Wochenkalender.
Sonntag, 1. November. 23. Sonntag nach Pfingsten. Fest Allerheiligen.
Montag, 2. November. Gedächtnis Allerseelen.
Dienstag, 3. November. 3. Tag der Oktav von Allerheiligen.
Mittwoch, 4. November. Karl Borromäus, Erzbischof, Bek., t 1584. Vitalis u. Gen., Mart.
Donnerstag, 5. November. Fest der Kirchweihe.
Freitag, 6. November. Reliquienfest. herz-llesu-Freikag.
Samstag, 7. November. 7. Tag der Oktav von Allerheil.
Fest Allerheiligen.
Matthäus 5, 1—12. Der weg zur Glückseligkeit.
In jener Zeit stieg Jesus, als er die Volksscharen sah, 6uf einen Berg und setzte sich nieder. Seine Jünger traten zu ihm, und er tat seinen Mund auf und lehrte sie: „Selig kind die Armen im Geiste; denn ihrer ist das bimmelt erd). Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Land besitzen. Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden. Selig, die Hunger und Durst haben nach der Gerechtigkeit; denn sie werden gesättigt werden. Selig die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen. Selig, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott anschauèn. Selig die Friedfertigen; denn sie werden Kinder Gottes genannt werden. Selig, die Verfolgung leiden um der Gerechtigkeit willen; denn ihrer ist das Himmelreich. Selig seid ihr, wenn euch die Menschen um meinetwillen schmähen und verfolgen und euch Böses fälschlich nachsagen! Freuet euch und frohlocket; denn groß ist euer Lohn im Himmel."
Amr selige Leidenschaft.
Allerheiligen! Ein ganzer Himmel strahlt in die Seele, wenn wir dieses Fest feiern. Eine Ahnung von einem unbeschreiblichen, jenseitigen Glück er- 8 greift das sinnende Gemüt. Es fallen die trügerischen Schleier der Welt, und der Vom hang des Himmels geht weit auseinander und wir schauen fern von allem Streit und Neid die friedlichen Bürger jenes Reiches, von dem die Kirche üngt: „O wie herrlich ist das Reich, in welchem mit Christus die Heiligen frohlocken!"
Wie aber die Sterne cerschieden sind am Himmelszelt, wie die Blumen verschieden sind im Garten, wie die Menschenkinder verschieden sind m der Familie und in der Gesellschaft, so sind auch Heiligen trotz der wesentlichen Gleichheit doch sicher so mannigfach, so verschieden und eigen- ^füg. Da sind Männer wie der hl. Franziskus, I eine unbegreifliche, ich möchte jagen eine über« ipannte Liebe zur Armut an den Tag gelegt ha- en: „Selig die Armen im Geiste." Da sind Maner rote der hl. Franz v. Sales, die jede Bitterkeit unterdrückt und eine engelaleiche Sanftmut geübt naben: „Selig die Sanftmütigen." Da sind Män- C^^ie der hl. Simon Stylites, die unglaubliche
Mehrungen und Strapazen erwählt, die in be-
ständiger Trauer und Buße gelebt haben: „Selig die Trauernden." Da sind Männer wie der hl. Apostel Paulus, die mit ihrer Natur gerungen und sich aufgeschwungen haben zu den lichten Höhen der Vollkommenheit und die vom. glühenden Wunsch beseelt waren, auch andere auf der Bahn der Gerechtigkeit und Heiligkeit zu führen: „Selig sind die hunger und Durst haben nach der Gerechtigkeit." Da sind Männer wie der hl. Aloisius, die an Reinheit mit den Engeln wettgeeifert haben: „Selig die ein reines Herz haben." Da sind Männer wie der hl. Benediktus, die in der schönsten Seelenharmonie lebten und auch der Welt die unschätzbaren Güter des Fr-iedeys bringen wollten: „Selig die Friedfertigen." Da sind Männer wie die Apostel und Märtyrer, die im Dienste Christi und der Seelen Verbannung und Kerker, Verfolgung und Verleumdung, Martern und Qualen auf sich genommen haben: „Selig die Verfolgung leiten um der Gerechtigkeit willen." Da sind endlich Männer und Frauen, die ganz aufgegangen sind in den Uebungen der Barmherzigkeit an den armen, geplagten Mitmenschen: „Selig sind die Barmherzigen."
Und welch würdige Gestalt sehen wir an der Spitze, dieser auserlesenen Schar? Kennt ihr sie nicht, von der wir bald ein Jahr lang uns unterhalten haben? Deren 700sten Todestag wir zu feiern uns anickncken? Deren Glanz hell hineinstrahlt in die Nacht unserer Not? Deren Namen allein schon zum Programm und zur Losung der Karitas geworden ist? Es ist unsere liebe deutsche Fürstin, die hl. Elisabeth von Thüringen.
