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wie die beiden Regierungspräsidenten in Kassel und Wiesbaden und fast der gesamte Beamtenstab dieser Behörden evangelisch. Ebenso gehörten stets der Landeshauptmann sowohl in Kassel wie in Wiesbaden dem evangelischen Bekenntnis an. Ge­genüber dieser schreienden Imparität haben die Zsntrumsfraktionen seitJahren eine gerechte Berück­sichtigung des katholischen Volksteils verlangt. Sie haben vor kurzem durchgesetzt, daß in Wiesbaden ein katholischer Landeshauptmann gewählt wurde, sie haben jetzt auch durchgesetzt, daß als Vizepräsi­dent des Oberpräsidiums in Kassel ein Katholik ernannt wurde. Obwohl damit der katholische Be­völkerungsteil noch bei weitem nicht seiner Stärke entsprechend im Beamtenkörper der Provinz ver­treten ist, soll durch die Ernennung des katholischen Vizepräsidenten der konfessionelle Friede gefährdet sein. Wo waren denn die Hüter des konfessionellen Friedens, als katholische Beamte überhaupt nicht für leitende Stellen in der Provinz in Frage kamen? Muffen wir auch noch daran erinnern, daß der katholische Kreis Fulda unter dem alten Regime grundsätzlich niemals einen katholischen Landrat bekam, daß auch die Beamtenschaft des Landratsamts fast ausschließlich aus Protestanten bestand? Ebenso wie Fulda hat der zu zwei Drit­teln katholische Kreis Gersfeld erst nach der Revo­lution seinen ersten katholischen Landrat erhalten. Und nicht viel anders war es im Kreise Hünfeld und dem katholischen Kreise Nassau. Noch heute ist in der ganzen Provinz der katholische Bevölke­rungsteil unter den Verwaltungsbeamten, vor al­lem auch unter den mittleren Beamten, aufs schwerste zurückgesetzt. Und trotzdem dieser Pro­test gegen die Ernennung des katholischen Vizeprä­sidenten! Wir müssen leider immer wieder fest­stellen, daß in den Kreisen des Evangelischen Bun­des jedes Gefühl für staatsbürgerliche Gerechtigkeit und Parität fehlt. Nicht in der Ernennung eines katholischen Vizepräsidenten, sondern in der ver­blendeten Hetzarbeit gewisser Kreise liegt die Ge­fährdung des konfessionellen Friedens.

Zu 2.) Warum sollen im Bezirk Kassel 416 evangelische und nur 2 katholische Lehrerstellen ab- gebaut werden? Die Zahlen wirken allerdings im ersten, Augenblick verblüffend. Wenn man jedoch die Arbeit des preußischen Krlltusministeriums kennt, dann weiß man, daß dort die Katholiken sicher nicht bevorzugt werden. Der Grund für den ungleichmäßigen Abbau liegt tatsächlich auf einem ganz anderen Gebiet: Bei der Verteilung der abzubauenden Lehrerstellen auf die einzelnen Landesteile und Konfessionen ist die preußische Re­gierung so vorgegangen, daß dort am meisten Stellen eingespart werden, wo seither auf den ein­zelnen Lehrer im Durchschnitt eine kleinere Zahl Schuler entfällt. Nun ist es eine bekannte Tat­sache, aus die das preußische Zentrum im Landtag schon wiederholt hingewiesen hat, daß im Durch­schnitt in den katholischen Volksschulen auf eine Lehrkraft mehr Kinder kommen als auf eine Lehr­kraft in den evangelischen Schulen, nämlich auf eine katholische Lehrkraft entfallen 41 Kinder, auf eine evangelische Lehrkraft nur 36. Die Folge ist, daß in Preußen trotz der konfessionellen Schulen dem katholischen Volksteil 5000 Lehrer fehlen an der Zahl, die ihm nach der Zahl der katholischen Kinder im Verhältnis zur Gesamtzahl der Kinder zustande. Die Folge ist, daß jetzt beim Abbau von.Lehrerstellen der evangelische Volksteil stärker getroffen wird, aber wie gesagt nur deshalb, weil seither der evangelische Bevölkerungsteil pro­zentual wesentlich günstiger gestellt war als der katholische. Eine Ungerechtigkeit liegt also bei dem ungleichen Abbau nicht vor.

