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Sonntag, 15. November 1831.
Nr. 48
41. Zahrg.
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Religiöses Wochenblatt
für die katholischen Gemeinden Kassels
Erscheint leben Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 40 K-Pfennig B 45 L-Pfennig (SufleUgebüht «xtraj Redakllonsichluß Montag. Anzei gen- Preises TalonetzeUe im Anzeigenteil 0,15 Goldmark. Loloneizetl» tm Reklametetl 0,60 Goldmark. Bel Wiederholung Rabatt. Auskunft und Oft.-Ged. 0,10 Goldmark Porl» extra Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Aeliendruckerei in Fulda (ein,
Cents ant» Gering Oet Fuldaer Actisadrukterel. üerlagsorf Fulda.
MochenkaZender.
Sonntag, 15. November. 25. Sonntag nach Pfingsten. Gertrud, Jgfr. Erntedankfest. Kollekte für den Boni- fatiusverein.
Montag, 16. Nov. Vom Tage.
Dienstag, 17. Nov. Gregor der Wundertäter, Bischof, Bekenner.
Mittwoch, 18. Nov. Wethe der Basiliken St. Peter und St.. Paul (Rom). Gedächtnislag der Gefallenen des Weltkrieges.
Donnerstag, 19. Jtoo. Elisabeth, Witwe, t 19. November 1231. Pontianus, Papst, Mart.
Fmtag, 20. Nov. Felix von Valois, Bek.
Samstag, 21. Nov. Mariä Opferung.
25. Sonntag nach Pfingsten.
Evangelium. Matthäus, 13, 31—35. Das Gleichnis
vom Senfkorn und Sauerteig.
In jener Zeit trug Jesus dem Volke folgendes Gleichnis vor: „Das Himmelreich ist einem Senfkorn gleich, das ein Mann nahm und auf feinen Acker säte. Cs ist zwar das kleinste von allen Samenkörnern. Ist es aber ausgewachsen, so ist es größer als alle anderen Gartengewächse und wird ein Baum, so daß die Vögel des Himmels kommen und in seinen Zweigen wohnen." Er trug ihnen noch ein anderes Gleichnis vor: „Das Himmelreich ist einem Sauerteige gleich, den eine Frau nahm und unter drei Maß Mehl mengte, bis das Ganze durchsäuert war." All das redete Jesus in Gleichnissen zum Volke, und ohne Gleichnisse redete er nicht zu ihm. So sollte sich das Wort des Propheten erfüllen: „Ich will meinen Mund auftun zu Gleichnissen, will ^Tenbaren, was verborgen war seit Grundlegung der
Geehrt, geschändet, Verschwunden.
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^Zit diesen drei Worten ist die Ge- schichte von den Reliquien der hl Elisabeth kurz beschrieben.
Wie der Leib der verbliche- nen Fürstin alsbald nach ihrem Lod beigesetzt und begraben wurde, habe ich in der letzten Lesung bereits berichtet. Vier Jahre darauf wurde nun Elisabeth durch das Urteil des Statthalters Christi in den Kalender der Heiligen eingeschrieben. Das war die Losung zu neuen Eh- für Elisabeths Seele und Leib. Feierlich soll- ten ihre sterblichen Ueberreste aus dem seitherigen Grabe erhoben und an würdiger Stätte aufs neue veigesehl werden. Als Termin zu dieser Feier 1 ,oom Erzbischof Siegfried von Mainz der L Mai des Jahres 1236 bestimmt. Als der Tag ? ^"linahte, schwollen die Menschenmassen in Mar- »M höher an als die Wogen der Lahn bei einer scke cä^emmung. Mehr als eine Million Men- ö Mlen es gewesen sein, die Zeugen des Schau- iiber -Herden wollten. Die Leute staunten selber vielö m dahl und meinten, es seien noch nie so Menschen beisammen gewesen. Nicht nur
aus ganz Deutschland, sondern auch aus Ungarn. Böhmen, Frankreich und andern Ländern strömten die Pilger herbei. Außer einer zahllosen Menge von Priestern, Mönchen und Aebten sind 12 Kirchenhäupter aufgezählt, welche dem Feste beiwohnten: die Erzbischöfe von Mainz, Köln, Trier, Bremen; die Bischöfe von Hamburg, Halberstadt, Merseburg, Bamberg, Worms, Speier, Paderborn und Hildesheim. Ja selbst der berühmte deutsche Kaiser Friedrich H., damals der mächtigste Fürst auf Erden, hatte sich nebst einer Menge von Herzögen, Fürsten und Grafen eingefunden.
Die Brüder des deutschen Ordens trafen Vorkehrungen zur Erhebung der Gebeine. Der Prior Ulrich mit sieben Brüdern gingen nachts in die Kirche, sagen wir besser Kapelle, schlossen die Türen und öffneten die Gruft. Als sie die Steinplatte darüber abhoben, stieg ein köstliclier Wohlgeruch empor. Die Brüder verwunderten sich umsomehr, da die Leiche bei der Beerdigung nicht einbalsamiert und ihr auch keine wohlriechenden Kräuter beigegeben worden waren. Der Leichnam zeigte sich unversehrt und unverwesen, obschon es fünf Jahre her war, daß er beerdigt wurde. Die Hände lagen kreuzweise über der Brust. Die Brüder bekleideten nun den Leichnam mit purpurfarbigem Gewand, legten ihn in den mitgebrachten neuen Sarg von Blei und ließen dann das Grab unge= deckt, damit man bei der Feierlichkeit weniger Umstände habe.
