Nus kirMe und Welt
Aus der
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Die neue Enzyklika.
In einer neuen Enzyklika appelliert der Heilige Pater an die Mithilfe, sich im Hinblick aus den bevorstehenden schweren Winter der Wohlfahrtstätigkeit besonders zu widmen. Der Papst befaßt sich, wie verlautet, mit der gegenwärtigen Wirtschaftskrise und vor allem mit dem Arbeitslosenproblem. In der Enzyklika wird in diesem Zusammenhang bemängelt, daß durch das Wettrüsten dem Volksvermögen viele Mittel entzogen werden, die besser anders verwandt werden sollten.
Papst Pius XI. fordert in der Enzyklika zu einem Feldzug der Liebe, des Erbarmens und werktätiger Hilfe angesichts der immer härter auftretenden Krise und Arbeitslosigkeit auf. Er begründet seinen dringenden Apell vor allem mit dem Hinweis, daß von der in allen Ländern ständig und in beängstigender Weise angewachsenen Arbeitslosigkeit eine grenzenlose Zahl ehrbarer und williger Arbeiter mit ihren Familien in das tiefste Elend gestürzt werden. Besonders erinnert der Papst daran, daß das zarteste Kindesalter am stärksten unter der Krise zu leiden hat. Würden diese Familien mit ihren Kindern, so heißt es in der Enzyklika, nicht vor der äußersten Armut bewahrt, so könnten sie, was Gott verhüten wolle, zur Verzweiflung getrieben werden. Werde aber der päpstliche Appell befolgt, so werde man nicht nur Hungrige speisen, sondern zugleich die Flammen des Hasses und der Leidenschaft auslöschen, das Vertrauen und die Eintracht wieder erwecken, und damit das stärkste und edelste Unterpfand des Friedens und des persönlichen und sozialen Wohlergehens wiederherstellen. Nur so wende die Rettung der Vedrängtesten über die schlimmsten Schwierigkeiten im kommenden Winter möglich.
Schließlich wiederholt Pius XI. in seinem Schreiben den bereits von seinem Vorgänger Benedikt XV. am 1. August 1917 ergangenen drin- genden Appell zur Einstellung des hemmungslosen Wettrüstens, das auf der einen Seite durch die Rivalität der Völker untereinander hervorgerufen werde, auf der anderen Seite ungeheuere Ausgaben verursache, die dem öffentlichen Wohlstände entzogen werden und damit nicht zuletzt die außerordentliche Krise der Gegenwart verursachten.
Nach dem Vorschlag des Papstes sollen die Bischöfe die Leitung in der Sammlung und Verteilung der Liebesgaben übernehmen oder sie bewährten Wohltätiakeitsinstituten überlassen.
kardinal Ehrle.
Pius XI. hat dem Kardinal Ehrle anläßlich des 70. Jahrestages feines Eintritts in die Gesellschaft Jesu seine Photographie mit eigenhändiger Widmung in einem kunstvollen Rahmen überreichen lassen Der hochverdiente deuffche Kurienkardinal tritt am 17. d. Mts. in sein 87. Lebensjahr.
vom Franziskus-Taverius-Verein.
Im April dieses Jahres konnte das Päpstliche Werk der Glaubensverbreitung die Summe von 65 088 690 italienische Lire unter sämtliche kathol. Missionsstationen der ganzen Welt verteilen; sie wurden mit großem Dank entgegengenommen, ^rotzdem reicht die bedeutende Summe nicht aus; die Bedürfnisse wachsen tagtäglich.
Arbeiten in der Vatikanstadt.
