meinen Katholizismus kann jetzt nur zu meinen Gunsten ausfallen. Dafür sind auch Heinzens Lieb- fofungen und Umarmungen für feinen Papa bedeutend lebensgefährlicher geworden. — Ist er picht ein Prachtjunge, der Heinz?
Vier Stunden weniger...
Von Felix Timmermanns.
Berechtigte Uebertragung von Dr. Karl Jacobs.
Still und düster war das Haus.
Der Anstreicher Marus schlief neben seiner kranken Frau, die am Morgen die letzte Oelung empfangen hatte.
Der Sohn lag oben, die beiden Töchter nebenan, Sie hatte die Tür offen gelassen, damit sie auf den ersten Anruf des Vaters gleich beider Hand sein konnten. Alle hatten sich mit geröteten Augen schlafen gelegt. Der Doktor hatte wenig Hoffnung gelassen. Aber wenn sie die Nacht überstände, würde sie wohl besser werden.
Sie hatten vor dem Muttergottesbild gebetet. Die Kerzen waren niedergebrannt. Der Rauch stieg im Treppenhaus hoch. Draußen schluckte der Schnee die Geräusche. Es herrschte Stille drinnen und draußen.
Marus versuchte sich wachzuhalten, indem er betete und die flackernden Schatten des Nachtlichtes im Auge behielt. Aber dann war er doch unversehens eingeschlafen.
Und der Tod blickte durch das Fenster. Er löschte das Licht und hielt die Uhr an.
Still und düster war es im Haus.
Plötzlich spürte Marus einen Ruck. Er erwachte halb und fragte: „Rose, hast du etwas gesagt?"
Rose antwortete nicht. Während er mit emem Auge zu wachen versuchte, schlief er bald wieder ein. Die Nacht schleppte sich träge dahin, düster und still.
Wieder spürte er einen Stoß. „Rose, was ist? Willst du trinken?"
Rose schwieg.
Feuchte Kälte schüttelte ihn.
Er wurde deutlich wach und suchte nach dem Acht. Es war aus. Er horchte nach der Uhr. Sie stand still.
„Rose, Rose, was ist dir?"
Rose antwortete nicht.
Da spürte er, wie kalt seine Frau war. Er tastete ihren Arm ab. Er war wie Marmor. Er richtete sich auf und beugte sich über ihren Kopf. Sie atmete nicht mehr.
Nun begriff er. Sprang aus dem Bett, zündete Licht an, um nachzusehen. Aber dann preßte er die Augen zu. Er konnte sie nicht ansehen.
Er tastete nach ihrer Hand und kniete vor dem Bett nieder. Er küßte ihre starren Finger und ein Schluchzen zitterte in seiner Kehle.
„Rose! Rose!"
Tränen hingen an ihrer Hand.
Die Kinder! Ihm fielen die Kinder ein! Er taumelte hoch, lief zur Tür. Sein Mund öffnete sich zum Ruf .... Da hörte er vom Kirchturm drei Uhr schlagen.
Er legte die Hände vor die Augen. Drei Uhr! „Gott, wie früh", seufzte er. Und ließ die Kinder schlafen. Bis sieben Uhr. Wie gewöhnlich! Das bedeutet für sie vier Stunden weniger Leid im Leben. . . .
Er schloß sackt die Tür und kehrte zu der toten Frau zurück, wo er zusammengekauert liegen blieb und weinte.
Wie die Menschen sterben.
Voltaire.
Als der Elaubensipötter Voltaire von einer schweren Krankheit befallen wurde, ließ er den Priester kommen und beichtete. Nachdem er sich über wieder erholt hatte, wurde er wieder der ulte Sünder. Da traf ihn 1788 ein neuer Blutsturz, und es kam zum Sterben. Die „Freunde" Voltaires hatten diesmal dafür gesorgt, daß kein Priester mehr zu ihm gelangte, und der stolze ^Pötter gab in einem gräßlichen Antall von Ber- Sweiflung den Geist auf. „Ich fühle eine Hand, o>e mich erfaßt und vor den Richterstuhl Gottes zerrt" — so schrie er —, „der Teufel ist da und will mich packen, ich sehe die Hölle, so verbergt sie w>r!" Der Marschall von Richelieu machte sich oavon mit den Worten: „Wahrhaftig, das ist zu ^rg, das kann man nicht mit ansehen!"
Schopenhauer.
Der Philosoph Schopenhauer (t 1860) rief während feiner letzten Krankheit, von heftigen Schmerzen gefoltert, öfters aus: „O Gott, mein Gott!" Als ein Arzt ihn fragte: „Existiert denn noch ein Gott für Ihre Philosophie?" erwiderte er: „Sie reicht ohne Gott in den Schmerzen nickt aus; es soll damit, wenn ich wieder gesund bin, anders werden."
Anatole France.
Der französische Sozialist Anatole France ein Spötter und Verächter jeder Religion, der große Bände von Romanen bloß zu diesem Zwecke schrieb, um Gott und Kirche zu verhöhnen, faßte im Sterben (1924) zitternd und fieberhaft die Hände seines Sekretärs. Die Tränen standen in seinen Augen und seine Gesicktszüge waren entstellt. Er seufzte laut: „Es gibt auf der ganzen Welt kein so elendes Wesen, wie ich es bin. Man hält mich für einen glücklichen Menschen. Ich war aber nie in meinem Leben glücklich, keinen Tag, keine einzige Stunde " Dabei war Anatole France reich, hatte eine schöne Villa, lebte sehr verschwenderisch, war ein gefeierter Schriftsteller und stand in großem Ansehen. Nur eins fehlte ihm, der innere Friede, der allein den Menschen glücklich machen kann.
Heine.
Der Dichter Heine (t 1856) schrieb im § 7 seines Testamentes- „Seit vier Jahren habe ich allen philosophiscken Stolz abgelehnt und bin wieder zu religiösen Dingen übergegangen. Ich sterbe glaubend an einen ewigen Gott, Erschaffer der Welt, dessen Barmherzigkeit ich anrufe für meine ewige Seele. Ich bedaure, in meinen Werken von heiligen Dingen oft respektlos gesprochen zu haben. Wenn ich ohne mein Wißen die guten Sitten und die Moral beleidigt habe, welche die wahre Kraft des Glaubens sind, so bitte ich Gott und alle Menschen um Verzeihung."
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St. Familia. Sonntag, den 22. November, abends 6 Uhr spricht P. Feld. Kasper 8. J. über die Frage: Was wissen wir vom Himmel? Der Himmelsglaube, diese trostreichste und beglük kendste Botschaft in unserer Zeit der Not, ist heute bei so vielen Menschen verblaßt oder verzerrt und deshalb für das praktische Leben und Handeln wirkungslos. Darum ist eine klare Darlegung dessen, was der Himmel eigentlich ist, gerade heute so wichtig und notwendig. Was jeden von uns im Himmel einst erwartet, das wird der Vortrag zeigen nicht auf Grund bloßer Vermutungen und Phantasien, sondern nur auf Grund dessen, was wir Sicheres darüber wissen
St. Maria. Christliche Liebe besiegt die Not. Es gibt so viele Wege, der großen Not wirksam zu begegnen, und Viele könnten es, ohne sich selbst großen Abdruck zu tun So manche Familie ohne Kinder oder mit nur einem oder wenigen Kindern, deren Ernährer sich in gutem, gesichertem Einkommen befindet könnte, ohne es merklich zu spüren, noch ein armes Kind an seinem Mittags- tische mitessen lassen, oder an eine bedürftige Einzelperson regelmäßig ein Mittagessen abgeben. So mancher könnte. ohne sich selbst damit ein großes Opfer aufzulegen, in eine kinderreiche oder bedürftige Familie regelmäßig wöchentlich ein Brot oder ein bzw. mehrere Pfund Lebensmittel geben und dadurch die Nahrungssorgen manches arbeitslosen Vaters sehr merklich erleichtern. Wir kennen viele Familien und Einzelpersonen, die eine solche Hilfe gern annehmen würden, und wir sind auch überzeugt, daß viele Opferwillige da ünb, die eine solche Hilfe gern leisten. Wo sind sie, die da mit christlicher Liebe die Not besiegen helfen? Wer ist bereit, einem armen Kinde eine Woche, einen Monat, den Winter hindurch ein Mittagessen zu geben? Bei wem darf eine bedürftige Einzelperson oder ein Ehepaar ein Mittagessen abholen? Wer übernimmt es, regelmäßig, wöchentlich in eine arme oder kinderreiche Familie ein Brot oder ein Lebensmittelpaket zu geben? Gef. Angebote erbeten an das Katholische Pfarramt St. Maria, Kirchweg 71.
St Marien. Die Katholiken der Pfarrei treffen sich am Sonntag, den 22. November, abends 8 Uhr im Saale von' Lesch (Hohenzollernstr. 102) zum
Festabend unseres Jugend- und Jungmannerver» eins. Wir wollen dadurch unser Interesse und unsere Mithilfe für die so schwere Arbeit an unserer Jugend zeigen. Saalöffnung um 7 Uhr Eintrittskarten (50 Pfg.) sind noch an der Abendkasse zu haben. — Für Kinder unter 14 Jahren findet ebendaselbst am Sonntag nachm. ^2 Uhr eine besondere Aufführung statt. (Eintritt: 10 Pfg.)