Viele sind von ihrer Spielwut, von ihrer Genußsucht, von ihrem Jähzorn oder einer andern Leidenschaft fortgerissen und ins Verderben gestürzt worden. Auch Elisabeth hatte eine Leidenschaft, eine erlaubte, eine beglückende, eine selige Leidenschaft. Du müßtest wahrhaftig über all meine seitherigen Lesungen mit Achselzucken weg- geganqen leim wenn du nicht wüßtest, welche Leidenschaft ich meine. Jene Leidenschaft, von der unser Heiland getagt: „Seliger ist geben als nehmen "
Im April dieses Jahres bin ich auf der Wartburg gewesen und habe mit besonderem Vergnügen die Fresken beschaut, welche Moritz v. Schwind in die Galerie gemalt hat. Im Mittelpunkt all dieser Bilder steht eben die hl. Elisabeth, die beste und 'ruhmvollste Bewohnerin der Wartburg und spendet mit sichtlicher Freude die Gaben der Liebe. Auf dem 1. Bild reicht sie einem Hungrigen ein Brot. Auf dem zweiten kredenzt sie einem Durstigen einen labenden Trunk. Auf dem dritten breitet sie über einen Nackten ein schützendes Gewand. Auf dem vierten ladèt sie eine obdachlose Frau mit ihren Kindern in ihre Wohnung ein. Auf dem fünften spendet sie einem Gefangenen Trost und Hilfe. Auf. dem sechsten treffen wir sie in der Krankenstube. Auf dem siebten deckt sie über die
Leiche eines armen Mannes erbarmungsvoll das Totengewand. Du siehst, es stich die sieben Werke der leiblichen Barmherzigkeit.
Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen. Welche Werke der Barmherzigkeit Elisabeth geleistet hat, haben wir nun kennen gelernt. Worin besteht aber die Barmherzigkeit, die sie gefunden hat? Einmal hat der unendlich heilige Gott seiner Dienerin Elisabeth alle Sünden und Schwachheiten, die auch sie in ihrer menschlichen Armseligkeit zu beklagen hatte, huldvoll nachgelassen. Zum zweiten hat er ihr viele Gnaden, Erleuchtungen, Tröstungen zuteil werden lassen. Und zum dritten hat er ihr die Krone der ? Seligkeit aufs Haupt gesetzt, deren Schönheit und Herrlichkeit alle Gedanken und Vörstellungen über-
trifft.
Denn wie der Herr die Seinen ehrt.
Kein Sinn erfaßt, kein Spruch erklärt, Wie Gottes Wort es deutlich lehrt.. —
Sie werden Barmherzigkeit erlangen. Warum tagt denn der Heiland nicht: sie werden den Himmel verdienen? Weil dieses Verdienst wiederum eine Gnade ist. Denn wer hat die Heiligen angetrieben zu guten Werken? Der gütige Gott mit seiner zuvorkommenden Gnade. Darum sagt auch der hl. Paulus: „Gott ist es, der in uns sowohl das Wollen als auch das Vollbringen bewirkt." Der hl. Augustinus aber bemerkt: „Wenn Gott die guten Werke seiner Heiligen belohnt, dann krönt èr seine eigene Gnade."
O wie schön muß die hl. Elisabeth sein in der Krone ihrer Herrlichkeit. Ist ja die Barmherzigkeit gerade jene Zier der Seele, durch die wir Gott am ähnlichsten werden, der da ist das höchste Gut und die ewige Liebe. Freuen wir uns über den Himmel, in den die barmherzige Fürstin eingezogen ist und nehmen wir oft die Zuflucht zu ihr in unsern Anliegen. Denn wenn sie auf Erden schon so hilfreich und mutterlieb gewesen ist, so wird sie auch im Himmel uns nicht im Stiche lassen. Freuen wir uns auch, die Selige einst dort schauen zu dürfen, wo sie ganz durchstrahlt und verklärt ist von der unermeßlichen Menschenfreundlichkeit und Güte Gottes. Und gewiß: wenn wir Elisabeth nachfolgen in der Karitas, werden wir auch teilnehmen an ihrer Glorie Darum „laßt uns im Gutestun nicht müde werden; denn seiner Zeit werden wir auch ernten ohne Aufhören".
Der Talpfarrer.
Zeitgedanken.
Herbst! Auch die letzten gelben und roten und braunen Blätter sind von den Bäumen gefallen. Kahl und nackt strecken sich die Aeste und Zweige von Baum und Strauch in den Wind, in die trüben, leise ziehenden Nebel. Die letzten Astern, die bunten, die frohen, sind verblüht, und immer stiller und ernster wird es draußen über dem