Derjenige bringt dem Armen ferner Verständnis entgegen und wird selig gepriesen, welcher nicht znwarlek, bis die Unglücklichen zu ihm kommen und ihm ihre Not und ihr Elend klagen, sondern selber daran denkt und sucht, ihnen mit seiner Hilfe zuvorzukommen. Denke nur, Jesus hätte mit dem Kreuzestod und mit der Erlösung gewartet, bis du ihn gebeten hättest. Dann würdest du wahrlich bis zum heutigen Tage, bis in Ewigkeit in der Finsternis und im Todesschatten sitzen. Nein, Christus hat uns zuerst geliebt und sich ungebeten und freiwillig und aus eigenem Antrieb, aus unendlicher Liebe zu unserer unsterblichen Seele für uns dem Kreuzestod ausgeliefert. So wollen wir diese Liebe mit unseren schwachen Kräften kopieren und über die Hilfe am darbenden Bruder Nachdenken. Man denkt ja auch an eine mögliche Feuersbrunst und trifft Vorkehrungen gegen einen etwaigen Brand. So sollen wir auch, so weit dies in unserer Macht steht, mithelfen in Vorsorge gegen fremde Not, bevor es zu spät ist und bevor die Klasse der Verarmten in der Verzweiflung und Erbitterung zum äußersten greift und die ganze heutige Gesellschastsordnung über den Haufen wirft.
Im Leben des hl. Franz Xaver wird erzählt von einem portugiesischen Kaufmann, der nicht sonderlich fromm war, aber ein gutes Herz haste für die Armen. Dafür sagte ihm der hl. Missionär die Sterbestunde voraus. Wenn dir der Wein nicht mehr schmeckt, dann bereite dich zum Abschied. So fand der Portugiese ein bußfertiges, gnadenvolles Ende. Selig sind ja die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.
Der Tahtfarrer.
Schrifilefung.
Ium Feste „Christus, der König-.
Du sagst es: Ich bin ein Königl . . . Mein Reich ist nicht von dieser Welt. (Joh. 18; 37, 36.)
Ich bin von ihm als König eingesetzt zu Sion über meinem heiligen Berge. (Pf. 2, 6.)
Ich werde David einen gerechten Sproß erwecken. Als König wird er weise herrschen und Recht und Gerechtigkeit auf Erden üben. (Jer. 23, 5.)
Hoch freue dich. Tochter Sion! Juble, Tochter Jerusalem! Sieh, dein König kommt zu dir, gerecht und sieghaft. (Zach. 9, 9.)
Ich will ihn in mein Haus und in mein Reich auf ewig setzen; sein Thron hat immerdar Bestand. (1. Chron. 17, 14.)
Seine Herrschaft wird sich mehren und des Friedens wird kein Ende sein. Auf dem Throne Davids wird er sitzen in seinem Reiche, daß er es festige und stütze durch Recht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit. (Js. 9, 7.)
Gott'wird ihm den Thron seines Vaters David geben; er wird herrschen über das Haus Jakob in Ewigkeit, und seines Reiches wird kein Ende sein. (Luk. 1. 32, 33.)
Dein Thron steht in alle Ewigkeit; ein Zepter der Gerechstgkeit ist das Zepter deines Reiches. (Hebr. 1, 8.)
Christus muß herrschen, bis er alle Feinde unter seine Füße legt. (1. Kor. 15, 25.)
Sie werden mit dem Lamme kämpfen, und das Lamm wird sie besiegen, weil es Herr der Herren und König der Könige ist. (Offb. 17,14.)
Da er Christus setzte hoch über alle Herrschaft und Gewalt und Macht und Hoheit und über jeden Namen, der nicht nur in dieser Welt genannt wird, sondern auch in der zukünftigen. Und alles hat er ihm zu Füßen gelegt. (Eph. 1, 21.)
Darum hat Gott ihn erhöht und chm einen Namen gegeben, der über alle Namen ist, damit im Namen Jesu sich beugen alle Knie der Himmlischen, der Irdischen und der Unterirdischen, und damit jede Zunge zu Ehren des Vatergottes das Bekenntnis ablege: Jesus Christus ist der Herr! (Phil. 2, 9 ff.)
Jesus Christus, der getreue Zeuge, der Erstgeborene der Toten und Herrscher über die Könige der Erde, (Offb. 1. 5.)
Christus der König.
Der Oktobermonat schließt mit dem Aufblick zum Christus-König, der über allen Ereignissen und allen Zeiten steht, der die Wege der Welten und der die Völker vom Aufgang bis zum Niedergang
lenkt, „besten Reiches wird kein Ende sein" (Luk. 1, 33), weil Gott der Herr Ihm den Thron seines Vaters David gegeben hat und Er im Hauie Jakobs ewiglich herrschen soll.