Wie die Zahlen im einzelnen km Bezirk Kassel sich verhalten, können wir im Augenblick nicht fest­stellen. Aber es mag ähnlich sein wie etwa im Re­gierungsbezirk Münster, von dem heute die Köln. Volkszeitung Nr. 495 folgende Notiz bringt:

Münster, 17. Okt. 1931. Gemäß der Anordnung des Kultusministers müssen im Regierungsbezirk Mün­ster 57 planmäßige Stellen abgebaut werden. und zwar

und 6 Stellen an Sammelklaffen; an racyolischen Schulen dagegen werden keine Stellen ab­gebaut. Das hat nach einer Information durch die Regierung dann seinen Grund, daß der Durchschnitt der auf eine Lehrkraft entfallenden Schülerzahl für den gelamten Regierungsbezirk berechnet an den

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katholischen Schulen bereits 48,4 beträgt, während an den evangelischen Schulen der Durchschnitt erst nach dem Abbau der 51 Stellen auf 46,9 gestellt wird. Da die Last des Abbaues naturgemäß von den größeren Schulver- bänden getragen werden muß, wird es sich nicht ver­meiden lassen, daß in einzelnen Schulverbänden die Durchschnittsfrequenz nach dem Abbau über 50 liegen wird. Auch bei katholischen Schulen liegt der örtliche Durchschnitt an manchen Stellen über 50, vereinzet so­gar über 60. Bei der Art, in der der Abbau erfolgen muß, ließen sich einzelne Härten nicht vermeiden. Wenn also die katholischen Schulen auch nicht unmittelbar von dem Abbau betroffen werden, so werden sie mittelbar in Mitleidenschaft gezogen, da Lehrkräfte aus anderen Re­gierungsbezirken in freie Stellen an katholische Schulen übernommen werden müssen: dadurch wird eine Reihe von Schulamtsbewerbern, die diese Stellen zur Zeit ver­waltet, ohne Beschäftigung.

Der Evangelische Bund hätte aber klüger getan, bevor er in solcher Form protestierte, erst einmal den von ihm gerügten Verhältnissen auf den Grund zu gehen.

In Wirklichkeit gibt es andere Bezirke, wo die Verhältnisse zu einem stärkeren Abbau katholischer Lehrerstellen führen. So ist für unseren Nachbar­bezirk Wiesbaden vorgesehen, daß 182 katholische und nur 157 evangelische Lehrerstellen eingespart werden, obwohl die Mehrheit des Bezirks evange­lisch ist; er zählte bisher 1987 evangelische und 1304 katholische Schulstellen. Hier sollen also 8 Prozent evangelische und 14 Prozent katholische Stellen eingehen.

Noch auf einen anderen Gesichtspunkt müssen wir in diesem Zusammenhang hinweisen: Durch den unglücklichen Krieg hat Preußen fast nur ka­tholische Landesteile verloren. Die katholischen Lehrkräfte von den dortigen Schulen fluteten zu­rück oder wurden von den Feindesmächten ausge­wiesen und mußten in anderen preußischen Schul­stellen untergebracht werden. So kamen tausende katholischer Lehrer an die katholischen Schulen des mittleren und westlichen Preußen, die katholische Junglehrerschaft aber war dadurch auf Jahre, ja teilweise auf Jahrzehnte vom Einrücken in die Schulstellen ausgeschlossen. Diese Kriegsfolge hat der katholische Devölkerungskeil und zwar die ka­tholische Lehrerschaft fast ausschließlich getragen. Das bedeutet eine ungemeine Härte für die jungen katholischen Lehrer und Lehrerinnen, aber auch für ältere Lehrpersonen, die jahrelang fast von jeder Beförderung ausgeschlossen waren, weil zunächst die Flüchtlinge und Vertriebenen der verlorenen Gebiete untergebracht werden mußten. Die jetzigen neuen Spar- und Abbaumaßnahmen an den Schul­stellen bedeuten also für den katholischen Lehrer­und Lehrerinnenstand und für den katholischen Be- völrerungsteil eine doppelte und dreifache Härte. Und wenn seither der katholische Bevölkerungsterl und die katholische Lehrerschaft, ungleich schwerer hat leiden müssen unter den Verhältnissen des ver­lorenen Krieges und wenn darum die neuen Opfer sie um so härter treffen, dann hätte der Evangelische Bund es sich doch etwas länger überlegen sollen, ob in diesem Falle ein Protest angebracht war.

Eine Antwort des Ministers.

In der Angelegenheit der Besetzung des Postens eines Vize-Präsidenten beim Kasseler Oberpräsidium hatte sich die Kasseler evangelische Kirchen-Regierung an das preußische Staats- Mmisterium gewandt und dagegen Einspruch er- hoben, daß e i n K a t h o l i k zum Vize-Präsidenten in Kassel ernannt wurde.

Vom preußischen Innenminister Severing ist auf die Beschwerde folgende Antwort erfolgt:

Auf die gefälligen Schreiben von 20. Mai und 21. August 1931 K.-R. Nr. 784 und 1174 teile sch ergebenst mit, daß das Preußische Staatsmini­sterium durch Beschluß vom 6. Oktober 1931 zum Vizepräsidenten des Oberpräsidiums in Kassel den Landrat Dr. Schunck in Westerburg ernannt hat, der der katholischen Konfession angehört. Da unter densamtlichenhöherenBeamten, der allgemeinen Staatsverwaltung beim Oberpräsidium in Kassel bisher nur ein einziger Katholik war, so kann in der Ernennung des Landrats Dr. Schunck zum Vize­präsidenten eine Verletzu n g des Grundsatzes der konfessionellen Parität nicht er- b l - ck t werden. Im übrigen bin ich angesichts der Persönlichkeit des Vizepräsidenten Dr. Schunck da- von überzeugt, daß er im Rahmen seiner amtlichen Tätigkeit bestrebt sein wird, sich auch der In teressen der Evangelischen Landes­kirchen der Provinz Hessen-Nassau anzunehmen und für den konfessionellen Frieden zu wirken. Gez. Severing."