Die Arbeiten zur äußeren Gestaltung und Abgrenzung des Staates der Vatikanstadt sind jetzt Lum größten Teil beendigt oder werden dies binnen kurzem sein. Die Umfassungsmauer des päpst- uchsn. Staates zwischen dem deutschen Priesterkol- wgium des Campo Santo und den römischen Stadtmauern an der via Aurelia, ist vollständig ^gebaut und hat am Ende der via del Sant' Uino zum Abschluß und zur Zier ein fingiertes portal erhalten, das von einem Travertinbogen erragt ist. Der kleine Palast, der neben dem
früheren Kloster der Schwestern vom heiligen Karl Borromäus an der Piazza di Santa Marta errichtet wurde und als Wohnung für den jeweiligen Erzpriester von St. Peter dienen soll, wurde in diesen Tagen im Rohbau fertiggestellt. Während des Sommers wurde an der Restaurierung des alten Kirchleins San Stefano degli Abissim an der via delle Fondamente gearbeitet. In der Umgebung der alten päpstlichen Münze, der „Zec- ca", sind alle bisher dort befindlichen kleinen Häuser niedergelegt worden, und die Bauarbeiter sind gegenwärtig mit Wiederherstellungsarbeiten an dem historischen Münzturm beschäftigt. Fast vollendet ist der Bau des vatikanischen Lebensmittel' amtes, das noch in diesem Jahre seinen Betrieb >cmfnehmen soll. Die vatikanischen Bürger sollen dort alle zum täglichen Leben notwendigen Waren preiswert kaufen können. Seit Monaten wird im Elockenturm der vatikanischen Basilika an der Installation eines elektrischen Geläutes gearbeitet.
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Die Erinnerung
an den Besuch der Pariser Staatsmänner in der deutschen Reichshauptstadt ist auf beiden Seiten eine durchaus angenehme. Schon daß alles ohne jeden Zwischenfall abgelaufen ist, muß als erfreulich registriert werden. Bei der Lümmelhaftigkeit radikaler Oppositionskreise war das durchaus nicht selbstverständlich. Die Bildung des gemeinsamen deutsch-französischen Wirtschostsausschrffses wird in Paris wie in Berlin als Fortschritt gebucht. Vor allem bedeutet die persönliche Fühlungnahme der Staatsmänner beider Nationen einen wichtigen Aktivposten für die künftige Politik, wenn auch während des Besuches über Politik nicht gesprochen werden durfte. — Von feiten der Christlichen Gewerkschaften wird dem deutsch-französischen Ausschuß Herr Bernhard Otte, der Vorsitzende des Gesamtverbandes, angehören.
Brüning
hatte keine Zeit, sich von den Anstrengungen zu erholen, die der diplomatische Besuch mit sich brachte. Fast ununterbrochene Sitzungen sind tagelang nötig, um die neue große Notvero- dnung fertigzustellen, die dem Reich das Durchholten im kommenden Notwinter ermöglichen sollen. Es sind neue, schwer wiegende Maßnahmen, die getroffen werden müssen, und niemand wird sich wundern, wenn auf der einen Seite die Arbeitgeberverbände und aus der anderen Seite die Gewerkschaften an die Oeffent- lichkeit und an den Kanzler sich wenden, um darzulegen, wie nach ihrer Auffassung die Führung der Politik den wirtschaftlichen Interessen gerecht werden muß. Brüning schweigt zur Zeit noch, bis die Notverordnung fertig vorliegt, zu, der dann die Interessentenkreise Stellung nehmen müssen.
Der Reichstag
tritt am 13. Oktober zusammen, nachdem er ein halbes Jahr Ferien gehabt hat. Es ist beschämend, daß die machtgebende Vertretung des deutschen Volkes in den kritischen Monaten, die wir durchgemacht haben, ausgeschaltet bleiben mußte. Sie mußte ausgeschaltet bleiben, weil infolge der starken radikalen Flügel eine Arbeit mit dem Parlament unmöglich wâr. Nun wird natürlich von den Kommunisten, von den Nationalsozialisten und ihrem Anhängsel, den Deutschnationalen, wieder ein Sturm von Mißtrauensanträgen kommen, um Brüning und seine selbstlosen Mitarbeiter zu stürzen, desgleichen wird Sturm gelaufen werden gegen die Notverordnungen, deren Weiterbestand von der Entscheidung der Reichstagsmehrheit abhängt. Wird Brüning sich behaupten können? Wird die Mehrheit des Reichstags gegen die Aufhebung der Notverordnungen stimmen? Daß die Rechtsopposition (Nationalsozialisten und Deutschnationale) ebenso wie die Kommunisten geschlossen gegen Brüning und gegen die Notverordnungen sich entscheiden werden — unbekümmert um das, was nachher folgen würde —, unterliegt keinem Zweifel. Werden außer dem Zentrum, der Staatspartei und der Volkspartei die übrigen Gruppen der Mitte sich zu
einer klaren Entscheidung für Brüning durchringen? Selbst für den Fall, daß alle diese zu der seitherigen Führung der Politik stehen, ist die Mehrheit erst gesichert, wenn die
Sozialdemokratische Fraktion
die Angriffe auf Brüning niederstimmen hilft. Dazu ist die politische kluge Führung der Sozialdemokraten auch bereit, aber sie hat mit einer nicht unbeträchtlichen Opposition in den eigenen Reihen zu kämpfen. Diese unentwegten Radikalen, die stets nach den Kommunisten schielen, haben anscheinend noch nicht genug mit ihrem „Erfolg" der Reichstagsauflösung 1'930 und den Wahlen vom damaligen 14. September, der uns 107 Nationalsozialisten brachte. Ein nochmaliger parlamentarischer Streich von dieser Art würde Folgen nach sich ziehen, die nicht auszudenken sind; das sieht auch die Mehrheit der sog. Fraktion' ein und ist darum zu vernünftigem Entgegenkommen bereit. Einige Mitglieder der Fraktion, die gegen die Mehrheit offen revoltierten, sind unterdessen ausgeschlossen worden und haben eine neue Partei, die „sozialistische Arbeiterpartei" gegründet. Ob diese größeren Anhang gewinnen werden, ist zur Zeit nicht abzusehen. Immerhin kennt man ja die politische Urteilslosigkeit und Kurzsichtigkeit radikalisierter Massen zur Genüge, um nicht auf alles gefaßt zu sein.
Jedenfalls wird der Zusammentritt des Reichstags der Anfang sehr wichtiger und weittragender parlamentarischen Verhandlungen sein, die allerdings an Würde dadurch nicht gewinnen werden, daß nun die Nationalsozialisten ihre im Februar verlassenen Plätze wieder einnehmen wollen.
Die 12. Völkerbundsversammlung
hat nach etwas mehr als dreiwöchiger Dauer am 29. September ihre Arbeiten beendet. Zunächst wurde der Bericht des Haushaltsausschusses zur Kenntnis genommen, in dem besonders die Mehranforderungen für den Neubau des neuen Völkerbundsgebäudes scharf getadelt werden.
Nach einer kurzen, eindrucksvollen Trauerkundgebung für den verstorbenen polnischen Minister Skrinsky, der bei der Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund die Völkerbundsversammlung geleitet hat, beschäftigte sich die Versammlung mit dem in einer Nachtsitzung des Abrüstunaeausschus-
leg fertiggeffeUten Bericht über das
'»genannte
R ü st u n g s f e i e r ja h r. In einer kurzen Ansprache verteidigte Lord Cecil die der Versammlung vorgelegte Resolution.
Am Schluß der Versammlung berichtete der spanische Außenminister in seiner Eigenschaft als Präsident des Völkerbundsrates über die bisherige Behandlung des chinesisch-japanischen Konfliktes durch den Rat. Der gute Wille der beiden Regierungen und ihre Treue gegenüber den Verträgen, erklärte er, bilden die beste Garantie für den Frieden der Welt. Der Völkerbundsrat werde nach Abschluß der Arbeiten der Versammlung seine Bemühungen fortsetzen, um den beiden Regierungen durch ein für beide Länder annehmbares Verfahren zu einer befriedigenden Regelung zu verhelfen.
Diese Erklärung des Ratspräsidenten wurde von der Versammlung ohne Aussprache entgegengenom- men. Lediglich der Präsident der Versammlung sprach die Hoffnung aus, daß die auf Erhaltung des Friedens gerichtete Tätigkeit des Völkerbundsrates möglichst bald zu einem vollen Erfolg führen werde.
Um 1 Uhr schloß der Präsident der Völkerbundsversammlung, T i t u l e s c u, die 12. Versammlung mit einer längeren Ansprache, in der er darauf hinwies, daß die Versammlung im Zeichen einer allgemeinen Vertrauenskrise zusammengetreten sei und daß dieser Umstand die allgemeinen Bedingungen, unter denen die Versammlung zu arbeiten hatte, verschlechtert habe. Trotz dieser wenig günstigen psychologischen Atmosphäre habe der Völkerbund erneut seinen Lebenswillen bekundet. Zum Schluß erwähnte der Präsident noch den Besuch der französischen Minister in Berlin als ein Zeichen dafür, daß der Verständigungsgedanke weiter Fortschritte mache.