St. Maria. Seitdem der spätere Schulbeginn Mitte dieses Monats in den Bürgerschulen eingesetzt hat, ist es nicht mehr möglich, in unterer Pfarrkirche an Wochentagen, wie bisher drei Gottesdienste zu halten. Es können nur noch zwei hl. Messen täglich in unserer Pfarrkirche stattftnden. Um 7.40 Uhr die Schul- und Pfarrmesse und um 8.20 Uhr die letzte hl. Messe, die sich immer eines guten Besuckes erfreut. Den Besuchern der bisherigen frühen heiligen Messe um 6.30 Uhr ist fortan Gelegenheit zum Besuch des hl. Opfers und zum Sakramentenempfang gegeben im Schwesternhaus, Pfeifferstr. 3, wo den Winter hindurch um die gleiche Zeit eine hl. MeH gehalten wird.
Konvertiten St. Elisabeth. Sonntag, den 22. November, nachmittags 4% Uhr Versammlung im Agneshaus, Frankfurterstr. 25.
Mndthorftbund. Freitag, den 20. November, abends 8^ Uhr Versammlung am gewohnten Treffpunkt. Thema: Grundbegriffe der Wirtschaft (Licktbildervortrag.) Nach dem Vortrag Aussprache über tagespolitiscke Fragen. Alle Mitglieder müssen erscheinen. Gäste sind herzlich willkommen.
Sakho! scher Deutscher Frauenbund. Wer stellt für die Winterhilfe Nähmaschinen für erwerbslose Mädcken zur Verfügung. Angebote sind zu richten an Frau Dr. Theisen, Königstor 76, Tel. 32 006
Theaterabend im katholischen Gssellenverei». Wenn diese Zeilen vor den Leser kommen, sind die Proben und Vorbereitungen zu unserem Spiel fast beendet. Wir hoffen den Abend zu gestalten, daß er würdig werde des Jubiläumsjahres der hl. Elisabeth. In der lebten Nummer dieses Blattes ist die notwendige Einführung in das Spiel „Die hl. Elisabeth von Thüringen" von Margarete von Gottschall bereits gegeben worden. Heute erlauben wir uns, noch einmal unsere Mitglieder mit ihren Angehörigen und alle Freunde des Vereins und unserer Bühne herzlich, cinzuladen — Karten sind zu haben im Vorverkauf zu 0,70 Mark beim Präses, bei den Mitgliedern und im Gesellenhaus: an der Abendkasse kosten sie 0,80 Mark Die Aufführung ftndet statt am Sonntag, den 22. November, abends 7 Uhr in den Bürgersälen, Obere Karlstraße. Kasfenöfsnung 6 Uhr.
Jubelfeier des Orkskarkells der christlichen Gewerkschaften staffel
Am Sonntag, dem 8. November, feierte das Ortskartell der christlichen Gewerkschaften Kassels sein SSjährigss Bestehen. Die Festfeier wurde mit Gottesdiensten in katholischen und evangelischen Kirchen eingeleitet.
Der eigentliche Festakt fand morgens 11.15 Uhr im Katholischen Gesellenhaus statt. Zu dem Festakt waren sowohl die Vertreter der kirchlichen als auch der weltlichen Behörden und der befreundeten Verbände erschienen.
Nachdem die Feier durch ein Musikstück der Kapelle Schröder und der Gesangsabteilung des kath. Gesellenvereins eingeleitet worden war, ergriff der Vorsitzende des Kartells, Trabert, das Wort zu seiner Begrüßungsansprache. Nachdem er auf die Bedeutung des Tages und auf das Aufgabengebiet der Gewerkschaften in den letzten 25 Jahren hingewiesen hatte, hieß er alle Erschienenen herzlich willkommen. Er betonte insbesondere, daß er sich freue, daß soviele Behördenvertreter der Einladung Folge geleistet haben. Einige waren leider verhindert und wurden deren Begrüßungsschreiben verlesen.
Gleichzeitig gedachte er auch der Toten, die an der Gründung des Kartells mitgewirkt haben und insbesondere auch derjenigen, welche im Kriege ihr Leben für ihr Vaterland gelassen hätten. Kein Monat sei geeigneter zur Ehrung ihrer Toten als der Novembermonat, wo die christlichen Kirchen ihre Toten ehrten. Es fei deshalb auch Pflicht einer christlichen Gewerkschaft, anläßlich ihrer Jubiläumsfeier, welche in den Totenmonat fällt, gleichzeitig ihre toten Mitkämpfer zu ehren. Die Fest- teilnehmer erhoben sich von ihren Sitzen, und die Musik spielte leise das Lied vom guten Kameraden.
Dann ergriff der Reichsjugendleiter der christlichen