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dn Aufschrei eines Todwunden, sie ringen und kämpfen, sie flehen und bitten, sie beten nicht mehr, sie weinen nur, weinen sich zu Tode. Ihre Tage ichleppen sie dahin in Sünden und Ketten. Ein Kreuzweg ist ihr Leben: nur eine Kraft ist noch in ihnem die sie retten kann. Die schönste Eigen­schaft der Seele ist noch nicht erstorben, die Sehn­sucht- Sehnsucht ist es, wütende, bittende. Hoff- nungslose Sehnsucht nach Liebe: „Mein Weg geht über dürren Dorn und hat kein Ende, das mich tröstet. Mich ruft kein Mund, mir quillt kein Born. Einsam sind alle meine Stunden. Mein überreiches Herz ward leer, ich habe nie das Glück cefunben und nie die Hand. die sanft und fad)' sich über meine Sehnsucht legte. Sie haben alle nur mit mir gelacht! — Nur Narr, nur Narr' Sonst nichts, ein Leben lang. Einsam, fo wird mein Sterben sein, — wie Bäume sterben auf ver- icrener Heide, keinem zu Leide!" Kennst du dies Sieb’ Es ist das Nachtgebet der Einsamen. Ver- stohenen, Zerbrochenen. Sie sehnen sich nach der Gemeinschaft mit Menschen, aber man stößt sie -zurück: Sie klopfen an manche Herzenstür und drinnen rief's: herein! Sie baten um einen Bif- len Brot, bekamen einen Stein. Und so bekamen sie Stein für Stein. Sie trugen ihn heimwärts und bauten sich ein Mauerwerk rings um ihr eige­nes Herz. Sie lehnen sich nach einer gütigen, ver­stehenden Menschenseeke, aber sie können sie nicht finden. Die Menschen kommen mit Worten, zu trösten, mit Gaben, zu helfen, und sie wollten doch nur, daß leise Hände ihnen wortlos über Haar und Augen streicheln, und daß diese Zauberhände die brennende Wunde ihrer Seele heilen, wie einst der Herr es tat im alten Judenland.

Und wir? Ach Gott, wir gehen an diesen Men­schen vorüber, werfen ihnen Worte und Gaben hin, veranstalten Wohltätigkeitsfeste, Wohltätig­keitsbälle!, vergießen vielleicht Mstleidstränen, er­gehen uns in frommen, salbungsvollen Reden, vertiefen uns mit einer gewissen Wollust in die Verhältnisse der Kellerwohnungen, der Hinterhäu­ser. Aber Mitleid, das wahre Mitleiden das Mit- auffchreien unter den Schlägen des Schicksals, das haben wir oftmals nicht, das wollen sie oftmals nicht haben, die Mitleid im Munde führen. Nein, sie wollen jauchzen, genießen und gepriesen wer­den, als Gerechte und Gute gelten, und der Hei­land hat nur ein Wort für derlei Mitleid: „Er sah ihn und ging vorüber." Wer denn? Ein Heide vielleicht? — Oder ein Ungläubiger? Wer steht cm Pranger der Lieblosigkeit von der ganzen Welt in Parabel des Herrn? — Ein Rechtgläubi­ger, ein Levit, ein Priester! Welch eine Schande! Er sah ihn und ging vorüber! Daß wir doch nie über dem Glauben die Liebe vergessen! Das wärt ein Sonnenaufgang des Glückes für tausende ar­mer Menschenseeien, die den Glauben verloren'. Der Liebe Welen ist Mitleid und Barmherzigkeit!

Elisabeth und Franziskus.

Von P. Gallus Haselbeck O. F. M.

.....Elisabeth und Franz,

Der Rosen zwei erblüh'n am selben Zweige, Am Himmel steh'n in starkem und in mildem Glanz

Trotz Eigenlicht zwei Sterne gleicher Größe."

So Henriette Brey in ihrem Hymnus auf Eli­sabeth und Franziskus.

In der Tat, die Aehnlickkeit zwischen Franzis­kus und Elisabeth ist überraschend! Nichts kann deutlicher den Einfluß der franziskanischen Bewe­gung auf die hl. Landgräfin von Thüringen zei­gen, als eine Parallele zwischen ihr und Franzis­kus.

Der hl. Franziskus, noch im weltlichen Stande, pilgert nach Rom und stellt sich vor der Peters- urche mitten zwischen den Bettlern auf. — Elisa­beth beteiligt sich als Landgräfin an den Bittpro- ^fiionen und nimmt bei den Predigtstationen ihren Platz mitten zwischen den ärmsten Frauen. Der hl. Franziskus achtet es als Süßigkeit für und Seele, unter den Aussätzigen zu weilen "7 Die hl. Elisabeth scheut sich vor den Aussätzigen mehr als vor den Gesunden. Wo sie welche dudet, setzt sie sich zu ihnen, tröstet sie und er= muntert sie zur Geduld.