Christus, der König! „Christus gestern und heute und derselbe in alle Ewigkeit" (Hebr. 13,8). Einst stand Er angeklagt in der Stunde dunkelster Schmach und Niedrigkeit vor einem weltlichen Richter, der über ihn spottete: „Bist du denn ein König?" „Ja, du hast es gesagt, ich bin ein König: doch ist mein Reich nicht von dieser Welt. Wäre mein Reich von dieser Welt, so würden die Meinen kommen und für mich streiten: nun aber ist mein Reich nicht von dieser Welt." (Joh. 19, 33 f.) Nein, es ist nicht ein weltliches Reich, das sich auf das Schwert und die Macht stützt, auf Eroberungen und Gewaltakte. Jesus Christus will ein Weltreich des Friedens ausrichiten, und Er kommt nur mit einer einzigen Kampfeslosung zu uns,
Jür Christus bis zum Sterben.
Von Franz Eichert.
Ein kleines Heer — das kreuzbild voran Weht auf der blukgespreusken Kampfesbahn. Und einer, dem.im Herzen brennt die Wunde, Der flüstert's — und es läuft von Mund zu Munde Dies Wort wie Sturm die Reihen durch im Fluge: „Für Christus bis zum letzten Atemzuge!" kennst du die Fahne und den Heeresbann? — Zwar klein die Schar, ein Fels doch jeder Mann, Und jeder siegt, ob ihn auch fällt die Schlacht; Ein Hauch nur ist's, daran der Feinde Macht Sich stürzend bricht, wie Schollen vor dem Pfluge: „Für Christus bis zum letzten Atemzuge!" Kennst du das Heer? — Des Kolosseums Sand, Den blut'gen frag und frag der Wüste Brand, Die Tiger Reros frag um ihren Raub;
Die Katakomben frag um ihren Staub Und horch — wie s flüsternd bricht aus jeder Fuge: „Für Christus bis zum letzten Atemzuge!" Kennst du das Heer? — Zum Kampfe stehl's bereit. Es naht der Feind, voll Schrecken droht die Zeit, Doch keiner wankt, auf jeder Lippe steht Das Work der Kraft, das Wort voll Majestät, Das Siegeswort, das nimmer wird zum Truge: „Für Christus bis zum letzten Atemzuge!" Und die noch schlafen, reißt sie all' empor. Rufi ihnen mit Posauneuschall ins Ohr Dies mächtige Wort, daß alle auferstehn Und unterm Kreuz in unsern Reihen gehn, Gleich Gedeon, den Fackelbraud im Kruge: „Für Christus bis zum letzten Atemzuge!" Glüht nicht im Osten schon voll blut'ger Pracht Des jungen Tages Fackel durch die Rächt, Des Tag's, der gegen eine Welt im Krieg Das Kreuz wird sehn und dann des Kreuzes Sieg? Auf! Reißt das Banner hoch zum Siegesfluge: „Für Christus bis zum letzten Atemzuge!"
dem Kampf der Entsagung des eigenen „Ich", der Selbstüberwindung, der Vernichtung aller kühlen, berechnenden Selbstliebe, der Kreuzigung unseres sinnlichen Menschen im letzten innersten Herzenswinkel. Das ist seine Förderung: durch solchen Kampf zum Frieden, durch solchen Frieden zur Freude! „Wenn ich von der Erde erhöht fein werde, will ich alles an mich ziehen." (Joh. 12, 32.) Christus der König zieht die Menschen durch die sanfte bezwingende Macht der Liebe an sich. Liebe ist, auch eine Macht, aber keine äußerliche; keine zwingende, wohl aber eine bezwmgenoe, keine vergewaltigende, wohl aber eine beglückende Christus wurde der König der Menschenseelen, die an Ihn glaubten Ihm dienten. Ihn liebten weil Er uns zuvor geliebt und aus erbarmender rettender Liebe zu uns Alles getan hatte. Liebe kettet die Seelen in Dankbarkeit und Treue an Riefen "König der Ewigkeiten, der Unsterblichkeit, dem auf ewig Lob, Ehre, Preis und Ruhm sei." (I. Ti- i
moth. 6, 16.) Liebe wacht an seinem Grab- an seinem hochheiligen Sakramente, an seinem Opfer- altar, an seinem Kreuze auf Weg und Steg die Liebe, nach der Er einst gefragt hatte: „Petrus, liebst du mich? liebst du mich mehr, als die Andern?" — „Herr, du weißt alles, du weißt auch daß ich dich liebe." (Joh. 21 15.) Das ist Christi FriedenskSnigtum in unseren Seelen: Glaubet an mich! Liebet mich! „Bleibet in meiner Liebe!" Wir wollen es Ihm als gläubige und liebende Seelen neu geloben.
