Tag der Oktav der Unbefleckten Empfängnis. Melchiades, Papst, Mart.
Freitag, 11. Dezember. Damasus I., Papst, Bek.
Samstag, 12. Dezember. S. Tag der Oktav der Unbefl. Empfängnis.
Zweiter Sonntag im Advent.
Epistel. Römer 15,4—13.
Evangelium. Matthäus 11,2—10. Die Gesandtschaft
der Täufers.
In jener Zeit hörte Johannes im Kerker vom Wirken Christi. Da entsandte er zwei von seinen Jüngern und ließ ihn fragen: „Bist du eS, der da kommen soll, oder haben wir einen andern zu erwarten?" Jesus antwortete ihnen: „Gehet hin und berichtet Johannes, was ihr gehört und gesehen habt: Blinde sehen, Lahme gehen. Aussätzige werden rein, Taube hören, Tote stehen auf, Armen wird die frohe Botschaft verkündet. Wohl dem, der an mir nicht irre wird!" Als jene weggingen, sprach Jesus zu den Volksscharen von Johannes: „Wozu seid ihr in die Wüste hinausgezogen? Ein Schilfrohr zu sehen, das vom Winde hin und her bewegt wird? Oder wozu seid ihr hinausgezogen? Einen Menschen zu sehen in weichlichen Kleidern? Seht, die da weichliche Kleider tragen, sind an den Höfen der Könige. Wozu seid ihr also hinausgezogen? Einen Propheten zu sehen? Ja, ich sage euch, mehr als einen Propheten. Denn dieser ist es, von dem geschrieben steht: „Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her, auf daß er deinen Weg vor dir bereite."
Für das Mnd.
■ aiser Franz Joseph gab zu seinem Jubeljahr die Parole aus: „Für das Kind." Alle Stiftungen, Arbeiten, Geschenke, die im ganzen Jubeljahr 1908 zu des Kaisers Ehren von den treuen Untertanen gemacht würden, sollten ausschließlich der Kinderwelt zugutekommen.
Trägt nicht auch der heutige Tage die Parole: •'UÜr das Kind^" Fällt ja auf den heutigen, zweiten Adventssonntag das Fest des hl. Nikolaus, des großen Kinderfreundes, dessen bloßer Name unseren Buben und Mädchen viel Jubel und ~~ ein bißchen Schrecken einflößt. Welch selige «sagen, welch glückliches Lachen, wenn auch nur elNlgs Nüsse oder Aepfel, etwas Backwerk oder Spielsachen vom hl. Nikolaus abfallen.
Obwohl nun unserer heiligen Elisabeth Leben â „Wirken auf die Parole eingestellt war: „Für
, — so hatten doch in ihrem guten Herzen
gerade die Kinder einen berechtigten Borzug. Hören wir darüber aus der Legende folgende Geschehnisse:
„Unter anderm nahm sie einen lahmen Waisenknaben zu sich, der fortwährend am Blutfluß litt; diesen legte sie zu ihrer größeren Uebung zu ihrem Lager und hatte viel Beschwerden durch ihn zu leiden; manchmal trug sie ihn sechsmal und noch mehr, wie es die Natur verlangte, auf ihren
Am 6. Dezember:
WelkmMons- Sonntag
„An diesem Tag möge in jeder katholischen Kirche, in jedem Oratorium, in jeder bescheidenen Kapelle der Christenglaube neu aufleben, es mögen heiße Gebete zum Himmel aufsteigen, damit alle Völker in Christus wiedergeboren werden. Es mögen an diesem Tage die Katholiken aller Länder und aller Völker in edlem Wettbewerb brüder- liä er Liebe sre willig ihren Beitrag für diesen heiligsten aller Zwecke beisteuern."
Erzbischof Salofti.
Armen heraus und wusch mit eigenen Händen die verunreinigten Tücher.