Der hl. Franziskus liebt ärmliche Kleidung und verlangt von seinen Söhnen, daß sie geringe schwer tragen. Sie sollten ihre Kleider, wenn nö- 3- auch flicken, auch wenn der Fleck nicht immer

genau mit der Farbe des Kleides übereinsiimmt. — Die hl. Elisabeth trägt schon als Landgräfin in Abwesenheit ihres Gemahls wollene Kleider (den Stoff der Armen), trägt solche Kleider auch auf ihrem Gang zur Auslegnung. Nachdem sie als Witwe das graue Kleid des Dritten Ordens genommen, bestückt sie ihren Mantel, der zu kurz geraten war mit andersfarbigem Stoff; mit ihrem zerrissenen Aermel macht sie es geradeso.

Obwohl der hl. Franziskus sein eigenes Vermö­gen nicht verschenken konnte, weil er es in den Händen feines Vaters lassen mußte, verlangte et doch von seinen Brüdern, daß sie nach der Vor­schrift des hl. Evangeliums ihr Vermögen unter die Armen verteilen, soweit es möglich war. — Elisabeth, sobald sie die Abfindungssumme für ihr Wittum erhalten hatte, läßt die Armen aus der ganzen Gegend zusammenrufen und verteilt unter sie an einem Tag 500 kölnische Mark, das ist dem Silbergehalt nach ungefähr 12 000 Mark unserer heutigen Währung. Hätte Konrad von Marburg sie nicht zurückgehâlten, so hätte sie binnen kurzem ihr ganzes Vermögen in die Hände der Armen gelegt.

Franziskus kennt nichts Höheres als die hl. Ar­mut, den Verzicht auf die irdischen Güter bis zu dem Grad, daß er selbst auf Almosen angewiesen ist, um desto freier Gott anhangen zu können — Von Elisabeth bezeugt ihre Gespielin Jsentrud, daß sie mitten in ihrer Herrlichkeit große Sehnsucht nach der Armut gehabt, daß sie mit ihren Kam­merfrauen oft über die Armut sprach, und eines Tages mit einem schäbigen Mantel und Haupt- schleier angetan zu ihnen sagte: So werde ich aus-

Elisabekh.

Licht über deinem Namen sieht, Rosenduft gleich, der Armen Gebet, Zu denen still deine Güte geht,

Elisabeth!

Deine milde Barmherzigkeit Breitet den schützenden Mantel weit Heber der Menschen Jammer und Leid,

Elisabeth!

Sein Sturm so wild, daß er verweht, Was deine Mutterhände gesät. Wie eine goldene Garbe sieht dein Name,

0, Elisabeth!

M. Walther, Kassel.

sehen, wenn ich einmal betteln gehe und für Gott Elend ertrage. Konrad von Marburg berichtet, daß sie ihn nach dem Tode ihres Gemahls bat, sie bet­teln zu lassen von Tür zu Tür.

Franziskus wurde wegen seiner freiwilligen Armut als Narr verlacht und verhöhnt. — Elisa­beth wurde nach dem Tode ihres Gemahls aus dem gleichen Grunde als Närrin verachtet, so daß selbst ihre nächsten Verwandetn nichts mehr mit ihr zu tun haben wollten.

Franziskus befahl feinen Söhnen, daß sie arme Kirchen und Häuser bauen sollen. — Elisabeth baut ihr Hospital in Marburg, das sie bis zum Tod mit ihren geliebten Armen bewohnen wollte, als „bescheidenes Häuslein aus Lehm und Holz", also einen gewönlichen Fachwerkbau, obwohl in der Abfindungssumme Geld zu Besserem vorhan­den gewesen wäre.

Franziskus ist inmitten seiner Armut fröhlich, ja umso fröhlicher, je ärmer er ist. Er weist in der Regel von 1221 seine Brüder an, fröhlich durch die Welt zu gehen, und als er eines Tages einen Bruder mit feinem Bettelsack lachend nach Haust kommen siebt, ruft er entzückt aus: Das ist ein wahrer Minderbruder! — Elisabeth läßt das Te Deum fingen in jener Nacht, in der sie nicht weiß, wo sie ihr Haupt hinlegen soll. Die Zeugin Jr- mingard sagt, daß Elisabeth in der Trübsal freu­dig und fröhlich war, daß niemand ihr ansah, was sie litt.

Bei Franziskus lag mystisches Weinen und Entzücken hart nebeneinander. „Freude, dein Schmerz untermischt", sagt Bonaventura einmal. — Von Elisabeth wird erzählt, daß sie am fröh­lichsten war, wenn sie am meisten weinte, „so

wunderlich es klingen mag", und daß sich beim Weinen ihr Gesicht niemals verzerrte; ihre Trä­nen quollen mühelos aus den Augen, die heiter und fröhlich blickten.