Diese Liebe Christi will neue Seelen gewinnen. Das ist sein geheimes Königtum, daß sie Alle allmählich zu Ihm kommen die noch nicht zu Ihm gehören, die Heiden, die Glaubenslosen und Lichtlosen. die Ihm entfremdeten: „Alle will Er an sich ziehen!" Wir sollen Ihm dazu helfen. Chri- stenleben ist Dienst für den König der Seelen Jesus Christus, Ausbreitung seines heiligen Weltreiches, der Kirche, ist Apostolat, ist Misiionsdrang, ist Erziehung der christlichen Jugend für ihn, ist Gewinnung der Gefährdeten, ist Selbsthilfe, ist Verantwortungsgefühl für die von Christus erlösten Seelen, ist Eroberungsdrang, die Fahne des Auferstandenen mehr und mehr wieder weiter tragen zu dürfen, daß sie einst über alle Enden der Ende wehe, damit alle durch Ihn gerettet werden, wie es der unendlich weite, reiche, tiefe, große, herrliche Heilsplan Gottes ist. Ihr Christen, die ihr auf seinen Namen getauft seid und in der Firmung seine Soldaten wurdet, seid nicht lässig, wendet erst reckt nie fahnenflüchtig, „dienet èhm mit begeistertem Herzen, fröhlich im Hoffen. geduldig im Leiden." (Rom. 12, 12.)
Ses hüligen BoMius Mahnungen an die deutschen Mohsen am CftrWönlgslag
Ansprache von Erzbischof Kardinal Bertram bei der Christus-König-Feier der Breslauer Katholiken in der Jahrhunderthalle.
Eine der heiligsten Stätten im ganzen deutschen Vaterlande ist die Krypta des Domes in Fulda, die Bonifakiusgruft. Dort versammeln sich alljährlich Deutschlands Bischöfe zu gemeinsamer Beratung über die Sorgen der katholischen Kirche in Deutschland. In der Domgruft zu Fulda ruhen unter dem Altare die Gebeine dieses großen Apostels Deutschlands. Ausdrucksvoll ist das Mar- morbildwerk am Unterbau dieses Altars Die Vorderseite des Altares bedeckt eine plastische Darstellung, die jeden Beschauer tief ergreifen muß. Da ist dargestellt das Grab des Heiligen. Eine schwere Steinplatte bedeckt es. Doch siehe da: rechts und links Engel, vom Himmel herabgestiegen, heben die schwer« Deckplatte empor. Und nun erhebt sich die mächtige Gestalt des Martyrerbischoss, bekleidet mit den bischöflichen Gewändern, aus dem Grabe und schaut umher. Jeder steht: das soll den Augenblick der Auferstehung am Jüngsten Tage bezeichnen. Lebensvoll und packend.
Noch eine andere Deutung umspielt diese Stätte, dieses Bild der Auferstehung des großen Heiligen. Bonifatius, so will es ahnungsvoll die Volksseele, der hier schlummert, er steigt empor aus dem Grabe, so oft Gefahr der Vernichtung sein Werk bedroht. Das sind die Zeiten, wo feindliche Mächte sich gegen Christi Kirche in Deutschland bedrohend erheben. Zeiten von Not und Kampf und Verwirrung. Zeiten der Verführung und Spaltung. Zeiten entscheidender Wendepunkte im Werdegänge der Kirche.
Ist das nur eine bildliche Deutung, daß wir in solchen Zeiten Bonifatius dem Grabe entsteigen sehen? Nein. Es ist Wirklichkeit. Mögen feine Gebeine still im Grabesdunkel bis zum Weitende bleiben, fein Geist ersteht von neuem. Bonifatius' Geist im 16. Jahrhundert in St. Campus neu erstanden, um in der Glaubensspaltung unsere Kirche vor Untergang zu schützen. ^Bontfn’ tius' Geist lebendig in der Kirchenverfolgung des Kulturkampfes den wir mit erlebt haben.
Zeiten kommen. In denen Millionen den falschen Propheten und Irrlichtern verfallen scheinen. Dunkle Zeilen. in denen andere MlU nen ausschauen, ob nicht die Morgenröte des e Tage am Horizont erscheint.
Ist es nicht jetzt so in unseren Tagen?
Als ich bei der letzten Bischofskonferenz, St. Bonifatius' Grabe scheidend, hinblickte auf Augen des dem Grabe entsteigenden Apostels, stieg in mir die Frage auf: