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äußeren Gabe. Ein gewisses Geschick und taktvolle Haltung ist — das sei dem dritten Einwand ge­genüber zugegeben — allerdings erforderlich. So ist es beispielsweise für den, der noch in Arbeit und Beruf steht, schwer, sich in die seelische Lage eines Arbeitslosen hineinzudenken. Es besteht die Gefahr, daß er trotz besten Helfenwollens das Ehr­gefühl feines Schützlings kränkt. Aber auch hier dcrf man nicht zu ängstlich fein. Da bleibt einfach nichts anderes übrig, als in die Mietskaserne hinaufzusteigen und zu versuchen, Hilfe zu bringen. Und auch der Verbittertste unter den Verbitterten wird über einen Formfehler gern hinwegsehen, wenn er merkt, daß ein mitfühlendes Herz ihm entgegenschlägt, daß er einen Menschen vor siä hat, der ihm mit ganzer Seele wohl will.

Ein paar Beispiele mögen uns nun zeigen, wie wir helfen können.

Wohnt da im vierten Stock einer Mietskaserne die Familie A. Vier Wochen vor Weihnachten kam ein Mitglied einer Vincenzkonferenz zufällig dahin. Er fand den 79jährigen Mann krank im Bett und seine Frau, die zwei Jahre älter ist als er, und sich schwerfällig mit einem Stock bewegt, pflegt ihn. Die Wohnung war sehr in Unord­nung, was der Frau sichtlich unangenehm war. Die alte Frau mußte die ganze Arbeit selbst tun.

Und so entschlossen sich die Vinzenzbrüder, der Frau von ihrer Konferenz aus im Haushalt zu helfen. Der Frau ist es ein großes Bedürfnis, einmal reden zu können. Ihr Mann kann, seit er einen künstlichen Kehlkopf hat, kein Wort spre­chen, und man liest — besonders anfangs — nur schwer von fernem Munde ab. Hat man ihn aber verstanden, so strahlt er. — Und erst wenn gesungen wunde! Man kann der Frau A auch nicht immer abchlagen, ein „Täßchen Kaffee" zu trinken, wobei sie dann alles Mögliche erzählt. Die Frau sagte einmal, worauf es hier ankäme. — Nämlich: „Daß hier einmal ein anderer Hauch hineinkommt." — Sind zu dieser Art der Karitas etwa große materielle Mittel vonnöten?

Ein zweites Beispiel: Vor einigen Wochen am Abend nach dem preußischen Volksentscheid kam ein kleines Mädchen auf das Polizeirevier 7 am Bülowplatz in Berlin und fragte den Wachtha­benden arglos, wann der Vater zum Essen kom­men würde. Um diese Zeit lag der Vater, Poli­zeihauptmann Anlauf, von Kommunisten totae- Ichossen, auf einer Bahre am Krankenhaus. In­nerhalb von 14 Tagen hat das kleine Mädchen Mutter und Vater verloren. Es wußte allerdings bei seiner Jugend wohl noch nicht, wie furchtbar ihm das Schicksal mitgespielt hat. Aber andere wußten es: Innerhalb kurzer Zeit meldeten sie zwei Familien, die das kleine Mädchen an Kin­oesstatt annehmen wollten. — Diese Art von Ka­ritas kommt gewiß ohne Geld nicht aus; die Erziehung des Mädchens muß bezahlt werden. Aber es gehört auch eine karitative Gesinnung da­zu. Und wenn alle, die sich in ähnlicher Lage be­laden, sich auch ähnlich verhielten, stände es mit unserem Volk und besonders mit unserer Religion um vieles besser.

Drittens: Auch der Arbeitslose kann dem an­dern helfen. Mir ist eine arme, bedürftige Fa­milie bekannt, die eine alte Wohnung mit rußi­gen Wänden bewohnt. Es fehlte ihr an den Mit­teln, die Zimmer weißen zu lassen. Ein arbeits- wser Bekannter der Familie, Vater von acht Kin- oern erklärt sich, als er davon hört, sofort be- kostenlos sämtliche Zimmer herzurichten. So hNit einer dem anderen!

Nun noch ein letzter Fall: Einer armen, kinder- M Familie, von der ein Mädchen am letzten aieißen Sonntag zur hl. Kommunion ging, fehlte 5 noch kurz vor dem Festtag an den dazu nöti- N Sachen wie Kerze, Magnificat, Kleid, Schuhe. 'Ne Kellnerin hörte davon und sammelte unter Mreul Kolleginnen im Gasthaus. Innerhalb kur- B oAt war alles beisammen, was wir brauch- iÄ und noch bedeutend mehr. Die Familie er- Kim Kommuniontag neben dem Nötigsten uch Geld, Kuchen, Konserven usw. Wir sehen h™5' daß man auch ohne eigene Mittel frem- Not zu steuern vermag.

Beispiele mögen uns lehren, wie auch helfen können! Wahre Liebe ist erfinderisch, gute Wille da ist, werden wir leicht eiten zur Hilfe sehen.

-. Grundsatz aller karitativer Tätigkeit sei folgen- iL ,?us Wichtigste ist persönliche Hilfsbereit- m Damit ist durchaus nicht getan, daß man

in einem oder auch in mehreren karitativen Ver­einen seinen Mitgliedsbeitrag bezahlt und so seine Pflicht erfüllt zu haben glaubt. Ueber die per­sönliche Hilfsbereitschaft von Mensch zu Mensch geht nichts, auch nicht die Bezahlung eines noch so hohen Vereinsbeitrags. Sie ist zu üben zunächst in der Familie und der Verwandtschaft, gegenüber der Nachbarschaft und den Berufskollegen. Und jede Pfarrfamilie muß eine Liebesgemeinschaft sein, und so einen Brennpunkt katholischer Hilfs­bereitschaft bilden. Alle zur Mitarbeit berufenen und bereiten Kräfte sollen sich innerhalb der Pfarrfamilie zu gemeinsamem und wohlgeordne­tem Dienst zu^ammentun. Und wer helfen will, aber nicht weiß, wie er es anfangen soll, der gehe getrost zu seinem Pfarrer oder zu dem Karitas­verband, wo er erfährt, wie und wo er helfen kann.

»Was Ihr dem geringsten meiner Brüder tut. ♦ /

Ich war verwundet und schwer krank vom Felde zurückgekommen; in einer Industriestadt stand ich im Garnisondienst. Eines Mittags, als ich durch die lebhaften Straßen zur Offizierfpeife- anstalt meines Truppenteiles eilte, stand an einer Straßenecke ein kleines Büblein; es mochte höch­stens 5 Jahre zählen. Mir fiel es auf, — bleich die dünnen Sätflein. Kleider konnte man die Sachen nicht mehr recht nennen, die das armselige Körperchen umhüllten; die Füße ohne Schuhe, so stand das arme Kind vor mir und seine großen, müden Aeuglein schauten flehend zu mir auf. Das Bild rührte mich in tiefster Seele. Im Arme hielt das arme Kerlchen krampfhaft eine riesige Tüte, aus der gekochte Kartoffeln dufteten. Neben ihm auf dem Gehsteig stand eine große Blechkanne. — Einen Augenblick hielt ich bei ihm an, weil mir mein Gewissen befahl, dem Kind ein liebes Wort zu sagen. — Da tat das Büblein die blassen Lip­pen auf und sagte schüchtern: „Soldat, magst du mir's tragen, es is so schwer?" Ich prüfte das Gewicht der Kanne. Ja, sie war wirklich so schwer. Wie konnte das Kind sie doch bis dahin getragen, nein, geschleppt haben, diese schwachen Aermlein! Ich nahm ihm die Kartoffeltüte ab und trug auch die Kanne. Das Büblein atmete erleichtert auf. Nun marschierten wir durch die Straßen der Stadt. Arbeiter, Angestellte, Soldaten und wer sonst alles gingen eilenden Fußes zum kargen Mahl. Alle blickten verwundert das sonderliche Paar an. Wir ließen uns jedoch in der Unter­haltung nicht stören. —

Also aus einer öffentlichen Speiseanstalt hatte das Kind Suppe und Kartoffeln geholt. Daheim lag die kranke Mutter und bei ihr die alte Groß­mutter und noch kleinere Geschwister. Es war der Größte, es mußte die Suppe holen; der „Papa" ist im Krieg. Hoch oben, gleich unterm Dach, wohnten sie. Ich war über alles unterrichtet. Ja, aus allen Dachluken schaute die Not. Armes Kind! Vis zur Haustüre geleitete ich es. Es umkrampfte seine Tüte und schleppte die Kanne durch die Türe, und seine großen Augen nahmen Abschied von dem Soldaten. Am nächsten und übernächsten Tag wiederholte sich das alles wieder. Am letzten Tag gab ich ihm noth einige Geldstücke, es solle sie der kranken Mutter bringen. Fest preßte es die schwackien Fingerchen darauf. Und dann habe ich es nicht mehr gesehen, weil ich plötzlich ver­setzt wurde. Wie oft schon habe ich an das Vüb- lein denken müssen! Was mag doch aus allen ge­worden sein? Noch heute bin ich für diesen An­schauungsunterricht dankbar. F r a j o st.

Aus dsn SswoSsZAmt

Versetzung in Ruhestand. Am 1. Oktober die­ses Jahres trat Herr Professor Dr. Emil Weber vom hiesigen Wilhelmsgymnasium in den Ruhe­stand. Leider zwang ihn eine schwere Erkrankung, chon vor Erreichung der Altersgrenze den Ab- chied zu nehmen. Den größten Teil seines Le­bens verbrachte Herr Dr. Weber hier in Kassel, wo fein Vater Lehrer und Rektor an der katho­lischen Schule war. Geboren am 4. Oktober 1861 zu Burghaun, besuchte er das hiesige Wilhelms­gymnasium und studierte dann von 1890—1894 im Priesterseminar zu Fulda Philosophie und Theologie. Nach seiner Priesterweihe am 12. Au­gust 1894 war er zunächst Aushilfspriester in But­ten und dann Kaplan in Hanau und Religions­

lehrer an dem dortigen Gymnasium. Zugleich war er dort Vorsitzender des Arbeiter-Bauvereins und erwarb als solcher großen Verdienst um den Bau von Kleinwohnungen. Am 23. April 1900 kam er als Religionslehrer an den hiesigen höhe­ren Knabenschulen nach Kassel zurück und war, nachdem er die Prüfung für das höhere Lehramt abgelegt, vom 1. April 1902 bis 30. September 1931 Oberlehrer bzw. Studienrat am hiesigen Wilhelmgymnasium. Tausende katholische Schü­ler haben in diesen drei Jahrzehnten zu seinen Füßen gesessen und seinen Religionsunterricht ge­nossen. Es dürfte sich wohl kaum einer unter ihnen befinden, der ihm nicht das Zeugnis geben würde, daß sein Unterricht stets gründlich und interessant war. Und die meisten von ihnen werden ihm heute dankbar sein für die gute religiöse Ausbil­dung, die er ihnen im Leben mitgegeben hat. Wir sehen in Prof. Dr. Weber einen Mann mit rei­chen Geistesgaben und unermüdlichem Fleiße, ei­nen anregenden Lehrer mit großen Kenntnissen und einer glänzenden Rednergabe aus dem Amte scheiden. Der Dank der hiesigen katholischen Ge­meinden für fein langjähriges und aufopferndes Wirken wird ihm sicher fein. Möge fein Gesund­heitszustand sich bald wieder bessern und ihm noch ein langer, glücklicher Lebensabend beschieden fein! — Am gleichen Tage schied noch ein anderer ver­dienter katholischer Schulmann, Herr âonreftoc Kempf, gemäß den Bestimmungen des Pensions­gesetzes aus dem Amte. Herr Konrektor Kempf, geboren im Jahre 1866 zu Bermbach bei Gelnhau­sen, war zunächst Lehrer in Obernkirchen und Hersfeld und wirkte dann 33 Jahre lang an der katholischen Schule in Kassel-Wehlheiden. Auch er hat sich große Verdienste um die Erziehung der katholischen Jugend erworben, was auch bei der Abschiedsfeier zum Ausdruck kam, die Lehrkolle-, gium und Schüler ihm am letzten Tage seiner Tä­tigkeit an der Schule 17/18 bereiteten, und in den Dankschreiben der Regierung und der Stadt Kassel, die Herr Rektor Hödt ihm bei der Feier überrei­chen konnte. Regen Anteil hat Herr Konrektor Kempf auch immer an der Entwicklung der katho­lischen Gemeinde in Wehlheiden genommen und immer aufs eifrigste an ihrer Förderung mit­gearbeitet. So war er u. a. seit 1898 Organist und Chorleiter. In einem anerkennenden Hand­schreiben sagte ihm der Hochwürdigste Herr Bi­schof von Fulda Dank für seine Tätigkeit als ka­tholischer Lehrer und Organist und verlieh ihm den Titel „Kantor". Möge auch ihm noch ein lan-. ger und gesegneter Lebensabend vergönnt sein!

St. Elisabeth. Nach dem Vorbild katholischer Gemeinden in andern Städten ist es geplant, im kommenden Winter auch die hiesigen Konvertiten, besonders unserer Pfarrei, in einem eigenen Zirkel zusammenzuschließen. Es ist zunächst gedacht an die, welche in den letzten 4 bis 5 Jahren zur ka­tholischen Kirche zurückgekehrt sind; es dürfen sich aber auch solche beteiligen, deren Uebertritt schon früher erfolgte, die aber in manchen religiösen Fragen Klärung und Vertiefung suchen. Wie not­wendig ist gerade heute ein gründliches religiöses Wissen, um sich selber und andern über die Wahr­heit feines Glaubens und seiner sittlichen An­schauung Rechenschaft geben zu können! Deshalb sei der Kreis der oben Genannten hiermit herzlich eingeladen zu der erstmaligen Zusammenkunft am Sonntag, den 19. Oktober, um 4.30, und zwar im Agneshaus, Frankfurter Straße 25. Hier ist es möglich, in der Aussprache zwischen dem geistlichen Leiter und-den Teilnehmern zu einer mehr per­sönlichen Fühlungnahme zu gelangen, als dies im Gotteshause der Fall sein kann. Es darf wohl er­wartet werden, daß recht viele die dargebotene Ge­legenheit für sich auswerten.

St Elisabeth. Die deutsche Singmesse von Haas wurde am Sonntag den 4/10. im Hoch­amte zum erstenmal unter großer Teilnahme ge­sungen. Die freudige Begeisterung der Kinder, insbesondere der Knaben, übertrug sich auf die ganze Gemeinde. — Das außerordentlich präzise Einstudieren der Knaben, die die prächtige Kern­truppe für den neuen Gemeindegefang bildeten, war von Herrn Lehrer Hartung in anerkennens­werter Form übernommen worden. Die Sicher­heit der kleinen, begeisterten Sänger gab dem gesamten Gesang einen solchen Schwung, daß man die Einführung dieses Meßgesanges als „wohl­gelungen" bezeichnen kann.

Sk. Maria. Aenderung in der Got­tesdienstordnung. Mit der vorgerückten