Franziskus erwartet singend den Tod. — Von der sterbenden Elisabeth erklärt ihre gleichnamige Magd, sie habe aus der Kehle ihrer Herrin einen lieblichen Gesang vernommen.

Wir haben bei dieser Skizze absichtlich jene Aehnlichkeiten unerwähnt gelassen, die wir mehr oder weniger bei allen Heiligen finden, und uns auf Einzelheiten beschränkt, die für beide Heilige charakteristisch sind. Um so klarer zeigt es sich, welchen Eindruck Beispiel und Forderung des hl, Franziskus auf Elisabeth gehabt haben, ja wie verwandt sie innerlich einander waren. Wir kön­nen hier Wenck zustimmen, wenn er sagt: „Die Abhängigkeit Elisabeths von" der Änschauungs- welt des hl. Franziskus kann nicht leicht über­schätzt werden." Gut kommt sie zum Ausdruck auf einem Glasgemälde der Elisabethkirche. Der Künst­ler läßt nebeneinander Franz von Christus, Eli­sabeth von Maria krönen.

īS den SemekK-en

Gedächknislag der Gefallenen. Am Mittwoch haben wir den Gedächtnistag für die Gefallenen des Weltkrieges. Er ist wegen des damit zusam­menfallenden protestantischen Buß- und Vettages wohl ein gesetzlicher Feiertag, aber kein kirchlicher. Es besteht deshalb auch nicht für die Gläubigen die Pflicht, an diesem Tage die hl. Messe zu besu­chen. Gleichwohl werden sie sicherlich an den Got­tesdiensten teilnehmen, die an diesem Tage für die Gefallenen stattfinden.

St. Elisabeth. Es sei auch hier darauf hinge­wiesen, daß am Mittwoch, dem' Gedächtnistag der Gefallenen, nur drei Gottesdienste sind, weil es kein kirchlicher Feiertag ist. Die Gottesdienste fin­den statt: um 7, 8.30 und 9.45 Uhr.

Sf. Maria. Aenderung im Beginn der Nach­mittagsandachten. Die Pfarrangehörigen werden besonders darauf hingewiesen, daß die Nachmit­tagsandachten während der Wintermonate wieder früher beginnen, und zwar um 6 Uhr.

Kath. Gesellenverein. Am Sonntag, dem 15. November, findet abends 8 Uhr im Gesellenhaus ein Herrenabend unserer Altmitglieder und Ehren­mitglieder statt. Es wird damit sicher einem viel- seitigen Wunsch entsprochen und deshalb freundlich zu diesem Abend eingeladen. Es sei hingewiesen auf die diesbezügliche nähere Mitteilung in der Samstagsnummer des Hessischen Kurier,

St. Kunigundis. Heute, Sonntag, den 15. Nov. 1931 wird im Saale des St. Heinrichs-Haufes das Theaterstück „Die heilige Elisabeth von Thü­ringen", dramatische Dichtung in fünf Akten, auf­geführt. Die erste Vorstellung für die Kinder be­ginnt nachmittags um 3 Uhr. Die zweite Vorstel­lung abends 8 Uhr ist für die Erwachsenen. Der Eintrittspreis beträgt für Kinder 20 Pfg., für Er­wachsene 50 Pfg. Alle Freunde und Gönner wer­den herzlich zu dieser Veranstaltung eingeladen.

Kath. Jugend- und Jungmännerverein St Ma­rien. Der Verein begeht demnächst sein 24. Stif­tungsfest. Die kirchl. Feier mit Generalkommu­nion wird zusammengelegt mit der Monatskom­munion am 13. Dezember. Die weltliche Feier in Form eines Theaterabends findet am Sonntag, 2 2. November, abends 8 Uhr im Saale von Gastwirt Lesch (Hohen,zollernstr.) statt. Die Tatsache, daß gerade die Jugendlichen von heute so oft aus dem Familienleben und somit dem Elternhause ganz herausgewachsen sind, hat den Verein veranlaßt, in den Mittelpunkt des ganzen Abends die Familie bzw. die Mutter zu stellen. „So lang dein Mütterlein noch lebt", die­ses Volksspiel in sechs Auszügen soll der Jugend gerade zeigen, daß die Liebe und Sorge einer Mutter nimmer aufhört. Schon allein der erzie­herische Wert dieses Stückes läßt wünschen und hof­fen. daß der Verein ein vollbesetztes Haus zu sei­nem Festabend bekommen wird. Karten werden im Laufe der Woche vorverkauft von den Mitglie­dern zum Preise von 50 Pfg. Erwerbslose er­halten Karten beim Präses (Kpl. Botthof) für 30 Pfg.

kathol. Bürgergesellschask. Am Dienstag, dem 17. November, abends 8.30 Uhr findet im Her- fulesreftaurant, Hohenzollernstr. 77, ein Männer-