Mit Anbruch des Tages versammelte sich das Volk um die Kirche, wo Elisabeth begraben war; nur mit Mühe konnte man dem Kaiser Weg machen durch die unermeßliche Volksmenge. Er selbst stieg in das Grabgewölb hinab, küßte mit Ehrfurcht den Sarg und hob ihn mit den Bischöfen aus der Gruft. Dann hielten sie unter Musik und Gesang Prozession, indem der Kaiser, die Fürsten und Bischöfe sich eine Ehre daraus machten, die Bahre mit dem hl. Leib zu tragen. Um seine tiefe Verehrung gegen die wunderbare Frau vor aller Welt an den Tag zu legen, behielt Friedrich einerseits das Zeichen der kaiserlichen Majestät, die Reichskrone, auf dem Haupt, war aber anderseits gekleidet wie Elisabeth in ihrem armen Leben;'nämlich er trug einen schlechten grauen Rock und ging barfuß. Nach ihm kamen die Fürsten, goldene Kronen auf den Häuptern, die Bischöfe und Aebte mit Mitra und Stab.
Als nun der hl. Leib in Prozession umhergetragen wurde, bemächtigte sich des Volkes ein ungeheurer Jubel „O heiliger, holdseliger Seib, der du bei Gott so viel giltst und bei den Menschen solche Wunderkräfte besitzest! Die man für töricht gehalten, hat mit ihrer Torheit die Welt zu Schanden gemacht Engel haben ihr Grab oft besucht. Nun eilen alle Völker herbei: die größten Fürsten, selbst der Kaiser, verneigten sich, ihr zu huldigen. Die im Leben den Ruhm dieser Welt verachtet, die der Gesellschaft der Großen sich entzogen, wird nun
verherrlicht durch die Ehrenbezeigungen der höchsten Majestät, des Papstes und Kaisers. Die immer die letzte Stelle gewühlt hat, die sich auf die Erde niedergesetzt, die arm und verachtet im Staub geschlafen, wird nun von fürstlichen Händen zur höchsten Ehre emporgehoben. Und wohl hat sie es verdient; denn sie hat sich arm gemacht und alles verkauft, was sie besaß, um die kostbare Perle der Seligkeit dafür einzuhandeln."
An die Prozession schloß sich ein Hochamt. Bei der Opferung trat Kaiser Friedrich zu der Bahre, setzte dem heiligen Leichnam eine goldene Krone aufs Haupt und sprach: „Da ich dich auf Erden nicht zur Kaiserin krönen konnte, so will ich dich jetzt mit der Krone ehren als eine Königin im Reiche Gottes."
Die Festlichkeiten verrauschten, doch die Nachwehen dauerten noch hundert Jahre. Es wurde nämlich über den heiligen Gebeinen auf Kosten der Fürsten und des Volkes der Dom gebaut, so herrlich und so kunstvoll, so edel und so fein, daß nur wenige sich mit ihm messen können Für den Leib selber aber wurde ein Reliquienschrein geschaffen, der nach dem Schrein der hl. drei Könige im Dom zu Köln der schönste und kunstvollste ist in deutschen Landen. Im nördlichen Arm des Querschiffes ward ein Altar gebaut und darüber der Schrein mit den irdischen' Resten der barmherzigen Fürstin aufgestellt. Und dieser Ort war heilig für Deutschlands Katholiken, und von allen Seiten strömten Pilger nach Marburg und knieten nieder auf die Steinfließen vor dem Reliquienschrein und schütteten ihr kummervolles Herz aus und fanden Hilfe und Trost in ihren Anliegen.
Da kam ein schwarzer Tag und verwandelte die seitherigen Ehren in Schmach und Schande. Verhülle dein Haupt in Trauer, mein lieber Glaubensgenosse. der du diese Zeilen nun liesest. Es fegte im 16. Jahrhundert die „Reformation" durch Deutschlands Gaue und zerstörte, zumal im Norden und auch in Hessen, die schönsten Blüten des katholischen Glaubens. Landgraf Philipp v. Hessen, unseligen Andenkens, nahm eigenhändig die Gebeine seiner hohen Anverwandten mit Sp: tt und Hohn aus dem Schrein und verschleuderte sie — der Himmel weiß wohin. Seitdem sind die Reliquien der hl. Elisabeth verschollen und verschwunden! ---Nun denn. Gott hat es zugelasien. Ich weiß eine andere Reliquie, eine lebendige, die ich und du und wir alle besitzen können und sollen: es ist St. Elisabeths Geist, der Geist und die Gesinnung der Karitas, der opferwilligen Hilfsbereitschaft. Der Talpfarrsr.
Erntedank.
Leer sind die Felder von den Garben, die sie einst trugen, geerntet ist alles, was die Erde uns bieten konnte im Laufe des Jahres. Das große Sterben draußen begann, das uns ein so beredtes