VNMZr

Dörfler, Peter, Der Bubenkönig. Don Bosco und seine Schlingel. Mit Bildern von Rudolf Hesse. 8° (VI u. 206 S.) Freiburg im Breisgau 1931, Herder 2.80 Mk.; kartoniert 3.30 Mk.; in Leinwand 4 Mk. Don Bosco ist einer von den Menschen, wie sie aus dem breiten Strom des Lebens nur ganz selten austauchen ein Held, ein Heiliger und zugleich ein Abenteurer. Er wird mit seinen Buben von einer Tür zur andern ge- wiesen, seine Freunde verlassen ihn, Feinde stellen ihm nach, mit Räubern und Vagabunden muß er sich herum, schlagen. Diese machtvolle Seele steht über allem. Don Bosco ist immer fröhlich. Durch nichts läßt er sich seinen Jungen rauben. Immer will er ihnen Vater, Freund und Führer sein und die Großartigkeit unseres Herrgotts nachahmen, der auch nicht hinter jeder Missetat flugs Blitz und Donner herschickt.

. Das geistliche Jahr. Ein Buch der religiösen Be­sinnung für katholische Menschen von Dr. Alfons Heil­mann. Mit 24 mehrfarbigen Bildern. 4°, 443 Seiten. Ganzleinen 28 Mk Verlag Josef Kösel und Friedrich Pustet. Ein großangelegtes, neuzeitliches Betrachtungs- buch hat der bekannte Verfasser derKatholischen Volks­bibel" Dr. A. Heilmann dem katholischen Volke geschenkt. Ein solches Betrachtungsbuch ist für unsere Zeit,' der der Sinn für höhere geistige Güter mangelt, die an Gedan- kenlosigkeit und geistiger Verflachung leidet, doppelt wich, tig. Als Schatzkammer praktischer Lebensweisheit, gna- denvoller Inspiration und Quelle nie versiegender Kraft für die sittliche Neuordnung des Lebens gehört dieses Werk in jede katholische Familie. Von den Gedanken und Kräften, die uns aus dem Ewigen zuströmen, empfängt ja auch unser irdisches Tun seine höchste Vol­lendung, unser Herz sein tiefstes unerschütterliches Glück und das Leben seinen Sinn. Die verbreitete Gedanken­losigkeit in den letzten Fragen, die Nichtigkeit, Plan­losigkeit seines Schaffens und Lebens, durch die moderne Arbeitssron begünstigt, das ist die größte Not des heu­tigen Menschen und es ist höchste Zeit, daß er das Emu- sige dieses Zustandes empfindet und nachdenken lernt Anfang alles wertvollen geistigen Lebens ist der un­erschrockene Glaube an die Wahrheit und das Bekenntnis zu ihr. Kommt ein solches Nachdenken wieder unter uns auf, dann weichen die Eitelkeits- und Lndenschaüs- ideale, die wie böses Unkraut in den meisten Seelen wuchern, rettungslos dahin. Viel wäre für die heutigen Zustände gewonnen, wenn nur jeder allabendlich einige Minuten sinnend zu den unendlichen Welten des Ewigen aufblicken würde. Die alten Rabbiner lehrten, daß das Reich Gottes kommen würde, wenn ganz Israel nur einmal den Sabbat wirklich hielte. Wieviel mehr trifft zu, daß soviel Ungerechtigkeit, Gedankenlosigkeit, Ge­walt und Lüge, die jetzt Unheil über die Menschen brin­gen, kraftlos werden würden, wenn nur eine Spur von Sinn über den Sinn der Well und des Lebens unter uns aufkäms. Diesem großen Zwecke willDas geist­liche Jahr" dienen und es wird seine Aufgabe überall dort erfüllen, wo es einen aufgeschlossenen Leserkreis findet. In seiner hervorragenden Aufmachung: große, klare Schrift, tadelloser Druck auf bestem Papier, seiner Leinenband mit reicher ornamentaler Goldprägung, ge­schmückt mit 24 mehrfarbigen Einschaltbildern der besten religiösen Meister wie Fra Angelo, Feuerstein, Fugel, Kunz, Rembrandt, Rubens, Steinle, Tizian u. a. m., stellt sich das Werk auch schon äußerlich als eines der schönsten und prächtigsten Familienbücher dar. Bei sei­nem inneren Wert wird es auch ein stets willkomme­nes, prächtiges Geschenkwerk sein, das bei allen fest« lchen Anlässen wie Hochzeiten, Jubiläen, Weihnachten, Primiz, am Platze ist.

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