Nach dessen Tod nahm sie ohne mein Wissen (so erzählt ihr Beichtvater Konrad) ein aussätziges Mädchen zur Verpflegung, verbarg es in ihrem Haus und erwies ihm jeden Dienst der Mensch lichkeit, so daß sie sich herabließ, es nicht nur zu speisen, ihm das Bett zu machen und es zu waschen. sondern auch ihm die Schuhe auszuziehen, wobei sie ihre Leute beschwichtigte, daß sie keinen Anstoß daran nähmen. Als ich solches erfuhr, habe ich sie (verzeih mir es der Herr!) sehr hart gezüchtigt, weil ich fürchtete, daß sie davon angesteckt werde. Als die Aussätzige von mir fort- geschafft worden war, und ich mich zum Geschäfte des Predigens in weitere Gegenden entfernt hatte, nahm sie' einen lahmen Knaben, der ganz voll Ausschlag war, so daß er kaum ein einziges Haar am ganzen Kopfe hatte, um ihn von dem Aussatz zu kurieren, und besorgte ihn sowohl im Waschen als auch mit Heilmitteln (von wem sie dies gelernt hat, weiß ich nicht); und dieser Knabe saß an ihrem Bett, als sie starb." ---
Haltet einen Augenblick still und bedenket die Liebeskraft dieser hl. Frau gegenüber den Kindern.
Zunächst ist zu erwägen, daß es sich bei Elisabeth nicht um ihre eigenen Kinder gehandelt hat.
Aus früherer Lesung wissen wir ja noch, daß die Fürstin drei Kinder ihr eigen nannte: Sofie, Her- mann und Gertrud. Auch haben wir nicht vergessen, daß sie nach dem Tode ihres Gemahls alle diese Kinder von sich gab und sie fremden Händen zur Erziehung anvertraute. Welch« Wunden ihr dieses Opfer schlug, welchen Schmerz diese Trennung kostete, das ist nur dem Allwissenden bekannt. Die Mutterschaft dreier Kinder war dieser großen Seele zu wenig. Allen Elenden, allen Armen, allen Kranken, allen Waisen wollte sie Ernährerin, Trösterin und Mutter werden. Und so waren es fremde Kinder denen sie Herz und Hand in stillem Wohltun widmete. Dem eigenen Fleisch und Blut Gutes tun, dazu versteht sich jede Mutter, die auf diesen Ehrennamen Anspruch macht. Und als Rabenmütter werden verschrien diejenigen, welche die Pflichten der Natur und Liebe verkennen und verleugnen. Wacht nicht so manche Mutter am Bette eines kranken Lieblings Tag und Nacht? Verscheucht sie nicht den Schlaf von ihren Augen und die Müdigkeit von ihren Füßen? Spart sie nicht so manchen Bissen vom eigenen Munde ab, wenn es gilt, ihrem Kinde eine Annehmlichkeit zu verschaffen? Sobald es aber um fremde Kinder sich handelt, da zieht so mandje Mutter sich zurück und denkt: ich habe genug zu tun mit meinen eigenen.
Nicht so die hl. Elisabeth. Kinder, die sie gar nicht kannte, die durch keine Bande des Blutes mit ihr verknüpft waren, betrachtete sie als ihre eigenen u. vollbrachte an ihnen Großtaten derLiebe.
Kranke Kinder waren es. Auf einem getun* den, frischaussehenden, lebensprühenden Kind läßt jedermann gern sein Auge weiden, und es wird gehätschelt, gestreichelt und beschenkt. Ist es aber ein krankes, ein verunstaltetes, unreinliches-Kind — einem solchen geht man aus dem Weg. Umgekehrt St. Elisabeth. Je abstoßender, je ekelerregender, je schmutziger ein Kind war, desto mehr ühlte sich Elisabeth durch die magische Gewalt )er Liebe zu ihm hingezogen. Aussätzige, blut- flüssige Kinder schloß sie in ihre Arme, bedeckte ihre Geschwüre mit Küssen, legte sie in ihre eigenen weißen Kissen, behielt sich dieselben zur per« änlichen Pflege als Ehrenamt vor!---
Für die Kinder! Das sollte die Parole auch unserer Zeit sein. Jahrhundert des Kindes hat man das 20. Jahrhundert zu nennen sich erdreistet. Aber Gott sei's geklagt! Als Feindin des Kindes wird einst unser Jahrhundert am Pranger stehen. Sind nicht die Geburtsziffern in Stadt und Land gesunken wie das Thermometer bei dickem Eis? Wirtschaftliche Verhältnisse und drük- kende Not sind daran nicht allein Schuld. Die Hauptschuld trägt das Zurückgehen des Glaubensgeistes und des Opfersinns. Wo man nicht im Interesse des Kindes sich verstehen will auf Einschränkungen in der Lebenshaltung, auf so manche